Balaton (Plattensee)

 In Ungarn

Samstag, 23. April 2016
Weiterreise zum Balaton (Plattensee)

Nach dem Frühstück bezahlte ich die Rechnung im Büro. Eva, die Platzbetreiberin war leider nicht da, also gab ich die Merci-Schokolade mit einem Gruß an Eva dem jungen Mann am Empfang. Auch er war immer mit Rat und Tat zur Seite gewesen. Die alte Frau, die für das Putzen der Sanitärräume zuständig war und uns immer zugewinkt hatte, wenn wir losmarschierten, bekam auch einen Schokolade-Abschiedsgruß von uns – und ich als Dank eine Umarmung und Küsschen!

Unser englischer Nachbar Frank sah uns packen, schlenderte heran und machte UNS nun wieder ein Geschenk: die beiden Solar-Leuchten…! Weil wir ihn doch mit so vielen Tipps versorgt hatten … Einfach nur nett!

Dann erschien das Mädchen von der Rezeption auf der Bildfläche: sie brachte uns eine Flasche Tokaj Wein mit lieben Grüßen von Eva. Jetzt fehlte eigentlich nur noch die weiße Katze, die uns als Dank für die gute Versorgung eine tote Maus auf den Teppich legte! Katzen tun sowas ja gern…

Sie kam auch tatsächlich, aber ohne Maus. Gerade am letzten Tag war sie so anhänglich! Sie wird neue Freunde finden, das ist sicher! Unser Berliner Nachbar, mit dem wir vor unserer Abfahrt ein paar Worte wechselten, hatte die ganze Zeit gedacht, es wäre unsere Katze gewesen … Ja klar, und die dann frei herumlaufen lassen … Das geht ja wohl gar nicht!

Frederick kümmerte dann sich um Ver- und Entsorgung des Mobils, alles war verstaut und wir winkten zum Abschied. Ist ja nur ein Jahr, dann sind wir sicherlich wieder hier!

Einmal mehr entschieden wir uns gegen die Autobahn, weil wir etwas mehr von Land und Leuten sehen wollten. Wir fuhren auf der von unserem Berliner Nachbarn empfohlenen Straße 7 nach Heviz, das als Empfehlung ebenso von ihm genannt worden war, wegen Thermalbad und so. Die in dieser Gegend deutschen Wohnmobil-Reisenden scheinen alle ganz wild auf die Thermalbäder zu sein. Mit wem wir auch immer  unterwegs ins Gespräch kamen, stets wurden die Bäder als Ziel benannt. Das Wetter war gut und wir reisten durch schöne Landstriche, wo der Raps schon in voller Blüte stand.

Riesige Rapsfelder auf der Fahrt zum Plattensee

Riesige Rapsfelder auf der Fahrt zum Plattensee

Einfahrt zum Campingplatz Rosengarten

Einfahrt zum Campingplatz Rosengarten

Ein wirklich schöner Stellplatz

Ein wirklich schöner Stellplatz

Campingplatz Rosengarten

Campingplatz Rosengarten

Riesige Kornfelder, viele Weinanbaugebiete, mehr oder weniger gut in Schuss gehaltene Dörfer erinnerten uns ein wenig an unsere Reisen durch Polen, bis auf den Wein. Hier haben wir schon einige Male ungarische Weine probiert und fanden sie sehr gut. In den Märkten gibt es eine große Auswahl von Rosé-Weinen, der offenbar sehr beliebt ist. Zum Glück sind es nicht nur süße, sondern es sind auch tolle trockene Weine darunter, die wir lieber mögen.

Ohne besondere Vorkommnisse (die Straßen waren überwiegend gut) und Pause erreichten wir nach 3 1/2 Stunden gegen 17 Uhr unseren Stellplatz am Ortsrand von Heviz. Peter Hejja, der Besitzer,  nahm uns in Empfang und wies uns ein. Ein niedlicher lauschiger Platz, auf dem es familiär mit den anderen Reisenden zugeht, wenn man das dann möchte. Hinunter in den kleinen Ort (ca. 4400 Einwohner) waren es zu Fuß wohl 20 Minuten. Da ein Wetterumschwung (Kaltwetterfront, Regen und Sturm) für Sonntag angekündigt war, nutzten wir die Gelegenheit lieber sofort, um uns im Städtchen umzusehen. Unser Eindruck: eine typische Kur-Stadt! Vom Plattensee nichts zu sehen, da Heviz etwa 5 Kilometer entfernt nordwestlich von Kesthely, der Hauptstadt am Balaton, liegt. Heviz ist berühmt für seinen Thermal- und Heilsee. Er ist mit seiner riesigen Fläche von 4,4 ja der größte natürliche und biologisch aktive Thermalsee der Welt. Wie man nachlesen kann, kommt das Wasser aus einem Krater in 38 Metern Tiefe. Innerhalb von nur 48 Stunden tauscht es sich komplett aus, da die Quelle mit 410 Litern pro Sekunde fließt! Die Temperaturen des Sees liegen zwischen 33 bis 36 Grad, im Winter „kühlt“ es sich auf ca. 24 Grad herunter. Der Badebetrieb läuft also ganzjährig.

Blumenpracht im Zentrum von Heviz

Blumenpracht im Zentrum von Heviz

Blumenpracht im Zentrum

Blumenpracht im Zentrum

Das Bad war unser erstes Ziel, ein hübsch verspielter Holzbau als Eingang. Je näher wir kamen,desto stärker roch es nach Schwefel, wie beim Teufel persönlich! Schwefel, das ist nur eines der Bestandteile des Wassers. Außerdem ist noch Magnesium, Kalzium, Hydrogenkarbonat, Kohlendioxid drin und über leicht radioaktive Eigenschaften soll es auch verfügen … Und das alles soll gesund sein? 900.000 Besucher im Jahr können nicht irren! Da wir in der Vorsaison hier sind, ist nicht so viel los. Wir wunderten uns über die Leute, die mit „Schwimm-Nudeln“ (das sind diese langen Styropor-Würste) bewaffnet, durch den Ort liefen, offenbar alle Heilsee-Besucher. Der See ist nämlich 2,38 m tief, also sich besser mit Schwimmhilfe hinein trauen, da man in Thermalbädern (schwere Glieder!) kaum in der Lage ist, zügig zu schwimmen. Die Empfehlung lautet, dass man sich nur 10 Minuten, dann Pause, dann nochmal ins Wasser etc. aufhalten soll, weil die Therme etwas im Körper bewirkt, Müdigkeit z.B. Für Rheumapatienten und gegen Hauterkrankungen ja, Herz-/Kreislauferkrankte -hm -, hier besser den Arzt fragen!

Thermalsee Tofürdö in Heviz

Thermalsee Tofürdö in Heviz (fürdö heißt „Bad“)

Es ist also alles eine Wissenschaft für sich.

Uns war nach Kaffee und Kuchen, das Angebot an Cafés und Restaurants ist groß, also offenbar morgens Heilsee und den Nachmittag …aber bitte mit Sahne verbringen. Wir entschieden uns für das Café mit Aussenplätzen, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Bei der Auslage der vielen Kuchen, unter anderem der Kardinal-Schnitte (Foto folgt), die Freundin Traute so hervorragend backen kann, fiel die Entscheidung nicht leicht. Frederick landete ohne Reue bei der üblichen Creme-Schnitte und ich beim grünen  Marzipankuchen, lecker!

Wir spazierten zurück durch den Ort. Wie gesagt, typisch Kur-Städtchen, viele „Oldies“, Grauköpfe, die Rentner-Gang (so wie wir), Läden für Badebekleidung zuhauf, Boutiquen, Souvenirs, Geschenkartikel, Lotto- und Zeitschriften-(deutsche!) Shops, Geschäfte für feine Weine und Spirituosen, Schuhgeschäfte mit „Komfort-Schuh“-Angebot, Rundum-Versorgung für die reifere Generation also.

Wir marschierten zurück zum Campingplatz. Auf das Abendessen verzichteten wir dann besser mal nach der Kuchenschlacht. Die Nacht war unruhig, starker Wind war aufgekommen, der sich zu einem handfesten Sturm mauserte. Es rüttelte am Wohnmobil und schließlich prasselte es nur so aufs Autodach, das versprochene Unwetter hatte uns erreicht. Das wird eine unruhige Nacht.

Sonntag, 24. April 2016
Mistwetter

Was gibt es Schöneres, als den Morgen mit frischen Brötchen zum Frühstück zu beginnen? Diesen Service hatten wir am Vorabend bei Peter gebucht. Außerdem gab es Landeier von glücklichen ungarischen Hühnern zu kaufen. Und Wein vom Winzer, abgefüllt in 1 1/2 Liter-Plastikflaschen, und verschiedene Marmeladen.

An Peters Sanitär-Bereich gibt es nichts zu meckern, es ist picobello sauber, allerdings etwas in die Jahre gekommen, ebenso wie die kleine Küchenzeile im Vorraum, wo wir abwaschen können. Es gibt auch eine Waschmaschine und eine Trockenschleuder, haufenweise (deutsche) Bücher auf einem Regal und diverse deutsche Magazine liegen aus. Dem Empfangsraum auf dem Grundstück vorgelagert ist eine Terrasse, auf der sich bei gutem Wetter die Gäste zum Klönen treffen können. Peter spricht übrigens perfekt deutsch.

Der Sturm hatte sich auch heute Morgen noch nicht gelegt, der Regen aber gegen 10 Uhr aufgehört. Wir machten es uns gemütlich und vertrieben uns die Zeit mit Lesen, Bericht schreiben und Frederick’s Lieblingsbeschäftigung: Fotobearbeitung! Erst am Nachmittag steckten wir die Nase zur Tür hinaus und beschlossen einen Spaziergang die Straße hinauf hinter Peters Grundstück. Es ist alles sehr dörflich und deswegen schön ruhig. Rechts und links des Weges kamen wir an Häusern mit Verkaufsschild vorbei, in deutscher, ungarischer und russischer Sprache. Das war uns überhaupt auch aufgefallen: wir hatten im Ort viele Autos mit russischem Kennzeichen gesehen. Bestimmt suchten die Russen hier auch Heilung und Linderung von Beschwerden. Einige der Häuser benötigten wirklich bald einmal Pflege und Renovierung. Es ist bestimmt ein Zeichen von Abwanderung der Jugend, die hier nicht mehr wohnen will und ein Leben in den größeren Städten vorzieht, Budapest zum Beispiel ist ja nur 180 km entfernt und dort gibt es ja auch Arbeit.

Lange hielten wir es draußen nicht aus, da es immer noch sehr stürmisch und kalt war. Welch ein Unterschied zu den vergangenen Tagen in Budapest. Zurück am Platz, trafen wir den einen und den anderen Nachbarn, durchweg Deutsche. Im Gespräch stellte sich tatsächlich heraus, dass die Heilquelle der Grund war, um Urlaub in Héviz zu verbringen. Manche kommen schon seit Jahren hierher.

Wir verbummelten den Rest des Tages mit Lesen und Fernsehen und hofften auf Kaiser-Wetter für Fredericks Geburtstag morgen.

Montag, 25. April 2016
Fredericks Geburtstag!

… und das mit dem bestellten Kaiser-Wetter hatte auch geklappt! Peter hatte uns wieder mit Brötchen versorgt und wir ließen den Tag – mit vielen netten Anrufen und Internet-Nachrichten für das Geburtstagskind ruhig angehen. Sein Geburtstagsgeschenk trat Frederick mit Füßen: er hatte sich in einem der vielen Schuh-Läden ein Paar bequeme Treter ausgesucht, Marke „orthopädisch wertvoll“. Die sollten natürlich sofort ausprobiert werden. Wir hatten uns für die Besichtigung der Stadt Keszhtely im Westen des Balatons entschieden, etwa 5 km von uns entfernt. Dafür wanderten wir nach Héviz und nahmen von dort den Bus nach Keszthely. Schließlich wollten wir endlich DEN Balaton, auf deutsch: Plattensee, kennenlernen. Er ist das beliebteste Urlaubsgebiet Ungarns. Kein Wunder, verfügt die Gegend doch über diverse Naturschutzgebiete, historische Denkmäler, viele Thermalquellen, interessante Wasser- und Vogelwelt und das angenehme Wasser des Balatons. An seiner tiefsten Stelle misst er ca. 14 m, ansonsten nur um die 2 m. Deshalb erwärmt sich der See natürlich sehr schnell im Sommer und macht das Baden angenehm.

Anne vor dem Freibad am Balaton in Keszthely

Anne vor dem Freibad am Balaton in Keszthely

Frederick am Plattensee

Frederick am Plattensee

Keszthely (übrigens wird „ly“ im Ungarischen wie „j“ gesprochen, wie uns die Dame im Touristen-Büro verriet) hat ca. 20.000 Einwohner. Zu seiner wichtigsten Sehenswürdigkeit gehört das im 18. Jahrhundert errichtete Barockschloss der Familie des Grafen György Festetics. Dorthin wollten wir, als wir nach der kurzen Busfahrt (auch hier wieder kostenlos für die über 65-Jährigen) an einer Haltestelle in der Stadt ausstiegen. Es schien uns hier sehr ruhig zuzugehen, vielleicht lag es am Montag? Der erste Eindruck war gut, ein restaurierter gepflasterter Kirchplatz mit der großen 1386 erbauten Pfarrkirche.

Anne mit Graf Georg Festetics

Anne mit Graf Georg Festetics

Pfarrkirche in Keszthely

Pfarrkirche in Keszthely

Die von großen Bäumen gesäumte Fußgängerzone schloss sich an, sicher perfekt für die heißen Sommer in Ungarn. Mehr oder weniger schön restaurierte Geschäftshäuser, Cafés, viele Restaurants, an denen wir vorbei kamen. Oder besser gesagt: nicht vorbei. Frühstück war ja schon wieder so lange her, also kleiner Einkehrschwung mit Geburtstags-Kaffee und Kuchen. Weiter ging’s danach zum nahe-gelegenen Schloss mit seinem schönen Park. Hier waren die Arbeiter am Wuseln, um alles für die bevorstehende Saison (wohl eher ab Mai) herzurichten. Die Blumenrabatten und das prunkvolle Schloss boten einen wunderschönen, gepflegten Anblick.

Rathaus und Rathausplatz

Rathaus und Rathausplatz

Schloss Keszthely

Schloss Keszthely

Auf eine Besichtigung des Schlosses verzichteten wir, da wir uns mehr von einer Wanderung auf der Promenade am Balaton versprachen. Vom Stadtzentrum bis zum See ist es dann etwa doch noch 1 km, durch einen alte Parkanlage hindurch über die Bahngleise. Nun wussten wir wenigstens gleich, wo sich der Bahnhof befand. Vor uns lag der See, in einer eigentümlichen Farbe schimmernd: jade! Vielleicht liegt es daran, dass er so flach ist und einen sandigen Untergrund hat. Auf jeden Fall ist der Balaton beeindruckend in seiner Größe und Schönheit! Die Promenade war mit ihren Grünanlagen und Badestellen an dieser Stelle sehr schön und wohl relativ neu angelegt.

Hier konnte man toll wandern und schauen, „auf’s  Meer“ hinaus! Von großen Besucherströmen fehlte jede Spur, Vorsaison eben! Aber wir konnten uns bei der Anzahl der Restaurants, Cafés, Eisbuden lebhaft vorstellen, was wohl im Sommer hier los ist. Wir leisteten uns ein Geburtstagseis und ließen uns treiben. Der Sturm der Nacht/des Tages zuvor war sicherlich über den großen See getobt. Wir sahen so einiges davon, Reet lag weit auf die Wiesen am Ufer hinauf gespült, es hatte auch den einen oder anderen Fisch erwischt: … Sind die Fische im Wasser, und selten an Land! Hier lagen sie nun, an Land geschleudert – bestimmt mit den großen Wellen ans Ufer geworfen.

Es wurde Zeit für die Rückkehr. Das öffentliche Transportsystem ist gut ausgebaut, so gibt es viele Haltestellen und zack – kam doch sehr schnell wieder der Bus nach Héviz. Lange Wartezeiten haben wir bisher nie gehabt, das ist sehr angenehm. Nach ein paar Minuten stiegen wir am Busbahnhof aus. Im Nachhinein hatten wir festgestellt, dass nicht weit von unserem Stellplatz entfernt eine Haltestelle ist, viel näher dran als ganz in den Ort zu laufen. Im Grunde kann man auch ohne Mühe die 4 km nach Keszthely wandern, allerdings überwiegend an der Straße entlang, das ist dann nicht so schön.

Für das Abendessen suchten wir uns ein nettes Restaurant aus, das Gyöngyvirág Etterem (Etterem ist das ungarische Wort für Restaurant) im Zentrum von Héviz. Das bestellte „Touristen-Menü“ umfasste Vorspeise/Hauptgericht/Nachspeise und insgesamt 2 Gläser Wein (ist ja Geburtstag) und kostete 7,25 € pro Person inklusive Trinkgeld! Die Portionen waren überschaubar, eher nicht Marke „dick und dusselig“, gerade recht in unserem Sinne und es schmeckte alles hervorragend. Ein schöner Tag ging zu Ende.

Dienstag, 26. April 2016
Ausflug nach Fonyód am Balaton

Wir hatten herausgefunden, dass man vom Bahnhof in Keszthely auch gut in andere Ortschaften am Balaton reisen konnte. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg, zunächst zur, unserem Stellplatz viel näher gelegenen Bushaltestelle. So mussten wir nicht erst durch ganz Hévíz laufen. Übrigens wurde der Bahnhof in Keszthely, an dem auch der Busterminal liegt gerade komplett mit europäischen Geldern restauriert und modernisiert.

In Keszthely bestiegen wir einen alten und klapprigen Triebwagen und fuhren nach Balatonszentgyörgy (Balaton St. Georgen, eine Gemeinde mit etwa 1.500 Einwohnern). St. Georgen, wo wir umsteigen mussten überraschte uns mit einem sehr großen und schön restaurierten Bahnhofsgebäude, das aber leider nicht zugänglich war, geschlossen! Was das sollte, verstanden wir überhaupt nicht. Rund um den Bahnhof herum gab es nichts Interessantes, es war wie im Wilden Westen, in the middle of no where… Da wir noch Zeit hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung Zivilisation, über die Bahnschienen an ein paar verkommenen Häusern vorbei, die aber traumhafte verwunschene Gärten hatten. Wie schade, dass hier nichts los war. Wir stellten uns vor, dass es für junge Familien mit Kindern toll sein könnte, in so einem restaurierten Haus zu leben. Engländer hätten daraus gleich „a project“ gemacht. Je weiter wir liefen, desto netter und gepflegter wurden die Häuser dann doch noch. Ein sehr schönes Restaurant tauchte vor uns auf, Kaffeepause um die Mittagszeit. Deshalb war viel los, man konnte das tolle Wetter im Außenbereich genießen. Also hatte uns der Ort doch noch seine kleinen Geheimnisse offenbart, merkwürdigerweise war es nur um den Bahnhof herum so schäbig. Erst beim Nachlesen im Nachhinein erfuhren wir, dass es ein Museum im ehemaligen Jagdschloss (erbaut um 1820) der Familie Festetics gibt.

Voellig ueberdimensioniertes Bahnhofsgebäude in Balatonszentgyoergy

Völlig ueberdimensioniertes Bahnhofsgebäude in Balatonszentgyoergy

Das einzige Restaurant am Ort - spotbillig

Das einzige Restaurant am Ort – spotbillig

Nun mussten wir uns schon beeilen, um den Zug nach Fonyód (ca. 4800 Einwohner) zu bekommen. Die erste Zwischenstation war Mariafürdö, ein Ort mit hübschen Ferienhäusern, wie wir im Vorbeifahren sahen. Fonyóds modernisierter Bahnhof mit bunt bemalter Unterführung ins Zentrum beeindruckte uns. Wir wollten eine Kleinigkeit zum Mittag essen und suchten uns ein Restaurant mit Außenplätzen aus.  Die freundliche Bedienung sprach deutsch und unser ausgewähltes Menü schmeckte hervorragend. Danach ging es auf Erkundungstour. Fonyód liegt am Südufer des Balatons und gilt unter anderem von seiner Lage her als einer der schönsten Orte.

Eigenwillige Architektur in Fonyod

Eigenwillige Architektur in Fonyód

Schönes Wetter für unser Mittagessen im Freien

Schönes Wetter für unser Mittagessen im Freien

Natürlich zog es uns dann an den See. Der Blick über den riesigen Balaton und die von hier aus zu beobachtenden Sonnenuntergänge gelten als unvergleichlich! Gepflegte Strände (zumeist Rasenflächen) säumen das Ufer. Die Mole am Hafen ist 460 m lang, von hier aus legen Ausflugsschiffe ab. Kleine Geschäfte, Eisdielen, Bars und Restaurants, Freibäder sind für die Sommergäste da. Noch war allerdings überhaupt nichts los. Die Saison startet wohl erst so richtig ab Mitte Mai. Wir kauften uns ein Eis und genossen beides, also auch die von hohen Bergen eingerahmte Landschaft.

Segelhafen Fonyod

Segelhafen Fonyod

Freilichtbühne nur wenige Meter vom See entfernt

Freilichtbühne nur wenige Meter vom See entfernt

Lustiger Abfluss einer Dachrinne

Lustiger Abfluss einer Dachrinne

Zugabfertiger-Urgestein in Fonyód

Zugabfertiger-Urgestein in Fonyód

Auf dem Rückweg zum Bahnhof kauften wir im Coop ein (der Rossmann-Laden nebenan war leergeräumt, vielleicht rentiert sich das Saisongeschäft nicht) und gingen hinüber zum Bahnsteig. Dort fiel uns dann der Zugabfertiger auf. Ein richtiges Urgestein. Kurz darauf lief der Zug nach Keszthely ein und wir traten den Heimweg an. Ein Schaffner kontrollierte alle Reisenden und gab uns zu verstehen, dass Ausweis zeigen nicht reichte, dieses Mal! Wie peinlich! Wir mussten einen Schnellzug-Zuschlag bezahlen, etwa 3€ für uns beide zusammen. Ein Glück, dass man das so ohne Probleme nachlösen kann, ohne Strafe zu zahlen. Für Fremde ist es aufgrund der Sprachschwierigkeiten sehr schwer zu erkennen, wo und wann zubezahlt werden muss. In Keszthely nahmen wir dann wieder den Bus, es ist ja nur die 4 km kurze Strecke bis zur Haltestelle in Hévíz, das letzte Stück ging es zu Fuß, schwer beladen mit den Einkaufstüten zum Stellplatz.

Mittwoch, 27. April 2016
Hévíz

Der Himmel bewölkt, also endlich mal wieder Zeit zum Aufarbeiten! Das war auch nötig, wenn man so viele Eindrücke und Erlebnisse festhalten will. Direkt nach dem Frühstück legten wir los, von Kaffeepausen unterbrochen bis die Beine sich meldeten: Füße vertreten!

Wir wollten noch ein paar Mitbringsel besorgen und gingen daher am Nachmittag in die Stadt. So langsam erwärmten wir uns für diesen kleinen Kurort und kannten uns immer besser aus. Zurück am Wohnmobil trafen wir auf einige der anderen Camper und kamen ins Gespräch. Die meisten blieben etwa 14 Tage im Ort und nutzten täglich das Bad draußen im Heilsee oder in der Therme.

Wir kochten unser Abendessen und verbrachten einen gemütlichen Abend. Um seine Finger nicht einrosten zu lassen, spielt Frederick wie zu Hause auf der Gitarre, bisher nur im Wohnmobil, die Gelegenheit für Lagerfeuer-Romantik hat sich noch nicht ergeben.

Donnerstag, 28. April 2016
Hévíz

Morgens war das Wetter eher durchwachsen, aber wir hatten immer noch genug zu tun mit dem Berichte schreiben, Fotos bearbeiten und natürlich unserem späten Frühstück. Sportlich betätigen wollten wir uns aber auch noch, so spazierten wir gegen Mittag in die Stadt. Heviz hatten wir schließlich noch nicht ganz erkundet. Wir drehten eine große Runde im Ort und sahen noch einige recht schöne Wohngegenden mit Pensionen, kleinen Hotels und Geschäften, nicht ganz so viel Trubel wie im Zentrum. Ein junges Mädchen kam auf uns zu und überreichte uns den Werbezettel einer Friseurin: Haare schneiden, Maniküre, Pediküre und Spezialbehandlung für wehe Füße. Pediküre hatten wir ja gerade hinter uns gebracht, Frederick bräuchte aber eine kleine Behandlung für wehe Füße.

Wir suchten die Adresse des Ladens, fanden ihn schnell und die Chefin bot uns auf Deutsch zwei Termine an: sofort loslegen. Für uns war das in Ordnung, da wir nichts weiter vorhatten. Der Frisiersalon war winzig klein, aber sehr originell im Western Style eingerichtet. Schnipp – Schnipp – der Angestellten ging es schnell von der Hand, und meine Haare waren ruckzuck ein paar Zentimeter kürzer und somit pflegeleichter, ein super neuer Haarschnitt! Frederick’s Füße brauchten etwas länger. Die Schüssel mit dem heißen Wasser war einem Elektrogerät angeschlossen, also einen Herzschrittmacher durfte man bei dieser Behandlung nicht haben! Danach war auch vorher gefragt worden. Das ganze war eine ungefähr 25 Minuten dauernde Elektrolytbehandlung. Angeblich soll es helfen, den Körper zu entgiften. Wirklich komisch war, dass das abgekochte Wasser sich stark rötlich bis bräunlich verfärbte. Anhand einer Liste konnten wir nachlesen, auf welche Krankheiten dies eventuell hindeuten kann. Nach so einem Fußbad ging es Frederick’s Füssen jedenfalls deutlich besser.

Als es ans Bezahlen ging, staunten wir über den geringen Preis für beides: zusammen gerade 14 €! Obendrein schenkte sie uns zwei Gutscheine für das Baden im Heilsee! Wir wollten da eigentlich gar nicht mehr hin, weil wir – besonders ich – schlechte Erinnerungen an ein Thermalbad bei 39 Grad in Pamukkale in der Türkei hatten. Da hatte mein Kreislauf verrückt gespielt. Nun fühlten wir uns gezwungen, das uns aufgedrängte „Kurbad“  doch noch mal auszuprobieren. Dazu mussten wir zurück zum Stellplatz und unsere Schwimmsachen holen.

Jetzt mussten wir uns schon richtig beeilen, da das Bad um 18 Uhr schließt. In der Vorhalle des Schwimmbades roch es bereits stark nach Schwefel. Gegen 17 Uhr wuselten noch so viele Leute umher, in den Umkleiden ebenso, heiß und verschwitzt war es dort und die Einrichtung nicht mehr ganz neu. Am Eingang hatte ich auf die Wassertemperatur-Anzeige geschaut: nur 26 Grad! Na, das sollte für meinen Kreislauf kein Problem sein. Der kurze Weg in Badebekleidung draußen – brrr – kalt! Frederick sprang zuerst in die Fluten, mutig wie immer! Ich fand es dann auch ganz toll, in „Heilwasser“ zu baden, das diverse Mineralstoffe und anderes Gutes enthalten sollte. Bei der niedrigen Temperatur konnten wir auch schwimmen, was bei 39 Grad kaum möglich ist, und die Schwimmnudel bräuchten wir auch nicht. Eine gute halbe Stunde blieb uns, wir waren ziemlich die letzten Badenden dort an dem Abend. Schön war’s!

Thermalsee Tofürdö in Heviz

Thermalsee Tofürdö in Heviz

Viele Fressstände auf dem Straßenfest

Viele Fressstände auf dem Straßenfest

Werbung fuer Ballonfahrten

Werbung für Ballonfahrten

1 Pilot und 18 Passagiere

1 Pilot und 18 Passagiere

Im Park in der Nähe des Thermalbads war richtig was los, ein Kunsthandwerkermarkt war aufgebaut. Ein Ungar saß in einer Ballon-Gondel und bot  Ballonfahrten an. Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm. Der Korb des Ballons, der für die Rundfahrten benutzt wird, kann bis zu 18 Passagiere plus Pilot aufnehmen. Eine einstündige Fahrt kostet 180 Euro, Abholung und Rücktransport inklusive. Vielleicht leisten wir uns das beim nächsten Besuch in Ungarn. Einige Weinstände boten Verkostungen an, das wir ausnutzen, um lokale Weine zu probieren. So richtig gefiel uns dabei aber keiner der angebotenen Tropfen. Auf anderen Ständen wurde leckeres zum Essen angeboten, aber es war uns etwas zu kühl, um draußen zu sitzen. Stattdessen gingen wir an unserem letzten Abend in Hévíz in das kleine Restaurant, in dem wir an Fredericks Geburtstag schon einmal „gut und günstig“ gegessen hatten. Frederick bestellte das lang ersehnte Szegediner Gulasch, ich hatte etwas Vegetarisches. Es schmeckte uns beiden wieder toll. Kochen können die Ungarn wirklich!

Im Wohnmobil bereiteten wir unsere Abreise für den nächsten Tag vor und gönnten uns noch ein Glas Wein. Vor dem Schlafengehen klampfte Frederick noch eine Weile auf der Gitarre. Schön, bei solcher Musik in den Schlaf gewiegt zu werden.

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Showing 2 comments
  • Karl-Heinz & Linda
    Antworten

    Wir (damals Sonja & Karl-Heinz) haben schon Anfang der 70 – ger Jahre den ganzen Plattensee von Siofok aus genossen; damals als Student ohne Wohnwagen und Auto, sondern mit Touropa in Siofok. Von dort waren wir viel mit der Eisenbahn unterwegs, nach Szekesfehewar, Budapest, usw. Besonders die Halbinsel Tihany, und Begegnungen mit Menschen aus dem damals „anderem D = DDR zählten zu den Höhepunkten. Wie bescheiden war man da noch.
    Doch wenn man etwas älter geworden ist, ist sind die heutigen Reisemöglichkeiten und Annehmlichkeiten nicht zu verachten. Wer viel auch heute noch reist, lebt nicht nur von den Erinnerungen, sondern kann auch jetzt immer noch viel erleben, frei nach “ wer rastet der rostet“ Euch gute Weiterfahrt (mit sanierter „Essstube in Budapest?) und Berichterstattung,
    wünschen
    Karl-Heinz & Linda.

    • Ozzie
      Antworten

      Danke für den Kommentar, Karl-Heinz. Zur Zeit sind wir in Prag und genießen die Stadt bei mittlerweile schönstem Wetter.

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