Szeged

 In 2016, Ungarn

Donnerstag, 21. April 2016
Ausflug nach Szeged mit der Bahn

Oh Gott, der Wecker klingelte um 7.15 Uhr, das ist nachtschlafende Zeit für Rentner und Wohnmobil-Reisende! Das sind alles Spätaufsteher, wie man gut auf einem Campingplatz beobachten kann! Auf das Frühstück verzichteten wir, das konnten wir auf dem West-Bahnhof kaufen und während der 2 1/2 stündigen Zugfahrt nach dem 175 km entfernten Szeged verzehren.

Das übliche: die paar Schritte zum Bus, umsteigen in die Metro M2 (Deak Ferenc), umsteigen in die M3 und schon waren wir dort. Wir hatten noch genug Zeit bis zur Abfahrt des Zuges um 8.53 Uhr und schauten noch mal schnell in das MacDonalds Restaurant hinein. Man hatte dieser Fast-Food-Kette als Investor den Flügel des ehemaligen Bahnhof-Restaurants überlassen. Die Stadt hatte kein Geld für die Restaurierung, hatte jedoch MacDonalds Auflagen erteilt. Nun sieht es wunderschön wiederhergestellt aus und erstrahlt in seiner barocken Großzügigkeit in alter Pracht.

Außenfassade des Westbahnhofs

Außenfassade des Westbahnhofs

MacDonaldsam Westbahnhof im Barockstil

MacDonalds am Westbahnhof im Barockstil

Unser Frühstück kauften wir hier allerdings nicht, sondern von einem der kleineren Stände im Bahnhofsgebäude, Take away-coffee und Baguette/Croissant. Unser Zug, ein IC, neu und modern, stand schon da, wir stiegen ein mit unseren Kaffeebechern und den Frühstückstüten und suchten uns einen schönen Platz mit Tisch.

Unter den zusteigenden Fahrgästen war eine Frau mit drei Kindern, die sich sehr für unseren Platz interessierten. Sie sprach uns an, halb ungarisch, halb englisch und verwies auf ihre Tickets. Offenbar hatten sie reservierte Plätze. Es waren aber keine Reservierungsnummern an den Plätzen (so wie man das von Deutschland her kennt). Zwar gab es diese Taschen, in das entsprechende Reservierungsschilder eingelegt werden können, die waren aber leer. Wir entschuldigten uns und suchten uns neue Sitzplätze. Auch hier dauerte es nur wenige Minuten bis eine Frau uns auf ihr Ticket hinwies. Leider verstanden wir sie nicht, sie gab achselzuckend auf und setzte sich woanders hin.

Mittlerweile stand die Schaffnerin vor uns und verlangte nach den Ausweisen bzw. Tickets. Selbstbewusst zeigten wir wieder mal unsere Geburtsdaten (Alter: 66 und 71) vor, aber damit war sie nicht zufrieden und redete auf Ungarisch auf uns ein. Gott sei Dank kam uns ein Herr zur Hilfe, der sehr gutes Englisch sprach. Er erklärte uns, dass wir für die Fahrt mit dem IC zuzahlen müssten. Unser Verhalten war aber nicht strafbar, wir könnten bei der Schaffnerin für einen geringen Betrag nachlösen. Das taten wir natürlich gleich, bezahlten etwa 7 Euros für uns beide und damit waren auch unsere Sitzplätze gesichert. Löst man die Fahrkarten bereits im Bahnhof am Schalter, reduziert sich der Preis auf vier Euro, ist also billiger – und man hat gleichzeitig den Sitzplatz, dessen Nummer ausgedruckt wird, sicher – wenn man es denn vorher gewusst hätte… Für uns war diese Fahrt immer noch billig genug. Unser Übersetzer berichtete, dass es die Regelung, im Zug Fahrkarten ohne Strafe nachlösen zu können, auch noch nicht so lange gäbe. „Schwarz-Fahren“ gibt es also gar nicht mehr. Das finden wir gut!

Während der Zugfahrt unterhielten wir uns noch ein wenig mit unserem Mitfahrer. Wir bewunderten seine Englisch-Kenntnisse und seine perfekte Aussprache und deuteten an, dass Ungarisch das doch sehr schwer zu erlernen sei. Er meinte, eigentlich nicht, er hätte es in drei Jahren geschafft. Später stellte sich heraus, dass er als Übersetzer arbeitet, aber noch nie in England war! Da muss er aber gute Lehrer gehabt haben und auch besonders ehrgeizig gewesen sein! Auf meine Frage mit der Begabung „in 3 Jahren ungarisch lernen“ lachte der Spaßvogel und sagte, er sei schließlich Ungar und habe es ja in den ersten drei Jahren seiner Kindheit gelernt…. Ich hatte ja auf „Engländer, der jetzt in Ungarn arbeitet“, getippt. Die weitere Reisezeit im Zug vertrieben wir uns mit frühstücken und lesen. Endlich angekommen, besorgten wir uns als erstes IC-Zuschäge für die Rückfahrt. Man muss sich dabei auf einen Zug festlegen, wegen der fest vergebenen Sitzplätze. Wir entschieden uns für den Zug um 18.45 Uhr.

Der riesige Kronleuchter in der Bahnhofshalle

Der riesige Kronleuchter in der Bahnhofshalle

Das Heldentor zur Innenstadt

Das Heldentor zur Innenstadt

Szeged ist mit seinen ca. 170.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt und liegt in Südungarn, an dem Fluss Tisze (Theiss). Da die Stadt als sonnenreichste Ungarns gilt, trägt sie den Beinamen „Stadt des Sonnenscheins“. Die Grenzen zu Serbien und Rumänien sind nicht weit. Auch hier spielten die Römer wieder eine Rolle, sie haben die Stadt gegründet! Auf Wasser- und Landwegen wurden damals Salz, Gold und Holz befördert. Hauptsächlich die Salzproduktion machte Szeged im 13. Jahrhundert zu einem wichtigen Handelszentrum. Heute ist die Stadt Zentrum für Wirtschaft, Kultur und Wissen mit seinen Universitäten und Hochschulen.

Universität Szeged, Faculty of Science

Universität Szeged, Faculty of Science

Löwen mit Flügeln auf dem Klauzalplatz

Löwen mit Flügeln auf dem Klauzalplatz

 

Wir schlenderten in die Stadt, die mir eher kühl und fremd erschien. Keine Liebe auf den ersten Blick! Große Plätze, sehr breit angelegte Straßen und Fußwege, Paläste in der Innenstadt, Parks, Häuser im Barock- und Jugendstil, Stadt am Fluss … eigentlich alles recht schön anzusehen, aber… Beim Nachlesen über Szeged fanden wir heraus, dass die mittelalterliche Stadt bei einem schrecklichen Hochwasser im Jahre 1879 zu 95 % zerstört worden war. Von ehemals 6000 Häusern waren nur etwa 300 verschont geblieben worden. Das war also die Erklärung! Mir fehlten die kleinen gewundenen Gassen, die wir ja sonst aus alten Städten kennen. Mit internationaler Hilfe war die Stadt völlig neu geplant und wieder aufgebaut worden, es wurde eine völlig neue Struktur geschaffen.

Hochwasserdenkmal am Fluss Ticse

Hochwasserdenkmal am Fluss Tisze

Diese Familie braucht Trost

Diese Familie braucht Trost

Neue Synagoge in Szeged

Neue Synagoge in Szeged

Die Szegediner hatten versprochen, einen Dom zu bauen, sollte ihr Ort jemals wieder aufgebaut werden. Und das geschah dann 1914 bei der Grundsteinlegung. 1930 war der Dom „Unsere Liebe Frau von Ungarn“ fertiggestellt. Der Dom (genannt Votivkirche) ist der viertgrößte Kirchenbau Ungarns. Der Platz davor ist riesig und wird für Freilichtspiele genutzt. Die Votiv-Kirche ist ein wirklich wunderschöner Bau, innen aber im Vergleich zu den vielen Barockkirchen, die wir hier in Ungarn bereits besichtigt hatten, doch recht düster und auch vergleichsweise bescheiden dekoriert.

Die neue Kathedrale (Votivkirche) in Szeged

Die neue Kathedrale (Votivkirche) in Szeged

Drei der 12 Apostel an der Fassade der Kathedrale

Drei der 12 Apostel an der Fassade der Kathedrale

István Széchenyi, Politiker und Autor

István Széchenyi, Politiker und Autor

Wir in Szeged vor dem Dom

Wir in Szeged vor dem Dom

Szechenyi Park

Szechenyi Park

Auf Schritt und Tritt kommt man an den opulenten Universitätsgebäuden der verschiedensten Fachrichtungen vorbei. Die meisten Bauwerke sind im neo-barocken und neo-klassischen Stil erbaut Das Rathaus ist sehenswert wie auch die Synagoge, die sicherlich mehr Pflege bräuchte, Leider war sie nicht von innen zu besichtigen, als wir dort waren. Es gibt eine Sternwarte, einen Wildpark und den botanischen Garten. Die Firma Pick, gegründet 1869, berühmt für die Herstellung seiner Salami und anderer schmackhafter Sachen, hat sogar ein Museum: das Szegediner Paprika-Museum. Genug gesehen, beschlossen wir und gönnten uns noch Eis und Kaffee in einem der einladenden Straßencafés und gingen zum Bahnhof zurück.

Ferenc Mora Galerie

Ferenc Mora Galerie und Museum

Das Rathaus von Szeged

Das Rathaus von Szeged

Der Wasserturm

Die lange Tour im Zug war einschläfernd. Frederick fand Szeged ganz toll, mir hatte irgendetwas gefehlt, vielleicht das wirklich Alte, das Mittelalterliche und unwiederbringlich durch das Hochwasser zerstörte.

Wir schleppten uns zurück zum Campingplatz, es wurde kein langer Abend mehr, dafür waren wir viel zu früh aufgestanden!

Fotogalerie Szeged

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