Esztergom

 In Ungarn

Freitag, 15. April 2016
Esztergom

Heute machten wir uns auf den Weg nach Esztergom. Vom Campingplatz ein paar Minuten zu Fuß zur Bushaltestelle Richtung Metro-Bahnhof, ebenfalls nur wenige Minuten mit der M2 zum Umsteigebahnhof Deak-Ferenc-Platz. Von hier aus wiederum mit der M3 zum Nyugati-(West-)Bahnhof. Selten muss man warten. Das öffentliche Transportnetz funktioniert hervorragend. Wir sind immer wieder begeistert darüber, besonders über den Umstand, dass ab einem Alter von 65 Jahren  die Fahrten mit Bussen und Bahnen in ganz Ungarn kostenlos sind. Man zeigt an den Kontrollstellen nur seinen Ausweis vor und wird gleich durchgewinkt.

Der Westbahnhof ist riesig. Von hier fahren die Züge auch nach Hamburg, Prag oder Warschau. Das Bahnhofsgebäude ist aus längst vergangener Zeit: 1846 wurde der Kopfbahnhof eröffnet! Für die Architektur zeichnete das Büro Gustave Eiffel verantwortlich. Um den Bahnbetrieb nicht zu stören, baute man das viel größere neue Gebäude über das alte, zu klein gewordene! Erst Jahre später gelangte der Name Eiffel zur Berühmtheit: durch den Bau (anlässlich der Weltausstellung) des Eiffel-Turmes in Paris. Kein Wunder, dass der Bahnhofsbau aus architektonischer Sicht als der interessanteste Bau der Stadt gilt. Leider ist „der Lack“ ab, offenbar fehlt für eine Restaurierung das Geld, um den Bahnhof in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, verdient hätte er es.

Ein Blick auf die Abfahrtsanzeige sagte uns, dass der Zug nach Esztergom bereits in fünf Minuten von Bahnsteig 2 abfahren sollte. Der Zug war super modern und absolut sauber ohne irgendwelches Gekritzel oder sonstige Verunstaltungen, die man so häufig anderswo findet. Die Fahrt führte durch eine bezaubernde grüne Landschaft nach Nordwesten.

Der moderne Regionalzug

Der moderne Regionalzug

Einer der vielen schönen Orte entlang der Bahnstrecke

Einer der vielen schönen Orte entlang der Bahnstrecke

Es war ein Personenzug, der an allen Bahnhöfen hielt. Dadurch dauerte die Fahrt dann ca. 1 1/2 Stunden. Aber wir genossen die Tour durch die schöne und hügelige Landschaft. Die Orte entlang der Route sahen durchweg hübsch aus mit den roten Dächern und dem vielen Grün.

Enttäuschend dann die Ankunft. Der Bahnhof schrottig, das Gleisbett marode, hier gibt es noch viel zu tun. Natürlich kann nicht alles auf einmal gemacht werden. Der traurige Zustand ist eben noch ein Zeugnis aus vier Jahrzehnten Vernachlässigung durch das kommunistische Regime vor 1989. Der Bahnhof liegt am südlichen Stadtrand, etwas ungewöhnlich, man muss sich orientieren Richtung Zentrum. Da wir die Kuppel der Basilika schon von weitem sehen konnten, marschierten wir in diese Richtung. Irgendwelche Wegweiser gab es aber nicht. Unterwegs kamen wir an einem niedlichen Café vorbei und konnten der Versuchung einer Einkehr nicht widerstehen. Zwei Stück Kuchen und doppelte Espressos für gerademal umgerechnet fünf Euro.

Tolles Cafe - Anne ist begeistert

Tolles Cafe – Anne ist begeistert

Kaffee und Kuchen nur 5 Euro

Kaffee und Kuchen nur 5 Euro

Esztergom liegt im Norden Ungarns direkt an der Donau, die hier die Grenze zur Slowakei bildet. Eine Stahlbrücke führt über die Donau zur slowakischen Stadt Sturovo. Dort wollen wir heute auch noch hin, denn die Brücke kann zu Fuß überquert werden. Unser erstes Ziel war aber die riesige Basilika, die wir nach einer halben Stunde erreichten. Was wir auf dem Weg dorthin sahen, war dann doch eher enttäuschend. Kaum ein Gebäude war renoviert, die Bürgersteige so uneben, dass wir richtig aufpassen mussten, nicht irgendwann zu stolpern. Im Innenstadtbereich war es nicht viel besser. Zwar war der Marktplatz neu gepflastert, aber die Gebäude darum herum waren durchweg in einem schlechten Zustand, sogar das Rathaus.

Doch als wir dann den Bereich der Basilika erreichten, war plötzlich alles anders. Hier ist offenbar viel Geld investiert worden. Sowohl die Basilika als auch die umherliegenden majestätischen Gebäude erstrahlten in renoviertem Glanz. Wie schon so oft, gab es auch hier Eintrittspreise für Rentner zum halben Preis. Für gerade einmal 3,25 € pro Person konnten wir alles Sehenswerte in der Basilika bewundern. Die Krypta tief unter der Kirche, wo sich das Grab von Sankt Stefan befindet war unser erstes Ziel. Aber die Kälte dort unten war doch schon schockierend. Daher hielten wir uns nicht lange auf.

Basilika vom Schloss aus gesehen

Basilika des Heiligen Adalbert vom Schloss aus gesehen

Grabstätte Janos Csernoch in der Krypta der Basilika

Grabstätte Janos Csernoch in der Krypta der Basilika

Ein paar Fotos und schon waren wir wieder oben im Kirchenraum. Dieser ist so riesig, dass er uns an den Petersdom in Rom erinnerte. Aber der Dom wirkt wesentlich kälter. Die Gegend wird auch als das ungarische Rom bezeichnet. Sie ist die Wiege Ungarns. In diesem schönen Donautal lagerten die wilden Hunnen, als sie damals über Osteuropa herzogen.

Esztergom war mehr als 250 Jahre die ungarische Hauptstadt und über tausend Jahre die Hauptstadt des ungarischen Katholizismus. In Esztergom wurde der heilige Stefan als erster König Ungarns am 1. Januar 1001 gekrönt. Die Basilika befindet sich auf dem Burghügel hoch über der Donau. Direkt daneben wurde das königliche Schloss gebaut und am Fuß des Hügels findet man mehrere Prachtbauten, so auch den Bischofssitz und die Bakócs-Kapelle. Die großartigen Gemälde im Innenraum der Basilika sind wirklich beeindruckend und erinnern an die großen italienischen Kirchen. Das Gemälde hinter dem Altar stammt vom Venezianer Michelangelo Grigoletti 1854 und ist eine gemalte Kopie von Tizians ‚Himmelfahrt‘.

Altargemälde "Christi Himmelfahrt"

Altargemälde „Himmelfahrt“

Stadt- und Donaupanorama von der Bailika-Kuppel aus gesehen

Stadt- und Donaupanorama von der Basilika-Kuppel aus gesehen

Vom Innenraum der Kirche gelangt man zum Obergeschoss und der Schatzkammer. Hier werden immens wertvolle Artifakte ausgestellt, Gold, Silber und riesige Edelsteine in den Vitrinen. Leider waren keine Fotos erlaubt. Wir stiegen dann höher Richtung Kuppel. Unterhalb der Kuppel gibt es ein modernes Café, von dem man einen schönen Ausblick auf die Donau und die slowakische Seite hat. Dann geht es noch höher und man kommt hinaus auf eine Balustrade, die rund um den unteren Rand der Kuppel verläuft und wunderschöne Ausblicke auf die Stadt, das Donautal und hinüber zur Slowakei gewährt.

Um oben auf die Kuppel zu gelangen, geht es noch einmal viele enge Stufen auf einer Wendeltreppe hinauf, auf die Anne wegen Höhenangst verzichtete. Frederick machte es nichts aus und er konnte von dort oben ein paar schöne Fotos schießen

Anne vor dem Esztergom-Panorama

Anne vor dem Esztergom-Panorama

Donaubrücke zur Slowakei vom Kuppelcafe

Donaubrücke zur Slowakei vom Kuppelcafé

Nach dem Abstieg gingen wir hinüber zum königlichen Schloss und schauten uns im Innenhof ein wenig um. Auf die einstündige Führung verzichteten wir aber, da wir noch über die Donaubrücke nach Sturovo in der Slowakei wollten. Auf dem Weg dorthin überquerten wir zuerst eine Brücke über die Kleine Donau, ein am Rande von Esztergom verlaufender Nebenarm der Donau, in dem einige kleinere Boote parkten. Der Weg führte dann über die 1944 im Krieg zerstörte und erst 1989 wieder aufgebaute Donaubrücke. Die Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei verläuft in der Mitte des Flusses. Da beide Länder EU-Mitgliedsstaaten sind, gibt es jedoch keine Grenzkontrollen.

Grenze zur Slowakei mitten auf der Brücke

Grenze zur Slowakei mitten auf der Brücke

Donau Panorama in Esztergom

Donau Panorama in Esztergom von der slowakischen Seite aus

Sturovo ist eine kleinere Stadt als Esztergom, aber man hat von hier einen wunderschönen Blick auf den Burghügel, die Basilika und das königliche Schloss. Wir wanderten zum Donauufer, um ein paar Fotos von dieser Seite aus zu schießen, denn der Blick hinüber auf die andere Seite bot ein völlig anderes Bild.

Da sich jetzt der Hunger bemerkbar machte, hielten wir Ausschau nach einem Restaurant und wurden in einem Hinterhof abseits der Fußgängerzone fündig. Hier konnten wir bei dem schönen Wetter draußen sitzen. Wir bestellten Schnitzel mit Pommes (für Anne), Mexikanischen Gulasch mit Reis und jeweils einen Salatteller, einen Apfelsaft und einen halben Liter Bier. Es schmeckte vorzüglich und kostete uns gerademal 14,30 €. Kaum zu glauben!

Fussgängerzone in Sturova, Slowakei

Fussgängerzone in Sturova, Slowakei

St. Stefan Statue unterhalb der Basilika

St. Stefan Statue unterhalb der Basilika

Langsam wurde es Zeit, an die Rückfahrt zu denken und daher machten wir uns jetzt auf den Weg zum Bahnhof, ein Spaziergang von wenigstens 45 Minuten, denn wir waren vom südlichen Stadtrand, wo der Bahnhof liegt bis zur nördlich der Stadt gelegenen Donau und dann noch auf die gegenüberliegende Seite marschiert, und den Weg mussten wir natürlich wieder zurücklaufen. Zum Schluss merkten wir unseren Füßen die Strapazen schon an. Aber es war ein hochinteressanter Ausflug, der auch unseren Wissenshorizont um einiges erweiterte. Erst um 21 Uhr schlugen wir total müde wieder zuhause (am Wohnmobil) auf.

Fotogalerie Esztergom

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