Budapest

 In Ungarn

Samstag, 11. April 2015
Durch die Slowakei nach Budapest

Für heute hatten wir uns eine ca. 4-stündige Fahrt in die Slowakei vorgenommen. Die Sonne schien und wieder waren 22° vorhergesagt. Wir versorgten das Wohnmobil mit Frischwasser, entsorgten den Abwassertank und die Toilette, verabschiedeten uns von unseren Scharbeutzer Nachbarn und brachen gegen 10 Uhr auf. Wir hatten uns einen Campingplatz in einem Ausflugsgebiet mitten in der Slowakei ausgeguckt.

Die Autobahn war jetzt Maut-pflichtig (4 € für 170 km), dafür aber auch in sehr gutem Zustand. Unser Weg führte uns zuerst in Richtung Krakau und dann ein kleines Teilstück durch Tschechien. Kurz vor der tschechischen Grenze wurden wir aus dem Verkehr gewunken. Als wir hielten, stellten wir fest, dass der Typ, der zwar eine gelbe Sicherheitsweste und damit für uns irgendwie „offiziell“ aussah, in einer Trainingshose herumlief. Uns beschlich ein ungutes Gefühl … Der Mann machte uns klar, dass wir für die Weiterfahrt nach Tschechien eine Vignette benötigten. Das wussten wir nicht und gezwungenermaßen ließen wir uns darauf ein, dort eine Vignette zu kaufen, allerdings nicht für Tschechien, sondern die Slowakei, denn in Tschechien würden wir keine Autobahnen benutzen. Der Kauf der Vignette war kein Problem, aber der Mann, der uns angehalten hatte, verlangte jetzt Bakschisch, da er uns ja angeblich vor einer 500 € Strafe bewahrt hatte. Er betonte noch, er sei „nix Bandit“, wir boten ihm 10 €, aber er wollte 20. Frederick blieb hart und er ließ sich letztendlich mit den 10 € abspeisen. Irgendwie rechtlich kam uns das alles nicht vor. Grunddsätzlich hätten wir uns besser im Vorfeld informieren müssen, dann wäre das nicht passiert.

Wir fuhren weiter nach Tschechien, bogen ab Richtung Ziline und waren 30 Minuten später schon in der Slowakei. Dabei kamen wir durch die Wintersport-Region, und um uns herum waren die Gipfel noch mit Schnee bedeckt. Richtung Campingplatz in Sulov dann. Zunächst schlängelte die Straße sich höher und höher hinauf, wir sahen einige Mountainbike-Fahrer im sportlichen Tritt ihrer Räder, hohe Felswände rechts und links. Dann die Enttäuschung über den Stellplatz in Sulov: Ein sehr unebener und ungepflegter Platz ohne Gäste. Die Rezeption war geschlossen, obwohl im ADAC-Campingführer vermerkt war, dass der Platz ganzjährig geöffnet sei. Uns blieb nicht anderes übrig, als zurückzufahren. Wir fanden keine alternativen Plätze im Führer, die geöffnet waren und wir beschlossen, nach Budapest durchzubrettern. Der Versuch, unterwegs auf der Fahrt durch die Slowakei noch etwas zu essen, scheiterte ebenfalls. Keines der Restaurants auf der Strecke war geöffnet, wahrscheinlich auch deshalb, weil es Nachmittag war. Es hätte nur Kuchen oder Eis gegeben, das wollten wir aber nicht. Uns stand der Sinn nach etwas Herzhaftem, Ungarisch Gulasch z.B.!

Die letzten 50 km fuhren wir über Land und kamen durch viele kleine Dörfer und Städte, so dass wir uns einen kleinen Eindruck vom Land machen konnten. Es ist noch sich am Entwickeln, würden wir sagen. Der Grenzübergang Kemaróm liegt direkt an der Donau. Hier stoppten wir kurz, um uns eine Vignette für Ungarn zu kaufen und waren dann schon eine Stunde später in Budapest. Budapest ist eine Großstadt von über 1,7 Mio. Einwohnern. Es war mittlerweile dunkel geworden, aber mit Hilfe des Navis kamen wir gut durch den Großstadtverkehr.

Ganz plötzlich erreichten wir dann mitten in der Stadt die Donau. Alle historischen Gebäude und die Brücken waren erleuchtet und boten ein tolles Bild. Es war schwer, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Sicher machen wir in den nächsten Tagen noch eine touristische Bus-Rundfahrt „Budapest bei Nacht“.

Der Campingplatz liegt im Osten der Stadt. Da wir vom Westen kamen, mussten wir quer durch die ganze Stadt. Um 20 Uhr kamen wir dann am Campingplatz an. Dort konnten uns unseren Platz selbst aussuchen.

Arena Camping Budapest-LR

Arena Camping Budapest-LR

Breslau - Budapest

Breslau – Budapest

Wir waren hungrig und fragten an der Rezeption nach Restaurants in der Nähe, da war aber nichts. Aber die nette Dame Eva sprach gut Deutsch und bot an, uns Pizzas zu bestellen. Darauf ließen wir uns gern ein. Wir konnten auch noch eine Flasche Wein von ihr kaufen, bezahlten für alles zusammen 15 € und genossen etwas später ein sehr leckeres Abendessen.

Die Fahrt hatte müde gemacht und so schlüpften wir schon kurz nach 22 Uhr in unsere Koje und schliefen sehr gut trotz der nahen Bahnline und der Flughafen-Einflugschneise, die direkt über den Platz liegt. Zur Beruhigung: auch hier gilt offenbar Nachtflugverbot und auch die Bahn fährt nicht mehr so oft.

Sonntag, 12. April 2015
Budapest

Gut ausgeschlafen und gemütlich gefrühstückt, machten wir uns erst mal mit den restlichen Gegebenheiten des Platzes vertraut (neue und schöne Sanitäranlage) und dann ans Schreiben unseres Berichtes. Danach ging es auf Stadterkundung, zunächst per Bus (Haltestelle nahe dem Stellplatz) drei Stationen, dann umsteigen auf die U-Bahn M 2 ins Zentrum (7 Stationen). Mit den Systemen der öffentlichen Verkehrsmittel findet man sich schnell zurecht. Den Kontrolleuren zeigt man lediglich den Ausweis vor (wegen des Geburtsdatums, denn ab 65 Jahren fährt man auf sämtlichen Bussen/Bahnen frei!!). Es war gut, dass wir uns an einem Sonntag mit dem Stadtleben vertraut machen konnten, da es doch soviel ruhiger als im Alltag zuging, denn wie in jeder Großstadt ist es im Zentrum zunächst verwirrend und überwältigend. Schnell kamen wir an der Erzsebet-Brücke an, über die wir am Abend zuvor von Buda in das schön beleuchtete Pest einfuhren. Bei bestem Wetter wanderten wir zurück über die Brücke nach Buda, auf den Berg hinauf zur (von den Habsburgern gebauten) Zitadelle mit der sehr schönen großen Skulptur der Freiheitsstatue (errichtet 1947).

Ersebed Brücke

Ersebed Brücke

Die riesige Freiheitsstatue hoch oben ueber Budapest

Die riesige Freiheitsstatue hoch oben über Budapest

Die Zitadelle war von den Habsburgern 1854 als Festungsbau errichtet worden und ist der schönste Aussichtspunkt, Budapest liegt einem buchstäblich zu Füßen! Hier tummelten sich Familien mit Kindern, junge Leute, ein paar Musikanten und viele Nonnen, die wohl auch mal einen freien Ausgeh-Tag geniessen konnten. Der Blick auf die Stadt und die Donau war fantastisch! Wir sahen einige der Flußkreuzfahrtschiffe am Ufer liegen, die Passagiere waren per Bus auf den Berg gekarrt worden, wie wir unschwer an den Schildern in den Bussen erkennen konnten: „Ama Prima“, „Der kleine Prinz“.

Wieder unten angekommen, ließen wir uns treiben, gönnten uns ein Eis und spazierten durch die Straßen. Immer wieder waren wir beeindruckt von den schönen Fassaden, der Architektur „von früher“. Welcher Reichtum mußte schon damals, zu Zeiten der Entstehung der Stadt geherrscht haben. Vieles erinnerte uns an London, Barcelona, Santa Cruz (Teneriffa) und Paris. Budapest wird nicht umsonst auch „Paris des Ostens“ genannt. Unser kleiner Budapest-Führer ist gespickt mit Informationen für Besuche in Gallerien, Museen, diverser interessanter Viertel.

Anne mit Budapest im Hintergrund

Anne mit Budapest im Hintergrund

Prunkvolle Fassaden

Prunkvolle Fassaden

Wir planen, 10 Tage in Budapest zu bleiben. Deshalb entschließen wir uns dazu, die Hop on/hop off Citybustour, inkl. einer Bootsfahrt auf der Donau (unbegrenzte Nutzung für 2 Tage, Kosten 20 Euro pro Person) zu machen, am Mittwoch/Donnerstag, wahrscheinlich nach Fredericks erstem Arztbesuch in der Zahnklinik.

Wir aßen noch eine Kleinigkeit, bevor wir uns wieder per U-Bahn auf den Rückweg machten. Dieses Mal stiegen wir an der Endstation aus und gingen dann noch ca. 1 km zum Stellplatz. Auch hier sind wir wieder mit der Anbindung Stellplatz-Zentrum sehr zufrieden.

Montag, 13. April 2015
Budapest

Strahlend blauer Himmel und eine Vorhersage von 22°. Nach dem Frühstück im Freien setzten wir uns wieder Richtung Innenstadt in Marsch. Es ist wirklich einfach, 1500 m zu Fuß zur Metro, dann fünf Stationen und schon sind wir in der Innenstadt an der Donau. Das dann auch noch alles kostenlos, weil über 65 Jahre!
Erstes Ziel heute war die Synagoge, welche die größte noch funktionierende Europas ist. Wir buchten eine Führung in englischer Sprache, die aber erst 45 Minuten später begann. In der Zwischenzeit konnten wir uns die Außenanlage rund um die Synagoge und das Museum anschauen. Der Komplex war bei den Nazis und ihren ungarischen Komplizen, den „Roten Pfeilen“ (Red Arrows) zum Judenghetto umfunktioniert worden. Auf engstem Raum hausten damals unter schlimmsten Umständen eingepfercht tausende von Menschen. Bei Kriegsende waren fast 3000 von ihnen tot. Grabsteine mit den Namen der in Massengräbern beerdigten Opfer im Innenhof des Gebäudekomplexes zeugen noch heute von diesen Gräueln.

Synagoge

Synagoge

Massenfriedhof im Hof der Synagoge

Massenfriedhof im Hof der Synagoge

Holocaust Denkmal - symbolisierte Trauerweide

Holocaust Denkmal – symbolisierte Trauerweide

Raoul Wallenberg Denkmal

Raoul Wallenberg Denkmal

Im hinteren Teil des inzwischen zu einem Garten gestalteten Komplexes hat man zwei Mahnmale errichtet, eines als Holocaust-Denkmal in der Form einer stilisierten Trauerweide. Auf jedem Blatt ist der Name eines Holocaust-Opfers eingraviert. Das andere Denkmal (ein ca. 10 m hohes Blei-Glasfenster-Kunstwerk) ist zu Ehren von Raoul Wallenstein von einer jüdischen Künstlerin gestaltet. Wallenstein rettete unter schwierigsten Bedingungen tausende von ungarischen Juden vor den Nazis.

Dann begann die Führung in der Synagoge. Unsere Gruppe nahm Platz auf den Kirchenbänken im Inneren. Die englischsprechende Führerin aus der jüdischen Gemeinde Budapest informierte über die Geschichte der Synagoge. Der Innenraum der Synagoge ist prächtig gestaltet und da man sich integrieren wollte, dem Aufbau einer Kirche ähnelnd. Die Bänke bieten bis zu 3000 Menschen Platz. Bei Gottesdiensten sitzen dann die Männer im Zentrum und die Frauen auf den Seiten und/oder auf den Bänken der umlaufenden Emporen. Für uns sind solche Traditionen, bei denen Frauen zweitrangig behandelt werden, immer wieder gewöhnungsbedürftig. Im Anschluss an die Führung in der Synagoge besuchten wir noch das jüdische Museum im linken Turmgebäude. Doch da dort alles nur in ungarischer Sprache erklärt wurde, war das Verständnis für die Exponate (Thora-Rollen, Gegenstände für den Gottesdienst etc.) dürftig. Wir hielten uns daher dort nur kurz auf und setzten danach unsere Stadtbesichtigung fort.

Anne hatte in einer Broschüre die schöne Statue von Franz Liszt ausgespäht und wollte diese unbedingt besichtigen. Wir zeigten zwei Polizisten das Bild der Statue, sie konnten uns aber nicht weiterhelfenn, schickten uns aber in die allgemeine Richtung schickten. So trafen wir rein zufällig auf das Kultur- und Künstlerviertel Kiralystraße und landeten zum Schluss in einem Café, das offenbar hauptsächlich von Studenten frequentiert wird, die dort bei einer Tasse Kaffe das kostenlose Internet nutzen Hier gönnten wir uns je einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. Die ziemlich große Liszt-Statue fanden wir dann nur 50 m entfernt (siehe Foto). Er durfte übrigens als Erster auf der Orgel in der Synagoge spielen, war dazu eingeladen worden.

Der zentrale Innenstadtbereich von Budapest ist ein sehr großes Areal und man kann sich dort tagelang verströmen, ohne wirklich alles gesehen zu haben. Daher muss man sich ein Ziel setzen: Für uns war das das Parlamentsgebäude. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Hauptbahnhof vorbei. Dieser sieht von außen prachtvoll aus in seinem Design aus dem frühen 20.Jahrhundert mit seinem riesigen Stahl- und Glasdach, aber im Innenbereich ist seit vielen Jahrzehnten nicht viel verbessert worden. So bekommt man eher den Eindruck eines Museums als eines modernen Bahnhofs.

Franz Liszt Statue

Franz Liszt Statue

Freiheitsstatue am Parlament "Mit Gott fuer Vaterland und Freiheit"

Freiheitsstatue am Parlament „Mit Gott für Vaterland und Freiheit“

Parlament

Parlament

Mutige Anti Orban Demonstration vor dem Parlament

Mutige Anti Orban Demonstration vor dem Parlament

Zum Parlamentsgebäude war es dann nicht mehr weit. Die Architektur des riesigen, imposanten Gebäudes erinnert ein bisschen an das Londoner Parlament und nicht zufällig, denn der Architekt hat sich mit seinem Design an Westminster orientiert. Wir staunten nicht schlecht, als wir auf dem Platz vor dem Parlament eine kleine Zeltstadt sahen, die offenbar einem politischen Protest diente. Die Slogans auf den Plakaten waren in ungarischer Sprache und somit für uns nicht verstehbar, aber auf einem Plakat stand auf Englisch: „Delete (entfernt) Viktor“. Gemeint ist der konservative Premierminister Viktor Orban, der auf Grund einer 2/3 Mehrheit recht selbstherrlich in Ungarn regiert und drastische Beschränkungen, hauptsächlich bezüglich der Pressefreiheit durchgesetzt hat.

Wir unterhielten uns dann mit einer englischsprechenden Demonstrantin, die auf unsere Frage hin, dass wir erstaunt wären, dass eine derartige Demonstration geduldet würde, uns aufklärte, dass der Oberste Gerichtshof eine Genehmigung bis Mitte Mai erteilt habe und die Regierung nicht dagegen einschreiten könne. Immerhin, wir bewunderten das Engagement!

Das Parlamentsgebäude liegt direkt an der Donau und wir gingen entlang des Flusses zurück zur Innenstadt. Dabei fiel uns ein seltsames Gefährt auf der Donau ins Auge: ein gelber Sightseeing Bus! Wir haben ja schon viel gesehen, aber so etwas noch nicht (siehe Foto). Schon irre, was sich manche Leute so einfallen lassen.

Arbeiterdenkmal vor dem Parlament

Arbeiterdenkmal vor dem Parlament

Ein Bus in der Donau, so etwas haben wir noch nie gesehen

Busfahrt auf der Donau, so etwas haben wir noch nie gesehen

St Istvan Basilika

St Istvan Basilika

Gottesdienst in der St Istvan Basilika

Gottesdienst in der St Istvan Basilika

Anne hatte in der Rezeption unseres Campingplatzes ein Kärtchen mit der Anschrift eines Cafés erhalten, das sich „Cat Café“ nannte. Offenbar gehörten dort Katzen zum Inventar und machen den besonderen Reiz dieses Cafés aus. Das „Cat Café“ war also unser nächstes Ziel. Zufällig kamen wir auf dem Weg dorthin an der St. Istvan Basilika vorbei, die mit Abstand prächtigste Kirche in Budapest. In der Basilika war gerade Gottesdienst, aber man konnte trotzdem auch als Tourist hinein (gegen eine spende von 2 Euro). Der Innenraum ist überwältigend, sowohl von der Größe als auch von der prachtvollen Dekoration. So etwas hatten wir noch nicht gesehen. Wir lauschten dem gedämpft vorgetragenen Gottesdienst eine Weile, obwohl wir natürlich überhaupt nichts verstanden. Aber die Atmosphäre was schon beeindruckend. Am Wochenende soll hier abends ein klassisches Konzert stattfinden, aber mit fast 30 Euro pro Ticket nicht ganz billig.

Es war jetzt bereits nach 18 Uhr und für den Besuch des Cafés zu spät. Da es nur ein paar hundert Meter entfernt war, schauten wir aber trotzdem noch kurz vorbei und bestaunten die vielen Katzen, die sich dort vergnügten. Wir kommen nochmal wieder in den nächsten Tagen. Für heute war’s das dann. Füße wieder rundgelaufen! Auf dem Rückweg kehrten wir bei Aldi ein, um unsere Lebensmittelvorräte aufzustocken und machten uns dann einen gemütlichen Abend im Wohnmobil.

Dienstag, 14. April 2014
Zahnklinik und Sightseeing

Heute hatte Frederick seinen Termin bei der Kreativ Dentalklinik. Wir hatten uns vorher erkundigt und herausgefunden, dass die Klinik nicht weit vom Campingplatz gelegen war. Ein kurzer Spazierweg zur Bushaltestelle, fünf Bushaltestellen und dann nocheinmal fünf Minuten zu Fuß und schon waren wir da. Die Zahnklinik ist ein modernes, mehrstöckiges Gebäude. Wir wurden zur Rezeption im 1. Stock geschickt, wo die deutsch-sprechende Dame an der Rezeption Frederick bat, einen 5-seitigen Fragebogen auszufüllen. Dann ging es zum Röntgen und im Anschluss zum Gespräch mit dem Kieferchirurgen. Der Arzt sprach ausgezeichnetes Englisch und erklärte, dass die Kieferknochen in Ordnung seien und das Einsetzen der beiden Implantate keine Probleme bereiten sollte. Man würde jetzt einen Heil- und Kostenplan erarbeiten während wir im Wartezimmer die Zeit an Tabletcomputern, die dort zur Verfügung standen, vertrieben. Es dauerte aber nicht lange und eine deutsch-sprechende Dame erschien schon mit dem Heil- und Kostenplan. Der Preis war überraschenderweise 600 € weniger als der uns im Vorfeld angebotene. Frederick stimmte der Behandlung zu, die jetzt am Dienstag, 21. April erfolgen wird.

Wir planten jetzt nochmals eine Stadtbesichtigung und zwar hatten wir die große Markthalle und das Kulturzentrum „Der Wal“ als Ziel. Unterwegs kehrten wir noch beim Mediamarkt ein, um eine neue SD-Speicherkarte zu kaufen. Die alte hatte gestern den Geist aufgegeben. Der Schreibschutzriegel war abgebrochen und der Schreibschutz konnte nicht mehr deaktiviert werden.

Die Budapester Markthalle ist beeindruckend. Eine riesige Halle, die vom Design her dem Hauptbahnhof ähnelt. Viel Stahl und Glas, das viel Licht in die Halle lässt. Wir schlenderten an den vielen Ständen mit ihren prächtigen Auslagen vorbei. Im Erdgeschoss findet man hauptsächlich Lebensmittel, allen voran unzählige Stände mit Fleisch- und Wurstwaren und Obst- und Gemüse, alles sehr attraktiv dargeboten. Auf der Empore fanden wir die „Fressstände“ und ein typisch ungarisches Restaurant mit ungarischer Live-Musik. Das lockte uns an und bei fritiertem Gemüse und Gulaschsuppe genossen wir noch eine Weile die schöne Atmosphäre.

Markthalle

Markthalle

Auslagen in der Markthalle

Auslagen in der Markthalle

Als nächstes wanderten wir weiter zum Kulturzentrum „Der Wal“. Den Namen hat das Gebäude, weil die Form der eines Wales ähnelt. Ein modernes Konstrukt aus viel Glas und Stahl direkt am Donauufer, das aber wohl noch nicht so richtig angenommen und erfolgreich ist, denn viele der Läden im Inneren auf drei Etagen stehen noch leer oder sind schon wieder leer. Vielleicht wird’s ja noch.

Kulturzentrum "Der Wal"

Kulturzentrum „Der Wal“

Kulturzentrum "Der Wal"

Kulturzentrum „Der Wal“

Trotzdem begeisterte uns dieser Neubau direkt an der Donau. Anne wollte dann auch noch zum „Cat Café“ am anderen Ende der Innenstadt, und dorthin machten wir uns auf den Weg. Unterwegs staunten wir immer wieder über die wunderbare Archtektur aus dem vorigen Jahrhundert, zumeist fünfstöckige Gebäude, die in allen Straßenzügen präsent sind.

Im „Cat Café“ bestellten wir uns zwei Cappuccinos und Fruchttörtchen und amüsierten uns über das Treiben der Katzen. Eine sah aus wie eine Kuh (schwarz-weiß gemusterte Flecken im Fell), eine riesige Gingerkatze (schönes Rot!) faulenzte auf einem Stuhl, andere scharwenzelten im Lokal und zwischen den Tischbeinen herum oder wurden von Gästen liebevoll betüdelt.

Bewohner im "Cat Cafe"

Bewohner im „Cat Cafe“

Und noch ein Bewohner im "Cat Cafe"

Und noch ein Bewohner im „Cat Cafe“

Eine witzige Geschäftsidee, die offenbar Erfolg hat, denn das Café war sehr gut besucht – auch von Familien mit Kindern. Die Katzen hatten Ruheräume und allerlei Kratzbäume, Körbe, Kistchen, Spielzeug, die Schutz vor zu vielen Leuten boten bzw. für Abwechslung sorgten.

Das war’s dann für heute. Auf dem Heimweg kauften wir noch ein paar Wiener Würstchen für zwei Hunde, an denen wir täglich vorbeimarschieren. Einer ist im großen Käfig neben der Rezeption (darf aber auch frei herumlaufen auf dem Gelände und ist sehr lieb!) und der andere als Wachhündchen bei einer Metallwerkstatt hinter einem Zaun eingesperrt. Die Hunde taten uns leid, also daher die Würstchen, die dann gierig herunter geschlungen wurden. Eine Packung haben wir noch.

Anne wusch dann noch die Wäsche (auch im Preis enthalten und nicht, wie andernorts üblich für 6 Euro) in der nagelneuen Waschmaschine, die am Ende des Waschvorgangs eine kleine Melodie spielte, anstatt zu piepen, pfeifen, klingeln oder sonstwas!

Mittwoch, 15. April 2015
Zahnklinik

Die Wäsche war über Nacht draußen trocken geweht. Wir ließen es ruhig angehen beim Frühstück, da mein (Anne) Termin in der Klinik erst um 14.00 Uhr war.
Ich wollte mich beraten lassen über eine Zahnfüllung, zur Zeit – und seit Ewigkeiten – Amalgam. Die Beratung in Deutschland war dahingehend, das einmal auszutauschen gegen Kunststoff oder Keramik (letzteres ziemlich teuer). Frederick schrieb den Bericht der vergangenen Tage, ich las und gegen 13.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Klinik. Ich mußte das 5-seitige Formular ausfüllen (Kranken-Vorgeschichte etc.), eine Panorama Röntgenaufnahme wurde gemacht, und dann war ich auch bald dran. Dr. Magos sprach deutsch. Ich trug mein Anliegen vor, er checkte die Zähne und meinte dann, ich solle alles lassen wie es ist, denn der schlechteste eigene Zahn (solange er nicht schmerzt!) ist besser als der schönste künstliche. Eine alte Weisheit, die ich schon vor ganz langer Zeit mal gehört habe. Puuuh, ich war erleichtert, buchte dann aber für den 21.4. (Fredericks Termin) eine Zahnreinigung, 60 Euro, günstiger als in Deutschland. Für die Röntgenaufnahme und die Beratung musste ich nichts bezahlen!

Wir kauften danach noch ein paar Lebensmittel bei Aldi ein und machen es uns jetzt am Wohnmobil gemütlich. Für Donnerstag ist wieder Besichtigung angesagt. Frederick schrieb am Reisebericht, Anne vertiefte sich in ihr Buch. Übrigens schreiben wir beide an den Berichten. Mal schreibt der Eine und die Andere korrigiert, mal ist es umgekehrt. Frederick bearbeitet die Fotos und stellt dann das ganze ins Internet.

Nach dem Abendessen kamen wir noch mit unseren Nachbarn aus Friedrichshafen ins Gespräch. Sie Schwäbin und er Italiener mit einem riesigen Schnauzbart. Beide sehr nett und was nur als guten Abend Gruß gedacht war, dauerte dann fast eine Stunde.

Donnerstag, 16. April 2015
Budapest

Am Abend zuvor hatten wir mit unseren Stellplatz-Nachbarn verabredet, gemeinsam in die Stadt zu fahren.  Die beiden wollten ihr „angebrochenes“ Ticket des Hop-on/Hop-off Busses verbrauchen, galt für 2 Tage (20 Euro pro Ticket, wirklich günstig, da auch eine Bootsfahrt auf der Donau  im Preis inbegriffen  war). Nach dem Frühstück gegen 10.00 Uhr brachen wir per Bus und U-Bahn auf, stiegen im Zentrum an unserer bewährten Haltestelle „Astoria“ (so heißt auch das Hotel in der Straße) aus und waren nach ein paar Schritten schon an der Elisabeth-Brücke, die uns nach Buda Richtung Burganlage führen sollte. Das Wetter war sensationell gut! Blauer Himmel, von keiner Wolke getrübt, und viel Sonnenschein! Dass die Temperatur am Nachmittag auf 31 Grad steigen sollte, konnten wir nicht ahnen …

Das Burgareal auf der anderen Seite der Brücke, in Buda, ist riesig und weitläufig. Am Fußende der Burg gab es eine Rolltreppe, die uns auf das Burggelände brachte. Das war praktisch. Die Grünanlagen und die imposanten Gebäude sind gepflegt und wunderschön anzusehen. Der Autoverkehr ist stark eingeschränkt, da nur über Schranken zugänglich. Offensichtlich ist nur Lieferverkehr und den Menschen, die dort oben an der Burg wohnen,  die Zufahrt erlaubt.  Deshalb war es beim Umherwandern auch ein Gefühl der Beschaulichkeit. Es geht in Buda nicht so hektisch zu wie in Pest. Hier steht auch die Matthias-Kirche, die zwischen 1874 und 1902 im neo- gotischen Stil umgebaut worden ist.

Wir erreichten die Fischer-Bastei mit den hübschen filigranen sieben Türmen. Sie wurde zwischen 1895 und 1902 an der Stelle der ehemaligen Burgmauern und eines alten Fischmarktes errichtet (Architekt Frigyes Schulek).  Im Mittelalter hatten die Fischer an dieser Stelle der Burgmauer die Burg verteidigt. Die sieben Türme haben symbolische Bedeutung. Sie erinnern an die sieben Magyarischen Fürsten in Zeiten der Landnahme. Von den Türmen hinunter über die Donau auf Pest geschaut, bietet sich ein atemberaubendes Panorama (zählt inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe).

Nun verabschiedeten sich Marianne und Angelo und nahmen ihre Fahrt mit dem Bus wieder auf. Frederick und ich schlenderten noch ein wenig umher und genossen die trotz vieler Touristen ruhige Atmosphäre zwischen alten  schön restaurierten Gebäuden, gepflegten Gartenanlagen und imposanten Statuen.   Kleine Läden und Galerien luden zum Schauen und Kaufen ein. Wir gönnten uns bei der Hitze ein leckeres Eis, bevor wir uns an den Abstieg machten.  Die Strecke schlängelte sich über Kopfsteinpflaster und vielen Treppen hinunter an das Ufer der Donau. Dort waren ganze Straßenteile aufgerissen und abgesperrt. Offenbar tut sich etwas: Eine neue Promenade wird angelegt. So liefen wir an der inneren Seite der Leitplanken entlang zur  Margarethen-Brücke, weil es dort den Abzweiger auf die Margarethen-Insel  gibt. Mittlerweile war aus unserem sonst so forschen Gang bei Stadterkundungen nur noch ein langsames Schlendern geworden, weil es so heiß war. Die Insel mit ihren schönen Grünanlagen spendete uns Schatten, wir kauften an einem der vielen kleinen Verkaufsstände Wasserflaschen und ruhten uns auf einer Bank aus. Vom Ufer aus sahen wir auf die vorbeischippernden Touristen-Boote und die Flusskreuzfahrtschiffe wie AROSA und andere.  AROSA war uns vertraut, da wir die Schiffe schon auf dem Fluss Rhone in Avignon gesehen haben.  Auch das scheint uns eine schöne Art des Reisens und Städtekennenlernens zu sein.

Nach der kleinen Pause machten wir uns dann auf Richtung Innenstadt Pest.  Wir hatten uns mit Marianne und Angelo zu 18.00 Uhr verabredet und wollten gemeinsam in einem Restaurant  etwas essen. Es war noch sehr zeitig und so bummelten wir durch die Stadt, tranken noch einen Kaffee in einem der vielen kleinen Cafés.

Opernhaus

Opernhaus

Kleine Bronzebrücke mit Parlament im Hintergrund

Kleine Bronzebrücke mit Parlament im Hintergrund

Inzwischen kennen wir uns im Innstadtbereich ganz gut aus und freuten uns über das Wiedersehen mit bestimmten Vierteln und Plätzen, die wir schon erkundet hatten.   Frederick hielt Ausschau nach einem Telefonladen, weil er eine Sim-Karte brauchte, um weiterhin Internet empfangen zu können. Bei Telenor wurden wir fündig. 2 GB Daten für nur € 6 (ein Sonderangebot). Das würde leicht für unsere restliche Zeit in Ungarn reichen.

In der Nähe unserer U-Bahn-Haltestelle Astoria fanden wir ein nettes Restaurant,  angelehnt an Angelos Herkunft ein italienisches. Das war unser Vorschlag für das Abendessen zu Viert. Pünktlich zur verabredeten Zeit sahen wir uns dann wieder und tauschten die Erlebnisse des Tages aus. Marianne und Angelo waren sehr angetan von den Hop-on/Hop-off Bussen, in englischer und deutscher  Sprache wurde auf  Sehenswürdigkeiten hingewiesen, ebenso auf der Bootsfahrt.  Lustig war, dass sie uns vom Boot aus gesehen hatten, als Frederick und ich auf der Margarethen-Insel spazieren gingen und ein Foto von uns gemacht haben. So ein Zufall! Budapest hat 1,8 Millionen Einwohner …

Essen, Wein und Gesellschaft  im Restaurant waren sehr gut und alle waren zufrieden. Wir  machten uns auf den Weg über U-Bahn und Busfahrt zurück zum Camping-Platz. Dort bot Angelo uns noch einen berühmten Likör aus seiner Heimat Italien an, leider habe ich den Namen vergessen! Es gibt ihn wohl nur in dieser einen bestimmten Gegend zu kaufen. Er schmeckte wie der Zirbenlikör in Österreich, den unsere Freundin Hilde uns so gern  probieren lässt. Er wird  aus Kiefernzapfen gewonnen und schmeckt irgendwie „tannig“, aber sehr lecker! Dann wurde es Zeit zum Schlafengehen. Marianne und Angelo wollten am nächsten Tag um 9.00 Uhr aufbrechen zur Weiterfahrt nach Prag.

Freitag, 17. April 2015
Budapest

Früher als gewöhnlich standen wir auf, da wir unsere  Stellplatz-Nachbarn noch verabschieden wollten. Es war so eine nette Begegnung mit den beiden. Nachdem wir sie „weggewinkt“ und gefrühstückt hatten, fuhren wir wieder in die Innenstadt, denn noch hatten wir unsere Touristen-Broschüre nicht „abgearbeitet“  (95 Seiten …) und es gab noch so vieles zu sehen.  Wieder war das Wetter sonnig und schön und wieder war unser erstes Ziel das Ufer der Donau. Immer fühlen wir uns vom Wasser angezogen. Städte mit Flüssen sind einfach interessant und lebendig.

So kamen wir an der Kettenbrücke vorbei. Sie war einst die erste Brücke, die Buda und Pest miteinander verband und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Die Donau ist recht breit hier und hat eine starke Strömung. Wir können es nicht fassen, wie die Planer und Arbeiter es wohl zustande gebracht haben, hier eine Brücke zu bauen! Bewacht wird sie von sagenumwobenen Steinlöwen. Die Brücke bietet am Abend, wenn sie beleuchtet ist, einen fantastischen Anblick (das erleuchtete Budapest haben wir schon am Abend unserer Anreise erlebt). Wohl deshalb gibt es als touristisches Angebot die „Budapest bei Nacht“ Touren und Bootsfahrten, auf jeden Fall lohnenswert.

Wir spazierten noch einmal Richtung Parlament und wollten uns die installierte Plastikkomposition mit abgestellten Schuhen am Donau-Ufer ansehen.  Leider hat diese einen sehr traurigen Hintergrund. Sie sind ein Mahnmal an die Opfer des Holocausts in Budapest  aus dem II. Weltkrieg und wurden im Jahr 2005 anlässlich des 60-jährigen Jahrestages  eingerichtet.  Sehr berührend,  weil so etwas Alltägliches wie Schuhe einem vielleicht näher sind wie ein großes Monument. Hier reihten sich Baby-Schühchen neben Kinder-, Damen- und Herrenschuhen  aneinander, wie eben gerade ausgezogen.

Kinderschuhe am Mahnmal

Kinderschuhe am Mahnmal

Das Schuhmahnmal - Holocaust

Das Schuhmahnmal – Holocaust

In vielen Schuhen steckten nun Kerzen, kleine Mitteilungen, auch eine zusammengerollte israelische Flagge  von Menschen, die sich bewegt fühlten.  Wichtig, immer wieder erinnert zu werden!

Frederick wollte das sehr große Parlamentsgebäude einmal umrunden, da entdeckten wir den Zugang zum Parlaments-Café. Dies ist sehr modern gestaltet und es war hier viel los, denn am Schalter wurden Tickets verkauft für die Besichtigung. Bisher hatten wir das gar nicht in Erwägung gezogen.  Aber so viele Schüler- und Touristen-Gruppen konnten wohl nicht irren, es musste sich wohl lohnen.

Vorher stärkten wir uns mit einem Obstsalat aus dem Café.  Da wir noch die Waschräume (Rest-Room, WC, Klo,  Toilette …)  aufsuchen mussten,  staunten wir nicht schlecht über den Luxus dort. Auch hier wie fast überall mussten wir für den Besuch bezahlen, nämlich 200 HUF (ca. 70 Cents pro Person).  Man hätte aus der Toilettenschüssel „essen“ können, sowas von Sauberkeit!

Das war uns schon überall aufgefallen,  die Toiletten waren überall gepflegt und sauber.  Da können wir inkl. in Deutschland leider von ganz anderen Erfahrungen berichten! Fairerweise konnten wir – wie häufig auf den Autobahnen üblich – die bezahlten 70 Cents im Café als Gutschein benutzen und bezahlten damit teilweise die Rechnung für unsere Obstsalate (1400 HUF für beide, sehr günstig!).

Parlamentsgebäude

Parlamentsgebäude

Plenarsaal im Parlament

Plenarsaal im Parlament

Danach buchten wir die in deutscher Sprache geführte Tour für 13.00 Uhr. Das Budapester Parlamentsgebäude bietet architektonisch große Ähnlichkeit mit dem Westminster Parlament in London (wie bereits erwähnt). Den Architekten diente Westminster als Vorbild. Wir erfuhren, dass es das zweitgrößte Parlamentsgebäude in Europa ist (Westminster ist das größte). Aber, wie unsere Führerin sagte, sei es das schönste. Nachdem wir all die Opulenz und die Pracht im Inneren bewundern durften, müssen wir ihr zustimmen.

Das Parlamentsgebäude wurde zu einer Zeit geplant und gebaut, als Ungarn noch viermal so groß war wie heute und zum Kaiserreich Österreich-Ungarn gehörte. Für die heutige Zeit ist es völlig überdimensioniert. Aber es ein großer Touristenmagnet und durch die Eintrittsgebühren wird wohl ausreichend eingenommen, um die laufenden Kosten für das Gebäude zu decken.

Ruhebereich im Foyer

Ruhebereich im Foyer

Deckengewölbe im Parlament

Deckengewölbe im Parlament

Die beeindruckende Kuppel, die exakt im Zentrum des Gebäudes emporragt, ist 96 m hoch, genauso hoch wie die Kuppel der St. Stephans Basilika. Dies ist eine symbolische Zahl, die an  erinnern soll, dass Politik und Religion in Ungarn die gleiche Bedeutung haben. Es gibt auch einen Erlass, dass kein Gebäude in Budapest höher als 96 m sein darf.

Unsere Führung dauerte etwa eine Stunde. Wir kamen aus dem Staunen ob der gezeigten Pracht und Opulenz gar nicht mehr heraus. Es war irgendwie schon beeindruckend.

Am späten Nachmittag sollte es regnen und daher machten wir uns nach der Parlamentsbesichtigung auf den Rückweg. Auf dem Frühlingsmarkt (ähnlich wie unsere Weihnachtsmärkte) gönnten wir uns Sauerkraut mit Gulasch und zum Nachtisch teilten wir uns einen „Schornstein“.  Hierbei handelt sich um ein Hefegebäck und heißt auf Ungarisch „Kürtökscalács“ (übersetzt „Schornstein“). Ein Hefezopf wird spiralmäßig auf eine Art konisches Nudelholz gewickelt, dann breit gewalzt, so dass der Teig eine homogene Oberfläche bildet. Dann legt man das Ganze in ein mit Holzkohle beheiztes Gestell. Das Nudelholz dreht sich jetzt wie ein Spieß und der Teig färbt sich ziemlich schnell rot-braun. Noch heiß, wird dann Zimt, Vanille oder anderes Puder über den Teig gestreut. Es schmeckte lecker, hat aber auch einige Kalorien.

Als wir wieder auf dem Stellplatz waren, entschieden wir uns, den Platz zu wechseln, da wir unter einer großen Linde standen und diese jetzt dabei war, Blüten auf das Wohnmobil zu regnen. Wegen schlechter Erfahrung vom letzten Jahr  wussten wir, dass nasse Lindenblüten schwer entfernbare Flecken verursachen. Auf dem neuen Stellplatz kletterte Frederick dann aufs Dach und fegte die ganzen Lindenblüten hinunter. Kurz darauf begann es zu regnen, als gerade noch so geschafft. Leider vermasselte der Regen uns den Film „Besser als Du“ am Abend mit Christoff Maria Herbst, denn trotz Oberflächenbehandlung der Antennenkuppel verloren wir nach 45 Minuten den Empfang. Na ja, war nicht schlimm. So kamen wir halt noch zum Lesen.

Sonntag, 19. April 2015
Budapest

Vor zwei Tagen, als wir auf der Burg waren, war das Fotolicht nicht so gut.  Heute war es wesentlich besser und daher machten wir uns nochmals auf den Weg zur Burg. Diesmal fuhren wir mit der Metro bis auf die andere Seite der Donau (Stadtteil Buda), wo sich die Burg auf einer Anhöhe befindet. Wir nahmen uns Zeit für eine ausführliche Erkundung der beeindruckenden Anlage. Das Prunkstück ist die St. Matthias-Kirche. Das auffallend schön gemusterte Dach der Kirche erinnerte uns an das Heiligengeist Hospital in Baune in Frankreich. In beiden Fällen wurden unterschiedlich farbige und glasierte Ziegel benutzt, um eine ungewöhnliche Musterung zu erreichen.

St Matthiaskirche

St Matthiaskirche

Das prachtvolle Dach der Matthiaskirche

Das prachtvolle Dach der Matthiaskirche

Die Fischer-Bastei mit ihren sieben Türmen, die den Hang vor der Kirche auf der Donauseite schützt, war im Mittelalter eine Wehranlage, die von Fischern verteidigt wurde. Daher der Name. In einem der Wehrtürme der Bastei konnte man steile Stufen hinuntersteigen. Dort unten in der Kälte und ziemlicher Dunkelheit wurde eine 3D Filmvorführung angeboten, die sich mit der ungarischen Geschichte beschäftigt. Auch gibt es in einem Gewölbe  eine kleine geschichtliche Ausstellung und eine Art Kirche. Hochinteressant das Ganze.

Als wir nach ca. 25 Minuten wieder ans Tageslicht kamen, mussten wir uns erst einmal in der Sonne aufwärmen. In einem sehr schönen, traditionellen Café gönnten wir uns  einen Cappuccino mit Sachertorte. Das war einfach zu verlockend. Die Aussicht hinüber auf die andere Seite (Stadtteil Pest) war heute bei dem tollen Sonnenlicht atemberaubend. Für den Fotografen war ein Motiv schöner als das andere. Das ganze Areal der Burg ist wie eine Stadt für sich. Am südlichen Ende befindet sich die National-Galerie. Direkt davor erstreckt sich ein Ausgrabungsfeld, das viele der Grundmauern der ursprünglichen Befestigung zeigt.

Die Vegetation in diesen Gefilden ist schon beträchtlich weiter als in Norddeutschland. So konnten wir eine kleine Allee von Zierkirschenbäumen (in Japan berühmt als „Cherry Blossom“)  in voller Blütenpracht bewundern.

Kirschblüte - Cherry blossom

Kirschblüte – Cherry blossom

Ruinenausgrabungsfeld und Nationalgallerie

Ruinenausgrabungsfeld und Nationalgallerie

Auch Kastanien blühen hier bereits. Die Festungsanlage ist weitestgehend verkehrsfrei (außer Lieferfahrzeugen, Bussen und Taxis). Das ist wohltuend, da man sich treiben lassen kann. Auf der Suche nach Fotomotiven kamen wir zur National-Galerie, ein imposantes Gebäude mit inzwischen grün angelaufenen Kupferdächern, das von weither sichtbar ist. Die Besichtigung der Galerie würde mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Das heben wir uns für unseren nächsten Besuch (geplant für Oktober) auf.

Schließlich landeten wir am Donauufer nicht weit entfernt von der Kettenbrücke, dies war einst  die  erste feste Donauüberquerung. Die Brücke wollten wir uns genauer anschauen. Beide Seiten der Brücke werden von gewaltigen, steinernen Löwen bewacht, die wir nun aufs Foto bannen konnten.

Kettenbrücke- Details

Kettenbrücke- Details

Kettenbrücke mit Basilika im Hingtergrund

Kettenbrücke mit Basilika im Hintergrund

Löwen vor der Kettenbruecke

Löwen vor der Kettenbruecke

Das sieht schon beeindruckend aus. Uns interessierte, was es mit der Ketten—Technologie der Brücke auf sich hatte. Bei näherem Hinsehen erkannte man dann das Konstruktionsprinzip. Statt Seilen  waren bei dieser Brücke tausende von Kettengliedern (ähnlich der von Fahrrädern) zusammengefügt. Jedes Glied war ca. fünf Meter lang und zwecks Stabilität sind 12 Glieder parallel nebeneinander positioniert. Das Ganze sieht sehr solide aus. Schon erstaunlich, zu welchen Meisterleistungen die Vorfahren in der Lage waren.

Wir hatten Kinokarten für eine Vorstellung um 18.30 Uhr gekauft. Das Kino befindet sich in der Nähe unseres Campingplatzes und es wurde Zeit, sich auf den Weg zu machen. Der Film, den wir uns ausgesucht hatten, hieß „Das 2. Beste Marigold Hotel“ mit Judy Dench (bekannt als „M“ in James Bond Filmen)  in der Hauptrolle. Der Film war in englischer Sprache (mit ungarischen Untertiteln), so dass wir kein Sprachproblem hatten und nur deshalb hatten wir uns ja auch zum Film-Gucken entschieden!  Wir hatten vor ein paar Jahren schon den ersten Film „Das beste Marigold Hotel“ gesehen . Der Film bereitet gute Laune und so spazierten wir danach beschwingt zurück zum Wohnmobil.

Montag, 20. April 2015
Budapest

Beim Besuch im St. Pauli Stadion vor zwei Wochen war Frederick bei einer Rempelei das iPhone aus der Hand gefallen und das Glas zerbrochen. Wir hatten leider keine Zeit mehr, dies noch reparieren zu lassen und verschoben die Reparatur auf Mai, wenn wir wieder zu Hause sein würden. Aber Samstag hatten wir beim Schlendern durch ein riesiges Shopping Center neben unserer Metro-Station einen Telefonladen entdeckt, der die Reparatur von Glasschäden anbot. Kurzentschlossen fragten wir nach. 67 € sollte die Reparatur kosten und es sollte zwei Stunden dauern. In Deutschland wäre es auf jeden Fall teurer geworden und wir hätten uns noch einen Monat mit dem kaputten Telefon herumärgern müssen.  Also beschlossen wir uns zur Reparatur in diesem Geschäft. Allerdings war dies erst am Montag möglich. Der Service-Mann arbeitete am Wochenende nicht, sondern erst ab 13 Uhr am Montag.

Wir nutzten die Zeit,  in dem riesigen Shopping Center ein paar Sachen zu erledigen. Anne brauchte neue Sportschuhe (wir wurden bei Deichmann fündig), Autan als Vorsorge gegen Mücken am Balaton-See (wir wurden gewarnt!!) und die Post musste erledigt werden. Bei Tchibo (alles in deutscher Hand hier) gab es leckeren Käse/Mohn/Mandarinenkuchen. Wir konnten nicht widerstehen. Die Reparatur war pünktlich gegen 15.00 Uhr fertig und auch perfekt durchgeführt, endlich wieder ein heiles Telefon!

Für 17 Uhr stand dann ein Orgelkonzert in der St. Stephans Basilika auf dem Programm. Mit der Metro fuhren wir wieder ins Zentrum zum Franz Deák Platz (Deák Ferenc Ter),  und dann genossen wir für 45 Minuten feinste Orgelmusik mit Klassikern wie die Toccata und Fuge in D Moll von J.B. Bach, Ave Verum von Mozart und das Ave Maria (zum Anhören auf den Link klicken) von Ch. Gounod. Die Akustik war hervorragend und man wurde von der Musik einfach hinweg getragen. Traumhaft! Auf dem Weg zurück zum Campingplatz klangen die wundervollen Melodien noch lange nach.

Dienstag, 21. April 2015
Termin in der Zahnklinik

Nun hatten wir schon so viele schöne Tage  mit Besichtigungen  in Budapest verbracht, und plötzlich war er da, der Termin für das Implantate-Setzen bei Frederick! Wir machten uns auf den Weg (die Klinik ist nur 20 Minuten per Fußweg und Bus und  entfernt). Pünktlich um 12.00 Uhr wurde Frederick in die Sprechstunde gerufen zwecks Betäubung. Der Zahnarzt hatte sich mittlerweile dafür entschieden, nur ein Implantat zurzeit zu setzen. Das hieß, dass wir sofort den zweiten Termin für Mittwoch, morgens um 8.00 Uhr bekamen.  Damit fühlte Frederick sich auch besser. Nach einer Viertelstunde (Wirkung der Betäubung) im Wartezimmer ging es dann erneut ins Sprechzimmer.  Dr. Patonay  wechselte im Gespräch vom Deutschen ins Englische, beherrschte beide Sprachen perfekt.  In sensationell  schneller Zeit von ca. 10 Minuten war alles erledigt, das Implantat im unteren Kiefer eingesetzt. Hinterher gab es ein paar Medikamente (Antibiotika-Tabletten, Schmerz-Tabletten,  Wundgel) und gute Ratschläge.

Kreativ Dental Klinik

Kreativ Dental Klinik

Frederick ging es nach der Behandlung recht gut und wir verbrachten einen ruhigen Nachmittag und Abend  am Wohnmobil. Zum Glück gab es Fußball im Fernsehen, das lenkte ab, zumal es ein spannendes Spiel war: Bayern München gegen Porto, und die Bayern legten einen Sieg von 6:1 hin! Später nahm Frederick dann doch vorbeugend ein paar Schmerzmittel.  Auf dem Ernährungsplan stehen nun für drei Tage Suppen, Nudeln, Milchreis und Bananen! Da die Planungen nun doch ein wenig anders verliefen (z.B. Fäden ziehen nach 12 Tagen), entschieden wir uns, weitere Tage auf unserem schönen Stellplatz zu bleiben und alles in einer Hand zu lassen, so reisen wir erst am 30.4. hier ab. Aufgrund der langen Zeit, die wir nun gebucht hatten, gab es von Eva, der Platzbetreuerin, einen saftigen Rabatt: Statt 21 Euro pro Tag nur 16 Euro, das ist toll! Man bedenke, dass hier alles frei ist: Wasser, Strom, WLAN und die Nutzung der Waschmaschine!

Mittwoch, 22. April 2015
2. Termin in der Zahnklinik

Ein kleiner Angang war es dann schon, so früh morgens sich noch einmal auf den Weg zu machen, aber es half ja nichts! Die gleiche Prozedur wie am Vortag und wieder verlief es gut. Natürlich ist es nicht das wunderbarste Gefühl im Mund, ständig mit der Zunge an ein paar Fäden zu stoßen, aber am 30.April, wenn die Fäden gezogen sind, ist das alles vergessen! So müssen wir uns so gut es geht ablenken. Wir sind froh über das gute Wetter (täglich 23 Grad) und unseren netten Platz, der mittlerweile von Bremern, Cuxhavenern, Engländern, Italienern und Finnen bevölkert ist, alles reisendes Volk, heute hier – morgen da!

Nun gab es da einen weiteren Termin für mich (Anne), einmal professionelle Zahn-Reinigung, die hier 60 Euro kostet. Die war für 16.30 Uhr angesetzt. Gott sei Dank fühlte  Frederick sich recht gut und begleitete mich. Meiner Meinung nach sind auch Angstpatienten in dieser Klinik gut aufgehoben.  Die Mitarbeiterinnen und Ärzte sind äußerst freundlich und sanftmütig!  Bei mir dauerte die Behandlung, in der jeder Schritt vorher erklärt wurde (auf Englisch, man konnte aber auch die Sprache wählen), ca. 45 Minuten.

Anschließend bedankte sich die Zahnhygiene-Mitarbeiterin BEI MIR, weil ich nicht einmal die linke Hand = Unterbrechung  der Behandlung,  gehoben hatte … sie hatte ihre Arbeit eben gut gemacht und mir keine Schmerzen zugefügt.

Wir entschlossen uns, am Kanal entlang zurück zu spazieren (ca. 1 Stunde Spazierweg). Wir machten einen kleinen Umweg, weil wir auf die nahegelegene  1991 gegründete C.E.U. (Central European University, Privatuniversität) neugierig waren. Schon am Abend unserer Anreise hatte man uns darauf aufmerksam gemacht, dass Camper vom Stellplatz ARENA CAMPING dort in der Mensa an allen Mahlzeiten teilnehmen können, und das sehr kostengünstig! Inzwischen hatten wir herausgefunden, dass einer der Gründer der US-amerikanische Financier und Investor George Soros ist, ich nenne ihn mal Finanz-Guru. Er ist gebürtiger Ungar, Budapester noch dazu (geb. 1930).  Bekannt wurde er, als er im September 1992 auf die Abwertung des britischen Pfunds wettete und am Ende damit ca. eine Milliarde US-Dollar verdiente –  er spendete als Förderer und Vorsitzender des Open Society Institutes der Universität 420 Mio. Euro – lt. Wikipedia.  Er hat auch einige Bücher geschrieben und ist gefragter Gast in Talkrunden des Fernsehens. Ausschließlich Stipendiaten (1.600 aus mehr als 100 Nationen) haben Zugang zu den Studiengängen der Uni. Es gibt 305 Mitarbeiter dort.  Die offizielle Sprache an der Universität ist Englisch. Es war bereits 18.00 Uhr und Dinner-Time (von 18.00 – 21.00 Uhr), aber noch nichts los. Die freundliche Dame hinter dem Counter im Speisesaal (nettes  Ambiente) lud uns sofort ein, dort zu bleiben und zu essen. Das Angebot der Gerichte war groß und verlockend, aber zahntechnisch nicht zu bewältigen!! Wir versprachen, in einigen Tagen wiederzukommen und von den leckeren Angeboten zu probieren. Soweit ich mich erinnern kann, war von 4 Euro pro Person für das warme Abendessen die Rede, besser kann man es nicht haben!

Wir schauten uns noch ein wenig  in der modernen Empfangshalle um und sahen das schöne Schwimmbad und einen kleinen Kiosk, wo die Studenten Nötigstes kaufen konnten.  Von außen sieht das Gebäude nicht so gut aus,  es ist eben ein großer Wohnblock zur Unterbringung aller Studenten.

Zum Abend gab es Tomatensuppe mit Nudeln und Milchreis als Nachtisch. Wir sind froh, dass Frederick die beiden Eingriffe so gut überstanden hat und mit Hilfe der  Schmerztabletten ganz gut durch Tag und Nacht kommt.

Donnerstag, d. 23. April 2015
Zwangspause

Die „Zwangspause“  – also, keine Besichtigungstouren – tut uns auch mal ganz gut. Man kommt mit den Stellplatznachbarn ins Gespräch und tauscht Erfahrungen aus. In diesem Falle mit Robert, wie kann es anders sein, einem Engländer, der allein reist und monatelang mit dem Wohnmobil unterwegs ist, auch in Deutschland, wo er sich sehr gern aufhält.

Wir lesen endlich einmal die mitgenommenen Bücher. Später wollen wir uns die Wohnungen in dem Blockhaus auf dem Platz ansehen, 30 Euro pro Zimmer (für 2 Personen) pro Übernachtung. Vielleicht wird das einmal interessant für Freunde und Familie, denn es gibt häufig gute Angebote für Flüge nach Budapest.  Ich wundere mich über mich selbst: normalerweise bin ich ziemlich geräuschempfindlich, aber auf diesem Stellplatz stört es mich so gar nicht, dass ab und zu ein Güterzug durch das Wohnmobil fährt, gefolgt vom Geräusch eines Flugzeugs (Einflugschneise).

Direkt in der Einflugschneise

Direkt in der Einflugschneise

Entspannen bei 23 Grad im Schatten

Entspannen bei 23 Grad im Schatten

Aber das gute Wetter tut wohl ein Übriges und entschädigt. Nebenbei hört man viel Vogelgezwitscher, Hahnenkrähen und Hundegebell in schöner grüner Landschaft. Später gehen wir noch einkaufen, der Vorrat an Bananen und Milchreis schrumpft …

 

Freitag, 24. April 2015

Frederick  hatte das Einsetzen der Implantate so gut überstanden, dass  wir am späten Nachmittag Lust verspürten,  uns doch noch mal auf den Weg in die Stadt zu machen.  Frederick wollte die großartige abendliche Atmosphäre, wenn Brücken und Gebäude in der Dunkelheit beleuchtet ware,n mit der Kamera einfangen. Da es erst um 20 Uhr anfing, dunkel zu werden, fuhren wir mit der Metro zum Stadtwäldchen, dem Budapester Naherholungsgebiet (dem Englischen Garten in München ähnlich) , das wirklich sehr stadtnah liegt. Hier gibt es in der parkähnlichen Anlage die berühmte Therme aus Österreich-ungarischen Zeiten, den großen Zoo, einen fest installierten Zirkus, das in einer wieder aufgebauten Burg untergebrachte Landwirtschaftsmuseum und den protzigen Heldenplatz.  Die U-Bahn bringt einen direkt  vor Ort! Als Frederick die ersten Fotos machte, meldete die Kamera: „Kein Speichermedium zur Verfügung“.  Das war eine schöne Enttäuschung!  Frederick hatte die Speicherkarte im Laptop vergessen. Damit fiel natürlich das geplante Fotografieren desnächtlichen Budapests aus.  Wir bewältigten unseren Frust mit jeweils einem leckeren Eisbecher im „Romantika“, einem wunderschönen alten Café mit Blick auf die Burg, die wie ein Märchenschloss aussieht.

Wir erkundeten den Park noch ein  wenig . Überall waren Vorbereitungen im Gange für ein Stadtfest am Wochenende. Wir erfuhren, dass es sich um eine gemeinsame Aktion der Polizei, des Militärs und der Feuerwehr handelte, um den Menschen einen kleinen Einblick in deren Arbeitswelt zu geben.  Dann ging mit der Metro zurück. Diese Linie Nr.  1, die vom Stadtzentrum zum Stadtwäldchen fährt, ist übrigens die erste gebaute Linie (1896) auf dem Kontinent. Entsprechend „altmodisch“ waren die Bahnhöfe auf dieser Strecke,  alles sehr klein gehalten, noch nicht so sehr für die Massen ausgerichtet, die einmal kommen würden … Weiße und rote Fliesen sind die Wandverkleidung, alle Holzteile (Kartenhäuschen, Türen) aus Eiche – und sehr gepflegt.

Bahnhof der Metrolinie 1

Bahnhof der Metrolinie 1

Einer der Züge der Metro Linie 1

Einer der Züge der Metro Linie 1

Von Graffiti oder Schmierereien und den hässlichen Stickern, die man sonst woanders überall sieht (an Laternenpfosten, auf Brückengeländern etc.), keine Spur. Überhaupt gibt es davon im großen Budapest wenig.  Die U-Bahnhöfe sind durchweg sauber, wie auch die ganze Stadt und das Umfeld.  Bisher haben wir auch noch nichts von der schrecklichen  Schlösser-Manie gesehen, unter der bereits alte Brücken leiden, da in der Menge diese Schlösser ein ganz schönes  Gewicht mitbringen.  Wer ist bloß auf diese Idee gekommen, seine Liebe in dieser Form zu verewigen?  Wer will denn wissen, ob „Hanna und Marcus“ am 21.4.2015 sich hier  an diesem Brückengeländer ewige Treue schworen, kein Mensch!!

Samstag, 25. April 2015
Fredericks 70. Geburtstag

Heute wurde es also wahr, Frederick feierte einen  weiteren großen runden Geburtstag. Anne zauberte ein tolles Frühstück auf den Tisch, und damit konnte der Tag würdig eingeleitet werden. Auch Geburtstagsgratulanten meldeten sich schon bald per Telefon oder Email. Es war wiederum ein schöner Sommertag vorhergesagt. 24 Grad sollten es werden.

Heldenplatz am Stadtwäldchen

Heldenplatz am Stadtwäldchen

Unwiderstehliche Marzipan Leckereien

Unwiderstehliche Marzipan Leckereien

Also noch einmal in Richtung Stadtwäldchen, zum Volksfest, dieses Mal MIT Speicherkarte. Es war deutlich mehr los als am Vortag, da Samstag. Auf dem Heldenplatz wimmelte es vor Menschen. Frederick machte einige Aufnahmen von den Statuen, die beeindruckend sind sowie von den beiden großen Gebäuden (Kunsthalle und Museum der schönen Künste). Die Besichtigung dort heben wir uns für Oktober auf, jetzt ist das Wetter zu schön.

Im Park gibt es eine riesige betonierte Fläche, die im Winter in eine Eisbahn verwandelt wird. Hier spielen auch Eishockey-Mannschaften unter Flutlicht. Mittlerweile hatten alle Standbetreiber ihre Geschäfte eröffnet und die Verlockungen waren groß. Wir spazierten zur Burg und kauften zwei  Tickets  (1 Euro pro Person) für die Besteigung eines Turmes, um von dort einige Fotos machen zu können.  Die Burg, obwohl gar nicht alt, nämlich kurz vor der Jahrhundertwende erbaut,  ist mit all den Türmchen und Figuren sehr romantisch und märchenhaft.

Viele Familien mit Kindern waren unterwegs, ein Straßenmusiker beeindruckte uns sehr, weil er das  Instrument der australischen Ureinwohner, das Didgeridoo, so gut spielte.

Das Gelände ist riesig, Blumenbeete mit einer Tulpen- und Stiefmütterchen-Pracht schön angelegt. Schließlich kamen wir zu den  Feuerwehr-Wagen. Dort fanden Demonstrationen mit der Feuerleiter statt. Man konnte einmal hinauf- und hinab fahren, Höhe: wohl an die 30 m. Ich hatte eine gute Ausrede, es nicht zu tun, die Schlange war ewig lang, weil viele Kinder, hauptsächlich die kleinen Jungen, unbedingt einmal da hinauf wollten, mit Tatü-tata!

Burg Vajdahunyad - Landwirtschaftsmuseum

Burg Vajdahunyad – Das Landwirtschaftsmuseum

Hier durfte jeder, der wollte hinauf

Hier durfte jeder, der wollte hinauf

Die Gerüche von Gegrilltem, von Pizza und sonstigem umwehten uns, so kauften wir uns an einer der vielen (Fress)-Buden ein Pizza-Stück und teilten es uns. Wir wussten, dass weitere Verlockungen auf uns warteten. Auch hier waren die vorab beschriebenen „Schornsteine“ zu haben, das Schild an der Bude wies auf eine Spezialität aus Transsilvanien hin. Komisch, dass noch kein Jahrmarktsbetreiber in Deutschland diese Marktlücke entdeckt hat. Man kommt einfach nicht an diesem leckeren  und ungewöhnlichen Gebäck vorbei!

Es zog uns noch einmal auf den Heldenplatz zurück, dessen Ringstraße inzwischen von der Polizei abgesperrt war: Tausende von Radfahrern düsten an uns vorbei, es war offenbar eine organisierte und angemeldete Demonstration gegen das Auto, für das Rad (I love my bike). Plötzlich stoppte der ganze Trek und alle hoben ihre Fahrräder hoch, wie die Helden, am Heldenplatz eben. Vielleicht auch, weil sie bereits viele Kilometer gefahren waren, Alt und  Jung, und die Strecke hier beendet war.

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„I love my bike“ Fahrrad Demo mit tausenden von Teilnehmern

Ende des Fahrradmarathons

Ende der Fahrrad Demo

Wir informierten uns am Zoo über Eintrittsgelder und Öffnungszeiten,  konnten den Eisbechern im „Gundel“ Café nicht widerstehen und genossen die Atmosphäre, Fredericks Geburtstag und den schönen Sommertag.

Geburtstagseis im Gundel Café

Geburtstagseis im Gundel Café

Wie kann der so sitzen?

Wie kann der so sitzen?

Das „Gundel“ ist auch wieder so ein Caféhaus, das genauso gut in Wien stehen könnte, mit diesem besonderen  und eigenen Charme der österreichischen Cafés.

Wir fuhren nur 2 Stationen mit der U-Bahn, weil wir doch noch ein paar Kalorien ablaufen wollten. So kamen wir wieder durch die von mir geliebte Kiraly- (Königs-)Straße mit dem maroden Charme, den vielen Bars, Bistros und Ruinen-Cafés. Es gibt so vieles zu schauen.  Immer wieder tun sich neue Viertel auf. So standen wir plötzlich vor der altehrwürdigen Musikakademie und konnten einen Blick in die Eingangshalle werfen:  Hohe Deckengewölbe und  Wandmalereien, viel Blattgold auch hier.  Bestimmt  besuchen wir einmal ein Konzert, irgendwann.

Anne im A von Budapest auf dem Heldenplatz

Anne im A von Budapest auf dem Heldenplatz

Franz Liszt Musikakademie

Franz Liszt Musikakademie

Wir flanierten durch die Andrassy-Allee,  einer Prachtstraße (ca . 2,3 km lang), die direkt am Heldenplatz, von dem wir gerade zurückkamen, endet.  Auf einem Plakat lasen wir etwas über die Entstehung dieser Allee mit ihren unglaublich prächtigen fünfstöckigen Häusern.  Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen Bauboom, die Reichen und Noblen der Stadt wollten mit ihren teuren Kutschen nicht mehr durch die enge Kiraly-Straße fahren(war wahrscheinlich auch nicht befestigt!) und den Schmutz der niederen Bevölkerung, der dort angesiedelten kleinen Handwerkerbuden mit ansehen.  Also schloss man sich zusammen und gab Architekten die neue Stadtentwicklung in Auftrag.  In nur fünf Jahren wurde die Allee fertiggestellt, mitsamt der Bepflanzung   von Bäumen. Die „Überholung“ der Seitenstraßen, das heißt Abriss und Neubau von schönen Häusern,  erfolgte in einem weiteren Zeitraum von nur 10 Jahren! Hier hätten die Erbauer der Hamburger Philharmonie noch etwas lernen können! So kamen wir irgendwann bei unserer  U-Bahn-Station Deák Ferenc  an und fuhren Richtung Stellplatz zurück. Die restlichen 2 km liefen wir wie immer zu Fuß. Am Wohnmobil angekommen,  ließen  wir den  tollen Tag bei einem Glas Wein ausklingen.

Sonntag, d. 26. April 2015
Budapest Zoo

Heute wollten wir wieder einmal Kind sein und in den Zoo gehen. Der letzte Zoo-Besuch war wohl vor ca. acht Jahren auf Teneriffa, im berühmten LORO-PARK. Der ist es aber auch wirklich wert, besucht zu werden, wenn auch teuer!

Also fuhren wir wieder per Bahn zum Stadtwäldchen und kauften am Zoo die Tickets für Rentner,  8,50 Euro das Stück. Den Zoo gibt es seit 1866, er ist also deutlich älter als „unser“ Hagenbeck-Tierpark (1907). So sind die Anlagen für die Tiere auf einem sehr alten und eingewachsenen Gelände, mit großem alten Baumbestand. Am Sonntag in den Zoo: Diese Idee hatten natürlich viele junge Familien mit Kind und Kegel, aber es war auch schön für uns, so mitten drin zu sein.  Das Gelände ist gepflegt und liebevoll gestaltet, mit kleinen Statuen mittendrin, Sitzecken, Eisbuden.  Man hat versucht, soweit es nur möglich ist , den Lebensraum der Tiere nach zugestalten, aber natürlich bleibt ein Zoo ein Zoo und ist platzmäßig begrenzt!

Selten gesehen - schwarze Tulpen

Selten gesehen – schwarze Tulpen

Roter Ibis

Roter Ibis

Wir nahmen aber einen guten Eindruck mit und sahen doch auch das eine oder andere uns unbekannte Wesen aus dem Tierreich. In einem Restaurant bestellten wir unser Mittagessen, das zu normalen Preisen angeboten wurde. Noch etwas, das uns hier auffällt: Wie hier so auch auf Tankstellen ist nichts überteuert, eine Flasche Wasser kostet so gut wie überall, ob Restaurant, Bude oder Tanke, 300 HUF, also 1 Euro.

Wir wanderten langsam an den verschiedenen Gehegen vorbei und amüsierten uns besonders über die putzigen Erdmännchen. Auch einige Koalas bekamen wir zu Gesicht. Die Schlangen und Echsen in den Terrarien waren dann nicht so unser Ding.

Erdmännchen sondiert die Lage

Erdmännchen sondiert die Lage

Ägyptischer Dornschwanz - Nicht gerade ein Kuschetier

Ägyptischer Dornschwanz – Nicht gerade ein Kuschetier

Draußen im Elefantengehege beschäftigten sich Mutter und Kind. Mama passte auf den Kleinen auf, währenddessen der  mit einem Holzklotz spielte. Mit dem Rüssel schob der kleine Elefant sich das „Bauklötzchen“ in den Mund und leckte daran, wie alle kleinen Kinder es wohl tun. Wir schauten eine Weile zu und amüsierten uns. Es ging weiter ins Elefantenhaus. Dort wurde Papa Elefant gerade einer Pediküre unterzogen.  Zeigt her Eure Füßchen …. Und das tat der Elefant  dann auch. Erst jeweils den einen, dann den anderen Fuß gezeigt, der mit Hochdruckreiniger von den Pflegern gereinigt wurde. Da der Elefant  im abgetrennten Raum stand, hielt er die Füße nacheinander freiwillig durch eine kleine Öffnung zwischen den  Käfigstäben.

Elefanten Fusspflege

Elefanten Fusspflege

Zebras

Zebras

Die Pfleger spendierten  dem braven Tier immer mal ein Leckerli zwischendurch. Dann drehte der Elefant sich um und es ging an die Reinigung der Hinterfüße. Ohne Aufforderung steckte er dann sein Hinterbein durch die Öffnung für die Fortsetzung der Reinigung. Wir haben gestaunt, dass das Tier die Prozedur so gut mitmachte und uns köstlich darüber amüsiert.

Langsam näherten wir uns dem Ausgang des Zoos. Hier tat sich eine Überraschung auf: Eine Kinder-Kirmes mit Ketten-Karussell,  kleiner Achterbahn, sonstigen Fahrgeschäften.  Besonders schön ist das in einem festen Bau installierte Karussell, in dem sich die Pferdchen, Wagen, „Kaffeemühle“ zu Walzermusik drehen, wie aus einer anderen Zeit.

Traditionelles Karussell

Traditionelles Karussell

Ungarische Grillmethode

Ungarische Grillmethode

Auch in diesem Gebäude gab es Wand- und Deckenmalereien, viel Blattgold und natürlich waren die wunderbaren Figuren auf dem Karussell schön bemalt und bleiben, da unter Dach,  so auch gut erhalten. Frederick freute sich über so viele schöne Motive und fotografierte, was das Zeug hielt!

Die Füße wieder mal rund gelaufen, fuhren wir zurück zum Stellplatz und schauten auf einen weiteren erlebnisreichen Tag zurück.

Samstag, 27. April 2015
Szentendre

(siehe separater Bericht unter Szentendre)

Nach dem Besuch in Szentendre kamen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Budapest an. Wir stiegen am Bahnhof Margarethen-Brücke aus, eine Station vor Batthyany-Platz, liefen an der Donau entlang und bewunderten die Prachtbauten auch auf dieser Seite. Am schönsten aber ist natürlich der Blick hinüber auf die Seite des Parlament-Gebäudes, das sich so langsam mit seiner Beleuchtung gegen den Abendhimmel abhob, ein toller Anblick.

Parlament am Abend

Parlament am Abend

Wir waren nicht die einzigen, die auf diesen Moment gewartet hatten. Da zurzeit über eine lange Strecke hin ein Bauzaun die uneingeschränkte Sicht beeinträchtigt, hat man auf der Höhe der Batthyany-Platz U-Bahn-Station eine Lücke im Zaun gelassen, so dass der Weg zur Donau und damit die Sicht für Fotografen frei ist. Ein überwältigender Anblick, das erleuchtete Parlamentsgebäude, von dem man sich nur schwer losreißen kann!

Nationalgalerie

Nationalgalerie

Parlament

Parlament

Bahnhof Betthyany Ter

Bahnhof Betthyany Ter

Schließlich fuhren wir mit der U-Bahn auf die andere Seite. Nun war es schon richtig dunkel geworden und wir konnten von der Seite des Parlamentsgebäudes den ersehnten Blick auf die beleuchteten Brücken, die angestrahlte Burg und die National-Galerie genießen.  Auch hier waren an diesem schönen warmen Abend  einige Leute unterwegs, um unvergessliche Eindrücke festzuhalten.  Es war wohl bereits gegen 21.15 Uhr, als wir uns zum Heimweg entschlossen. Wir spazierten entlang der Donau, sahen die vielen Dinner-Cruise-Boote,  auch diese wunderschön beleuchtet und genossen diese einzigartige Atmosphäre. Obwohl Montagabend, waren die Restaurants, an denen wir vorbei kamen, durchweg gut besucht und aus so manchem Biergarten erklang Geigenmusik, live gespielt.  Wir waren froh und dankbar, dass wir so einen tollen Tag mit bestem Wetter erlebt hatten, denn für Dienstag war Regen vorhergesagt.  Für uns in 18 Tagen Aufenthalt der 2. Regentag, also macht uns das GAR NICHTS aus!

Zurück im Wohnmobil schauten wir uns noch eine Episode „Black Adder“ auf DVD mit Mr. Bean Darsteller Rowan Atkinson an.

Dienstag, d. 28. April 2015
Faulenzen

Heute haben wir ausgiebig gefaulenzt. Wir blieben auf dem Stellplatz, Frederick hatte am Computer mit dem Formatieren der Fotos zu tun, ich kümmerte mich um das Waschen unserer Kleidung. Die Waschmaschine steht  direkt neben unserem Mobil und ist zur freien Benutzung, das ist eher selten. Den übrigen Tag verbrachten wir mit Lesen und am Abend DVD-Gucken. Das war auch mal ganz erholsam. Morgen wollen wir eine Bootstour auf der Donau machen mit Ziel Szentendre.

Mittwoch, 29. April 2015
Bootsfahrt nach Szentendre

siehe separater Bericht

Donnerstag, 30. April 2015
Zahnarzttermin und Abreise nach Rabenstein

 Budapest Fotogalerie 

 

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