Santander

 In Spanien

Mittwoch, 3. April 2019
Viel Regen, viele Kilometer

Am frühen Vormittag verließen wir das schöne A Coruña, eine Strecke von knapp 400 km vor Augen. Tagesziel war der kleine Küstenort Llanes als Übernachtungsort. In Llanes sollte es einen kostenlosen und sicheren Stellplatz geben. Wir durchfuhren die grüne, von hohen Bergketten eingefasste Landschaft Galiziens im Nordwesten. Weiter ging es durch das Kantabrische Gebirge in Asturien. Die Küste ist als Costa Verde bekannt, Verde heißt grün, aber es gibt hier nicht nur saftiges gutes Weideland für die Kühe, sondern auch einige der schönsten Strände Spaniens. Leider war Regen auf der Fahrt unser ständiger Begleiter. Daher fuhren wir die schönen Orte mit ihrer mittelalterlichen Architektur (u.a. Oviedo) nicht an. Ein Blick auf das Thermometer: 3 Grad, also deutlich kälter hier in den Bergen! Nichts wie durch!

Viel Ginster entlang den Autobahnen

Blühender Ginster entlang den Autobahnen

Die Festung von La Coruña

Die Festung von La Coruña

Auf der Autobahn ließ es sich bei geringem Verkehr gut wegschnurren, Frederick machte es so gar nichts aus, auch das schlechte Wetter nicht. Wir müssen den Spaniern (und natürlich auch den Portugiesen!) mal ein großes Lob aussprechen: Die Straßen sind überwiegend gut, die Seitenstreifen (an der Autobahn!) oftmals schön bepflanzt und gepflegt.  Es ist ja klar, dass wir mit unserem Mobil kleine Dorfstraßen meiden, darüber können wir also nicht berichten. Auch das Kap Finisterre, das “Ende der Welt” in der Provinz A Coruña wollten wir uns nicht antun, obwohl wir das im Nachhinein doch bereuten. Man kann es wohl doch ohne Probleme wagen… Allerdings hätte uns das zu viel Zeit gekostet.

Gerade auf dieser langen Strecke bezahlten wir so gut wie gar keine Maut. Die Viadukte in schwindelerregender Höhe (Anne!) und die Fahrten durch die Tunnel zählten wir nicht mehr, es waren zu viele! Das Gute daran waren die einzigartigen Ausblicke auf die Landschaft: Hohe teils schneebedeckte Berge und verwunschene Dörfer in den Tälern.

Im Regen erreichten wir den vorher als Tagesziel ausgesuchten, kleinen Küstenort Llanes. Auch den Stellplatz fanden wir sofort, doch zu unserer großen Enttäuschung war dieser geschlossen. Frederick rief bei der Tourist-Info im Ort an. Auch dort war man überrascht und wusste darüber nichts. An sich hatten wir uns darauf gefreut, nach vier Stunden Autofahrt hier entspannen zu können.

Wir parkten neben dem Stellplatz, um alternative Pläne zu schmieden. Frederick studierte die Stellplätze im Umfeld, ich servierte derweil Kaffee und Kuchen. Zwischenzeitlich öffnete der Himmel seine Schleusen mit mehreren starken Hagelschauern hintereinander sowie Blitz und Donner – ein Riesengetöse im Wohnmobil. Doch wir hatten die Heizung an und es war ganz gemütlich.

Hagelschauer in Llanes

Hagelschauer in Llanes

Bergige Landschaft und viele Viadukte und Tunnel

Bergige Landschaft und viele Viadukte und Tunnel

Schließlich entschlossen wir uns, bis Santander – unserem nächsten touristischen Ziel – weiterzufahren. Dort sollte es in der Nähe der Universität einen schönen und sogar kostenlosen Stellplatz geben.

Santander ist die Hauptstadt der Region Kantabrien, Einwohnerzahl etwa 200.000. Da galt es, sich hindurch zu mogeln. Das Navi hatte uns zu einer Einbahnstraße geführt, in die wir nicht einbiegen durften. Frederick fuhr also wieder mal “nach Nase”, das funktioniert meistens sehr gut!
Er umfuhr den Bereich und fand auch tatsächlich die Zufahrt von der anderen Seite. Der Platz mit Ver- und Entsorgung wird von der Stadt zur Verfügung gestellt. Er liegt zwischen der Universität und der Grünanlage Parque de las Llamas ungefähr 1,5 km vom Zentrum (nach Osten) entfernt bzw. vom Naherholungsgebiet mit tollem Strand (2 km nach Norden) entfernt. Ein toller und ruhiger Platz! Genug gefahren, gesehen und erlebt, machten wir es uns gemütlich und hofften auf besseres Wetter am nächsten Tag.

Stellplatz Santander

Stellplatz Santander

La Coruña - LLanes - Santander

La Coruña – LLanes – Santander

Donnerstag, 4. April 2019
So weit die Füße tragen… 

Blauer Himmel und Sonnenschein, wer sagt‘s denn: Wenn Engel reisen …Nichts wie raus in die Stadt – nicht ahnend, dass zwischen dem Stellplatz und dem Zentrum ein ziemlich großer Hügel lag, den es über viele und steile Anstiege (und Abstiege) Stufen zu überwinden gab. Erst rauf, dann unter – beruhigend, dass es ab einer bestimmten Höhe Rolltreppen (!) gab, jedoch nur hinauf, also vielleicht für den Rückweg …

Wir kamen durch ziemlich alte Viertel. Die hatten so gar nichts mit unserer schönen neuen Welt, den schicken Neubauten am Uni-Gelände zu tun. Endlich, nach etwa 45 Minuten waren wir in der Innenstadt auf Meereshöhe. Wir folgten dann den großzügig angelegten Promenaden entlang der Bucht, da es uns in den Straßen zu langweilig wurde. Fast alles dicht, Siesta! Die ist übrigens in Spanien viel länger als in Portugal.

Das prächtigste Gebäude. die Santander Bank

Das prächtigste Gebäude. die Santander Bank

Rathaus Santander

Rathaus Santander

Appetit angelaufen, fanden wir den Weg in eine kleine Bar und teilten uns eine Pizza, die beste, die wir seit langem hatten. Rückblickend auf unsere vielen Streifzüge durch Landschaften und Städte, kommen wir täglich im Schnitt auf unsere 10.000 Schritte, die der Gesundheit förderlich sein sollten.

Vor vielen Jahren waren wir schon einmal per Fähre von Plymouth nach Santander gereist, ein 3-Tage-Trip zum Schnuppern. Ich konnte mich nur noch an den Strand erinnern … dahin wollten wir und nahmen unsere Wanderung wieder auf. Eine ziemlich lange, doch sie führte uns in den gepflegten älteren Teil der Stadt, mit eher mondänen Häusern. Typisch, im schönsten Gebäude: ein Casino!

Das Centro Botin

Das Centro Botin

Wasser, Sandbank, Wald und Schnee

Wasser, Sandbank, Wald und Schnee

Das Kasino am Nordstrand

Das Kasino am Nordstrand

Maler Schattenbild

Maler Schattenbild

Neptun Jüngling

Neptun Jüngling

Die Strecke – zwar schön – aber lang, Rolltreppen nicht in Sicht, da am anderen Ende der Stadt angelangt. Endlich kamen wir an die Straße, die uns zurück zum Stellplatz führte, allerdings auf der falschen Seite. Zum Glück gab es an der Brücke einen Supermarkt, in dem wir noch etwas einkaufen konnten. Dann mit rund gelaufenen Füßen über die Brücke, die die grüne Lunge der Stadt, den erwähnten Park überspannt, zurück zum Stellplatz.
Will man NUR zum Strand, könnte man es sich durchaus leichter machen: nicht den Riesenhügel überwinden und die Stadt umrunden, sondern entspannt die etwa 30 Minuten laufen, man kommt damit aber nicht auf die 10.000 Schritte …

Zugegebenermaßen völlig platt im Wohnmobil angekommen, klopfte es zaghaft an die Tür. Das Mädchen von nebenan (ein für Camping eingerichteter Renault Kangoo parkte neben uns) fragte, ob wir einen Korkenzieher dabei hätten. Klar verliehen wir den gern. Es entspann sich ein kurzes Gespräch nach dem Woher und Wohin. Die beiden Bielefelder standen am Anfang der Reise, Ziel: Strände im 3-wöchigen Urlaub besuchen, an denen man surfen konnte (Bretter auf dem Autodach). Da lag so einiges vor ihnen.

Unsere Energien beschränkten sich gerade noch aufs Abendbrot (Kalte Küche) mit anschließendem Nichtsmehrtun.

Freitag, 5. April 2019
Spektakuläre Aussicht vom Stellplatz auf Bilbao

Irgendwie schade, dass wir weiter mussten, aber der Ruf der Heimat … und die Spinne in Bilbao und das grandiose Guggenheim Museum und, und, und …

Wir mussten unbedingt einen Waschtag einlegen. Im großen Bilbao wollten wir nicht nach einem Waschsalon suchen, also wurde ein kurzer Stopp in dem kleinen (etwa 11.400 Einwohner) Seebad Laredo. Des weiteren wurden wir angezogen von den viel versprechenden Adjektiven wie ”schönste Bucht mit längstem Strand Kantabriens”, ”bemerkenswerte historische Altstadt aus dem 16. Jahrhundert”.

Das hat allerdings zur Folge, dass es ein touristisches Highlight ist, Wohnmobil-Reisende haben hier nichts zu suchen, es gibt weder Stellplatz noch Parkplätze für unsereiner. Alle Gassen und Straßen sind schon jetzt (keine Saison!) vollgeparkt, nur mit viel Glück erwischen wir – Frederick wurde schon sauer, was so gut wie nie vorkommt – einen Parkplatz direkt an der Strandpromenade. Google hilft bei der Suche nach Waschsalons und dieser hier ist nur sieben Gehminuten entfernt. Wir marschierten los, dann blieb ich allein zurück, weil Frederick die Zeit am Computer nutzen wollte. Glücklicherweise war eine Waschmaschine frei und ich konnte gleich starten, 35 Minuten Wasch-, 20 Minuten Trockenzeit = 7€.
Ich schaute vor die Tür, nix war hier los, wieder mal Siesta. Sogar die Pastelerias (Konditoreien) waren dicht. Mist, wir hätten unsere Kuchen vorher einkaufen müssen!

Drei Delfine an der Strandpromenade in Laredo

Drei Delfine an der Strandpromenade in Laredo

Der riesige Strand von Laredo

Der riesige Strand von Laredo

 

Keine Pferde waschen!

Keine Pferde waschen!

Sie hat die Haare schön

Sie hat die Haare schön

Tribut an die Tradition der Fischersleute-

Tribut an die Tradition der Fischersleute-

Zurück am Wohnmobil, gab‘s statt Kaffee und Kuchen die Weiterfahrt (45 Minuten) nach Bilbao. Hier müsste es ja wieder einen Bäcker geben.
Der Stellplatz, den John (ein eifriger Leser unserer Reiseberichte) uns empfohlen hatte und der 12€ pro Übernachtung kostete, erwies sich am Ende als spektakulär. Zwar war ich sauer, da der Weg zum Platz sich über eine ebenso enge wie steile Straße hinauf wand, musste aber zurückrudern, weil ganz Bilbao nun vor uns und unter uns lag! Eine Wahnsinnsaussicht auf die Stadt bot sich uns! Danke, John!

Blick auf Bilbao vom Stellplatz

Blick auf Bilbao vom Stellplatz

Santander - Laredo - Bilbao

Santander – Laredo – Bilbao

Auf den zwei terrassenförmig angelegten Flächen im Grünen fanden wir einen Platz in der zweiten Reihe. In der ersten mochte ich (Anne, feige wie ich bin) nicht sein, da ging es gleich steil bergab, falls man sich mit der Gangschaltung mal vertut. Die Begrenzung war nur durch einen Holzzaun gesichert. Wir hatten auch so einen großartigen Ausblick auf die Stadt. Und dann erst bei Nacht, als die Lichter an waren … wie funkelnde Diamanten!

Wir können uns vorstellen, dass in der Saison alle Plätze belegt sind. Jetzt aber gab es noch genug Auswahl – sehr angenehm. Wir spazierten draußen noch ein wenig herum. Der Platz bietet eine öffentlicbe Toilette (Schlüssel in der kleinen Rezeption erhältlich) und moderne, saubere Ver- und Entsorgung. Bis 23 Uhr ist die Rezeption besetzt, es gibt eine Mikrowelle, in der man tief-gefrorene Pizzen aufbacken kann (5€ pro Stück). Außerdem werden Olivenöl, Salz, Zucker, frische Baguettes, Süßigkeiten und andere Kleinigkeiten bereit gehalten.

Neben dem Gelände schließt sich ein weiterer großer Pkw-Parkplatz an. Ein alter, offenbar unbewohnter Hof macht neugierig. Führt von hier vielleicht ein Weg hinunter in die Stadt? Daran wollte Frederick gar nicht erst denken, wegen der Knie. Er läuft lieber aufwärts denn abwärts. Bei mir ist es genau umgekehrt. Es war sowieso zu spät für solcherlei Abenteuer. Ein Bus fährt in 10-minütigen Abständen in die Stadt. Die Haltestelle ist nur ein paar Schritte entfernt vom Stellplatz. Das nahmen wir uns für Samstag vor.

Hier im Grünen und in der Ruhe (fast wie auf einer Alm) atmeten wir erstmal durch und begeisterten uns – wie die anderen Besucher – für den Ausblick auf das erleuchtete Sportstadion und die Stadt unter uns.

Weitere Fotos von Santander

Bilbao bei Nacht

Bilbao bei Nacht

Das moderne Stadion San Mamés von Athletico Bilbao am Abend

Das moderne Stadion San Mamés von Athletico Bilbao am Abend

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Showing 2 comments
  • John
    Antworten

    Hallo Anne und Frederick,
    Wieder mal ein ganz toller Bericht von Euch!
    Das der Platz in Bilbao nur über die enge steile Straße zu erreichen ist habe ich bewusst verschwiegen da ich aus euer Berichten erfahre habe das du Anne unter Höhe Angst leidest, aber es war die Mühe wert, so wie ihr es beschreibt und es wäre wirklich schade gewesen wenn ihr dieser Tollen Ausblick verpasst hättest.
    Weiterhin immer gute Fahrt, und weiter mit socher klasse Reiseberichte.

    John

  • Michael Höfelein
    Antworten

    Danke für den wieder tollen Bericht. An die Costa Verde werden bei uns alte Erinnerungen aus dem 60ger Jahren wach.
    Gute Weiterfahrt und herzliche Grüsse, Renate und Michael

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