Santiago de Compostela

 In Spanien

Montag, 1. April 2019
Irrfahrt, um zu tanken und erste Eindrücke von dieser Pilgerstadt

Nach dem tollen Kurzaufenthalt in Ponte de Lima, wo wir noch für 20€ Diesel nachtankten (nicht voll, da wir das in Spanien machen wollten – der Unterschied liegt bei bis zu 25 Cents pro Liter) waren wir nach ca. 30 Minuten bereits in Spanien. Wir fuhren auf der Autobahn, bogen aber ab nach Vigo, um mal kurz einen Eindruck zu erhaschen. Nein, danke! Das war schon auf den ersten Blick ein Moloch von Stadt (ca. 293.000 Einwohner)! Außerdem konnten wir keinen vernünftigen Stellplatz ausfindig machen – wie so oft bei diesen großen Städten. Die wollen uns einfach nicht! Also nichts wie weiter nach Santiago de Compostela.

Das gut ausgebaute Autobahnnetz rund um Santiago ließ uns recht leicht den stadtnahen Stellplatz finden. Aber mittlerweile wurde es knapp mit dem Benzin und wir suchten nach dem billigsten Anbieter, zumeist sind es die Supermärkte. Trotz der Hinweisschilder sind diese dann oft doch nicht so leicht zu finden. Es kam zu einem unschönen Schlagabtausch, weil ich den Billiganbieter nicht so schnell finden konnte. Es wurde aber auch immer enger auf der Fahrt ins Zentrum …und nirgendwo eine Parkmöglichkeit. Und schon befanden wir uns in den engen Gassen einer stark bebauten Gegend, nur noch enge Einbahnstraßen … Frederick mogelte uns bravourös heraus, aber immer noch kein Supermarkt in Sicht und wir gerieten dann dummerweise wieder auf die Autobahn, wo wir schon mal waren. Viele Kilometer für nichts und die Kraftstoffanzeige zeigte bereits dunkelrot. Schließlich nahmen wir in Kauf, dass wir bei der teuren “Repsol” tankten (1,26€ der Liter). Nun aber zum Stellplatz, der sich verkehrsumtost, also zentrumsnah, als Parkplatz erwies. Dort standen fünf weitere Wohnmobile, auch ein deutsches mit Kennzeichen OH! Wir bezahlten 3,50€ und sollten am nächsten Tag nach den Stunden unseres Aufenthaltes abrechnen.

Ponte de Lima - Vigo - Santiago de Compostela

Ponte de Lima – Vigo – Santiago de Compostela

Turm der Kathedrale

Turm der Kathedrale

Stellplatz in Santiago de Compostela

Stellplatz in Santiago de Compostela

Es war mittlerweile später Nachmittag und es begann, aufzuklaren, also wanderten wir sofort Richtung Innenstadt los, ein kleiner Spaziergang, vorbei an einer Grünanlage, von etwa 20 Minuten. An vielen Stellen sahen wir Schilder mit der Jakobsmuschel als Hinweis, dass wir uns auf dem richtigen Wege befanden. Diese dienten dazu, den Pilgern den Weg weisen …

Fast schämten wir uns, dass wir es uns so leicht machten. Zwei Kilometer zur Kathedrale pilgern, dafür gab es bestimmt keine Compostela (Urkunde für Pilger, die den Besuch der Kathedrale und damit das Ende der Walfahrt auf dem Jakobsweg bescheinigt)! Leider machen unsere Füße nicht mehr mit bei einer solch anstrengenden Pilgertour …

Kloster San Martín

Kloster San Martín

Die Kirche San Martín

Die Kirche San Martín

Der Eindruck in den engen Mauern der Altstadt, die Größe des Platzes vor der Kathedrale, ihre Höhe und Schönheit, auch der weiteren Gebäude im nahen Umkreis sind überwältigend!

Kathedrale in Santiago

Kathedrale in Santiago

Kathedrale in Santiago

Kathedrale in Santiago

Es war gar nicht so viel los. Es ist wohl noch zu früh/zu kalt für den großen Strom der Pilger. Vielleicht sahen wir vier, fünf Leute mit ihren großen Rucksäcken, Wanderschuhe alle noch heil … wer weiß, von wo sie losgelaufen waren. Aber „normale Touristen“ – wie wir – gab es doch eine Menge.

Wir ließen die Atmosphäre auf uns wirken, machten ein paar Fotos und schlenderten dann durch die vielen, lebhaften Gassen. Trotz des Touristen-Hypes kann man einen Besuch dieser Stadt wirklich empfehlen, sie ist eine (Pilger-) Reise wert. Die Kathedrale schloss um 19 Uhr ihre Pforten, aber wir wollten sowieso am nächsten Tag wiederkommen.

Üppige Blütenpracht in einem Innenhof

Üppige Blütenpracht in einem Innenhof

Pilger in Santiagos Gassen

Pilger in Santiagos Gassen

Aber noch war der Tag für uns nicht zu Ende. So viel gab es zu sehen. Die vielen Souvenir-Shops, Gasthäuser, Bars, Pensionen …. hier gab es nicht einen Leerstand, kommen ja genügend Leute in die Stadt. Frederick kaufte mir zum Andenken eine Kette mit einer silber-grünen Muschel, sehr sehr schön!

Wir suchten uns eine kleine Taberna zum Abendessen. Dort waren wir die einzigen Gäste und Frederick war hervorragen mit „Gambas de la Plancha“ in Knoblauchsoße bedient – also Garnelen aus der Pfanne. Ich begnügte mich mit Käse und frischem Brot. Der Wirt servierte noch drei kleine Tapas und einen guten Rotwein. Seine Frau und Kinder setzten sich an den Nachbartisch und aßen auch ebenfalls zu Abend. Die Kinder löffelten ihre Suppe, spielten mit ihrem Notebook und bekamen anschließend noch Pizza und Brötchen. Der Fernseher lief die ganze Zeit, eine Koch-Show. Alle gaben “ihren Senf” dazu, eine lebhafte Familie, wie es uns schien. Wir waren also kurz vor Feierabend noch hereingekommen. Aber es hatte sich gelohnt. Die Atmosphäre war toll. In der Nähe der Kathedrale erklang wunderschöne, klassische Musik, die uns anzog. Es waren drei russische Musikanten, die tolle und anspruchsvolle Musik machten. Wir waren fasziniert und hörten eine Weile zu. Schließlich wurde es Zeit, aufzubrechen. Welch ein Abenteuer, hier zu sein!

Erleuchtete Kathedrale

Erleuchtete Kathedrale

Drei russische Musikanten

Drei russische Musikanten

Dienstag, 2. April 2019
Nochmals ein Besuch in der Pilgerstadt Santiago

Vom morgendlichen Autolärm geweckt, standen wir zeitig auf, um noch einmal die Kathedrale zu erleben. Nach einem kurzen Frühstück waren nach 20 Minuten wieder in der Altstadt. Wie am Abend zuvor hatten sich schon wieder einige Straßenmusikanten (Dudelsackspieler) und fliegende Händler an den Plätzen um die Kathedrale eingefunden. Völlig verblüffend ist, dass der Besuch der Kirche kostenlos ist. Das ist wirklich nicht selbstverständlich. In manchen Kirchen wird eindringlich um Spenden gebeten, oder Eintritt verlangt, hier jedoch nicht.

Zu große Füße für Anne

Zu große Füße für Anne

Das Innere der Kathedrale

Das Innere der Kathedrale

Anne vor der Kathedrale

Anne vor der Kathedrale

Das Gotteshaus steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben ist. Somit ist sie Ziel der Pilger des Jakobsweges.

Leider waren innen einige Gerüste aufgestellt und Restaurationsarbeiten wurden vorgenommen. Die Kirchenbänke waren entfernt worden. So fanden wir uns in einem Gewusel von Arbeitern und einigen Besuchern wieder. Da schauten wir uns das Bauwerk doch lieber noch einmal von außen an.

Ich huschte schnell noch mal ins Parador-Hotel neben der Kathedrale, um den Press für eine Übernachtung herauszufinden. 197€ war die Antwort für ein Doppelzimmer mit Frühstück. Die Parador Hotels haben eine eigene Geschichte. Das Unternehmen, gegründet in 1928, ist eine Aktiengesellschaft im Staatseigentum. Ursprünglich wurden die Land- oder Herrenhäuser um 1910 als Projekt angedacht, um Wanderern eine Unterkunft bei Gastfamilien zu bieten. Spanien wollte sein Bild im Ausland verbessern. Viele der Hotels sind in historischen Orten (wie dieses hier!) oder in besonders schönen Landschaften zu finden (auf Teneriffa am Berg Teide).

Ein Turm der Kathedrale

Ein Turm der Kathedrale

Nächtlich erleuchtetes Parador Hotel

Nächtlich erleuchtetes Parador Hotel

Enge Gasse

Enge Gasse

Wir bummelten gemächlich durch die Gassen und ließen uns treiben, bis es Zeit zur Weiterfahrt wurde. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass es ein ganz besonderes Erlebnis sein muss, nach einer langen Pilgertour hier am ersehnten Ort anzukommen (und womöglich im Parador zu übernachten!) Für viele bedeutet das Pilgern ja innere Einkehr oder eine Herausforderung, aber die Füße müssen halt mitmachen!

Am Serviceschalter des Stellplatzes bezahlten wir für die Übernachtung 12,50€, das war sehr günstig für das, was wir hier erleben durften.

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Comments
  • Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Jetzt könnt Ihr Euch auch Pilger auf dem Jakobsweg nennen. Wenn Ihr auch nicht den ganzen Weg zu Fuß gepilgert seid,
    so habt Ihr doch – von Deutschland aus berachtet – den wohl längsten Weg genommen…..
    Stellt Euch ‚mal vor, Ihr wäret den (normalen) Weg von zu Hause gelaufen und kämt dort in der Kathedrale von Santiago an,
    um dann festzustellen, dass es sich um eine Baustelle handelt – ohne Bestuhlung, mit Baulärm und Bauarbeitern.
    Eine glatte Enttäuschung wäre das, sehr ärgerlich und als Lohn für den mühsamen Weg wenig geeignet.
    Da ward Ihr mit dem Wohnmobil auf dem Dethleffsweg besser dran!
    In diesem Sinne – weiterhin gute Reise!
    Assi

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