Tarifa (und Tanger)

 In 2019, Spanien

Donnerstag, 7. März 2019
Tarifa, die Kite-Surfer Hochburg

Natürlich zog es uns nach dem Frühstück noch mal an den Strand, um noch mehr „Meerglas“ zu sammeln, das können wir nun tütenweise nach Hause schleppen! Ein Fischerboot tat es Frederick an, da es sich im Gegenlicht als Schattenbild darstellte. Bei der Wanderung entlang des Strands stießen wir auf ein schwarzes Objekt, das von den sanften Wellen umspült wurde. Erst bei näherem Hinsehen stellte es sich als ein großer Fisch heraus. Wie wir wir kurze Zeit später herausfanden, war es ein Mondfisch. Etwa einen Meter lang, aber fast ohne erkennbare Schwanzflosse.

Gestrandeter Mondfisch

Gestrandeter Mondfisch

Fischer am frühen Morgen

Fischer am frühen Morgen

Für uns wurde es Zeit zur Weiterfahrt. Ziel war Tarifa, der südlichste Ort Spaniens und nur durch die hier nur 15 km breite Meerenge von Gibraltar von Afrika getrennt. Auftanken eingeschlossen dauerte es bis zur Ankunft am Stellplatz etwa eine Stunde.

Von Hafen- und Strandseite aus sieht man am Horizont die marokkanische Küste mit dem Berg Dschebel Musa. Wir lesen nach, dass der kleine Ort als eine der „Welthauptstädte“ für Wind- und Kitesurfer gilt. Das eigentliche Mekka des Kite-Surfens ist allerdings einige Kilometer weiter westlich. Dort tummeln sich Tausende. Uns zog es zunächst an den Strand. der nur dreihundert Meter vom Stellplatz entfernt ist. Zum Stellplatz ist zu sagen, dass er angeblich 8€ kosten soll und einfachste Ver- und Entsorgung bietet. Ein Hinweisschild ist abgehängt! Zum Kassieren kam niemand und nur die Entsorgung funktioniert, allerdings nicht die Frischwasser-Zufuhr. Wir tippen mal darauf, dass die Saison erst am 1. April beginnt. Der Platz ist sehr groß, umzäunt und ziemlich voll. Von Hippi-Fahrzeugen bis zu größeren Reisemobilen ist alles vertreten. Viele haben zwei, drei Hunde dabei. Die sind aber lieb und keiner hat unsere Nachtruhe gestört.

Schattenspendende Konstruktion nahe des Stellplatzes

Schattenspendende Konstruktion nahe des Stellplatzes

Großer Stellplatz in Tarifa

Am Atlantik blies uns ein kräftiger Wind vom Meer entgegen. Frederick wurden denn auch gleich ein paar Kitesurfer vor die Linse gepustet. Der Strand ist sehr breit und die hier doch schon ziemlich heftigen Atlantikwellen rauschen oft viele Meter auf den Strand, so dass man aufpassen muss, nicht erwischt zu werden.

Strand nahe des Hafens

Strand nahe des Hafens

Kiteschirme und Möwen im Flugduell

Die Promenade wie auch die Gegend auf dieser Seite des Ortes ist eher einfach. Vielleicht ist es auch nur unser Eindruck, da nicht sehr belebt. Die Saison hat offenbar noch nicht begonnen. Nach einer halben Stunde erreichten wir schließlich den Fährterminal. Von hier aus reisen die Schiffe nach Marokko, also Afrika ab. Wir überlegten nicht lange und kauften zwei Tickets für Freitag, Abfahrt 9 Uhr. Die Fahrt mit dem Katamaran dauert etwa eine Stunde, Hin- und Rückfahrt kosten 68€ pro Person.

Da hatten wir also noch ein schönes Abenteuer vor uns! Ein Märchen aus 1000 und einer Nacht?

Wir bummelten zurück, es gibt nichts Langweiligeres als zur Siesta-Zeit in kleinen spanischen Orten unterwegs zu sein! Alles ist dicht! Frederick fand im Wohnmobil n

mich um das Abendessen. Übrigens funktioniert unser Fernsehen weiterhin problemlos, obwohl wir ja jetzt schon sehr weit von Deutschland entfernt sind. Sportschau, Tagesschau und Tatort sind also immer abrufbereit.

Freitag, 8. März 2019
Unser Tanger Abenteuer

Das Klingeln des Weckers riss uns aus dem Schlaf: 7.30 Uhr, das Abenteuer Tanger in Marokko wartete auf uns. Wir zogen uns rasch an, hielten uns nicht mit Kaffee und Frühstück auf und liefen die 20 Minuten von unserem Stellplatz zum Fährhafen. Frühes Ankommen sichert die besten Plätze! Es hatte sich bereits eine Warteschlange gebildet, aber die Pass- (Reisepass mit mindestens 6 Monaten Gültigkeit sowie das Ausfüllen eines Ein- und Ausreiseformulars) und Gepäckkontrolle aller Passagiere verlief zügig so dass wir schon bald an Bord des modernen Katamarans gehen konnten. 777 Personen finden auf dem Schiff Platz.

Unser Marokko Katamaran

Unser Marokko Katamaran

Blick auf Marokko von Tarifa aus

Blick auf Marokko von Tarifa aus mit dem Berg „Dschebel Musa“

Frederick kaufte unser Frühstück im Café an Bord: Kaffee und frische Croissants, so dass wir bis zur Abfahrt unser Frühstück bereits vertilgt hatten.  Kurz nach 9 Uhr startete der Katamaran. In etwa einer Stunde Fahrtzeit durchquert die Fähre die Straße von Gibraltar nach Tanger. Es ist die schnellste Verbindung für die ca. 17 km lange Strecke.
Bei strahlendem Sonnenschein und ruhiger See war die Überfahrt ein Vergnügen und wir näherten uns schnell der afrikanischen Küste.

Blick auf die Altstadt vom Hafen aus

Blick auf die Altstadt vom Hafen aus

Wir nähern uns Tanger

Wir nähern uns Tanger

 

Die Passkontrolle verlief auch hier trotz des Andranges zügig. Kaum hatten wir das moderne Gebäude am Port verlassen, da wurden wir gleich von jedem im Kaftan gekleideten Entgegenkommenden angesprochen: Führung? Ich zeige Ihnen … Kommen Sie bitte … Frederick hatte sich bereits die Worte zurecht gelegt, „la shukraan“, arabisch für “nein, danke”. Das funktionierte prima.

Unsere Unerfahrenheit beim Eintauchen in eine völlig andere Kultur sollten wir aber schnell bereuen. Sich auf eigene Faust in solch einer großen Stadt auf Erkundungstour zu machen, ist eigentlich Quatsch. Immerhin hat Tanger beinahe 1 Million Einwohner. Was kann man in der kurzen Zeit ohne Führung wohl selbst entdecken? Doch wir planten ja nur einen Kurzbesuch in der Altstadt (Medina), der Kasbah (Museum) und einiger Märkte ((Souks). Das sollten wir an sich hinkriegen,

und so wanderten wir schnurstracks den kleinen Hügel hinauf in die Stadt. Welch ein buntes Bild bot sich da! Ein Gewusel von Menschen, Autos, Fahr- und Motorrädern, Obst- und Gemüse- und anderen Verkaufsständen. Dass die Stadt schon mal bessere Zeiten gesehen haben muss, wurde bei diesem Gewirr ganz gut überdeckt. Als erstes wechselten wir Geld, obwohl man auch in Euros bezahlen kann. Für 40€ bekamen wir 400 Dirham.

Eine der vielen Moscheen

Eine der vielen Moscheen

Anglikanische Kirche mitten in der muslimischen Großstadt

Anglikanische Kirche im Zentrum der muslimischen Großstadt (Heiliger Andreas)

Die Bevölkerung der Stadt besteht nahezu ausschließlich aus Angehörigen der verschiedenen Berberstämme der Umgebung. Viele erhoffen sich bessere Lebensbedingungen in der Stadt. Die Überzahl der Menschen ist nicht “westlich” gekleidet, sondern in Kaftanen, mit marokkanischen Kopfbedeckungen, die Frauen tragen beinahe alle Kopftücher. Nur wenige sind vollverschleiert.

In der Medina (Altstadt) kamen wir an vielen kleinen und dunklen Werkstätten vorbei. Ein längerer Blick, und schon kam die Einladung, das Hergestellte anzusehen bzw. zu einem guten Preis zu kaufen. Klappern gehört eben zum Handwerk! Wir kamen an der Anglikanischen Kirche des Heiligen Andreas (1894) vorbei, – leicht zu erkennen, denn die Fahne mit dem Andreas-Kreuz wehte vom Kirchturm. Leider fanden wir den Eingang nicht, und liefen daher weiter in Richtung Kasbah. Die Gassen wurden immer schmaler, wir waren im Wohnviertel unterhalb der Kasbah gelandet. Die Hinweisschilder führten in dem engen Gewirr oft  in die Irre, so dass wir mehrmals umkehren mussten.

Eingang zur Kasbah

Eingang zur Kasbah

Gasse in der Medina

Gasse in der Medina

Gasse in der Medina

Gasse in der Medina

Auch hier verfolgte uns auf Schritt und Tritt das Angebot der Führung. Nach diversen Irrungen und Wirrungen lag das Kasbah Museum vor uns. 20 Dirham Eintritt für Frederick, Frauen mussten heute nichts bezahlen, es war Women‘s Day. Darum sahen wir so viele traditionell gekleidete junge Mädchen und Frauen, die sich einen schönen Tag miteinander machten. Einige riefen mir “Happy Womens Day” zu und amüsierten sich über uns Touristen. Vielleicht wollten sie auch nur mit uns ins Gespräch kommen, da haben wir wohl etwas verpasst.

In der Ausstellung zur Stadtgeschichte gab es viele archäologische Fundstücke und es war sehr interessant. Wikipedia: Kasbah Auf dem Weg zurück in die Altstadt sprach uns ein kleiner, ca. 10-jähriger Junge an. Auch er trug einen schönen braunen mit Stickereien verzierten Kaftan. Er stellte sich vor, schüttelte uns die Hände und fragte nach unseren Namen. Das alles in gutem Englisch. Er berichtete, dass er außer Arabisch und Englisch auch Französisch spricht, Unterrichtsfächer in der Schule. Vielleicht geht er einmal einer besseren Zukunft entgegen, als nur Touristenführer zu sein. Wir spendierten ihm 10 Dirham und er zog glücklich von dannen.

Orientasche Fliesendekoration in der Kasbah

Orientalische Fliesendekoration in der Kasbah

Reich verzierte Kuppel in der Kasbah

Reich verzierte Kuppel in der Kasbah

Gegen Mittag waren wir wieder in der Altstadt. Der Kellner eines Restaurants sprach uns an, was nichts Ungewöhnliches hier war … Das Angebot, bei ihm zu essen, etwas Traditionelles, nahmen wir an und setzten uns an einen der Tische draußen vor dem Lokal. Ich bestellte eine vegetarische Tajine, Frederick eine mit Lamm. Die Tajine bezeichnet in der nordafrikanischen Küche ein getöpfertes Schmorgefäß mit spitzem Deckel. In ihr wird die Mahlzeit gekocht, etwa unserem Römertopf ähnlich. Dazu servierte er uns einen stark gesüßten Pfefferminztee (aus frisch aufgebrühten Minzeblättern) erfrischend und alles sehr lecker! 20€ bezahlten wir, bestimmt ein Touristenpreis, da wir vorher mal wieder nicht nach Preisen gefragt hatten. Aber wir waren sehr zufrieden.

Taijine Chicken

Taijine Chicken

Mittagspause

Ein bisschen erschöpft, endlich Mittagspause

Noch eine Gasse

Noch eine Gasse

Es ging gegen 14 Uhr und alle Männer hatten es plötzlich sehr eilig: Rollläden wurden heruntergelassen, Ladentüren geschlossen – sie folgten dem Ruf des Muezzin, den auch wir vom Minarett hörten, aber nicht folgten! So kamen wir auf dem Weg zurück zum Hafen denn auch an der Moschee vorbei, in die die Männer hineinströmten.

Wir hatten uns einen kleinen Eindruck verschafft, waren auf einem anderen Kontinent gewesen und nahmen die 15 Uhr-Fähre zurück nach Tarifa. Unsere letzten Dirham gaben wir für zwei kleine Ledertaschen aus, die uns der fliegende Händler “zum guten Preis” vor dem Fährterminal in perfektem Deutsch, Englisch, Französisch (Holländisch sprach er wahrscheinlich auch noch) anbot. Es ist dort eine so andere Welt und braucht sicher eine Zeit, um nicht zu fremdeln, wie wir es taten.

Weitere Fotos von Tanger

Mittelalterliche Stadtbefestigung

Mittelalterliche Stadtbefestigung

Tor zum Souk (Markt) - weißes Tor links

Tor zum Souk (Markt) – weißes Tor links

Zurück in Tarifa waren auch hier die Läden geöffnet und wir erlebten die Altstadt als liebens- und lebenswert. Ein lustiger Hund mit Namen Tobia zog uns an in eine Weinhandlung, das heißt, sein Herrchen Pedro. Er war gesprächig und lustig und brachte seine Deutschkenntnisse ins Spiel. Er lud uns zu einem Glas Wein ein, wir gaben dann auch noch eines aus, trafen auf einen weiteren Gast dort, Guido aus Italien. Guido wohnte schon 18 Jahre hier und besitzt ein gehobenes Restaurant in Strandnähe. Wir kauften eine Flasche Sherry und ein paar Flaschen guten Wein von Robbie, dem Ladenbesitzer, auch er Italiener, den es hierher verschlagen hatte! Eine bunte Welt!

Das ist Tobia, Pepes Wachhund

Das ist Tobia, Pepes Wachhund

Anne mit dem italienischen Restaurantbesitzer Guido

Anne mit dem italienischen Restaurantbesitzer Guido

Mit neuem Freund Pepe in Robbies Weinladen

Mit neuem Freund Pepe in Robbies Weinladen

Riesige Ausewahl in Robbies Weinladen

Riesige Auswahl in Robbies Weinladen

Wir zogen glücklich und vollgepackt mit neuen Erlebnissen von dannen und bereiteten uns ein kleines Abendbrot, unser letzter Abend in Tarifa.

Weitere Fotos von Tarifa

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