Gibraltar

 In Spanien

Dienstag, 5. März 2019
45 km Bergstraßen Richtung Gibraltar

Der Abschied von Ronda fiel uns schwer. Es ist ein so liebens- und offensichtlich lebenswerter Ort. Der von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Übernachtungsplatz für Wohnmobile hat ein weiteres Plus: eine Waschanlage (Münzsystem) für Fahrzeuge! Das ist ausgesprochen selten und wurde dementsprechend viel von den Reisenden genutzt. Niemand fährt gern mit einem schmutzigen Wohnmobil durch die Gegend. Wir nutzten die Gelegenheit ebenso, besonders um die ganzen Insekten zu entfernen.

Gegen 11 Uhr fuhren wir weiter Richtung Gibraltar. Es war eine Tour durch die spektakuläre Gebirgslandschaft Serranía de Ronda. Die Gebirgspanoramen beeindruckten mit unberührter Natur und einer Vielfalt an Landschaften. Vom Fahrer war während der etwa 45 km langen Strecke höchste Konzentration gefordert. Wir hatten Glück und konnten am Beginn der Strecke einen Lkw überholen, der hielt uns dann nachfolgende, leichtsinnige Fahrer (wegen waghalsiger Überholmanöver auf Serpentinen) vom Halse! Genügend Verkehrsschilder (Geschwindigkeitsangaben von 40 oder 60 km) warnten ebenso mit häufigen Hinweisen, diese ernst zu nehmen. Später öffnete sich die Landschaft wieder und wir erblickten in der Ferne das Meer und den Felsen von Gibraltar. Sogar Berghänge im gegenüberliegenden Afrika waren zu erkennen.

Endlich wieder Zivilisation - El Madroñal

Endlich wieder Zivilisation – El Madroñal

Gebirgslandschaft Serranía de Ronda

Gebirgslandschaft Serranía de Ronda

Der Stellplatz im Ort La Linea de la Concepción (5€ pro Nacht) war schnell gefunden und lag beinahe direkt am Fuße des Felsens von Gibraltar, aber natürlich auf spanischer Seite! Nur ein paar Schritte trennten uns vom langen Strand und dem Meer, der Straße von Gibraltar. Ca. 45 Minuten Fußweg benötigt man, um ins Stadtzentrum von Gibraltar zu gelangen. Das britische Überseegebiet, das auf einer Landzunge an der Südküste Spaniens liegt, blickt auf eine lange und aufregende Geschichte zurück. Wikipedia: Gibraltar.

Der berühmte Felsen von Gibraltar

Der berühmte Felsen von Gibraltar

Unser Stellplatz vor Gibraltar

Unser Stellplatz vor Gibraltar

Unsere schwedischen Freunde Anne und Anders, die auf dem Weg nach Portugal sind und mit denen wir uns verabredet hatten, waren auch gerade angekommen und wir beschlossen, gemeinsam nach England hinüber zu gehen (etwa 20 Minuten bis zum Grenzkontrollpunkt). Das schien der schwedischen Anne doch zu weit, also nahmen beide Fredericks Angebot, sich auf unsere Fahrräder zu schwingen und vorzufahren, gerne an.

Obwohl Gibraltar britisches Hoheitsgebiet ist, fährt man hier (sinnigerweise) rechts. Auf dem Weg „nach drüben“ begleitete uns die ganze Zeit über der tolle Ausblick auf den berühmten Felsen, ein irrwitziges Gefühl, England so nah zu sein …

Flughafen Gibraltar

Flughafen Gibraltar

Anne und Anders mit unseren Fahrrädern

Anne und Anders mit unseren Fahrrädern

Der Grenzübertritt verlief schnell und komplikationslos. Nach Vorzeigen der Pässe ist man dann gleich angekommen und überquert das Rollfeld/Landebahn (!) des kleinen Flugplatzes von Gibraltar. Wenn Flugzeuge starten bzw. landen, wird der Fußgänger-/Autoverkehr kurzfristig gestoppt. Mit Anne und Anders, die die Räder nun schieben mussten, liefen wir an der Winston Churchill Avenue entlang Richtung Hafen und staunten nicht schlecht über den schicken Yachthafen mit seiner Promenade und den Cafés und Restaurants, genannt Ocean Village. Der Baustil wirkte eher amerikanisch als englisch auf uns. Obwohl es bereits genügend neue Hochhäuser gab, war hier immer noch eine rege Bautätigkeit.

Einkaufszeile und modernes Appartment-Gebäude am Hafen

Einkaufszeile und modernes Apartment-Gebäude am Hafen

Das Sunborn Hotel und Casino - als Schiff gebaut und hier fest vertäut

Das Sunborn Hotel und Casino – als Schiff gebaut und hier fest vertäut

Kaum aus dieser schönen neuen Welt wieder heraus, waren die nächsten Straßenzüge doch wieder sehr britisch: Fish and Chips Läden, kleine Supermärkte, Blumenampeln und alte Häuser. Wir wanderten zum „Grand Casemates Square“, dem Großen Kasemattenplatz. Es ist der größere der beiden Hauptplätze im Stadtzentrum. Hier gab es die bombenfest gebauten Kasernen und die Dicke der umliegenden Mauern bestätigt das! Sofort stach uns ein besonderer Laden ins Auge: Cornish Bakery: leckere Pasties wurden hier angeboten! Da wir im Mai in Cornwall sind, verzichteten wir darauf, welche zu kaufen und freuen uns auf das Original dort!

Typisch britischer Pub in Gibraltar

Typisch britischer Pub in Gibraltar

The Cornish Bakery in Gibraltar

The Cornish Bakery in Gibraltar

Auf das Zusammentreffen mit den Affen auf dem Felsen verzichteten wir bewusst. Auch wenn das für viele Gibraltar-Touristen ein Muss ist. Uns war nicht danach, uns dieser frechen und übergreiflichen Makaken erwehren zu müssen.

Wir waren froh, nicht in der Hauptsaison hier zu sein. Der touristische Zulauf hielt sich in Grenzen und wir bummelten über die Haupteinkaufsstraße, der „Main Street“. In Gibraltar kann man vermeintlich günstiger einkaufen, da zollfrei. Man muss nicht unbedingt Geld eintauschen, Euros werden in den Läden und Restaurants akzeptiert, aber wohl zu einem ungünstigeren Kurs abgerechnet. Marks and Spencer, Debenhams und viele andere bekannte englische Firmen sind hier vertreten. Ansonsten gibt es eine Vielzahl von Souvenir-Shops und Läden, die alle Sorten von Alkohol günstig anbieten.

Auffallend: hier gibt es noch viele der typischen roten Telefonzellen und Briefkästen. In England werden diese schon seit einiger Zeit ausgemustert, aber hier tragen sie zum – von Touristen gewollten – Straßenbild bei.

Ocean Village

Ocean Village

Roter Briefkasten

Roter Briefkasten

Rote Telefonzellen

Rote Telefonzellen

Wir entschieden uns für ein Lokal mit leckerem Fish and Chips auf der Speisekarte (wegen Anne und Frederick). Das ist aber nichts für Anders und mich und so bestellten wir etwas anderes. Ausgehen, Essen, ein Glas Wein trinken ist deutlich günstiger hier als in England. Wir lesen nach, dass Gibraltar etwa 34.600 Einwohner hat, im Jahr 2017 über den Tourismus 7,7 Millionen Ankünfte verzeichnen konnte. Tourismus ist also der größte Wirtschaftsfaktor.

Langsam machten wir uns auf den Rückweg, uns voran und viel schneller am Stellplatz Anne und Anders. Die hatten gut Lachen auf unseren Fahrrädern! Dafür erwarteten sie uns schon mit Kaffee und Kuchen, so ließen wir den Tag ausklingen.

Ronda - Gibraltar

Ronda – Gibraltar

Britische Atmosphäre

Britische Atmosphäre

Main Street in Gibraltar

Main Street in Gibraltar

Mittwoch, 6. März 2019
Sturm und Dauerregen

Anne und Anders wollten früh weiter und verabschiedeten sich von uns schon gegen 9 Uhr morgens. Wir planten, heute mit unseren Berichten weiterkommen. Da traf es sich gut, dass die Wettervorhersage einen ungemütlichen Tag ankündigte. Schon bald begann es fürchterlich zu regnen mit gleichzeitigem orkanartigen Windböen, die unser Wohnmobil heftig durchschüttelten. Es war halt englisches Wetter! Der erste Regen in beinahe vier Monaten. Wir blieben also den lieben langen Tag im gemütlichen Wohnmobil, schrieben an unseren Berichten und bearbeiteten Fotos.

Erst am späten Nachmittag klarte der Himmel auf. Das nutzen wir zu einen Ausflug zum 100 m entfernten Strand, um unsere durch das stundenlange Sitzen steif gewordenen Glieder zu bewegen und wurden auch noch belohnt: Viele große Muscheln und zu unserer großen Überraschung das von uns so geschätzte „Sea Glass“ lagen am Strand. Der Sand ist hier grobkörnig und deshalb ist angespültes Glas schön matt und rund geschliffen (oder geschilfert, wie man sagt). Das Sammlerherz schlägt höher, hier kann man wirklich fündig werden!

Busbahnhof vor den Kasematten und im Hintergrund der Felsen

Busbahnhof vor den Kasematten und im Hintergrund der Felsen

Muscheln und "Seeglas"

Muscheln und „Seeglas“

Aber wir wollten das jetzt bessere Wetter aber noch für einen zweiten Besuch Gibraltars nutzen und „liefen noch mal kurz rüber“ nach England.
Heute war noch weniger los, viele Läden waren bereits geschlossen. Wir kennen das aus Cornwall oder England insgesamt: ab 17 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt, Tea-Time oder Dinner warten zu Hause …Nur Restaurants, natürlich Pubs und die vielen Schnaps- und Souvenirläden waren noch geöffnet.

St. Mary's Cathedral

St. Mary’s Cathedral

Nelson Statue

Nelson Statue

Friedhof für Gefallene der Seeschlacht von Trafalgar

Friedhof für Gefallene der Seeschlacht von Trafalgar

Nach zwei Stunden hatten wir uns einen ordentlichen Durst angelaufen und kehrten in der Bar „Yard“, einer Szenekneipe im Ernest Hemingway Stil im „Ocean Village“ ein. Das Ocean Village ist eine, wie wir finden, sehr gut gelungene Sanierung des Hafens von Gibraltar.  Frederick bestellte ein sogenanntes „Craft Beer“, also ein in Klein-Serie gebrautes, würziges Bier. Lustig war das dazu servierte, schiefe Glas (siehe Foto). Dazu gab es noch einen leckeren Hühnchenfleisch Snack. Mittlerweile war es dunkel geworden und Zeit für den Rückmarsch.  Morgiges Ziel: Tarifa (und eventuell Tanger in Marocco).

Weitere Fotos von Gibraltar

Erleuchtetes Gebäude

Erleuchtetes Gebäude

Abendliche Atmorphäre in der Ocean Village

Abendliche Atmosphäre in der Ocean Village

Schiefes Bierglas

Schiefes Bierglas

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Comments
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    Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    I wonder why: Ich hätte gedacht, dass man von Spanien (EU) nach England (EU) grenzenlos und daher ohne Pass wechseln kann.
    Dass das nicht so ist, liegt wohl an den Querelen der letzten Zeit zwischen den beiden, die es um diese Exklave gibt, oder?
    Ansonsten schöne Bilder vom Felsen….wenn auch ohne Affen!
    Weiterhin gute Reise!
    Assi

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