Ronda

 In Spanien

Ronda
Das schönste der „Weißen Dörfer“ Andalusiens

Auf der Fahrt nach Ronda kamen wir durch das Plastikmeer Andalusiens. Unvorstellbare 36.000 Hektar Land sind in der Provinz Almeria mit den weißen Plastik-überzogenen Treibhäusern bedeckt. Ausgerichtet auf den Massenkonsum, versorgen sie uns alle in der EU mit preisgünstigem Gemüse. Vor etwa 30 Jahren, mit dem Beitritt Spaniens in die EU, begann diese tiefgreifende Veränderung des Landschaftsbildes und auch der Gesellschaft. Vom Flugzeug, aus der Vogelperspektive, überblickt man das „Mar de Plástico“ besonders. Hatten die Dörfer dort einst etwa 2000 Einwohner, wuchsen sie in der Zwischenzeit teilweise auf 60.000 Einwohner an. Über 50.000 Tagelöhner leben in der Provinz, häufig unter prekären Umständen. Es ist die Frage, ob alle zu Mindestlöhnen beschäftigt sind oder auch für geringere Stundenlöhne bereit sind, zu arbeiten. Die Landwirte sind nicht selten vom Diktat der Discounter abhängig. Sie stellen die Regeln auf und setzen Kriterien durch. Die Böden sind ausgelaugt, inzwischen wird mit entsalztem Meerwasser (ein teuer und aufwändig gewonnenes Gut) gewässert. Mehr zu den Problemen dieser Art der Landwirtschaft findet ihr im Internet. Link. Jedenfalls regte uns die Durchfahrt durch dieses riesige Treibhaus-Gebiet zum Nachdenken an.

Blühender Raps Anfang März in Andalusien

Blühender Raps Anfang März in Andalusien

Plastikmeer Andalusiens

Plastikmeer Andalusiens (Mar de Plástico)

Nach ca. dreistündiger Fahrt erreichten wir den gut gelegenen Stellplatz in Ronda. Die Innenstadt erreicht man zu Fuß in ca. 40 Minuten, perfekt für uns. Wir entscheiden, zwei Nächte (10€ Stellplatzgebühr pro Nacht) zu bleiben. Dieser Platz ist sauber, bietet Ver- und Entsorgung und sogar eine Wagenwaschanlage auf Münz-Basis (1€ für fünf Minuten). Gleich machten wir uns auf den Weg ins Zentrum. Was zeichnet Ronda aus? Warum wollen so viele Touristen hierher?

Blick von der Altstadt auf den neueren Teil Rondas

Stellplatz Ronda

Die Kleinstadt (etwa 34.000 Einwohner) in der andalusischen Provinz Málaga liegt auf einem Hochplateau ca. 740m über dem Meeresspiegel. Es ist eine atemberaubende Lage oberhalb einer 100 m tiefen Schlucht, „El Tajo“, die die Neustadt „El Mercadillo“ aus dem 15. Jahrhundert von der Altstadt „La Ciudad“ (maursich geprägt) trennt. Ronda ist von der Berglandschaft Serranía de Ronda umgeben, dazu gehören die Naturparks Sierra de Grazalema und Sierra de las Nieves. Málaga ist nur etwa 113 km entfernt.

Unser Fußweg führte durch neuere Wohngebiete und schließlich in die Hauptgeschäftsstraße des Stadtteils „El Mercadillo“, der Neustadt. An diesem Sonntag ist alles auf den Beinen, spanische Großfamilien genossen die Freizeit. Es waren nur wenige Geschäfte geöffnet, aber natürlich die vielen Eisdielen, Cafés, Restaurants. Bald kamen wir an der riesigen Stierkampfarena (Plaza de Toros de Ronda) an. Sie gilt als eine der ältesten und schönsten. Sie ist – außer an Stierkampftagen – täglich für Besucher geöffnet (7€ Eintritt). Ronda ist eine Hochburg dieses sogenannten Sports. Da Stierkampf so gar nicht unser Interessengebiet ist, verzichteten wir auf die Besichtigung des Innenraums und daher gibt es davon keine Fotos.

Aussichtsplattform 100 m über der Schlucht

Stierstatue vor der Stierkampfarena

Ronda ist vor allem für seine Lage auf einem rundum steil abfallenden Felsplateau bekannt und bietet Atem-beraubende Ausblicke in die 100 m tiefe, senkrechte Schlucht und in die umliegende grüne Landschaft. Den Abgrund überspannen drei Brücken: Puente Árabe (Arabische Brücke), Puente Viejo (Alte Brücke) und die bekannteste im 18. Jahrhundert erbaute Puente Nuevo (Neue Brücke). Am Ende hatten wir sie alle besichtigt! Fotografisch lässt sich das gar nicht so richtig wiedergeben.

Die Schlucht "El Tajo" und die "Puente Viejo" im Hintergrund

Die Schlucht „El Tajo“ und die „Puente Viejo“ im Hintergrund

Die berühmte Brücke "Puente Nuevo"

Die berühmte Brücke „Puente Nuevo“

Wir waren durch den neueren Stadtteil „El Mercadillo“ bis zur Hauptgeschäftsstraße gelaufen, um nun hier an der „Neuen Brücke“ die Aussicht zu genießen. Die Schönheit macht einen wirklich sprachlos! Zum Glück hat die touristische Saison noch nicht ganz begonnen. Wir schlenderten die an der Schlucht „El Tajo“ entlang führende ausgebaute Promenade bei bestem, frühlingshaften Wetter entlang, wahrlich ein Traum!

Ronda zählt zu einem der schönsten „weißen Dörfer Andalusiens“ und kann auf eine reiche und lange Geschichte zurückblicken. Link einsetzen
Die engen Gassen und historischen Häuser mit ihren wunderschönen schmiedeeisernen Balkonen und Toren hatten es uns besonders angetan, eine Freude für den Fotografen, Ronda ist ein „Muss“. In einer der Gassen entdeckten wir einen irischen Pub, wie es sie auf der ganzen Welt gibt. Urplötzlich war uns – statt nach Wein – nach einem anständigen Guinness! Das gönnten wir uns, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Ein toller Tag, morgen werden wir Ronda noch einmal erleben!

Almeria - Ronda

Almeria – Ronda

Schöner Hauseingang

Gasse in Ronda

Montag, 3. März 2019
Nochmals Ronda Stadtbesichtigung

Auf dem Stellplatz hatten wir uns nun wieder sicher gefühlt und gut geschlafen. Gleich nach dem Frühstück spazierten wir wieder ins Zentrum. Heute waren alle Geschäfte geöffnet und es war auch schon am Morgen viel los. Wie würde es wohl in der Hauptsaison mit all den Touristen sein? Wir waren heilfroh, jetzt die Zeit genießen zu können.

Natürlich gab es auch für uns wieder ein paar Verführungen: Hosen-/Hemden-/Pulloverkäufe … Postkarten für die daheim Gebliebenen. Was hatte unsere Freundin Anne noch über einen Freund berichtet? Jede von seiner Frau geschriebene Einkaufsliste ergänzt er mit dem Satz: Kauf nichts Unnötiges … zum Glück sind Frederick und ich uns meistens einig!

Ein Geschäft mit tausenden von Fächern

Ein Geschäft mit tausenden von Fächern

70 Jahre altes Geschäft mit schönen Sachen

70 Jahre altes Geschäft mit vielen Verführungen

Wir drehten also noch einmal die Runde in Ronda und vertieften die Einblicke, liefen die kleinsten Gassen ab und landeten im Museo Lara. Hier kostete der Eintritt für Pensionistas nur 2€ pro Person, wir bezahlten das gern für die liebevoll zusammengetragenen Ausstellungsstücke aus Rondas reicher Vergangenheit. Sehr schön und einen Besuch wert!

Wieder draußen, trafen wir auf Peter und Theresa aus Kanada. Sie bereisten Spanien für zwei Monate. Wegen Fredericks Kappe (aus Nova Scotia, mit kanadischer Flagge also) hatte Peter Frederick angesprochen, nach dem Motto: Hi, auch aus Kanada? Wie man das so manchmal macht, wenn man glaubt, einen Landsmann vor sich zu haben! Es entwickelte sich ein einstündiges Gespräch auf der Straße, Politik, persönliche Erfahrungen, dies und das, sehr nett! Peter‘s Eltern waren 1954 nach Kanada ausgewandert, da war er zwei Jahre alt. Trotzdem hatte er noch ein paar deutsche Sprüche auf Lager!

Eingangsbereich des Museums

Eingangsbereich des Museums

Zupfinstrumente im Museum

Zupfinstrumente im Museum

Danach ging es weiter mit unserer Entdeckungstour. Fotomotive ohne Ende … außerdem fühlte man sich in diesem Ort schnell heimisch. Nach vielen Stunden und mit runden Füßen traten wir spät den Rückweg an.

Hotel Parador, neben der Puente Nuevo und 100 m über der Schlucht

Hotel Parador, 100 m über der Schlucht

Zwei Pfauen auf einer Balkonbrüstung

Zwei Pfauen auf einer Balkonbrüstung

Kirche Santa Maria

Kirche Santa Maria

"Romantische Reise", eine schöne Fliesenarbeit an einer Hausfront

„Romantische Reise“, eine schöne Fliesenarbeit an einer Hausfront

Blick ins Hinterland

Blick ins Hinterland

Am Wohnmobil kam Frederick mit unserem englischen Nachbarn ins Gespräch: Er bereiste mit seiner Frau die Küste Spaniens für etwa zwei Monate. Leicht über 70 Jahre waren beide bestimmt, sie trauten sich nicht, länger zu bleiben. Seine Schwiegermutter, 94 Jahre alt und noch allein lebend in ihrem Haus in England, machte ihnen etwas Sorge. Vor Ort war niemand da zur Betreuung. So hatte er bei ihr im Haus eine Kamera installiert, um über sein Smartphone immer „im Bilde“ zu sein. Ich kenne das nur von jungen Familien, die eine Baby-Cam im Kinderzimmer installieren! Nun also eine Rentnerinnen-Cam, keine schlechte Idee! Falls etwas geschieht, würden sie sich ins nächste Flugzeug setzen und nach Hause fliegen. Ich staune!

Leider musste Frederick noch einmal los, um einen neuen Wasserschlauch zu kaufen. Unseren hatten wir irgendwo auf nicht erklärbare Weise verloren! Den Schlauch gab es meterweise in der Eisenhandlung, nicht weit entfernt. Auf dem Rückweg kam Frederick am Hähnchen-Grill vorbei und sicherte uns damit ein leckeres Abendessen! Toll!

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Showing 4 comments
  • Janda Klaus
    Antworten

    Liebe Anne und Frederick,

    ich warte immer schon mit Spannung auf den nächsten Bericht. Sehr schön geschrieben. Eure Reiseberichte und Erlebnisse sowie die Bilder sind ein guter Vorgeschmack für alle die gerne als Camper unterwegs sind und was man so alles erleben kann.

    Lieben Gruß aus Deutschland
    Klaus

    • Ozzie
      Antworten

      Hallo Klaus,
      Schön von dir zu hören und danke für die netten Worte. Das ermuntert uns, so weiter zu machen.
      Liebe Grüße
      Anne und Frederick

  • Renate und Michael
    Antworten

    Liebe Anne und Fréderik
    Schöner Bericht, besonders bei Ronda kommen wieder eigene Erinnerungen hoch.
    Wir war vor x Jahren einmal dort. Damals aber ohne Camper.
    Weiterhin gute Fahrt und schöne Erlebnisse.
    . . . und passt gut auf den neuen Wasserschlauch auf
    Liebe Grüsse aus der Schweiz von Renate und Michael

    • Ozzie
      Antworten

      Liebe Renate und Michael,
      vielen Dank für euren Kommentar und eurem Interesse an unserem Blog. Wir freuen uns immer, wenn wir Reaktionen erhalten.
      Liebe Grüße, heute aus Sevilla
      Anne und Frederick

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