Almeria

 In 2019, Spanien

Freitag, 1. März 2019
Start zu neuen Abenteuern

Nun geht’s endlich wieder los. Das Wohnmobil hatte nach so langer Zeit des Stillstands schon mit den Hufen gescharrt …

Freunde und Nachbarn vom Platz winkten uns zum Abschied weg und wir nahmen gegen 10 Uhr Fahrt auf Richtung Almeria, einer Hafenstadt in der autonomen Region Andalusiens im Süden Spaniens (etwa 195.400 Einwohner). Auf dem Weg machten wir einen kurzen Abstecher nach San Pedro, tranken Kaffee bei Anne und Anders und wuschen unser Wohnmobil auf der Tankstelle im Ort. Nach einer Fahrtzeit von ca. drei Stunden auf der mautfreien Autobahn erreichten wir die Großstadt an der südlichen Mittelmeerküste Spaniens. Über die App Campercontact fanden wir den Stellplatz am Hafen schnell. Er liegt sehr nah am Stadtzentrum. Die Übernachtung kostet sieben Euro und da man durch eine Schranke mit anliegendem Wärterhäuschen fahren muss, fühlt man sich sicher.

Kontrollturm am Hafen

Kontrollturm am Hafen

Estatua de la Caridad

Estatua de la Caridad

Stellplatz am Hafen von Almeria

Stellplatz am Hafen von Almeria

Nach Ankunft (15 Uhr) machten wir uns gleich auf ins Zentrum. Die Estatua de la Caridad wies uns wie ein Fingerzeig den Weg. Wir spazierten auf einer schönen Rambla und stellten zu unserer Freude fest, dass dort viele interessante Verkaufsstände aufgebaut waren.  Es entpuppte sich als ein mittelalterlich gestalteter Markt! Da ließ es sich gut bummeln. Schließlich landeten wir in einer der Einkaufsstraßen in einem Apple Store, wo wir versuchten, den Akku für Annes iPhone zu tauschen. Doch das stellte sich als zu kompliziert heraus. Dazu benötige man einen Termin, wurde uns gesagt. Na ja, dann eben nicht.

Lange vor dem Mittelalter, nämlich im Jahr 955, wurde Almeria von Abd ar-Rahman III. als ein Haupthafen seines großen Reiches gegründet. So leitet sich der Name also aus dem Arabischen ab. Wikipedia Link Wir kamen durch einen moderneren Teil der Stadt und kauften noch einiges in einem Supermercado ein. Durch einige Seitenstraßen hatten wir den Ausblick auf die „Alcazaba“, die maurische Festung, die wir am nächsten Tag besuchen wollten. Unterhalb dieser befindet sich auch die Altstadt. Wir marschierten zurück zum Stellplatz und schauten von der Hafenmauer noch mal übers Meer. Einige Angler versuchten dort ihr Glück. Etliche streunende Katzen suchten dort ebenfalls ihres und hofften auf das eine oder andere Fischlein. In den zum Küstenschutz aufgetürmten Granitsteinen am Ende des Hafens hatte es sich eine Katze mit ihren fünf Kätzlein häuslich eingerichtet. Die Mama und alle fünf Kleinen hatten alle die gleiche braunschwarze Tigermusterung. Das ist ja eher selten.

Abendstimmung in Almeria

Abendstimmung in Almeria

La Marina - Almeria

La Marina – Almeria

Wir kochten uns ein Abendessen und ließen das Erlebte Revue passieren.

Samstag, 2. März 2019
Besuch der Burg Alcazaba und Wiedersehen mit Anne und Anders

Über Nacht war es am Platz ruhig gewesen und wir machten uns – gut ausgeschlafen – nach dem Frühstück auf zur Alcazaba, der über der Stadt thronenden, maurischen Festung. Der Weg führte durch einige Gassen der Altstadt, dann hinauf auf den etwa 85 m hohen Hügel. Die Festung wurde im 10. Jahrhundert die Residenz der Stadtherren. Bis ins 15. Jahrhundert war die Alcazaba von muslimischen Statthaltern genutzt. Noch heute ist von der einstigen Pracht der Palastanlagen und der Gärten etwas zu spüren, obwohl 1522 durch ein Erdbeben zerstört. Im Zuge der Rekonstruktionsarbeiten wurden Teile der Festung durch Neubauten mit christlicher Architektur ersetzt. So wurde zum Beispiel die Moschee in eine Kapelle umgewandelt. Wikipedia Link

Alcazaba Haupttor

Alcazaba Haupttor

Alcazaba

Alcazaba

Alcazaba

Alcazaba

Alcazaba Wasserkanal

Alcazaba Wasserkanal

Alcazaba Nordmauer

Alcazaba Nordmauer

Wir waren von der Größe der Anlage und wiederhergestellten Gärten beeindruckt und hatten von dort oben tolle Ausblicke auf die Stadt und das Meer. Eine Zisterne ermöglichte mittels eines altertümlichen Hydrauliksystems die Wasserversorgung der einstigen Bewohner. Überrascht waren wir, dass für die Besichtigung eines solchen Baudenkmals kein Eintrittsgeld verlangt wurde. Ausgrabungen und Rekonstruktion, Forschung und Erhaltung dauern seit 1940 an und kostet sicher ein kleines Vermögen.

San Cristobal Hügel und Statue

San Cristobal Hügel und Statue

Hydraulisch gespeiste Zisterne

Hydraulisch gespeiste Zisterne

Bluick von der Alcazaba auf den Hafen

Bluick von der Alcazaba auf den Hafen

Blick von der Festung auf die Stadt

Blick von der Festung auf die Stadt

Inzwischen hatten Anne und Anders sich gemeldet. Sie waren schon auf dem Stellplatz angekommen. Wir verabredeten uns für den frühen Nachmittag auf dem mittelalterlichen Markt. Deshalb traten wir den Rückweg an und bummelten durch die engen und interessanten Gassen der Altstadt mit beinahe nordafrikanischem Flair. An einem Samstag war überall viel los und kurz darauf stürzten wir uns mit Anne und Anders erneut in die Geschäftigkeit der Stadt.

Almeria Kathedrale

Almeria Kathedrale

Altstadtgasse

Altstadtgasse

Indalo Symbol als Werbegag

Indalo Symbol als Werbegag

Dem Angebot der vielen Marktstände war nicht zu widerstehen und wir kauften drei kleine Kuchen für 7,50€. Das empfanden wir als ganz schön teuer! Was lernt man daraus? Vorher fragen! Wahrscheinlich mussten die Standbesitzer eine Menge für ihren Stand bezahlen und legten das natürlich auf ihre Kunden um … Gegen Abend hatten wir uns alle Appetit angelaufen und kehrten in einer Tapas-Bar ein. Leider gab es dort nur noch Getränke, die Küche hatte Siesta bis 20 Uhr. Das dauerte uns zu lange, also zurück zum Markt. Dort wurden Rippchen, Würste (Chorizo), Fleischspieße vom Indianer-Grill angeboten, sehr rustikal alles.

Mit Anne und Anders in der Altstadt

Mit Anne und Anders in der Altstadt

Sündhaft teurer Fraß auf dem mittelalterlichen Markt

Sündhaft teurer Fraß auf dem mittelalterlichen Markt

Hier wurden wir gleich nett begrüßt, Plätze am blank gescheuerten Tisch wurden angeboten und ein eilfertiger Geist (einer der fünf Männer vom Grill) ratterte auf spanisch/englisch die Speisekarte herunter. Zur Flasche Landwein wurden Plastikbecher, ein Korb mit etwas Brot und kunterbuntes Besteck (mittelalterlicher Markt!) gebracht. Längst hatte Anne sich für Rippchen, Anders für gebratene Chorizo mit Pommes, Frederick für Paella und ich mich für einen Fleischspieß entschieden. Das Essen – reichlich – wurde auf Plastiktellern serviert. Das war nicht schlimm, schlimm war nur die Rechnung: 81 Euro. Der reinste Nepp! Trotz der kurz vorher gemachten Erfahrung hatten wir die Preise nicht vorher geprüft. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet, nachdem wir bisher überall in Spanien Preise weit unter 10 Euro pro Mahlzeit (wohlgemerkt: in Speiselokalen!) gewohnt waren! Wir brüteten über der handgeschriebenen Rechnung, der Mann vom Grill brachte uns nach einer Weile das einzige Blatt, das am Grill auslag. Alles richtig berechnet, wir bezahlten zähneknirschend die 81 Euro und keinen Cent mehr. Nochmals sollte das uns nicht passieren und wir nahmen uns vor, ab sofort überall als erstes nach dem Preis zu fragen. Natürlich nahmen wir unsere „Reste“ mit „für den Hund“. Die landeten dann später, klein geschnitten auf der Hafenmauer bei der Katzenmama mit ihren fünf Tigerkätzchen. Ein fürstliches Mahl zu fürstlichem Preis, aber das war der Katze wohl egal. Wir aber hatten unsere Lektion gelernt, Reisen macht schlau …

Der Ärger saß tief bei uns allen. Im Wohnmobil verbrachten wir noch etwas Zeit zusammen und ertränkten den Groll mit ein paar Gläsern Wein, bevor wir schlafen gingen. Leider wurde die Ruhe um ca. zwei Uhr nachts von laut knatternden Motorgeräuschen und Stimmengewirr unterbrochen. Gegen ein Uhr morgens parkten – wie wir wenig später herausfanden – ein paar junge Leute ihre beiden Motorräder auf dem 2 m breiten Streifen zwischen Anne/Anders und uns, fast lehnten die Maschinen an Annes Aufbautür! Eine Frechheit! Was hatten die wohl vor? Mit der Nachtruhe war es vorbei, wir zogen uns an, bereit, jeden Moment wegzufahren – obwohl es hier nur über Bezahlvorgang am Ticketautomaten und Schranke ginge … wer wollte da schon mitten in der Nacht aussteigen. Wir beobachteten die Situation also. Die Männer verschwanden hinter der Hafenmauer. Irgendwann kamen zwei zurück, sie schmissen ihre Maschinen an und wir waren erleichtert, endlich Ruhe! Nicht für lange …, denn sie kamen zurück, parkten wieder genau zwischen uns und verschwanden. Das wurde Frederick zu bunt und er rief bei der Polizei an. Er wurde mit einer Englisch sprechenden Person verbunden, die versprach, eine Streife vorbei zu schicken. Die kam nach einer Weile dann auch und drehte mit Blaulicht eine Runde. Zu den Motorrädern schafften sie es nicht … wir wurden wenig später von der Dienststelle angerufen. Frederick erklärte die Sachlage erneut, gab die Kennzeichen der Motorrädern durch und erhielt den Auftrag, nach draußen zu gehen. Der Polizeiwagen stünde am Ende der Hafenmauer. Gesagt – getan. Das war ganz schön mutig von Frederick, auf dem schwach beleuchteten großen Parkplatz nach dem Polizeiwagen zu suchen (der gar nicht da war!). War wohl eine Fehlmeldung an die Zentrale gewesen. Er sah nur schemenhaft ein paar Angler auf der Hafenmauer. Da sich sonst nichts weiter rührte (obwohl doch einige andere Reisemobilisten dort standen), kam Frederick zurück, meldete sich mit Kurzbericht noch mal bei der Polizei und wir versuchten, wieder einzuschlafen. Das gelang natürlich nicht, und so kriegten wir die erneute Abfahrt der jungen Motorradfans mit, die mit lautem Geknatter ihre Maschinen zwischen uns anließen und davon brausten. Was das ganze sollte, darauf konnten wir uns keinen Reim machen. Auf jeden Fall war es eine kurze Nacht, erst gegen vier Uhr morgens schiefen wir für einige Stunden ein. Auch Anne und Anders hatten schlaflos gelegen und sich über die Rücksichtslosigkeit der jungen Männer geärgert. Auf diesem großen Parkplatz hätten sie überall stehen können. Mit den Motorrädern waren sie natürlich durch den Fußgängereingang gekommen, die Schranke hatte sie nicht behindert. Keine ideale Vorbereitung für eine längere Fahrt. Aber das erlebt man manchmal, dass Jugendliche auf den Stellplätzen rücksichtslos Lärm machen. Fast hat man das Gefühl, es sei absichtlich. Anders und Anne hatten bereits gefrühstückt und machten sich auf zu neuen Zielen. Kurz darauf ging es auch für uns weiter.  Unser Tagesziel war die Stadt Ronda.

Weitere Fotos von Almeria

Der mittelalterliche Markt in Almeria

Der mittelalterliche Markt in Almeria

Abendstimmung im Hafen

Abendstimmung im Hafen

 

 

 

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Comments
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    Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Kaum wieder unterwegs, werden die Nerven wieder gefordert. So schöne Gegend und so viel Ärger!
    Dass man Euch beiden, die Ihr Eure Reiseberichte u.a. auch schwerpunktmäßig rund um die Preise schreibt,
    mit so einem Nepp erwischen konte, hätte ich nicht gedacht. Ihr aber offensichtlich auch nicht,
    da war Euer Ärger über die eigene Unvorsichtigkeit schon begründet….und anhaltend! Stichwort „Wreggers Inn“
    Dafür habt Ihr dann ja etwas für die hungrigen Katzen getan – das zeichnet uns Katzenfreunde eben aus!
    Damit nicht genug des Ärgers. Nun auch noch Halbstarke mit Ihren knatterden Mopeds
    und daraus resultierende Schlaflosigkeit setzen dem Ganzen noch die Krone auf.
    Frederick für die untätige Polizei als verdeckter Ermittler – da kommt man auf seine alten Tage noch zu neuen Jobs!
    Hoffentlich werden die nächsten Etappen nicht ganz so aufregend,
    wünscht Euch
    Assi

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