Fjällbacka

 In 2014, Schweden

Mittwoch, 6. August 2014

Leider war am Abend zuvor unsere Kapazität (5 Gigabytes) für das Internet aufgebraucht, wir mussten daher bei Telia, der schwedischen Firma nachkaufen. Zwei Orte hatte die nette Dame am Telefon vorgeschlagen: entweder (für uns zurück) nach Karlstad oder weiter südlich Richtung Göteborg nach Uddevalla zu fahren. Dort gab es Filialen der Firma. Da wir ja weiter nach Fjällbacka wollten, entschieden uns für Uddevalla. Nach dem Frühstück fuhren wir los, in das Navigationsgerät konnten wir nur den Ort eingeben, dachten wir doch, es wäre ein Leichtes, den Laden in der Fußgängerzone zu finden. In einer kleinen Seitenstraße konnten wir parken und liefen dann in Richtung Stadtmitte. Zwischendrin fiel uns ein, dass wir die Parkscheibe nicht ausgelegt hatten, das kann in Schweden teuer werden. Zu spät nun – also noch mehr beeilen. Die Fußgängerzone zog sich endlos hin, vom Telia-Shop nichts zu sehen, also besser mal fragen. Eine nette junge Frau erklärte uns, dass der Shop sich im Einkaufszentrum „auf der grünen Wiese“ in Torp befände, Busfahrt eine viertel Stunde. Aha, deshalb wirkte die Einkaufsstraße in Uddevalla ein wenig vernachlässigt und zog die Kunden aus der Innenstadt ab. Eigentlich sehr schade, denn es gab auch hier noch schöne Holzhäuser zu bewundern. Nichts wie zurück zum Wohnmobil, Gott sei dank kein Strafzettel da!

Schnell fanden wir den (die) Konsumtempel, hier waren alle vertreten: Ikea, Bauhaus, sämtliche Mode-Labels und die kleine Telia-Filiale. Wir luden noch mal 10 Euro auf die SIM-Karte und fuhren weiter nach Fjällbacka, das wir in einer halben Stunde Fahrt erreichten. Hier treffen wir an den Ufern schon auf Nordseewasser, also Schluß mit den Mücken wie an den Seen, die zwar nicht so schlimm waren wie man es über Schweden-Reisen immer hört, aber besser geht’s ohne …..! Sind ja auch verwöhnt von unserer Zeit in Cornwall, dort gab es auch kaum welche von diesen Plagegeistern.

Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir in Fjällbacka ein, erstmal durch den Ort auf Suche nach einem Stellplatz. St. Ives und Mousehole in Cornwall ließen grüßen: enge Gassen, eine ganz schmale Hauptstraße entlang der wunderschönen Und vielbesuchten Promenade!

Pier-Restaurant Bryggan

Pier-Restaurant Bryggan

Bilderbuch Aussicht

Bilderbuch Aussicht

Bloß heil heraus hier, an den Ortsanfang, dort gibt es einen riesigen Parkplatz, offenbar neu angelegt und mit Kies aufgeschüttet, neben der Firma Tetra Pak. Tetra Pak läutete 1951 das Ende der Milchkanne ein, nix war’s mehr mit der Mutprobe, die volle Kanne mit Tempo herumzuschleudern, so daß nichts herauslief. Davon können wir nur noch unseren Enkeln erzählen …..Die Firmengeschichte ist interessant und sollte nachgelesen werden.

Es waren schon 4 Wohnmobile da und wir gesellten uns dazu. Zum Hafen liefen wir in ein paar Minuten. Und so hübsch war es hier: Boote, entzückende und gut erhaltene Holzhäuser, schillerndes Wasser und ein toller Blick über die Schärenlandschaft.

Wunderschöner Blick auf Fjällbacka

Wunderschöner Blick auf Fjällbacka

Ingrid-Bergman-Denkmal

Ingrid-Bergman-Denkmal

Im Touristenbüro warb man für geführte Touren an die Schauplätze der Krimis von Camilla Läckberg, aber 15 Euros pro Person war uns zu teuer, außerdem kennen wir ihre Bücher (noch) nicht, haben nur zwei, drei Verfilmungen gesehen. Und noch eine Berühmtheit wurde erwähnt: die Schauspielerin Ingrid Bergmann. Fjällbacka hat ihr sogar ein Denkmal gewidmet, eine Büste von ihr mit Gedenkplakette. Ingrid Bergmann hatte 20 Jahre lang ihre Sommer hier verbracht, im Haus auf einer der Schäreninseln, Dannholmen. Mein Blick fiel auf die Gravierung im Stein am Fuße der Büste: as time goes by …

Wie wahr- trotzdem immer noch lebendig durch den Film, mittlerweile Klassiker, „Casablanca“. Und den Rest des Tages bekam ich sie nicht mehr aus dem Kopf, die Melodie: „You must remember this, a kiss is not a kiss…“ Und die Filmszene mit Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart, und: schau mir in die Augen, Kleines und Drama und Heulen. Wohl gefühlte 100 Mal gesehen, den Film! Ach ja, einen Ingrid Bergmann-Platz gibt es auch noch im Ort.

Uns lockte der Aufstieg zum Vetteberg, ganz schön steil führte uns eine Holztreppe dort hinauf. Die Gemeinde und Geschäftsleute aus dem Ort haben diesen Aufgang gespendet, wohl auch, um Fjällbacka mit einer weiteren Attraktion zu bereichern. Der Ausblick von diesen sanften Felsrundungen, teilweise mit nun blühendem Heidekraut bewachsen, war atemberaubend.

Kungs Klyftan (Königsschlucht)

Kungs Klyftan (Königsschlucht)

Auf dem Vetteberg mit der atemberaubenden Schärenlandschaft im Hintergrund

Auf dem Vetteberg mit der atemberaubenden Schärenlandschaft im Hintergrund

Hafen, Boote, rote Schwedenhäuschen, glitzerndes Meer und Schären lagen vor uns. Fredericks viele Fotos erzählen davon, man konnte sich nicht sattsehen. Beim Abstieg sahen wir einen Hinweis auf eine ganz besonders dramatische Felsformation mit einer Schlucht (kungs klyftan, Königsschlucht). Wer die Verfilmung von Astrid Lindgrens‘ Buch „Ronja Räubertochter“ kennt, hat diese Felsen gesehen, sie spielen eine Rolle im Film.

Unten wieder angekommen, genossen wir die Atmosphäre sehr und bummelten den Ort rauf und runter, mit sehr vielen anderen Touristen. Uns erschien es hier schon reichlich exklusiv, wenn man allein auf die vielen und großen Yachten schaute.

Åmål - Uddevalla - Fjällbacka

Åmål – Uddevalla – Fjällbacka

Ebenso waren die Preise in den Restaurants „etwas höher“, das Glas Wein für 9,50 Euros, das Kalbsschnitzel für ca. 30 Euros, schlicht gesagt das Doppelte vom übrigen Schweden. Aber natürlich war das am schönsten Platz des Hafens zu genießen, im Pier-Restaurant, sehen und gesehen werden …

Wir wollten zwar auch sehen, aber nicht unbedingt den Preis für Gesehenwerden bezahlen und entschieden uns am Abend für das gegenüberliegende Bistro, das auch sehr niedlich eingerichtet war. Hier gab es Fleischspieße mit Salat, Tzaziki und Potatoe Wedges. Dafür UND das Glas Wein nur 17,50 Euros pro Person. Ein Grund für den günstigen Preis war, dass man an der Theke bestellte (ähnlich wie häufig in England), und dort auch gleich bezahlte. Das Essen wir dann aber am Tisch serviert.

Wir saßen auf der Terrasse und hatten eine wirklich gute Zeit dort! Das Essen schmeckte vorzüglich, lockte zum Wiederholen … Ein andermal vielleicht. Jetzt drehten wir noch eine Verdauungsrunde in die entgegengesetzte Richtung und wanderten noch zur Kirche hinauf (hoch auf einem Felsen). Dann wurde es Zeit zur Rückkehr zum Wohnmobil, ein wunderschöner Tag ging zu Ende.

Donnerstag, 7. August 2014

Selten hatten wir eine so ruhige Nacht, es gab ja auch keine umliegenden Hauptstraßen. Sogar mit der „light pollution“, der vielen Beleuchtung, hielt es sich in Grenzen, zusammengefaßt: ein toller Stellplatz! Nach dem Frühstück gingen wir wieder hinunter zum Hafen und wollten mit der kleinen Fähre auf die gegenüberliegende Insel fahren: fünf Minuten Fahrt für 10 Euros pro Person, hin und zurück, im Hotel/Restaurant drüben zu bezahlen.

Seenotrettungskreuzer

Seenotrettungskreuzer

Warten auf die Fähre nach Valö

Warten auf die Fähre nach Valö

Die Insel lockte mit einer Wanderung und einem schönen Badeplatz, sowie natürlich dem Besuch des Restaurants. Aber wir hatten ja gerade gefrühstückt und wollten wandern. Immer den weißen Markierungen nach, wie uns der Fährmann verriet. Bei Regen, sagte das Hinweisschild, sollte man hier lieber nicht wandern, die Felsen wären dann zu rutschig. Wir hatten aber gutes Wetter, nicht gut genug für den Fotografen, dem Licht und das leuchtende Blau am Himmel fehlte. Trotzdem fand Frederick viele schöne Motive. Wir schienen die einzigen Wanderer dort zu sein, das mitgefahrene Paar entschied sich für einen Strandtag in der tollen Badebucht, endlich mal Wasser ohne Grünzeug und wir OHNE Badesachen …

Auf geht es zur Angeltour (aber nicht wir)

Auf geht es zur Angeltour (aber nicht wir)

Schären-Panorama von Valö aus gesehen

Schären-Panorama von Valö aus gesehen

Der Weg war als „mittelschwer“ gekennzeichnet, aber leicht zu bewältigen, die Landschaft so ganz ungewöhnlich. Wieder waren es die durch die Gletscher der Eiszeiten glattgeschliffenen Felsenoberflächen, inzwischen teilweise bewachsen von Heide, Blaubeerbüschen, Birken und Kiefern, deren Wurzeln irgendwo am Fels Halt gefunden hatten.

Heide, Kiefer und Birke in trauter Eintracht auf kargen Felsen

Heide, Kiefer und Birke in trauter Eintracht auf kargen Felsen

Selfie hoch oben auf den Felsen von Valö

Selfie hoch oben auf den Felsen von Valö

Irgendwo auf dem Kletterweg nach oben gab es sogar ein Tau, an dem man sich das steilere letzte Stück des Weges hochziehen konnte. Die netten und praktischen Schweden!

Eine fantastische Rundum-Aussicht auf den Schären-Garten bot sich uns! Wir hatten den Gipfel mit dem Seezeichen erreicht und Frederick konnte nicht genug bekommen von den verschiedenen Motiven, die sich ihm boten, leider nicht immer mit dem „besten“ Himmelsblau. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert! Unsere Wanderung dauerte etwa 1 1/2 Stunden. Ab und zu sahen wir die Steinmännchen, die Wanderer so gern bauen. Auf eines setzten wir unsere Kamera und machten ein „Selfie“. Zum Glück waren die weißen Markierungen des Wanderpfades recht leicht zu finden. Hier oben hätte man sonst kaum eine Chance, zwischen all den riesigen Felsflächen und den kleinen Wäldchen wieder herauszufinden.

Unsere im Restaurant teuer erworbene Wasserflasche (Ramlösa, 0,33l für 2,50 Euros) hielt bis zum Abstieg. Essen wollten wir da lieber nicht, obwohl das Restaurant von „gut betucht“ gut besucht war. Wir setzten uns an den Fährensteg und ließen die Seele baumeln. Bestimmt 1 1/2 Stunden lang, weil die nächste Fähre erst um 15.00 Uhr fuhr. Das hatte wohl mit den herübergekarrten Restaurant-Besuchern zu tun …

Uns passte diese Pause gut. Inzwischen dachten wir uns Appetit an, wollten wir doch Wiederholungstäter sein in dem kleinen Bistro vom Vortag. Pünktlich um 14.45 Uhr legte die Fähre ab (Kapazität vielleicht 16 Personen), mit weiteren Gästen, auch zwei Hunden an Bord. Überhaupt das Thema Hunde. Hier wie überall scheint ja die Anschaffung von Hunden extrem zugenommen zu haben: Kinder aus dem Haus, Enkelkinder nicht in Sicht, also her mit einem Hund, besser noch zwei oder drei. Besonders fällt uns das auf bei den Wohnmobilfahrern. Da gehört es fast zum guten Ton: Herrchen-Hund und Frauchen-Hund. Wie das immer so geht im Wohnmobil, wir wundern uns und „Hut ab“.

Fähranleger auf Valö mit Fjällbacka im Hintergrund

Fähranleger auf Valö mit Fjällbacka im Hintergrund

Bootsverkehr auf Rückfahrt von Valö

Bootsverkehr auf Rückfahrt von Valö

Es war die perfekte Zeit für ein Mittagessen und wir bestellten uns das leckere Angebot vom Vorabend noch einmal. Nun ohne Wein, Wasser gab es, auch zum Nachfüllen, umsonst und wir bezahlten nur 25 Euros für zwei Personen für so ein tolles Essen, Genuß pur! Dann hier und da noch ein paar Schnappschüsse gemacht, ein wenig Bummeln durch die Läden und zurück ging es zum Wohnmobil. Zum Abendbrot würde es dann die gekauften Apfel-Zimtschnecken geben, verkehrte Welt!

Nicht, dass es uns schon langweilig wurde, aber wir wollten uns unbedingt den Ort Grebbestad, 15 km entfernt, ansehen und fuhren los. Mitten im Ort kamen wir an einem ziemlich überfüllten Campingplatz vorbei, in Hafennähe. Von anderen Wohnmobilfahrern erfuhren wir, dass die Übernachtung dort 40 Euro kostet. Ein ab 18.00 Uhr kostenloser Stellplatz (allerdings nur bis morgens um 8.00 Uhr) lag direkt im Zentrum, unruhig natürlich. Wir parkten also nur mal und sahen uns dann Hafen, Promenade und Örtlichkeiten an. Ziemlich überlaufen, fanden wir. Also nichts wie zurück ins beschauliche Fjällbacka.

Grebbestad Hafen

Grebbestad Hafen

Leider konnte ich schlecht schlafen, dachte an unsere Gäste im Ferienhaus auf Teneriffa (drei 18-jährige Mädchen aus Deutschland, Freund Heiko’s Tochter dabei). Immerhin unsere ersten Besucher …

Da die Autovermieter das Alter von 21 Jahren zur Bedingung machen (Ausnahmen bestätigen die Regel), waren die Mädchen auf die Busverbindungen angewiesen. Hatten die noch Reise-Unerfahrenen diese Hürde genommen? Wie gefiel ihnen das Haus? Heiko hatte auf meine Nachfragen noch nicht geantwortet. Gegen 1.00 Uhr morgens die erlösende Post von ihm: die Mädchen waren gut angekommen und (Originaltext) überglücklich, wie schön das Haus sei! Das freute mich ungemein, nun konnte ich auch endlich einschlafen! Gucken kann – wer möchte – hier: Casa Ermita.

In der Nacht gewitterte es und regnete dann recht heftig. Das führt dann dazu, dass sich auf dem Dach des Wohnmobils Wasser ansammelt. Witzigerweise benutzten heute Morgen die Vögel das Wasser, um darin zu baden. Hört sich lustig an, das Trippeln der kleinen Füßchen auf dem Dach während man in der Koje liegt.

Freitag, 8. August, 2014

Wieder blauer Himmel und Sonnenschein beim Frühstück draußen an der frischen Luft! Wir haben wirklich Glück mit dem Reisewetter in Schweden. Nun aber mal flott ran ans Tagebuch-schreiben, es waren einige Tage nachzuarbeiten. Frederick beschäftigte sich mit den vielen Fotos, die bearbeiten muss, ehe sie in den Text eingebaut werden können. Für Oliver und Mahlie organisierten wir die Schlüsselübergabe in Malente, wollten sie doch noch einige Tage dort verbringen, bevor ihr Kind zur Welt kam.

Am frühen Nachmittag liefen wir noch einmal in den Ort, drehten eine letzte Runde in Fjällbacka und kehrten im Eiscafe ein. Tschüss, Ingrid Bergmann, tschüss Camilla Läckberg und tschüss Fjällbacka: wir kommen bestimmt wieder!

Fjällbacka Fotogalerie

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