Karlsborg

 In 2014, Schweden

Samstag, 26. Juli 2014

Unser Tagesziel war Karlsborg, etwa 35 km weiter nördlich, auch am Vätternsee gelegen. Aber vorher wollten wir noch einmal das Mysterium „Habbegården“ lösen. Daher ging es zuerst 45 km zurück in Richtung Mariestad. Die Abzweigung fanden wir ohne Probleme und mussten uns dann drei Kilometer über einen schmalen Kiesweg mit Schlaglöchern quälen. Über Google hatten wir bereits herausgefunden, dass es entlang dieses Weges einige Gehöfte gab. Aber wir sahen fast nur verwaiste Gebäude. Nirgendwo war eine Menschenseele auszumachen. Außerdem war es sehr heiß. Die Temperatur hatte schon 33° erreicht. Dann war der Kiesweg zu Ende und wir erreichten eine asphaltierte Landstraße. An der Einmündung gab es zwei Gehöfte, wo wir auch Menschen draußen im Garten unter den Bäumen sehen konnten. Kurzentschlossen fuhren wir auf den Hof und sprachen die Gruppe an. Ob sie etwas wüssten über die Geschichte des Habbe Hofes? Leider so gut wie gar nichts. Der Name des Hofes war ihnen bekannt, aber wer jetzt den Hof beackerte, wusste keiner. Auf jeden Fall hieß in der Gegend niemand mehr Habbe. Sie schlugen vor, wir sollten bei dem Haus mit dem Flohmarktschild (Loppis) mal anklopfen.

Der Habbe Hof in Mittelschweden zwischen Vänern- und Vätternsee

Der Habbe Hof in Mittelschweden zwischen Vänern- und Vätternsee

Das zum Hof gehörende Wohnhaus

Das zum Hof gehörende Wohnhaus

Wir bedankten uns und fuhren dann den Kiesweg zurück bis zum Flohmarktschild. Dort gab es einen Parkplatz hinter dem Haus vor einer großen Reithalle. Wir parkten und schauten in die Reithalle, aber niemand da. Laut Schild sollte der Flohmarkt im Stall sein, aber erst um 15 Uhr beginnen. Wir wanderten hinüber, aber alles war verschlossen. Auch im danebenliegenden Wohnhaus war niemand zuhause. Offenbar war hier nicht viel herauszufinden. Den Nachnamen Habbe gibt es übrigens in Schweden recht häufig. Ich hatte bereits zu meiner damaligen Zeit vor 48 Jahren in Stockholm mit Namensvettern Kontakt aufgenommen. Aber eine Verbindung mit den westfälischen Habbes war nicht festzustellen. Die heutigen Besitzer des Wohnhauses heißen Helen Djupfeldt und Jonas Hvass, lt. Briefkasten. Also wahrscheinlich ein Schuss in den Ofen hinsichtlich irgendwelcher Verwandtschaft. Wir wollten auch nicht noch anderthalb Stunden in der glühenden Hitze auf die Betreiber des Flohmarkts warten und fuhren daher nach Karlsborg weiter.

Obwohl die Kleinstadt mit Wasser rundherum sehr malerisch gelegen ist, war der erste Eindruck bei der Einfahrt enttäuschend. Sechziger Jahre Baustil und kein richtiger Ortskern. Nur der Bootshafen am Götakanal hatte eine schöne Atmospäre. Dort fanden wir dann eine Stellplatzmöglichkeit auf Gras im Schatten unter Bäumen. Wir fragten den Besitzer eines bereits dort geparkten Wohnmbils, ob das Abstellen hier erlaubt sei und er beruhigte uns. „Kein Problem, hier könnt ihr auch eine ganze Woche stehen“. Und das auch noch kostenlos! Nur 300 m entfernt ist ein kleiner Strand am Vätternsee, wo sich viele Schweden abkühlten.

Stellplatz-Karlsborg

Stellplatz-Karlsborg

Hjo - Karlsborg

Hjo – Karlsborg

Wir wanderten dann die zwei Kilometer zur Hauptattraktion der Stadt, Karlsborgs Festung. Es ging immer am See entlang. Leider mussten wir feststellen, dass bereits geschlossen war. Heutzutage ist die Festung eine Touristenattraktion. Wir werden sie nun uns morgen ansehen.

Sonntag, 27. Juli 2014

Karlsborg ist in Schweden bekannt wegen seines imposanten Festungsbaus aus dem 1900 Jahrhundert. Der Bau begann 1819, wurde aber erst 90 Jahre später fertiggestellt. Nicht überraschend, war nach so langer Zeit das Konzept bei Fertigstellung überholt und nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem möchten wir nicht unerwähnt lassen, daß die Festung Karlsborg zu den größten Festungen Europas gehörte.

Festungskanone auf dem Festungswall

Festungskanone auf dem Festungswall

Aussicht vom Festungswall

Aussicht vom Festungswall

Abgerüstet wurde sie im Jahr 1928. Erbaut wurde Karlsborg als Kernstück des schwedischen Zentralverteidigungssystems. Mehrere Festungen im Landesinneren waren geplant. Im Kriegsfall sollten Königsfamilie, Regierung, Reichstag und Schwedens Goldreserven hierhin gebracht werden. Die Schweden planten, den Feind ins Land vordringen zu lassen, ihn durch kleinere Gefechte zu ermüden, um ihn schließlich durch einen konzentrierten Anfall besiegen zu können. Diese Kriegsstrategie war Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, nachdem man Finnland an Russland verloren hatte und sich Stockholm als plötzliche Grenzstadt in einer bedrohlichen Lage befand. Die Festung diente später nur noch als Kaserne, die „Reservehauptstadt“ Karlsborg, wie auf dem Ortsschild steht, war dann über viele Jahre Garnisonsstadt.

Sehr schönes Altarkreuz aus Kristall in der Festungskirche

Sehr schönes Altarkreuz aus Kristall in der Festungskirche In der Oldenburger Kirche gibt es ein ähnliches Kreuz)

Gut erhaltene DC3

Gut erhaltene DC3

Der Besuch der Festungsanlage ist kostenlos und man kann sich überall frei bewegen. Für den Zugang zum Festungsmuseum und der Festungskirche ist allerdings ein Obulus von 50 SKR pro Person zu entrichten. Wir waren neugierig und bezahlten den Eintritt. Die Ausstellung war natürlich sehr militärisch ausgerichtet. Dazu gehörten auch detaillierte Informationen über den Einsatz schwedischer UN Blauhelme in Krisengebieten. Eine Ausstellung der 60er Jahre erweckte Jugenderinnerungen. Frederick lebte ja 66/67 in Schweden. Außerdem scheint es in vielen Museen in Mode gekommen zu sein, die 60er Jahre aus- und darzustellen, die Zeit holt uns so langsam ein …

Die Festungskirche war riesig. Von außen ist sie aber nicht als Kirche auszumachen, sondern ist Teil des riesigen 600 m langen Bollwerks. Uns beeindruckte das schöne Glaskreuz über dem Altar. Nach der Besichtigung steuerten wir auf das Soldaten-Café zu. Dort gab es Rabatt auf Kaffee und Zimtschnecken (wenn man die Eintrittskarte zum Museum vorzeigte).

Gegen 14 Uhr hatten wir genug gesehen. Außerdem war es wieder sehr heiß. Kurz schauten wir uns noch die gut erhaltene DC3 an, die vor dem Festungswall als Museumsstück platziert war. Die Geschichte dieses Flugzeugs ist hochinteressant. So waren diese Flieger eingesetzt worden bei der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Herrschaft, sprich: D-Day in der Normandie im Juni 1944. Hier noch eine Kurzinformation über die DC3:

Die DC3 ist das am häufigsten produzierte Transportflugzeug der Welt und der bedeutendste Flugzeugtyp der Luftfahrtgeschichte, die ungekrönte Königin der Lüfte.

Hersteller: Douglas Aircraft Corporation, Santa Monica, Californien. Herstellungsjahr: 1943. Airforce Nr.: TP-79.002. Name: „Munin“. Triebwerke: 2 Pratt & Whitney „Twin Wasp“ luftgekühlte Sternmotoren mit jeweils 14 Zylindern. Leistung: jeweils 1065 PS bei 2700 U/min. Treibstoffverbrauch: ca. 315 l/h. Propeller: 2 Hamilton. Beide Propeller rotieren gegen den Uhrzeigersinn. Startgewicht: 12.200 kg. Wirtschaftliche Reisegeschwindigkeit: ca. 270 km/h auf 1830 m Höhe. Max. Reichweite ohne Reserve: 2600 km. Max. Flugzeit: 9 1/4 Stunden. Besatzung: 4 Personen (Kapitän, Steuermann, Navigator und Bordmechaniker). Passagierkapazität: 27 Fallschirmjäger. Spezielle Ausrüstung: Funkaufklärungsgerät.

Nach der Festungsbesichtigung wollten wir weiter nach Askersund. Doch waren wir wegen der großen Hitze und dem Umherlaufen in der Festung schon ganz schön geschlaucht. Kurzentschlossen hielten wir noch am Vätternufer, es gab viele freie Parkplätze, – zogen uns unsere Badesachen an und sprangen ins 24° warme Wasser. Erfrischt ging es dann weiter nach.

Fotogalerie Karlsborg

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