Göteborg

 In 2014, Schweden

Sonntag, 13. Juli 2014

Es hatte die ganze Nacht geprasselt, wenigstens war das Wohnmobil wieder sehr sauber geworden! Nach dem Frühstück schaute Frederick in den Wetterbericht, der nichts Gutes voraussagte. Also besser weiter nördlich, dort sollte es am Abend aufklaren. Denn wir wollten nichts riskieren, wollten wir doch ohne Empfangsstörungen den Fernsehabend (WM-Endspiel Argentinien – Deutschland!) erleben. In früheren Zeiten war es bei starkem Regen immer wieder mal zu einem Ausfall des Fernsehbildes gekommen. Erst nachdem Frederick auf die Idee mit der NANO-Versiegelung der Antennenkuppel auf dem Autodach gekommen war, hatte sich der Empfang verbessert. Aber an diesem Abend wollten wir eben auf Nummer Sicher gehen!

Vor der Weiterfahrt nach Göteborg mussten wir unbedingt unser Wohnmobil ent- und versorgen. In Råå fanden wir einen Campingplatz entlang der Küstenstraße. In der Regel haben hier in Schweden die Campingplätze Entsorgungsstationen für Wohnmobile, so auch hier. Für nur umgerechnet € 2,20 konnten wir hier die Toilettenkassette und den Abwassertank entsorgen und Frischwasser auffüllen. Das spart natürlich eine Menge Geld, da man ja oft auf kostenlosen Stellplätzen übernachten kann.

Das Navi zeigte für die Fahrt über die Autobahn 2 1/2 Stunden an, über die Nebenstraßen über 4 Stunden. Da es wie aus Eimern goß, entschieden wir uns für die kurze Variante. Unterwegs bekamen wir den Hinweis auf einen Stau. Also fuhren wir doch noch auf die Westküstenstraße und verlängerten dadurch unsere Tour. Zwischendurch hielten wir auf einem Parkplatz an und gönnten uns eine Kaffeepause.

Gegen 17.00 Uhr kamen wir auf dem vorher ausgesuchten Stellplatz an der Schärenküste an, Kosten 30 Kronen (ca. 3,30 Euros für 24 Stunden). Auch dieser war wieder am Yachthafen gelegen. Ein Wohnmobil stand schon dort, so war es nicht einsam. Denn das Umfeld sah aus, als ob es sich noch mitten im Bau befand. Hier entsteht offenbar ein neues und sehr teures Wohngebiet.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir gingen auf Entdeckungstour. Zuerst zum Hafen, wie üblich! Boote über Boote lagen im Wasser, vor uns eine wunderschöne Schärenlandschaft. Auch hier entzückten uns die kleinen rot-gestrichenen Bootshäuser, die wohl mehr oder weniger als Stauräume für das Boots-Zubehör der Besitzer dienen.

Bootsschuppen im Amundö Yachthafen

Bootsschuppen im Amundö Yachthafen

Der Yachthafen von Amundö im Abendlicht

Der Yachthafen von Amundö im Abendlicht

Raa - Amundoe

Raa – Amundoe

Ein traditionell gestaltetes, neues Holzhaus beherbergte den Båtsklubb (Yachtclub). Dort feierten schwedische Bootsbesitzer und Frederick platzte kurz in die Party und fragte, ob jemand einen 20 Kronenschein in zwei 10 Kronenmünzen wechseln konnte, die wir für den Parkautomaten brauchten. Als es schon so aussah, dass wir noch einmal zum drei km entfernten Supermarkt laufen müssten, rief eine der Frauen fröhlich „Tadaaa“ und kramte die beiden Münzen aus ihrer Handtasche. Der Parkschein konnte gekauft werden.

Dann liefen wir an der Küste entlang und sahen dort die tollsten Häuser, teils modern gestaltet mit viel Glas und Holz, teils traditionell. Eine teure Gegend, schien uns. Man konnte es an den davor geparkten Autos sehen, da wechselten sich Porsche, Mercedes, BMW mit anderen „großen“ Marken ab. Es war kein Wunder, dass man sich – wenn man das nötige Kleingeld mitbrachte – inmitten der sanften Felsenlandschaft mit dem Schärengarten vor der Tür hier gern niederließ.

Plötzlich zog sich auch hier der Himmel zu und es begann zu regnen. Da wir einen Schirm dabei hatten, war es nicht schlimm, wir traten trotzdem den Heimweg zum Wohnmobil an, wollten wir uns doch nicht die Vorberichte auf den spannenden Fußballabend entgehen lassen. Schnelles Abendessen: Salat, Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesan und Obst als Nachtisch und den Wein gab es dann zum Fußballspiel ab 21.00 Uhr. Über das Spiel brauchen wir wohl kaum noch berichten. Jeder wird es gesehen haben. Wir schauten bis nach ein Uhr morgens. Wir waren Weltmeister! Das war mehr als spannend!

Montag, 14. Juli 2014

Bevor wir wieder Großstadtluft im ca. 15 km entfernt liegenden Göteborg schnuppern wollten, erkundeten wir unser Umfeld ein bisschen genauer. Es war ein schöner Sommermorgen. Nach dem Frühstück wanderten wir in die entgegengesetzte Richtung des Vorabends. Hier kamen wir an einem viel besseren Stellplatz vorbei, ebenso kostenpflichtig aber bereits fertiggestellt, also deutlich gepflegter als unser Platz, mit Aussicht über den Schärengarten. Wir nahmen uns vor, am Abend hierher umzuziehen.

Küstenlandschaft der Insel Amundö

Küstenlandschaft der Insel Amundö

Wanderweg auf Amundö

Wanderweg auf Amundö

Unsere Wanderung ging entlang eines sehr schönen Rundweges, vorbei an einer kleinen Bude, in der man Kaffee und Kuchen bekommen konnte und endlich gab es auch mal saubere öffentliche Toiletten. Der Weg führte durch den Wald, an der Lichtung stieß man auf die sanften Felsformationen der Schären, direkt an der Küste entlang. Schwierigere bzw. ausgetretene Pfade waren mit Holzlatten belegt, so dass niemand im Matsch gehen musste.

Nach gut einer Stunde erreichten wir wieder die kleine Kaffeebude und gönnten uns eine Pause. Der junge Mann, der uns bediente, war ganz aus dem Häuschen, als er bemerkte, dass wir Deutsche waren. Auch er hatte das Fußballspiel am Abend zuvor verfolgt und lobte die deutsche Mannschaft über den grünen Klee. Er fand das Team einmalig fair und versuchte seine Deutschkenntnisse: Ich liebe sie …(die deutschen Fußballer). Ein schönes Kompliment!

Wenig später brachen wir auf nach Göteborg, die Fahrt dauerte nur eine halbe Stunde. Eine kleine Unterbrechung hatten wir noch, weil wir Obst und Gemüse einkaufen wollten. In einem ICA-Laden war das ziemlich teuer, für „das bisschen“ bezahlten wir ungefähr 60 Euros, hätte in Deutschland wohl nur die Hälfte gekostet. Wie machen die Familien das hier bloß? Werden ja bald Harald und Bettina treffen und sie mal befragen. Sie leben ständig in Schweden. Frederick hatte einen mitten in der Stadt liegenden Parkplatz auskundschaftet und das Navi führte uns ohne Probleme dorthin. Als bei einer Ampel Fußgänger an unserem Wohnmobil vorbeigingen, bemerkten sie das deutsche Nummernschild und winkten uns mit Daumen hoch begeistert zu (wegen König Fußball). Das war nett. Überhaupt reagierte auch die schwedische Presse mit Begeisterungsstürmen auf den Sieg der deutschen Fußballmannschaft.

Wassersport im Zentrum von Göteborg

Wassersport im Zentrum von Göteborg

Oskar Fredrik Kirche in Göteborg

Oskar Fredrik Kirche in Göteborg

Hier in Göteborg waren die Parkgebühren deutlich höher, für drei Stunden bezahlten wir ca. 6 Euros. Nach kleiner Mittagspause gingen wir auf Entdeckungstour und landeten sofort in einem älteren, aber restaurierten hübschen Stadtteil (Haga) mit niedlichen Lädchen, Cafés, Restaurants, Pubs …. Eine große Kirche zog unsere Blicke auf sich. Leider ist sie nur vormittags geöffnet, so werden wir noch einmal in die Innenstadt fahren und uns die Kirche auch innen anschauen.

Obwohl eine Großstadt, schien es doch recht ruhig zuzugehen. Keine Spur von der in großen deutschen Städten regelmäßig zu beobachtenden Hektik.

Amundö Marina

Amundö Marina

Das Zentrum Göteborgs ist in Nord und Süd unterteilt. Haga liegt im Südteil. Den Nordteil des Stadtzentrums werden wir in den nächsten Tagen erkunden. Außerdem müssen wir noch Post für uns beim Hauptpostamt abholen. Der ADAC wollte uns die europäische Campingkarte postlagernd nach Göteborg schicken.

Da drohende Regenwolken aufzogen, hielten wir es für besser, für heute zu dem schönen Stellplatz in Amundö zurückzukehren. Kurz nach unserer Ankunft begann es zu regnen, ein kurzer Schauer, und als dann die Sonne wieder zum Vorschein kam, gelang es uns, noch ein paar schöne Fotos vom Yachthafen in der Abendsonne zu schießen.

Zum Abendbrot gab es Bratkartoffeln, Fredericks Lieblingsessen. Am Abend ist es auf dem Stellplatz total ruhig. Die Tagesbesucher der Insel sind dann alle verschwunden. Die Boote im Yachthafen werden von der Abendsonne wunderschön beleuchtet. Nur ein weiteres Wohnmobil leistet uns Gesellschaft. Der Blick über die Schären ist wunderbar.

Dienstag, 15. Juli 2014

Typische schwedische Häuser in Billdal

Typische schwedische Häuser in Billdal

Heute wollten wir den Küstenwanderweg in südlicher Richtung erkunden. Diese Wanderwege sind meistens asphaltiert und breit genug für Fußgänger und Radfahrer. Nach einem späten Frühstück machten wir uns gegen Mittag auf den Weg Richtung Billdal. Später am Nachmittag sollte es regnen, aber wir wollten noch einige Kilometer forsch marschieren. Als Vorsichtsmaßnahme war der Regenschirm dabei. Der Weg führte entlang der Schärenküste mit einer tollen Aussicht auf das Kattegat. Auf der Landseite reihte sich ein Luxusanwesen ans andere. Wie weit dieser Weg führt, fanden wir nicht heraus. Nach dem Besuch einer kleineren, bebauten Schäreninsel fielen die ersten Tropfen, die uns zur Umkehr veranlassten. Gut, dass wir den Schirm dabei hatten, denn der Regen wurde zunehmend heftiger. Da es auch noch recht stark wehte, wurden die Schuhe ordentlich eingeweicht.

Den Rest des Tages verbrachten wir im gemütlichen Wohnmobil mit lesen, essen und fernsehen. Für morgen haben sich Bettina und Harald angekündigt, die mit ihrem Wohnmobil „Wanderdüne“ auf dem Weg gen Süden sind. Unsere Wege kreuzen sich hier in Göteborg.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Schöneres Wetter heute. Wir beeilten uns, etwas früher aus der Koje zu kriechen, um wenigstens noch vor der Ankunft unserer Besucher gefrühstückt zu haben. Schon um halb elf rollte die wohl doch nicht so langsame „Wanderdüne“ auf den Platz neben uns.

Anne mit Bettina und Harald vor der "Wanderdüne"

Anne mit Bettina und Harald vor der „Wanderdüne“

Gemeinsames Mittagessen mit Bettina und Harald

Gemeinsames Mittagessen mit Bettina und Harald

Das gab ein großes Wiedersehenshallo nach all den Jahren, in denen man sich nicht gesehen hatte. Endlich konnte man sich einmal gründlich austauschen über Erlebtes und Erfahrenes. Auf dem Stellplatz aßen wir zusammen Mittag und zeigten Bettina und Harald danach den ausgekundschafteten schönen Küstenweg. Beim Reden verging die Zeit schnell.
Beim gemeinsamen Mittagessen

Frederick und Harald ließen die Erinnerungen an die Kinderzeit wieder aufleben, denn in den Ferien war die „Berliner Stadtpflanze“ häufig zu Besuch bei Onkel, Tante und den Cousinen und Cousins auf dem Lande, in Springhoe. Es gab also Erzählungen satt über die Vergangenheit. Gemeinsam aßen wir zu Abend, gönnten uns einen Wein und ein Bier und verbrachten einen schönen Abend miteinander.

Morgen früh werden Bettina und Harald nach Süden weiterfahren.

Donnerstag, 17. Juli 2014
Stadtbesichtigung und Weiterfahrt nach Vänersborg

Hoppla, da war jemand aber früh auf! Gegen 10.00 Uhr waren Bettina und Harald schon gestiefelt, gespornt und satt vom Frühstück fertig für die Abreise! Verständlich, hatten sie doch noch einige Kilometer vor sich, über Helsingborg nach Helsingör/Dänemark weiter nach Deutschland. So winkten wir ihnen Lebewohl und frühstückten etwas später, wieder draußen sitzend in strahlendem Sonnenschein. Für uns wurde es dann auch Zeit, nach Göteborg aufzubrechen. Dort wartete auf dem Hauptpostamt die ADAC-CampingCard auf uns. Frederick hatte den Versand dorthin noch von Deutschland aus veranlasst. Nach einigem Herumkurven in der Stadt fanden wir das Postamt schließlich und konnten die Karte ohne Probleme in Empfang nehmen.

Fischhandeldenkmal in Göteborg

Fischhandeldenkmal in Göteborg

Göteborg Kraftwerk am Hafen bei drohendem Regen

Göteborg Kraftwerk am Hafen bei drohendem Regen

Danach nahmen wir uns die Zeit, den nördlichen Teil der Stadt plus Hafengebiet zu erkunden: wie überall in den größeren Städten, Shopping-Malls, schöne Läden und Pubs, Restaurants. Frederick gelangen einige schöne Aufnahmen.

Weiterfahrt nach Vänersborg

Adieu Göteborg. Wir hatten eine schöne Zeit hier. Aber jetzt geht es weiter zum nächsten Ziel, Vänersborg am südlichen Zipfel von Schwedens größtem See, dem Vänern. Dort angekommen, fanden wir einen Stellplatz am Yachthafen und konnten dort auch ver- und entsorgen (Entsorgung des Abwassers allerdings bei der nahe gelegenen Tankstelle), Wäsche waschen und trocknen und saubere Sanitärräume inkl. Duschen gab es auch. Für alles einschließlich der Übernachtung bezahlten wir 28 Euros (davon sind 6 Euros die Kosten für Waschmaschine und Trockner).

Vänersborg Marina

Vänersborg Marina

Göteborg - Vänersborg

Tagesetappe 107 km

Der Hafen ist klitzeklein, jedoch gibt es auf Schritt und Tritt weitere Bootsanlegestellen, wie wir beim abendlichen Rundgang durch die Stadt herausfanden. „Willkommen im freundlichen Vänersborg“, stand auf dem Schild über einem Durchgang zur Stadt zu lesen. Wir nahmen uns vor, am folgenden Tag noch einmal durch den Ort zu schlendern, für heute war es genug und wir setzten uns noch in eine gemütliche Kneipe auf ein Bier und einen Wein. Allerdings sollte man das in Schweden nicht so oft machen, denn die Preise sind hoch (13,50 Euros). Wir können uns schon langsam an die Preise in Cornwall gewöhnen, denn dorthin geht die nächste geplante Reise im September …

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