Viana do Castelo

 In Portugal

Freitag, 29. März 2019
Viana do Castelo – ein bezauberndes Städtchen

Den in Campercontact gefundenen Stellplatz in Viana do Castelo fanden wir ohne Mühe. Oh, mit diesem kostenlosen Platz in Viana waren wir mehr als zufrieden: Groß, auf sandigem, aber festem Grund, direkt am Ufer des Flusses Lima, der hier in den Atlantik mündet. (Parque de Marina,Viana do Castelo. GPS 41.695360, 8.818700) Schräg über uns schauten wir auf die kombinierte Eisenbahn-/Straßenbrücke, die Ponte Eiffel über den Rio Lima. Dass ein bisschen Lärm von ihr kommt, verzeihen wir gerne, da sie a) ein historisches Bauwerk, 1878 in Betrieb genommen und b) mit ihrem grünen Fachwerk wunderschön anzusehen ist.

Mandelblüten

Stellplatz am Fluss Lima mit der Eiffel-Brücke im Hintergrund

Porto – Vina do Castelo

Viana do Castelo (etwa 88.800 Einwohner) gilt als eine der schönsten Städte Portugals und deshalb begaben wir uns gleich auf Entdeckungstour. Schön gestaltete Parkanlagen, eine gepflegte Hafenpromenade, verwinkelte Gassen, die ins historische Zentrum führten begeisterten uns sofort. Vor etwa 400 Jahren ist die Stadt durch den Kabeljau-Fang in Neufundland reich geworden. Das merkt man heute noch im Stadtbild mit seinen großen steinernen Häusern und den reich verzierten Fassaden.

Schöne Parkallee entlang des Flusses

Blick vom Sportboothafen auf die Basilika Santa Luzia

Es sollen an die 50 Gebäude aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und über 210 Kirchen/Kapellen sein, mit der Viana do Castelo punkten kann. Eine Freude ist es, auf den alten Spuren zu wandeln und die vielen kleinen Plätze zu entdecken. Wir fühlten uns von der Santa Luzia-Basilika, die auf dem gleichnamigen Berg hoch über der Stadt thront herausgefordert und wollten sie im Sturm erobern. Dazu liefen wir beinahe ans andere Ende der Stadt, Richtung Bahnhof und durch ein riesiges, modernes Shopping Centre gelangten wir auf die Nordseite der Bahngleise.

Säule vor der Basilika

Säule vor der Basilika

Teil der 700 Stufen

Teil der 700 Stufen

Bahnhofs-Logo

Bahnhofs-Logo

Von dort fragten wir uns durch und fanden den dann Einstieg über die mehrere 100 Stufen zählende Treppe. Dass es insgesamt ca. 700 davon wurden, die wir bis zum Fuße der Basilika erklimmen mussten, war uns anfangs nicht klar, stand auch nirgendwo angeschrieben. Also sich Zeit lassen, war die Devise … trotzdem war‘s ganz schön heftig! Unser Tempo wurde zum Glück noch einmal reduziert, weil vor uns eine Gruppe mit älteren Pilgern und dem Pastor lief. An jedem Kreuz des Weges hielten sie Andacht und der Pastor predigte zu ihnen. So kamen auch wir wieder zu Atem!
Man erreicht das Ziel übrigens auch über eine kurvenreiche Autostraße und sogar mit einer alten Standseilbahn. Aber wir mussten ja laufen …
Oben angekommen, wollten wir auch noch hinauf auf die Kuppel. Den größten Teil des Weges akzeptierten wir jetzt allerdings den Fahrstuhl für 2€ pro Person, um dann auf engstem Raum die letzten steilen Stufen zum Aussichtsturm aufzusteigen. Belohnt wurden wir oben mit  einem fantastischen Ausblick auf die Stadt, den Atlantik und das Umland. Nichts für Höhen-Ängstliche! Aber das habe ich trotzdem geschafft! Jetzt aber nichts wie runter (Anne)!

Frederick hoch oben auf der Kuppel der Basilika

Enger Aufgang zur Kuppel

Steile Wendeltreppe

Steile Wendeltreppe

In einem kleinen Café belohnten wir uns mit heißen Waffeln und Eis und traten dann den Rückweg mit der Funicular de Santa Luzia (Standseilbahn) für je 2€ einfache Fahrt an. Den Abstieg über die 700 Stufen wollten wir unseren Knien nicht zumuten. Hin und zurück hätte es 3€ gekostet …
Wir bummelten zurück, bereiteten das Abendessen im Wohnmobil vor, ließen den tollen Tag vor der Glotze ausklingen und freuten uns auf die folgenden Tage in diesem wunderschönen Ort.

Standseilbahn auf dem Weg zur Basilika

Standseilbahn auf dem Weg zur Basilika

Anne auf der Mauer hoch oben über der Stadt

Anne auf der Mauer hoch oben über der Stadt

Samstag, 30. März 2019
Volksfest auf dem Platz der Republik

Nach dem Frühstück marschierten wir gleich wieder los, zum Glück. Denn wir kamen gerade noch rechtzeitig zum Plaça de República, wo einige Stände aufgebaut und lokale Leckereien von Frauen und Männern, gekleidet in alten Kostümen, verkauft wurden. Außerdem sangen und spielten mehrere, auch in Tracht gekleidete Gruppen unterschiedliche Volksmusik, sehr stimmungsvoll. Es war dort eine tolle Atmosphäre, wenig touristisch, es war mehr ein Treffen der Bevölkerung zu einem Schwätzchen an einem Samstagmorgen.

Volksmusiker

Volksmusiker

Portugiesen in schmucken Trachte

Portugiesen in schmucken Trachten

Viel los war in dem Museum der Arbeit am Platze, in dem historische Kostüme und altes Handwerk ausgestellt war. Vor allem das Kunsthandwerk der Goldschmiede zog uns magisch an. In den vielen Juwelierläden der Stadt hatten wir schon den goldenen Filigranschmuck bewundert, ähnlich dem Silber-Schmuck, den die Friesinnen zu ihren Trachten tragen. Aus Goldfäden zu feinsten Anhängern, Ringen gefertigt, findet man einen Link unter Viana Herz. Da könnt Ihr mal schauen, was es an Schönem gibt!

Fantastischer Filigranschmuck

Fantastischer Filigranschmuck

Im Inneren des Museums für Arbeit

Im Inneren des Museums für Arbeit

Wir spazierten durch sämtliche alte Gassen bis zum anderen Ende des Ortes, wo denn auch wirklich das Castelo (aus dem 15. Jahrhundert) liegt, die Festung an der Flussmündung. Der Bau war nötig, um die reiche Stadt vor Plünderern (Sowohl Piraten als auch Spanier) zu schützen. Leider kann man das Castelo nicht besichtigen, da es heute eine Marinekadettenschule beherbergt.

Am Fischereihafen trafen wir einen älteren Herrn aus Deutschland, der sich seit einem Jahr im Ort eingemietet hat. Wir kamen ins Gespräch, er erzählte, dass er für 80 qm möbliert 350€ zahlt und die Lebenshaltungskosten in Portugal vergleichsweise (zu Deutschland) gering sind. Er nahm uns mit zu “seinem” Fischer”, der aus dem kleinen Häuschen heraus frischen Fisch verkaufte, ein Geheimtipp für Insider also. Wir erfuhren von ihm außerdem, dass Viana auch in heutiger Zeit gut dasteht. Die Werften dort sind bestens beschäftigt und geben der Bevölkerung Lohn und Brot. Unsere Wege trennten sich, wir kehrten noch auf Kaffee und Kuchen ein und bezahlten für alles nur 3,80€!

Die bunten Häuser der Fischer am Hafen

Die bunten Häuser der Fischer am Hafen

Das Castelo (Festung) - heute Seekadettenschule

Das Castelo (Festung) – heute Seekadettenschule

Am Abend gingen wir in den Yachtclub bei uns am Platz. Leider war das angebotene Menü mit leckeren Fischgerichten nur zur Mittagszeit erhältlich und wir begnügten uns mit einem Glas Wein und kleinen Snacks, wieder für wenig Geld! Es lässt sich in Portugal wirklich günstig leben!

Sonntag, 31. März 2019
Waschtag mit Hindernissen

Viana do Costelo liegt am Jakobsweg in der Region Costa Verde und wird gern von Pilgern auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela “mitgenommen”. Wir bemerkten davon noch nichts. An diesem schönen Sonntag waren viele Familien unterwegs und genossen das warme Wetter. Wir mussten erstmal unseren netten Stellplatz verlassen, der Gastank war (mit Vorankündigung: stark flackernde Flamme) leer! Also ab zur nächsten Tankstelle, außerdem mussten wir waschen. Die Lavanderia (der Waschsalon) lag am anderen Ende des Ortes. Das Navi wies grob den Weg. Leider war das Parken mit unserem großen Gefährt in dieser Gegend schwierig. Frederick bog bei der nächsten Gelegenheit rechts ab in ein Wohngebiet, doch schon nach einigen hundert Metern mussten wir zu unserem Schrecken feststellen, dass es sich um eine Sackgasse handelte. Ärgerlicherweise waren wir bei der Einfahrt in diese Straße nicht per Schild darauf hingewiesen worden. Keine Wendemöglichkeit und die Straße auf einer Seite komplett zugeparkt. Festgefahren ist nichts dagegen! Frederick behielt die Nerven und begann, sich rückwärtsfahrend aus der Lage zu befreien. Plötzlich kam ein hilfreicher Geist aus einem der Häuser, entfernte eine Kettenabsperrung zu einer Garage und schon hatten wir ausreichend Platz zum Wenden! Wir bedankten uns und der junge Mann grinste sich eines … mochte sich seinen Teil über Touristen gedacht haben….

Frederick fand dann doch eine Parklücke und blieb aber im Fahrzeug. Ich lief mit dem Sack voll Wäsche los. Auch hier hatte ich gleich wieder Hilfe von einem jungen Mann, der mir die Funktion der Maschinen erklärte. Geht ja auch immer ganz schnell, 35 Minuten waschen für 3,50€ inklusive Waschmittel (automatisch zugeführt), 20 Minuten dauert das Trocknen (2€).
Nun bloß noch den Tag nutzen … also zurück zu unserem Platz.

Wir wanderten an einer alten Stierkampfarena in der Nähe des Stellplatzes vorbei und lasen nach: Viana do Castelo war 2009 die erste portugiesische Gemeinde, die Stierkämpfe abschaffte, Begründung: Tierquälerei! Leider wurde die Stadt Areosa (Kreis Viana do Castelo) im Jahr 2012 vom Gericht gezwungen, eine Stierkampfveranstaltung auszurichten, obwohl vom Gemeinderat alles versucht wurde, dies zu verhindern. Später wurde die Entscheidung des Gerichts stark kritisiert und als skandalöse Entscheidung benannt. Die Veranstaltung fand aber statt.

Das alte Rathaus, heute finden hier Kunstaustellungen statt

Das alte Rathaus, heute finden hier Kunstaustellungen statt

Die alte Stierkampfarena

Die alte Stierkampfarena

Weiter ging es zu Fuß entlang der langen und schönen Promenade am Lima, dem Fluss. Das große weiße Schiff “Gil Eannes” am gegenüber liegenden Ufer weckte unsere Neugierde. Besichtigung erlaubt und erwünscht und günstig wie nie: 1,50€ pro Person für Rentner!
Die Gil Eannes ist ein ehemaliges portugiesisches Lazarettschiff, liegt permanent dort im Hafen und dient als Museumsschiff und Jugendherberge. Zwischen 1955 und 1973 war es das Flaggschiff der portugiesischen weißen Flotte und stand den Fangschiffen (Kabeljau) vor Neufundland und Grönland zur Verfügung. Es diente den Fischern nicht nur als Krankenhaus, sondern auch als Postschiff, Eisbrecher, Schlepper und Maritimer Verwaltung. Nach der letzten Fahrt 1973 lag das Schiff im Hafen von Lissabon, vergessen und als Schrott zur Entwertung klassifiziert.

Die riesige Backbordmaschine der Gil Eannes

Die riesige Backbordmaschine der Gil Eannes

Die Gil Eannes

Die Gil Eannes

1997 jedoch entwickelte ein Historiker und TV-Moderator eine Kampagne zur Rettung des Schiffes, in buchstäblich letzter Minute! Die Wiederherstellung des bereits in Teilen zerstörten Schiffes wurde von den Werften Viana do Castelos vorgenommen und durch Spenden verschiedener Institutionen, Firmen, auch von Privatleuten, finanziert.
Selten haben wir ein so interessantes Schiff besichtigt. Die Krankenstationen mit allen nur denkbaren Einrichtungen wie Röntgen, Operationssaal, Quarantäne – die Kombüse, alles fantastisch mit Pott und Pann‘ eingerichtet und zu bestaunen. – Wie schön, dass es solche Initiativen gibt und Menschen sich dafür einsetzen, um der Nachwelt Einmaliges zu hinterlassen.

Sportboothafen und Eiffel-Brücke

Sportboothafen und Eiffel-Brücke

Capt'n Frederick

Capt’n Frederick

Den letzten Abend verbrachten wir in dem großen und schönen Restaurant am Ufer des Limas. Es gab noch mal ein leckeres Fischgericht für Frederick. Im Wohnmobil ist es ja schlecht mit dem Braten von Fisch (auf gar keinen Fall!) und auf Stellplätzen kann man sich das Grillen draußen auch nicht erlauben (“Campingverhalten nicht erlaubt”).

Schade, dass wir weiter müssen, aber Viana do Castelo ist ein weiteres Juwel in unserer Sammlung!

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