Óbidos

 In Portugal

Montag, 18. März 2019
Werkstattbesuch

Nachdem wir und unser Wohnmobil am Morgen wieder reisefertig waren, fuhren wir zunächst noch einmal zum Cabo de São Vicente an die bis zu 70 m hohe Steilküste. Ein kurzer Weg, etwa zehn Minuten Fahrt. Wir gesellten uns zu den vielen Reisebussen, die sich gegen 11 Uhr auf den Parkplätzen eingefunden hatten. Ein bisschen enttäuschend natürlich für alle, dass Museen – also auch dieser Leuchtturm montags geschlossen sind. Aber was soll‘s, die spektakuläre Aussicht rechts und links von den Klippen entschädigte. Außerdem war der in beinahe allen Blogs und Foren erwähnte Bratwurst-Stand heute da und feierte ihre Saison-Eröffnung: “Die letzte Bratwurst vor Amerika”. Seit 23 Jahren gibt es diesen Imbiss-Stand dort! Bunt bemalt sticht er mit seiner deutlichen Werbung ins Auge … für uns leider die falsche Tageszeit für eine Thüringer oder Curry-Wurst!

Hier gibt's die letzte Bratwurst vor Amerika

Hier gibt’s seit 23 Jahren die letzte Bratwurst vor Amerika

Noch ein Foto vom Leuchtturm

Gestaunt habe ich über den Leichtsinn mancher Besucher dort: bei dem starken Wind konnten sie es doch nicht lassen, sich an den steil ins Meer abfallenden Klippen soweit wie möglich hinunter zu wagen, um spektakuläre Fotoaufnahmen zu machen.

Wir mussten nun weiter zum Postamt (Correios auf Portugiesisch) in Sagres, um ein paar Grüße an die Lieben loszuwerden, trennten uns allerdings nur schwer von dieser aufregenden Küste.

Über die Autobahn fuhren wir etwa vier Stunden nach Torres Vedras, durch die Region Alentejo (übersetzt: jenseits des Flusses Tejo) und sahen viel von der Kulturlandschaft der Korkeiche. Die Region erstreckt sich über ein Drittel der gesamten Landesfläche und ist doch nur gering besiedelt (etwa 5% der Portugiesen leben hier). Es gibt keinen Massentourismus, – eine bezaubernde Landschaft, Ruhe und Abgeschiedenheit findet der individuell Reisende hier.

Unendlich scheint das Areal mit den Korkeichen zu sein. Es ist eines der weltweit größten Anbaugebiete und für etwa 50% der Kork-Weltproduktion verantwortlich. Tatsächlich erhaschen wir im Vorbeifahren den Blick auf einige der geschälten Bäume, die Rinde wird in mühseliger Handarbeit abgeschält. Nun fragt man sich natürlich als Laie: stirbt denn der Baum dadurch nicht ab? Nein, tut er nicht. Die Korkeiche ist der einzige Baum, der das Entfernen der Rinde übersteht.

Die Überquerung des mächtigen Tejo Flusses über die kilometerlange Brücke bei Lissabon ist wirklich beeindruckend. Der Fahrer muss sich da schon sehr auf den starken Verkehr konzentriert, der hier mit bis zu 90 km/h flott über die Brücke läuft.

Geschälte Korkeiche

Geschälte Korkeiche

Korkeichen entlang der Autobahn

Wir erreichten Torres Vedras und fuhren in das außerhalb liegende Industriegebiet, wo unsere Werkstatt sein sollte. Für die Tour auf der mautpflichtigen Autobahn mussten wir etwa 40€ bezahlen. Das war es uns wert, denn leider sind die Landstraßen in Portugal nicht gerade gut. An den Aufbauten des Wohnmobils wird doch ganz schön gerissen und gezerrt durch die Schaukelei.

Frederick kurvte kurz darauf auf den Werkstatthof, wo bereits einige andere Wohnmobile standen.

Wohnmobilwerkstatt Camping Torres

Wohnmobilwerkstatt Camping Torres

Überquerung des mächtigen Tejos

Überquerung des mächtigen Tejos

Bevor Lino, der Werkstattleiter mit seinen hervorragenden englischen Sprachkenntnissen sich unserer annehmen konnte, schaltete Frederick Satellit und Fernseher noch mal an und siehe da, alles funktionierte! Aber es gab ja noch ein weiteres Problem, eine schwächelnde Starterbatterie. Lino erklärte uns, dass wir für den Checkup einen Termin bräuchten und wir einigten uns auf den nächsten Tag, 9 Uhr morgens. Er empfahl uns die Übernachtung auf einem Strandparkplatz im nahe gelegenen Küstenort Santa Cruz. Bei der Eingabe ins Navi muss man höllisch aufpassen. Wie “Neustadt” in Deutschland gibt es so einige Santa Cruzes, dieses Santa Cruz kam mit dem Zusatz „Torres Vedras“.

Es ging über die Lande, bis wir jäh durch eine große Schafherde gestoppt wurden. Da gab es kein Durchkommen, wir mussten umdrehen und uns eine andere, etwas längere Route suchen. durch enge Ortsteile, Richtung Praia (Strand) und wir fanden uns schließlich auf einem beinahe einen Kilometer langen leeren Parkplatz entlang der Küstenstraße wieder. In der Distanz sahen wir ein großes Hotel.

Strandparkplatz in Santa Cruz

Strandparkplatz in Santa Cruz

Kleiner Strand in Santa Cruz

Kleiner Strand in Santa Cruz

Sagrtres - Torres Vedras - Santa Cruz

Sagres – Torres Vedras – Santa Cruz

Nachdem wir das Wohnmobil geparkt hatten und die Aufbautür öffneten um uns die Füße vertreten wollten, knallte die Tür mit einem lauten Knall auf. Der starke Wind pustete uns bald aus den Latschen, aber der Anblick des Atlantik mit den heranrollenden aufgepeitschten Wellen, der Ausblick auf die Klippen und der unberührte lange Strand entschädigten. Lino hatte uns versichert, dass uns in dieser Jahreszeit niemand von Parkplätzen vertreiben würde. In der Vorsaison würden Übernachtungen der Wohnmobil-Reisenden toleriert, vor allem hier in der Einsamkeit. Auf unserer Höhe gab es eine Strandbar ”Portal”, die viel versprach, aber nichts hielt: Beach Menüs, Wein, Kaffee, Desserts im Angebot. Aber sie war geschlossen, da noch keine Saison! Wir machten uns das Abendbrot im Wohnmobil und hatten nun wieder einen gemütlichen Fernsehabend.

Dienstag, 19. März 2019
Wieder muckt die Starterbatterie

Um 7.30 Uhr früh aus den Federn, rasch gefrühstückt und ab zur Werkstatt. Denkste! Das Auto sprang wieder mal nicht an! Die Leuchte für die Starterbatterie auf dem Control-Panel blieb – wie schon einmal – dunkel, wie peinlich. Um 9 Uhr hatten wir doch unseren Termin! Die erste Aktion: ADAC anrufen, was Frederick auch tat. Die zweite Aktion: Lino in der Werkstatt anrufen und den Fall schildern. Er bot sofort an, zu kommen und zu überbrücken. Das nahmen wir sofort dankbar an, gaben unsere Position an und sagten dem ADAC ab.

Lino war nach 20 Minuten da und schüttelte nur den Kopf darüber, auf welchem Platz wir – trotz seiner genauen Wegbeschreibung – am Vorabend gelandet waren. Nun denn … Mit Lino‘s Magic Touch (bzw. einem Startgerät) sprang der Wagen sofort an. Offenbar war er sehr entspannt, darüber, dass sein ganzer Zeitplan durcheinander gekommen war. Er lud uns sogar zu einer kurzen Sightseeing Tour direkt nach Santa Cruz auf dem Weg in die Werkstatt ein und brauste vor uns davon. Den Portugiesen eilt der Ruf voraus, rasante Fahrer zu sein, soviel schneller als die Spanier. Um Schritt zu halten, musste Frederick ihm mit 70 km/h (wohlgemerkt in der engen Ortschaft) folgen. So lernten wir eine weitere Schönheit Portugals kennen: ein etwas verschlafenes Städtchen, eine herrliche Promenade, hohe Kliffs, ellenlange Strände und das türkis schimmernde Meer.

Strand in Santa Cruz

Strand in Santa Cruz

Klippen bei Santa Cruz

Klippen bei Santa Cruz

In der Werkstatt angekommen, nahm ein Angestellter sich der Prüfung der Batterie an. Es stellte sich heraus, dass sie kaputt war. Im vorigen Jahr war es uns in Frankreich passiert: die Batterie hatte sich wegen Anlassen des Lichts (?) über Nacht einmal komplett entladen, wir schienen nun mit den Folgen zu kämpfen. Auch damals war der ADAC innerhalb kürzester Zeit zum Wiederaufladen zur Stelle gewesen. Nach einigem Überlegen entschied Frederick sich für den Einbau einer neuen, qualitativ hochwertigen Varta-Batterie. Der Gedanke, eine Lithiumbatterie zu installieren, um 18 kg Gewicht zu sparen wurde auf Grund des hohen Preises schnell ad acta gelegt!

Außerdem ließen wir eine defekte Schublade unter dem Kühlschrank reparieren, die seit einiger Zeit beim Fahren in Kurven wiederholt mit Getöse aufsprang.  Die anschließende Rechnung belief sich auf 298€ (inkl. Überbrücken 25€). Wir fühlten uns absolut fair und gut bedient. Außerdem bestätigte die Begegnung mit Lino die in vielen Berichten erwähnte Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Offenheit der Portugiesen.

Nachdenklich machte uns sein nebenbei eingeschobener Satz, Portugal sei ein armes Land, aber wenigstens wäre man in der IT-Branche stark und manchen voraus. Uns fällt auf, dass in weniger touristisch erschlossenen Gegenden die Preise deutlich niedriger sind. Wir freuten uns über eine nette Begegnung und dass wir mit neuer Batterie gut gewappnet weiterfahren können.

Weitere Fotos von Santa Cruz

Bereits eine knappe halbe Stunde später – die gut erhaltene mittelalterliche Burg begrüßte uns von weitem – fuhren wir auf den Wohnmobilstellplatz unterhalb des Aquädukts in Óbidos ein (freies Parken ab 9 Uhr bis 17 Uhr, Übernachtung 6€). Hier stellten wir schnell fest, dass die gesamte Bordelektrik nicht mehr funktionierte: Kühlschrank aus, Wasserpumpe (Toilette und Frischwasserzufuhr) aus, nichts ging mehr! Die ersten Überprüfungen brachten nichts, also flugs in der Werkstatt angerufen und flugs dorthin zurück. Während der Fahrt stand ich zufällig in enger WhatsApp Verbindung mit unserem Freund Karl-Heinz aus Hasenmoor, einem alten Wohnmobilhasen mit 35 Jahre Erfahrung auf dem Buckel. Ich schilderte ihm unseren Ärger. Er zählte die verschiedenen Szenarien auf, woran der Stromausfall liegen könnte und BINGO: erwähnte den HAUPTSCHALTER, den jeder kennen sollte?! Beim Einbau der Batterie war er ab-, aber nicht wieder eingeschaltet worden! Welch ein Theater! Wir hielten kurz an, überprüften den Hauptschalter, der tatsächlich ausgeschaltet war. Das war es dann. Unser Dank wird Karl-Heinz ewig nachschleichen. Dann erneuter Anruf in der Werkstatt und zurück zum Stellplatz, mittlerweile war es 17 Uhr geworden.

eil des fast fünf km langen Aquädukts in Óbidos

Teil des fast fünf km langen Aquädukts in Óbidos

Stellplatz am Aquädukt in Óbidos

Stellplatz am Aquädukt in Óbidos

Wir wollten von Problemen jetzt nichts mehr hören oder sehen und liefen die etwa 300 m vom Stellplatz in den Ort. Die meisten Touristen beendeten ihre Besichtigungstour und kamen uns entgegen. Sofort nimmt einen dieses so gut erhaltene kleine, mittelalterliche Städtchen gefangen, kaum dass man durch das Stadttor tritt. Die Stadtmauer ist komplett erhalten und ein Fahrzeugzugang ist nur über das Haupttor, durch das auch wir marschierten möglich. Viele kleine kunsthandwerkliche Läden, Souvenir-Shops, Restaurants, Wein-Bars säumen die enge Hauptstraße. Wir gönnen uns erstmal einen Ginja (Kirschlikör) aus winzigen Tassen, die aus einer Puppenstube stammen könnten! Außerdem sind sie aus Schokolade, dunkler oder weißer, und man isst sie hinterher einfach auf. Der ganze Spaß kostet 1€ pro Portion, einfach lecker! Óbidos im Schnelldurchlauf, das musste nach diesem Tag einfach noch mal sein! Morgen mehr …

Mittwoch, 20. März 2019
Die mittelalterliche Stadt Óbidos

Dieser kleine Stellplatz direkt am Jahrhunderte alten Aquädukt und unterhalb der historischen Stadt ist Gold wert. Er ist zwar einfach, aber mit viel Grün drum herum. Vor allem ist er in dieser Jahreszeit noch nicht überlaufen. Es standen nur vier Fahrzeuge dort und wir hatten eine ruhige Nacht.

Óbidos und sein Wohngebiet unterhalb der Burg hat etwa 11.700 Einwohner. Die Kleinstadt ist bekannt für seine intakte und fast vollständig begehbare Stadtmauer, den historischen Ortskern und die engen blumengeschmückten Gassen. Mittelalter pur!

Friedhof - vorne - Obere Stadtmauer und Wehrturm

Friedhof – vorne – Obere Stadtmauer und Wehrturm

Das Stadttor - Einziger Zugang zur mauerumringten Stadt

Das Stadttor – Einziger Zugang zur mauerumringten Stadt

Nach dem Frühstück mischten wir uns unter die Ströme von Touristen, die mit Bussen zu dieser Sehenswürdigkeit gekarrt worden waren, ein ganz anderes Bild als am Abend zuvor!

Wer war nicht schon alles hier: Menschen der Jungsteinzeit, die Westgoten, die Römer und ab 711 eroberten gar die Mauren die Stadt und befestigten sie. … wohl nicht genug, denn 1148 eroberte D. Alfonso Henriques den Ort und fügte ihn seinem jungen Königreich Portugal hinzu. Erste Stadtrechte wurden Óbidos schon 1195 verliehen. König Alfons II. vermachte die Stadt seiner Frau als Hochzeitsgeschenk. Diesen Brauch wiederholten verschiedene Könige bis ins 16. Jahrhundert. Deshalb wundern wir uns nicht, dass die Stadt auch “Vilas das Rainhas” (Stadt der Königinnen) genannt wurde.

Die beiden Kirchen im Ortszentrum

Die beiden Kirchen im Ortszentrum

Alte Telefonzelle

Alte Telefonzelle

Abgestorbene Palme

Abgestorbene Palme

Wir konnten uns nicht satt sehen an den alten Mauern, Kirchen, schmalen Gassen. Frederick stieg die Stufen hinauf auf die alte Stadtmauer (ca. 15m hoch, nichts für Anne, die unter Höhenangst leidet) und lief dort ein Stück entlang, auf der Suche nach dem besten Fotomotiv. Wohlgemerkt, die Mauer hat keine Begrenzung/keinen Handlauf auf der Innenseite! Nicht umsonst sind Warnschilder aufgestellt, die auf die eigene Verantwortung hinweisen.

Blick von der Stadtmauer auf die Dächer der Stadt

Blick von der Stadtmauer auf die Dächer der Stadt

Ungesicherte Treppe

Ungesicherte Treppe

Schmale Gasse

Schmale Gasse

Die Bewohner sind schon seit 8.30 Uhr auf den Beinen und fleißig in ihren kleinen Läden, Cafés, Restaurants. Aber nie werden wir angesprochen und zum Kaufen animiert. Das passiert von ganz allein, noch mal ein leckeres Ginja aus einem Schokoladentässchen …, ein paar Souvenirs schauen. Mal sehen, was es so alles gibt.

Hier gibt's frisch gepressten Orangensaft

Hier gibt’s frisch gepressten Orangensaft

Kleine Schokoladentässchen, gefüllt mit Kirschlikör

Kleine Schokoladentässchen, gefüllt mit Kirschlikör

Innerhalb der Stadtmauern existiert noch eine gut erhaltene Burg (Castelo), das Labyrinth aus Gassen und weiß getünchten Häusern, Fenster von blauen oder gelben Zierstreifen umrahmt, Blumenschmuck wo immer möglich, verzaubert jeden. Es gibt ein schönes Hotel, dort oben, Pousada Vila Óbidos, das wir hier gern erwähnen. Der gut erhaltene Aquädukt übrigens, an dem wir mit dem Wohnmobil stehen, wurde ca. 1575 fertiggestellt und versorgte die Brunnen von Óbidos mit Wasser.

Eingang zum Hotel Pousada

Eingang zum Hotel Pousada

Das innerhalb der Stadtmauern liegende Castelo

Das innerhalb der Stadtmauern liegende Castelo

Wir schauten uns die Kirche Santa Maria an, die ihre Ursprünge im 12. Jahrhundert hat. Sie ist mit Azulejos, den handgemalten Fliesen ausgekleidet. Zahlreiche wertvolle Gemälde hängen an den Wänden. Gegenüber der Kirche steht ein Schandpfahl, als Zeichen des Stadtrechts der Gemeinde.

Müde Beine ausruhen auf dem Sockel des Schandpfahls

Müde Beine ausruhen auf dem Sockel des Schandpfahls

Kirche San Pedros

Kirche San Pedros

Schandpfahl

Schandpfahl

Wir hatten das große Glück, einen Blick auf eine archäologische Ausgrabung zu erhaschen. Eine Ruine, mitten im Ort, wurde restauriert. Das große Tor stand halb offen und die neugierigen Touristen, wir natürlich auch, schauten hinein. Eine Handvoll Archäologen war am Begutachten und Katalogisieren der Funde. Ein Mann kam zu uns herüber und erklärte auf Englisch, dass die großen und tiefen Löcher im Boden, auf die wir blickten, die Kühlschränke von damals waren. Hier heraus hatte man bereits einige Tonscherben und sogar intakte Behältnisse geborgen. Allen Restaurierungen im Ort ist heutzutage die archäologische Arbeit vorgeschaltet, damit nichts von der Vergangenheit verloren geht, erklärte er uns. Diese Mauerreste werden eines Tages mit neuem Leben gefüllt sein: Im oberen Teil entsteht eine Wohnung, der untere Teil wird geschäftlich genutzt werden.

Ausgrabungsergebnisse

Ausgrabungsergebnisse

Löcher im Boden als Kühlschränke

Löcher im Boden als Kühlschränke

 

Wir merken es: Das alles hier ist wieder mal so ein ”ich will hier nicht mehr weg“-Ort … müssen uns also losreißen. Die vielen Besucher haben uns am Ende gar nicht gestört, jeder sucht sich seine Nische und geht auf Entdeckungstour. Wir schauten im Bio-Laden vorbei, der gleichzeitig Bücherei ist. Ein interessantes und kaum zu beschreibendes Innenleben fanden wir vor, siehe Fotos. Mit dem netten jungen Verkäufer führten wir auf Englisch ein langes Gespräch über Gott und die Welt…

Der Bioladen in der Bücherei

Der Bioladen in der Bücherei

Bücherei und Bioladen in einem

Bücherei und Bioladen in einem

Ich lese vieles nach: Mir bleibt Catarina de Áustria im Kopf. Von 1525 bis 1557 war sie durch die Heirat mit João III. ((Johann III.) Königin von Portugal, eine Habsburgerin! Sie hatte den Bau des Aquädukts im 16. Jahrhundert in Auftrag gegeben, Frauenpower! Sie wurde übrigens 71 Jahre alt, im Mittelalter sicher ein biblisches Alter. Auch ihr Mann will mir nicht aus dem Gedächtnis. Er setzte mit der Inquisition ”das Werk” seines Vaters fort, die Vertreibung der Juden, obwohl diese sich bereits seit den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung (durch archäologische Funde belegt) in Portugal angesiedelt hatten. Nur, wer zum christlichen Glauben übertrat, war geduldet. Da kam das Einladungsschreiben König Christians IV., dem Stadtgründer von Glückstadt (1618), gerade recht. Er hatte an alle grösseren Handelsplätze in Frankreich, Spanien, Portugal und den Niederlanden Schreiben an die sephardischen Gemeinden geschickt und ihnen weitreichende Privilegien ( u.a. freie Religionsausübung) zugesagt. So kamen portugiesische Juden nach Glückstadt!

Wir, im Hier und Jetzt, setzten uns zum Abschied in ein Weinlokal, tranken ein Glas Wein und erlebten die Geschäftigkeit des Ortes mit allen Sinnen.

Weitere Fotos Óbidos

Donnerstag, 21. März 2019
Caldas da Reinha

Portugiesische Hähne als Souvenirs

Portugiesische Hähne als Souvenirs

Tischdekoration in einem Restaurant

Tischdekoration in einem Restaurant

Weiter ging es gegen Mittag nach Caldas da Rainha, obwohl der junge Mann aus dem Bio-Laden uns die Stadt als langweilig beschrieben hatte, er lebt nämlich dort …. Um es vorweg zu nehmen, es war alles andere als langweilig.

Die Stadt (etwa 51.600 Einwohner) ist nur einen Steinwurf (15 Autominuten) von Óbidos entfernt und heißt übersetzt : Die (Thermal-)Bäder bzw. heiße Quellen der Königin. Eleonore von Portugal wird die Stadtgründung um 1484 zugeschrieben. Eine weitere spannende Geschichte: Link: Königin Eleonore. Unser erster Eindruck riss uns nicht von den Autositzen, die mühsame Suche nach einem Parkplatz begann. Am Stadtrand an der Schule für Tourismus gab es dann genügend Platz.

Wir sicherten das Fahrzeug und liefen Richtung Zentrum. Etwas abseits vom Tourismus gelegen, erlebt man hier das normale alltägliche Leben der Portugiesen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war es Mode – vor allem bei der Oberschicht und dem Adel – zur Kur ins Thermalbad zu fahren.
Wir fanden es hier interessant: der schön angelegte Kurpark mit seinen Skulpturen, Teichen und Wasservögeln, wunderschöne alte Bauten dort, fast englisch anmutend, die leider dem Zerfall ausgesetzt sind.

Schwarzer Schwan bei der Gefiederwäsche

Schwarzer Schwan bei der Gefiederwäsche

Lustiger Pfau im Park

Lustiger Pfau im Park

Königin D. Leonor

Königin D. Leonor

Ente mit Schildkröte

Ente mit Schildkröte

Früheres Thermalbad - heute leider derelikt

Früheres Thermalbad – heute leider derelikt

Zufällig gerieten wir auf den täglichen Gemüsemarkt, auf dem wir kiloweise und günstig Erdbeeren kauften, Wir sahen Häuser im Jugendstil, einige Museen, die leider geschlossen waren (Mittagszeit) und eine Keramikfabrik, die wir nicht fanden. Im Einkaufszentrum war viel los, viele schöne Geschäfte. So kam ich noch zu neuen Sportschuhen zum halben Preis im Outlet. Für Caldas da Reinha müsste man sich viel mehr Zeit nehmen … Machen wir beim nächsten Besuch.

Weitere Fotos Caldas da Reinha

Erdbeeren für einen Euro per Kilo

Erdbeeren für einen Euro per Kilo

Jugenstilarchitektur am Marktplatz

Jugenstilarchitektur am Marktplatz

Uns trieb es weiter zum 15 Minuten entfernten, viel gelobten Lagunen-Ort Foz do Arelho. Kurze Zeit später rollten wir auf den riesigen, zu diesem Zeitpunkt nicht stark frequentierten Stellplatz. Den hatten wir gestern Abend im Internet recherchiert. José, der Einweiser verkaufte uns das Übernachtungsticket für 4€ (ohne Strom) mit einem Lächeln und dem Satz: Nice Price for Paradise! Und es stimmt haargenau! Grandioser kann man nicht stehen: in erster Reihe direkt an der Lagune! Kein Wunder, dass dieser (sehr einfach eingerichtete) Platz in allen Portugal-Blogs und Reiseberichten hoch gelobt wird, wegen seiner Lage. Mir kommt es allerdings ein bisschen wie ”Vorne Hui und hinten Pfui” vor. Toiletten und Duschen sind alt und einfachst (Toiletten ohne Sitze), aber sauber, nichts riecht. Trotzdem …. wir haben ja unser Wohnmobil.

Santa Cruz - Óbidos - Calds da Rainha - Foz do Arelho

Santa Cruz – Óbidos – Caldas da Rainha – Foz do Arelho

Stellplatz Foz do Arelho

Stellplatz Foz do Arelho – noch viel Platz um uns herum

Überhaupt könnte man sicher mehr tun für diesen Platz, der Wohnmobil Reisenden seit fünf Jahren angeboten wird. Vielleicht wird es noch …
Wir fühlten uns beinahe erschlagen von dem Ausblick auf Lagune und auch auf das offene Meer. Man wandert am Strand entlang und beobachtet die schnell herein rauschende Flut bzw. umgekehrt, je nach Tide. Je nach Windrichtung kommen da schon ganz schön hohe Wellen zustande. Hervorragendes Wassersport Areal, die Windsurfer freuen sich.
Hier werden wir drei Nächte bleiben, Freunde und Familie warten auf Berichte und Fotos!

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Comments
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    Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Heute nur ganz kurz – es ist bereits 01.20 h in der Nacht!
    Tolle Bilder, tolle Geschichen und viel Ärger mit der Elektrik/Elektronik.
    Wie sagten doch schon unsere Großeltern: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben!
    Weiterhin viel Spaß,
    Assi

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