Algarve

 In Portugal

Montag, 11. März 2019
Portugal, wir kommen!

Nach dem gemütlichen Beisammensein auf dem Stellplatz in La Rábida mit Anne und Anders aus Schweden brachen wir zu neuen Ufern auf. Ziel war Portugal. Die Grenze war nur 40 Minuten entfernt, aber wir wollten nach Albufeira in der Zentral-Agarve, wo es einen schönen Stellplatz geben sollte. Diesen erreichten wir nach knapp drei Stunden Fahrtzeit. Vor der Grenze wurde noch schnell mal getankt, da Diesel in Spanien soviel günstiger ist (1,158€ anstatt 1,44€! in Portugal).

Auf dem von uns ausgesuchten Stellplatz (12€ per Nacht) war trotz 120 Plätzen nichts mehr frei, typisch für spätes Ankommen (17.30 Uhr). Wir schauten erneut in die App CamperContact und fuhren in den deutlich ruhigeren Ortsteil Ferreiras zum SUL PARK mit 90 Plätzen. Der Park ist erst 7 Monate alt und noch nicht so bekannt, deshalb gab es genügend freie Plätze. Ein sehr netter, englischsprechender Portugiese (Pedro, der Platzeigentümer) begrüßte uns und erklärte uns alles. Der Stellplatz ist einfach, aber schön gestaltet, liegt inmitten der Natur mit viel Grün und kostet nur 6€ pro Tag. Wasserver- und Entsorgung sowie Toilettenentsorgung gibt es auch, nur keine Duschen/Toiletten/Waschmaschinen. Uns gefiel es hier sofort und wir entschieden uns für drei Übernachtungen. Von Pedro erfuhren wir, dass Einkaufs- und Wasch-Trockenmöglichkeiten nur eine halbe Stunde Fußweg entfernt sind: Beim Supermarkt Intermarché! Also alles perfekt für uns.

La Rábida - Sul Park, Albufeira

La Rábida – Sul Park, Albufeira

Unser Stellplatz im Sul Park

Dienstag, 12. März 2019 bis Freitag, 15. März 2019
Entspannen, Schreiben, Biathlon Weltmeisterschaften

Der Stellplatz Sul Park in dem Vorort Albufeiras gefiel uns so gut, dass wir drei Nächte blieben. Von den 90 angebotenen Plätzen waren nur etwa 20 belegt, da hat man seine Ruhe. Die Betreiber geben sich alle Mühe, die Natürlichkeit des Platzes zu erhalten. Viel Grün, wuchtige ockerfarbene Felssteine als Begrenzungen, ein frei laufender freundlicher Platzhund, der bei allen Campern mal vorbeischaut. In der Ferne krähen ein paar Hähne.

Vormittags kamen ein paar fliegende Händler auf den Platz. Na, da hättet Ihr mal den freundlichen Hund sehen sollen! Ihnen zeigte die kleine Bestie ihr wahres Gesicht und verbellte sie! Aber nicht, bevor wir Ihnen schnell ein paar überteuerte Erdbeeren/Himbeeren und den nächsten hausgemachten Kuchen abgekauft hatten ….

Zum nächsten Supermarkt Intermarché waren es 25 Minuten Fußweg. Da es dort auch Waschmaschinen und Trockner gab, schleppten wir unsere Wäsche dorthin und waren mit der Arbeit nach einer Stunde durch. Supermärkte stellen sich immer mehr auf Reisende ein. Die Kombination Waschmaschine/Trockner/Tankstelle kennen wir schon aus Irland. Hier erweitert es sich auf die Supermärkte. Teilweise werden sogar zeitlich nicht begrenzte Stellplätze angeboten, Ver- und Entsorgung und eben die Wasch- und Trockenmöglichkeiten. Wir werden offenbar immer mehr als potente Kunden wahrgenommen.

Zurück auf dem Stellplatz verbrachten wir unsere Zeit mit Schreiben, Fotobearbeitung und viel Lesen und natürlich dem Schauen der Biathlon Weltmeisterschaften in Östersund (Schweden).  Dummerweise kündigte sich bei Frederick eine Erkältung an. Ihm schien die Klimaanlage während der Fahrt hierher nicht bekommen zu sein.

Freitag, 15. März 2019
Schon wieder Batterieprobleme

Der kleine Schock traf uns, als wir aufbrechen wollten. Wieder hatte sich die Autobatterie entladen und wir konnten es uns nicht erklären. Doch zum Glück sprang der Wagen noch an. Frederick suchte nach einer Reparaturwerkstatt und fand eine im nahegelegenen Loulé und wir fuhren aufs Geratewohl dorthin. Leider hätten wir erst in zwei Wochen dort einen Reparaturtermin bekommen können, so lange wollten wir nicht bleiben. Inzwischen hatte die Batterie sich auch wieder aufgeladen. Wir fanden einen Parkplatz in Loulé bei Lidl und machten uns bei schönstem Wetter auf zur Stadtbesichtigung. Als erstes steuerten wir eine Apotheke an, um Hustensaft für Frederick zu besorgen.

Riesiger Gockel

Riesiger Gockel

Wohnmobilstellplatz bei Lidl in Lóule

Wohnmobilstellplatz bei Lidl in Loulé

Blühender Mandelbaum

Loulé hat einiges zu bieten und zählt zu den beliebtesten Tagesausflugszielen an der Zentralalgarve. Außer interessanten historischen Monumenten findet man am Samstag einen Bauernmarkt vor. Der Ort ist sehr gepflegt, die schönen alten Häuser sind sehenswert. Im Stadtzentrum liegen die geschäftigen Einkaufsstraßen, aber auch mit Bäumen gesäumte kleine Plätze zum Ausruhen. Die noch von den Mauren inspirierte Markthalle war geöffnet und einen Besuch wert. Kaum blieb ich ein paar Sekunden am Stand mit Tischdecken stehen, wurden mir gleich mehrere angeboten: Good Price, 25€, 100% Cotton. Ich machte wohl einen zögerlichen aber kaufbereiten Eindruck, im nächsten Moment kam das verbesserte Angebot: 15€. Mein Portemonnaie (Frederick) war schon lange weiter gezogen, und ich musste sehen, dass ich hinterher kam. Eine verpasste Gelegenheit?

Im Inneren der Markthalle

Im Inneren der Markthalle

Die schöne Markthalle in Loulé

Wieder draußen in der Sonne, bewundern wir immer wieder die Pflasterung, kein Teer weit und breit. Ob Gehweg oder Straßen: überall in Portugal sehen wir die kleinen quadratischen, einzeln verlegten Steine, häufig mit unterschiedlich farbigen Steinen in ein besonderes Muster gelegt. Das muss eine ungeheure Arbeit sein. Die Ursprünge der Pflastertechnik liegen in Persien. Link Calçada Portuguesa

Beim Bummeln statteten wir einigen der kleinen Läden mit Kunsthandwerk (viele Dinge aus Kork, Töpfer- und Silberwaren) einen Besuch ab, immer mit Annes (aus Schweden) Satz: „Kauf nichts Unnötiges” im Kopf. Aber das ist auf die Dauer langweilig, ich suchte mir also total unnötige Ohrringe zu meinem Geburtstag aus und Frederick kaufte sie für mich. Und für die Tischdecke, die ich in der Markthalle gesehen hatte, bezahlte ich im Geschäft ohne zu handeln 5€!!!

Mit Keramikfliesen dekorierter Balkon

Mit Keramikfliesen dekorierter Balkon

Stilvoll sanierte Fußgängerzone neben der Markthalle

Stilvoll sanierte Fußgängerzone neben der Markthalle

Wir wollten an die Küste und fuhren Richtung Sagres, Portugals südwestlichste Spitze, beliebt bei Surfern. Der angegebene Stellplatz auf dem Wege am Intermarché (vier Plätze) gefiel uns überhaupt nicht. Der nächste Stopp war reine Glücksache: Oberhalb der Küste mit Blick auf das Meer und die Klippen, am Ortsrand bekamen wir die letzte freie Lücke auf dem – wohlgemerkt als Parkplatz gekennzeichneten – offensichtlich neu eingerichteten Seitenstreifen. Eigentlich darf man dort nicht übernachten … aber der Engländer vor uns machte uns Mut. Solange man nicht die Stufe ausfährt, Stühle draußen und den Satelliten zum Fernsehen aufstellt (das ist dann Campen!), reagiert die Polizei oft großzügig und es passiert nichts.
Strand, Meer, Klippen – ein großartiger Ausblick! Ein paar Surfer und Hippies waren hier auch mit ihren bunt bemalten Autos unterwegs.

Rote Felsen in Sagres

Rote Felsen in Sagres

Sul Park, Albufeira – Loulé – Sagres

Samstag, 16. März 2019
Stellplatz mit Komplikationen

Nach einer ruhigen Nacht mit einem klaren Sternenhimmel frühstückten wir und wanderten zum kleinen Hafen des Ortes. Nur wenig gestört vom Tourismus machte alles einen eher verschlafenen Eindruck. In der Saison (ab Mai) ist es sicher anders. Offenbar haben die Autoritäten in Portugal besser aufgepasst und es sind hier keine Hochhäuser/Bettenburgen an der Küste entstanden. Eher gibt es kleine Hotels und Pensionen. Wir kauften im kleinen, aber feinen lokalen Supermarkt dies und das, bevor es an den Strand zurück ging. Wir nahmen unsere Stühle mit dorthin, lasen  und schauten den Badenden und Strandläufern zu.

Rollstuhl Angler

Rollstuhl Angler

Sagres Hafen

Sagres Hafen

Zurück am Parkplatz entdeckten wir, dass die meisten weitergefahren waren, auch ”unser” Engländer war weg. Wussten die mehr als wir? Eine zweite Übernachtung wollten auch wir nicht wagen. In den Foren der Reisemobilisten kursieren alle möglichen Gerüchte über die Kosten einer Verwarnung durch die Polizei (entweder gar nichts oder zwischen 200 und 400€). Wir suchten in der App CamperContact nach einem in der Nähe gelegenen Stellplatz, der sollte direkt am Leuchtturm Cabo de São Vicente, am südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes sein. Nichts wie hin!

Die Zufahrt war eine enge, nicht besonders gute Straße mit Parkmöglichkeiten rechts und links vor dem Leuchtturm. Also doch wieder nur das “P“, das keine Übernachtung erlaubt. Egal, für einen kurzen Blick auf die Klippen und den Leuchtturm sollte es reichen. Es war schon gegen 18.30 Uhr, die meisten Besucher kamen uns bereits entgegen. Die Abendsonne schien auf die Klippen und sie leuchteten in ihrem Ocker und Rotbraun,, ein überwältigendes Bild, ein wenig, wie wir es von Cornwall her kennen. Nur hat es dort nicht diese Farben. Aber es blies hier oben in der freien Natur am Abend ein eisiger Wind. Nur innerhalb der Mauern der Leuchtturmanlage fühlten wir uns etwas geschützter. Dieser besondere Ort hat seine eigene Geschichte, die es nachzulesen wert ist. Cabo de São Vicente

Steile Klippen am Leuchtturm - sieht aus wie Cornwall

Steile Klippen am Leuchtturm – sieht aus wie Cornwall

Leuchtturm am Cabo de Vincente

Leuchtturm am Cabo de Vincente

Für uns wurde es Zeit, einen Übernachtungsplatz zu finden. Wir buchten uns für zwei Nächte – nicht weit vom Leuchtturm – mitten im Lande auf einem Campingplatz für 13€ die Nacht ein. Der Platz existiert sicher schon lange. Er liegt in einem Kiefernwald. Leider passierte uns beim Rangieren in unsere Parkbucht ein Missgeschick. Beim Einschalten der Satellitenanlage hatten wir die großen Zweige übersehen, die über der Satellitenschüssel hingen. Und bevor ich vor Schreck aufschrie und Frederick reagieren konnte, war es schon zu spät: die Anlage hatte sich in dem Geäst verfangen. Frederick kletterte, bewaffnet mit einer Säge, von innen auf das Dach unseres Wohnmobils und sägte die im Weg stehenden Zweige ab, was sich als schwierig gestaltete. Ich ließ sie im Gebüsch unauffällig verschwinden … Oje …

Halb Zelt, halb Hütte - haben wir so auch noch nicht gesehen

Halb Zelt, halb Hütte – haben wir so auch noch nicht gesehen

Unser Nachbar auf dem Campingplatz – so geht’s offenbar auch

Der folgende Test am Fernseher bestätigte unsere Befürchtung: kein Bild, Werkstatt aufsuchen. Manche kommen ja monatelang ohne Fernseher aus, wir aber nicht, auch  nicht an meinem morgigen Geburtstag!  Schauen wir mal, ob wir am Montag eine Werkstatt finden, die sich das gleich mal anschaut.

Sonntag, 17. März 2019
St. Patrick’s Day und Annes Geburtstag

Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett … musste aber sein, weil ja fernsehfreier Zeit angesagt war letzte Nacht. Für Frederick war es bedauerlich, die Sportschau nicht gucken zu können, aber er hat es überlebt.

Was ist sonst noch los? Ach ja, St. Patrick‘s Day, 17. März, der Gedenktag an den irischen Bischof Patrick, der vermutlich im 5. Jahrhundert lebte und als erster christlicher Missionar in Irland gilt. Das Symbol für den mittlerweile auch anderswo und weltweit groß gefeierten Tag ist ein dreiblättriges Kleeblatt, der Shamrock und mein Geburtstag!

Wir frühstückten gemütlich und ich freute mich über ein paar nette Anrufe und Glückwünsche von Familie und Freunden, und über Frederick‘s Geschenk für mich, die schönen Ohrringe!

Auf diesem schönen Campingplatz ließ es sich gut aushalten, besonders, weil er fast leer war, da noch keine Saison. Endlich kamen wir mal wieder zum Schreiben und Frederick konnte seine Fotos auf Hochglanz bringen.

Am späten Nachmittag gingen wir in das liebevoll eingerichtete Restaurant am Platz. Wir waren fast die einzigen Gäste …  die Besitzerin nahm sich entsprechend Zeit für uns und plauderte ein wenig aus ihrem Leben. Sie hatte Kuba vor fünf Jahren verlassen, der Liebe wegen und ist nun mit einem Portugiesen verheiratet. Ihre Eltern und die Kinder folgten. Sie scheinen hier ihren Lebens-Mittelpunkt gefunden zu haben.

Gern nahmen wir ihr Angebot, das Gericht “Kubanisches Huhn” zu probieren, an. Die Zubereitung dauerte recht lange, da alles frisch gekocht und wir genossen so lange ein Glas Wein, frisches Brot und ein paar Oliven. Die portugiesischen Weine gefallen uns sehr. In Zukunft werden wir zu Hause beim Weinkauf nach ihnen Ausschau halten. Unser Essen wurde serviert – selten haben wir unterwegs so gut gegessen! Sehr lecker! Von Mai bis Oktober wird es im Restaurant boomen, das ist die Hauptsaison an dieser Küste Portugals.

Annes Geburtstagsgeschenk

Annes Geburtstagsgeschenk

Kubanisches Huhn

Kubanisches Huhn

Wir bedankten uns herzlich bei dieser netten Familie und wünschten ihnen viele hungrige Gäste.

Weitere Fotos von Sagres

Um das Problem mit dem offenbar beschädigten Satelliten zu lösen, planten wir für den nächsten Tag unsere Fahrt zu einer Vertragswerkstatt der Firma Teleco in der Nähe von Torres Vedras nördlich von Lissabon.

 

 

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Showing 5 comments
  • Michael
    Antworten

    Liebe Anne und Frederick
    Nachträglich noch unser Glückwunsch zu Annes Geburtstag.
    Schön zu lesen, was ihr alles erlebt. Wir sind auch schon an den Reisevorbereitungen.
    Anfangs April soll es losgehen.
    Liebe Grüsse, auch von Renate
    Michael

  • Harald Gribkowsky
    Antworten

    Hej aus dem hohen Norden, tolle Berichte wie immer, und leider auch wieder Stress mit dem Womi – wie wir alle , die ein solches Teil fahren!

    Wenn Eure Starterbatterie erst einmal tiefentladen ist, lädt sie zwar durch das Fahren wieder auf, hat aber keine Kapazität mehr und rauscht ganz schnell
    wieder in den Keller. Die heimlichen Stromfresser tun nämlich ihr Übriges: Uhr am Armaturenbrett, Innenbeleuchtung beim Öffnen der Türen etc.

    Ihr solltet dann doch über eine neue Starterbatterie nachdenken.
    Herzlichen Glückwunsch an Anne (aus D) zum Geburtstag, wir verfolgen Eure Reisen mit Vergnügen und lernen immer dazu.
    Liebe Grüsse
    Harald
    ( bei uns fängt es jetzt an zu tauen und der halbe Meter Schnee wird grau)

  • John
    Antworten

    Hallo Ihr beide, ein sehr schön und flott geschriebene Reiseroute. Wir haben im Nov. 2019 fast die gleiche Route wie ihr Sie momentan fährt auch genommen. Wir haben den gleichen WoMo, Dethleffs Trend TI 7057 EB und auch das Problem nach 3-4 Tagen autark stehen ist der erhin son nette Reiseberichte. leer. Habe mal den Strom Verbrauch im ruhe stand gemessen, der sollte nicht mehr als 0,6- 0,8 mi A haben,
    Lasst das mal messen, vielleicht fließt irgendwo Zuviel Strom im ruhe stand.
    Noch die beste Wünsche zum Geburtstag wünsche wir Dir, Anne. Alles Gute und bitte weiterhin so nette Reiseberichten.
    Alles Gute auf euere weitere Reise
    John & Helga

    • Ozzie
      Antworten

      Hallo John,

      Great to hear from you. We identified the battery problem meanwhile. It was a simply a damaged battery. We had it changed last Tuesday and everything is fine now. We’ll write about it in our next post. Weather ist great and has been for months. Only one rainy day since January and that was in Gibraltar two weeks ago. Typically British weather, of course.

      Keep reading and lots of exciting adventures fou both as well.

      Best regards, to Helga too
      Frederick

  • Klaus Janda
    Antworten

    Super, super immer wieder sehr Interessant geschrieben und vor allem Informativ.
    Danke dafür, bitte weiter machen und gute Reise, Gesund bleiben und einen guten Umgang mit Hindernissen.
    Es grüßt Euch beide Klaus.

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