Kartuzy und Marlbork (Marienburg)

 In Polen

Freitag, 2. August 2019
Zwischenstopp in Kartuzy

Heute gibt’s zwei Geburtstagskinder, unsere Söhne Timo und Oliver. Also erste Aufgabe heute Morgen: telefonieren und gratulieren. Keine Zwillinge, falls sich jemand wundert. Es liegen zwei Jahre zwischen ihnen.

Nach dem Frühstück ging die Reise weiter, Ziel: Kartuzy, eine Kleinstadt mit etwa 14.800 Einwohnern. Sie liegt in der historischen Landschaft Pommerellen, ca. 32 Kilometer westlich von Danzig. Das Plateau umfasst den höchsten Teil der Baltischen Seenplatte. Wir durchfuhren eine faszinierend schöne hügelige Landschaft mit vielen Wäldern und mindestens ebenso vielen Seen. Aber nachdem wir von der E28 Richtung Kartuzy abbogen, war kurze Zeit später Schluss.

– Stau!-

Plötzlich ging gar nichts mehr. Das Navi spielte außerdem verrückt, denn die Ausweichvorschläge führten allesamt in Sackgassen. Wir drehten drei Ehrenrunden und fielen dadurch immer weiter zurück, da man sich jedes Mal wieder hinten in die Schlange einordnen musste. Das Ergebnis:  wir kamen in Kartuzy (ab etwa 1860 schrieb sich der Ortsname einmal Karthaus) 1 1/2 Stunden später an als geplant.

Kartuzy gilt als Hauptstadt der Kaschubai und ist ein Zentrum der Kultur der Kaschuben (westslawisches Volk). Der Beginn war um 1380, als sich hier eine Niederlassung des Karthäuserordens gründete. Vom Deutschen Ritterorden erhielt das Kloster umfangreiche Zuwendungen, die Geschichte einmal nachzulesen lohnt sich.

Gewundert haben wir uns über die Zweisprachigkeit der Ortsschilder, obwohl die sprachlichen Unterschiede der Ortsnamen sehr gering sind. Offenbar werden die kaschubische Sprache sowie viele Traditionen gepflegt. Berühmt sind die farbenfrohen, wunderschönen Trachten, die zu großen Feiertagen getragen werden. Dennoch besteht eine geschichtliche und ethnische Verbundenheit mit dem Polentum. Schon bei der Durchreise dieses Landstrichs fielen uns die äußerst gepflegten Häuser und Vorgärten auf. Die kleinen Dörfer sind allesamt herausgeputzt. Die Landschaft, einmalig! Naturschutzgebiete mit ausgewiesenen Wanderwegen laden zur Entspannung und Selbstfindung ein.

Endlich – etwas erschöpft nach der ermüdenden Fahrerei – im Zentrum von Kartuzy angekommen, fanden wir schnell einen Parkplatz und spazierten dann auf einem neu und vorbildlich angelegten Wander-/Fahrradweg zum See.

500 Jahrealte Linde in Kartuzy

500 Jahrealte Linde in Kartuzy

Seeblick Richtung Pfarrkirche

Seeblick Richtung Pfarrkirche

Dann ging’s  zur Tourist-Info, die gleichzeitig ein Kulturzentrum der Kaschuben ist. Und – wie schön – saß da eine junge Frau in weißer Bluse mit dem typisch bunt bestickten floralen Muster der Kaschuben und fertigte Blumenkränze fürs Haar. Uns wurde erklärt, dass bei den Stickereien traditionell sieben Farben eine Rolle spielen: Gelb, Grün, Rot, Schwarz, 3 unterschiedliche Blautöne. Wunderschön! Jede Farbe hat eine Bedeutung. Man findet die besonderen Muster nicht nur als Stickerei, sondern auf Postkarten, Tassen, Tellern, T-Shirts etc.

Kaschubische Stickereimuster

Kaschubische Stickereimuster

Kaschubisches Mädchen in Tracht mit Kopfschmuck

Kaschubisches Mädchen in Tracht mit Kopfschmuck

Die Damen in der Tourist-Info sagten uns, dass hier an jedem Freitag eine kaschubische Kulturveranstaltung stattfindet, bei der Kaffee und Kuchen angeboten wird. Wir ließen uns nicht lange bitten und bezahlten gern für den leckeren Käsekuchen mit Baiserhaube und einen Becher Kaffee umgerechnet 4€.

Uns lockte danach die weithin sichtbare Pfarrkirche, fast direkt am See,  die – wie wir erfuhren – ursprünglich Teil des Kartäuser Ordens war. Der Hauptfriedhof der Stadt, bunt geschmückt mit tausenden von Blumen, liegt unmittelbar neben der Kirche. Jedes Volk hat seine eigene Tradition, wie mit den Toten umgegangen wird. Hier sind die Grabstellen keine mit Blumen und Immergrün geschmückten Beete, sondern auf dem Grab liegt ein großer Marmor- oder Granitblock, auf dem dann viele Blumen und Grablichter aufgestellt werden.

Blumengeschmückter Friedhof

Blumengeschmückter Friedhof

Pfarrkirche

Pfarrkirche

Das Innere der Pfarrkirche

Das Innere der Pfarrkirche

Vergoldete Kirchendekoration

Vergoldete Kirchendekoration

Kaschubische Stickereien

Kaschubische Stickereien

Die Pfarrkirche war offen und wir nutzten dies zu einem Rundgang, beeindruckend der mit viel Blattgold üppig dekorierte Innenraum und der Altar.

Diesmal hatten wir weniger Glück mit der „Park4Night“ App, denn den von uns ausgewählten Stellplatz gab’s nicht mehr. Die App schlug als Alternative einen kostenlosen Parkplatz direkt gegenüber dem Friedhof vor und dorthin bewegten wir jetzt das Wohnmobil. Allerdings war es wegen der nahen Durchgangsstraße schon etwas laut. Die Toten stört das eher wenig, uns aber. Jetzt war es Zeit, die Altstadt zu besichtigen. Schönstes Wetter begleitete uns dabei. Das Zentrum der Stadt wird von der Kirche „Heiliger Kazimir“ dominiert. Dieser Teil der Stadt ist sehr schön saniert. Der große Platz vor der Kirche wird offenbar für Veranstaltungen aller Art genutzt. Für den nächsten Tag war dort eine Musikveranstaltung geplant. So lange wollten wir aber nicht bleiben, da die Stellplatz-Situation uns nicht behagte. Daher kauften wir nur noch einiges zum Auffüllen des Kühlschranks ein und waren kurze Zeit schon wieder unterwegs mit Ziel Marienburg (Malbork). Nochmals etwa 1 1/2 Stunden Fahrt lagen vor uns.

Wir sind überzeugt, dass diese Gegend es wert ist, hier einen längeren Urlaub zu verbringen. Aber wir wollen ja weiter, weil Litauen, Estland und Lettland auf uns warten. Zeit, den nächsten Übernachtungsplatz anzusteuern: Malbork, Marienburg. Es war mittlerweile halb sechs, da konnten wir nur hoffen, dass ein Plätzchen auf dem uns bekannten Campingplatz gegenüber der Marienburg noch frei war .

Glück muss der Mensch haben! Es gab mehr als genug freie Plätze auf der Wiese. Wir bezahlten umgerechnet 15€ für eine Übernachtung. Darin war alles enthalten: Strom, Frischwasser und Entsorgung von Grauwasser und Toilette. Das Sanitärgebäude ist älteren Baujahres und klein, aber die Duschen und Toiletten sind modernisiert und sauber. Von uns wird dieser Stellplatz für einen längeren Urlaub durchaus empfohlen. Stellplatz-Koordinaten W54°02’46.0″,O19°01’29.4″. Man schaut direkt auf die gegenüberliegende Marienburg, welch ein Anblick! – Hinter uns zelteten Russen, neben uns standen Franzosen mit ihrem Wohnmobil. Eine Gruppe mit Motorrädern (englische Kennzeichen) zeltete auf der anderen Seite des Teiches. Einige Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen waren auch da. Hier trifft sich die Welt …

Stolpmünde - Kartuzy - Malbork

Stolpmünde – Kartuzy – Malbork

Unser Wohnmobil auf dem Stellplatz

Unser Wohnmobil auf dem Stellplatz in Malbork, versteckt hinter Reet

Natürlich spazierten wir sofort los, über die hölzerne Brücke zur im 13. Jahrhundert erbauten mittelalterlichen Ordensburg, die eigentlich unbeschreiblich ist in ihrer Größe und Schönheit. Gutes Licht für Fotos, entschied Frederick und knipste fleißig drauf los. Wer sich für die Geschichte des Deutschen Ritterordens interessiert, lese bitte im Internet nach.

Die Marienburg im Abendlicht

Die Marienburg aus anderer Perspektive

Die Marienburg

Die Marienburg im Abendlicht

Marienburg in der Dämmerung

Marienburg in der Dämmerung

Die angestrahlte Marienburg

Die angestrahlte Marienburg

Wir haben vor sechs Jahren mehr als vier Stunden im Museum der Burg verbracht. Dieses sollte nur ein Kurzbesuch sein. Genügend zu sehen gab es draußen auch. Eine Schänke, Erlebnisthema ”1918” mit entsprechenden Dekorationen lud zum Verweilen ein. Fahrer Frederick hatte sich ein kühles Bier verdient! Wir bestellten zwei Dunkle und setzten uns zu all den anderen Touristen, die den Abend hier ausklingen ließen.

Ein Bierchen am Abend

Ein Bierchen am Abend

Urige Atmosphäre im Biergarten

Urige Atmosphäre im Biergarten

Wehrturm

Wehrturm

Samstag, 3. August 2019

Die Züge, die ab und zu auf den Schienen hinter dem Campingplatz fuhren, hatten unsere Nachtruhe nicht gestört. – Wir konnten uns noch nicht von den wunderbaren Backsteingebäuden und der Atmosphäre der Burg trennen und mischten uns am Vormittag noch einmal unter die vielen Touristen aus aller Welt. An einem der vielen Stände kauften wir Ritter- und Burgfräulein-Kostüme für unsere Enkelkinder, das war einfach zu verlockend. Damit sollten sie die nächsten Jahre gerüstet sein; Fasching und Halloween kann kommen!

Profi Volleyballturnier neben der Marienburg

Profi Beach-Volleyballturnier neben der Marienburg

Greifvogel zum Streicheln

Greifvogel zum Streicheln

Ritterrüstung für Tammo

Ritterrüstung für Tammo

Auf einer Wiese vor der Burg gibt es die Ritterschänke, ein uriges Gartenrestaurant in mittelalterlicher Aufmachung mit vielen interessanten Dekorationen. In einem großen Topf wurde Sauerkraut über einem offenen Feuer gekocht. Es roch lecker, aber so direkt nach dem Frühstück war das wohl noch nicht das Richtige.

ier wird Sauerkraut gegart

Hier wird Sauerkraut gegart

Ostseite der Marienburg und Burggraben

Ostseite der Marienburg und Burggraben

Sauerkraut am Kochen

Sauerkraut am Kochen

Die Ritterstube - Rustikales Gartenrestaurant

Die Ritterstube – Rustikales Gartenrestaurant

Sauerkraut umrühren

Sauerkraut umrühren

Wir wollten weiter. Ziel war die Stadt Mikolajki in Masuren. Dort hatten wir schon einmal vor sechs Jahren mehrere Tage mit der Familie verbracht. Mehr darüber im nächsten Bericht.

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Comments
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    Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Ja, in dem von mir erwähnten TV-Reisebericht (Von der Oder bis zur Newa) war auch ein großer Teil den Kaschuben, ihren Gewohnheiten,
    ihrer Geschichte und der Folklore gewidmet. Und Dein Foto von dem hübschen Kaschuben-Mädchen in ihrer bunten Umgebung hat mich inspiriert,
    beim nächsten Stolpmünde-Besuch auch einen Abstecher in die Kaschubei, quasi in die Nachbarschaft, zu machen.
    Glückwunsch – wieder tolle Bilder und fundiertes Wissen unter die Leute gebracht!
    Gruß Assi

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