Belfast und Titanic Museum

 In Nordirland

Dienstag, 10. Juli 2018
Titanic Museum und Stadtbesichtigung Belfast

Wir erwachten im Morgengrauen – ein Grauen war es wirklich, auf diesem schlampigen Stadtparkplatz zu stehen und das für 24£! Merke: Belfast ist ein teures Pflaster! Allein die reservierten Tickets für Titanic Belfast, „The Titanic Experience“, mit Zeitfenster, kosteten 30£ (37 €) pro Person.

Aber nun von vorn: Wir waren Montag von Giant’s Causeway über Landstraßen und Autobahn in ca. 1 1/2 Stunden nach Belfast gefahren und den Informationen nach direkt zum Titanic Quarter. Wir hatten die Vorstellung, dass es dort so etwas wie einen Parkplatz am Museum geben würde. Das erwies sich als falsch. Das ganze Gebiet ist eine großflächige Erneuerung am Wasser. Sie schließt historische Sehenswürdigkeiten, Filmstudios, Apartments, Bildungseinrichtungen und Hotels ein. Das Parken am Titanic Experience geht nur über eine unterirdische Parkgarage, für uns also nicht geeignet. Daher auch unsere Notlösung: für 24 Pfund auf dem öffentlichen Parkplatz gegenüber dem Titanic Hotel zu übernachten.

Nun war es soweit, Zeitfenster 9.50 Uhr. Aufgrund des großen Besucheransturms wird angeraten, die Tickets im Internet vorzubestellen. Das taten auch wir. Per Code bekommt man sie dann in der Halle am Automaten selbst eingelöst. Aber zunächst zum Gebäude Titanic Belfast, das 2012 seine Türen öffnete. Es ist ein architektonisch atemberaubender und faszinierender Bau, ein Monument, das an die maritime Vergangenheit Belfasts erinnern soll und auf dem Gelände der früheren Werft Harland & Wolff entstanden ist. Es ist sozusagen der Geburtsort der Titanic, denn hier wurde sie gebaut. Link!!!!

Das spektakuläre Titanic Museumsgebäude bei Tageslicht

Das spektakuläre Titanic Museumsgebäude bei Tageslicht

Modern trifft auf alt

Modern trifft auf alt

Punkt 10 Uhr sammelte eine nette Dame  (sie stellte sich mit Ita vor), unser Tour Guide,  ihre Schäfchen zusammen und nahm uns mit auf die Discovery Tour. Sie gab einen Überblick auf das, was uns erwartete und führte uns nach draußen, um die Geschichte von Belfasts Docks und den umliegenden historischen Gebäuden zu erklären. Dies war auch das tolle „Titanic Hotel“, in dem wir gestern Abend noch die Flasche Wein verputzt hatten. Es sind teilweise alte Backsteingebäude, die Büros der Werftbesitzer, ihrer Angestellten und der technischen Zeichner. Hier war das Schiff Titanic am Zeichentisch entstanden!

Ita führte uns durch einige Räume des Hotels, in denen vieles original erhalten war, wie die schönen Holzfußböden, die schmiedeeisernen Treppengeländer, Schreibtische, Schränke etc.

Über das Museum „Titanic Belfast“ berichtete Ita von den vielen symbolhaften Details, die darin verarbeitet worden waren und sich dem Betrachter auf den ersten Blick, ohne Hintergrundwissen nicht erschließen. Der Bau ist Aluminium-verkleidet und schimmert wie ein wellenbewegtes Meer, je nach Lichteinfall.  Die hölzernen Sitzbänke vor dem Gebäude sind nach dem Morse-Notruf-Code errichtet (Vorläufer vom SOS Code), nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg abgesetzt vom Funker der Titanic).

Innenwände des Titanic-Museums, den Stahlplatten des Titanic-Rumpfes nachempfunden

Innenwände des Museums, den Stahlplatten des Titanic-Rumpfes nachempfunden

Der Maschinenraum der Titanic (wie er einmal aussah)

Der Maschinenraum der Titanic (wie er einmal aussah)

Sie berichtete von den vielen Arbeitern, die im vorigen Jahrhundert in den Docks in Lohn und Brot standen und über deren  Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnisse. In Belfast begründete sich auch die Leinenindustrie, die für die Verarbeitung von Flachs bis hin zum fertigen Leinentuch viele Hände, sprich arbeitende Menschen brauchte. Kinderarbeit war an der Tagesordnung.

So soll einer der Salons auf der Titanic einmal ausgesehen haben

So soll einer der Salons auf der Titanic einmal ausgesehen haben

Titanic Skulptur

Titanic Skulptur

Die Göttin Titanica

Die Göttin Titanica

Schnell verging die 40-minütige Führung. Wieder im Museumsgebäude holten wir unsere White Star Premium Pässe (mit ihnen konnten wir uns in der Ausstellung frei bewegen) und die Audio Guides (3£ pro Stück extra) ab und sahen uns neun thematisierte Bereiche an. Das ist ein ziemliches Unterfangen, weil so viele Informationen auf einen einstürmen. Wir fanden, dass „The Titanic Experience“ jeden Penny wert war und für die Besucher besondere Überraschungen bereit hielt. So zum Beispiel eine Gondelfahrt, die eine Tour durch die alten Werkshallen der Werft simulierte, inklusive der Hammerschläge und sonstiger Geräusche.

Nach zwei Stunden hatten wir eine Pause nötig und gingen in die Galley, dem Museums-Café. Der starke Kaffee brachte uns wieder auf Trapp für die nächsten 1 1/2 Stunden. Wir haben viel erfahren über die Vergangenheit Belfasts, den Bau und letztendlich den Untergang der Titanic (durch Zusammenstoß mit einem Eisberg am 14. April 1912). Eine Geschichte, die die Menschen bis heute bewegt.

Danach musste natürlich auch noch das Zentrum im Eiltempo erkundet werden, etwa 20 Minuten Fußweg vom Museum entfernt. Unser Eindruck: eine schicke, moderne und saubere Großstadt (ca. 340.000 Einwohner), an der Mündung des Flusses Lagan (Lough) gelegen. Die Universität bringt viele junge Leute in die Stadt, der Seehafen schafft Arbeitsplätze.

Da wir keine Stadtführung machten, bummelten wir nur ein wenig umher, genauso wie die vielen anderen Touristen aus aller Herren Länder. In die innerstädtischen Gebiete, die in den Nordirlandkonflikt mit schweren Straßenkämpfen verwickelt waren, kamen wir nicht. Das hatten wir ja bereits in Derry (Londonderry) hautnah erfahren. Die Entstehungsgeschichte Belfasts einmal nachzulesen, lohnt sich und eröffnet eine größere Sicht auf die immer noch unterschwellig bestehenden Feindseligkeiten.

Die Stadt war voll von Menschen, von Feindseligkeiten war nichts zu spüren. Wegen des schönen Wetters waren alle Straßen-Cafés voll besetzt. Ein skurriler Straßenmusiker versuchte, sein Talent zu beweisen (war aber eher dürftig). Die Innenstadt hat durchaus Flair. Ein riesiges, mehrstöckiges Einkaufs-Zentrum bietet Schutz bei schlechterem Wetter.

Albert Clock

Albert Clock (etwas schief)

Belfast Townhall (Rathaus)

Belfast Townhall (Rathaus)

Deutlich zu sehen: Schief

Deutlich zu sehen: Schief

Die Stadtväter haben sich hier offenbar bemüht, ein lebenswertes Zentrum zu schaffen.

Fischskulptur in Belfast mit individuellen Fliesenmotiven

Fischskulptur in Belfast mit individuellen Fliesenmotiven

Die Schuppen (Fliesen) des Fisches aus der Nähe

Die Schuppen (Fliesen) des Fisches aus der Nähe

Queen-Victoria Statue

Queen-Victoria Statue

Modernes Shopping Centre

Modernes Shopping Centre

Skurriler Straßenmusiker

Skurriler Straßenmusiker

Wir wollten auf dem ungemütlichen Parkplatz am Museum keine weitere Nacht verbringen und gingen zurück zum Wohnmobil. Dort waren wir nicht mehr allein, sondern hatten Nachbarn bekommen mit dem deutschen Kennzeichen GAP, Garmisch Partenkirchen. Das Auto hatten wir schon In Portrush gesehen, waren aber mit den beiden Reisenden nicht ins Gespräch gekommen. Sie waren offensichtlich zu Hause und wir klopften einfach mal. Auch sie hatten unseren Wagen erkannt und lachten darüber, dass man in Portrush so aneinander vorbei gelebt hatte. Wir stellten uns vor und fragten Erika und Karl-Heinz, ob sie schon einen Übernachtungsplatz für die nächste Etappe gefunden hätten. Es stellte sich heraus, dass die beiden in entgegengesetzter Fahrt unterwegs waren: nach Larne, um die Fähre nach Schottland zu nehmen. So verplauderten wir ein Stündchen, tauschten Reiseerfahrungen aus und hätten eigentlich gern zusammen noch ein bayerisches Bier oder einen deutschen Wein zusammen getrunken, vielleicht das nächste Mal, wenn sie Urlaub in Norddeutschland machen.

Wir verabschiedeten uns und jeder zog seines Weges. Über die App „Park for Night“ fand Frederick den kostenlosen Stellplatz in Annalong im County Down (Nordirland). Dorthin fuhren wir nur ca. 1 1/4 Stunden. Der geteerte, (ohne Strom) kostenlose Platz liegt nur 150 m von der Irischen See und hat Stromversorgung (wenn man will, dazu Hafenmeister ansprechen), eine öffentliche Toilette und einen Spielplatz.

Stellplatz Koordinaten: N54.109441, O-5.897352

Es gibt auch einen schönen Küstenwanderweg. Ein Wohnmobil aus England stand bereits dort. Rosalyn (Ros) und Mickey kamen aus Hull in Nordwestengland. Wir hatten ein Schwätzchen (die beiden waren bereits seit sieben Wochen unterwegs) und machten dann vor dem Abendessen noch eine kurze Erkundungstour. Darüber mehr im nächsten Bericht.

Weitere Fotos

Statue aus Fässern

Statue aus Fässern

Belfast - Annalong

Belfast – Annalong

Feuriger Sonnenuntergang am Hafen von Annalong

Feuriger Sonnenuntergang am Hafen von Annalong

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