Annalong

 In Nordirland

Mittwoch, 11. Juli 2018
Kleiner romantischer Hafen und Pub Erlebnis

Meistens schauen wir uns auf den Stellplätzen, auf denen wir gelandet sind erst einmal die Gegend an, so auch gestern Abend in diesem kleinen, aber niedlichen Ort Annalong. Nur 100 m entfernt lag der wirklich romantische kleine Hafen. Im Abendlicht bot sich ein tolles Bild. Auf der gegenüberliegenden Seite konnten wir einen Pub erkennen.

Annalong Hafen im Abendlicht

Annalong Hafen im Abendlicht

Typisch irische "Dry Stone Wall" (ohne Mörtel)

Typisch irische „Dry Stone Wall“ (ohne Mörtel)

Den müssen wir morgen auskundschaften. Weiter ging es entlang des schön ausgebauten Küstenwegs. Leider gab es keinen Strand, sondern nur sehr große Steine, die bei Flut vom Meerwasser umspült wurden. Wir fanden heraus, dass der Ort eine alte Mühle hat, die restauriert wurde und die man besichtigen kann. Im eigentlich kleinen Hafenbecken – so lasen wir auf einer Schautafel nach – haben früher einmal bis zu 16 Schoner gelegen, die Granit aus dem Steinbruch abtransportiert haben. Diese wurden zu Pflastersteinen verarbeitet und liegen heute in London, Manchester und sonst noch wo in England. Manche haben es bis zum Princess Diana Memorial in London geschafft. Diese Zeiten sind vorbei.

Das war gestern Abend. Wir hatten gut geschlafen und frühstückten erstmal in Ruhe, danach mussten wir endlich Bilder und Berichte aufarbeiten, wir waren in Zugzwang! Das kommt davon, wenn man zu viel in den Tag hineinpackt. Mit unseren Nachbarn Ros und Mickey aus Hull in England waren gerade im Begriff, Irland nach sieben Wochen zu verlassen und in Larne mit der Fähre nach Schottland überzusetzen kamen wir nochmals ins Gespräch. Es gab noch einige interessante Lebens- und Reiseerfahrungen auszutauschen, dann winkten wir Ihnen Good Bye.

Nach einigen Stunden der Stillbeschäftigung (sprich Reisebericht schreiben) zog es uns dann doch wieder hinaus, um die gegenüber liegende Seite des Hafens zu erkunden. Hier erlebten wir ein paar Überraschungen, zum Beispiel mit den hübschen Wasservögeln Guillemot (Lummen), die im Hafen ihre Behausung bezogen haben. Sie nisteten in den größeren Lücken der Granitmauern, die das Hafenbecken auskleideten. Nachdem wir sie eine Weile beobachtet hatten, schauten wir uns den Pub/das Restaurant an, das direkt am Hafen lag. Ein schöner alter und gepflegter Pub.  Da wollten wir am Abend das Fußballspiel England – Kroatien  gucken.

Guillemot (Lumme)

Guillemot (Lumme)

Guillemot (Lumme)

Guillemot (Lumme)

Dann folgten wir dem gut ausgebauten Küstenpfad. Wir kamen an einer ziemlich großen Campsite (hauptsächlich mobile Caravans, also einem beweglichen kleinen Ferienhaus ähnlich) vorbei und entdeckten, als wir auf das Meer schauten, einen kleinen Seehund, der sich auf einem eben so großen Stein räkelte und sich die Sonne auf den Pelz schienen ließ! Wir haben Robben und Seehunde ja auch schon auf Helgoland gesehen, ziemlich viele auf einmal sogar. Aber dieser eine war für uns nun etwas Besonderes und Unerwartetes. Wir beobachteten ihn eine Weile und spazierten dann weiter, bis wir zur Abbiegung Richtung Dorf kamen. So lernten wir unsere Umgebung doch noch ein bisschen besser kennen und stellten fest, dass Annalong so klein nicht ist. Im Dorfladen kauften wir noch etwas für die Kaffeezeit ein.

Krähe mit Beute

Krähe mit Beute

Junger Seehund

Junger Seehund

Sehr ungewöhnliches Schwarz-Weißmuster

Sehr ungewöhnliches Schwarz-Weißmuster

Kreuzjakobkraut - auch in Irland eine Seuche

Kreuzjakobkraut – auch in Irland eine Seuche

Kurz vor Anpfiff des Fußballspiels machten wir uns auf den Weg zum Pub, der sich schnell füllte. Alle wollten das Spiel in Gesellschaft und entsprechender Atmosphäre erleben, in (hoffentlich) bester Stimmung mit einem Bier.

Wir erwischten einen guten Sitzplatz, holten das Bier vom Tresen und teilten uns einen Burger. Mit den Einheimischen kamen wir schnell ins Gespräch. Das erste Tor fiel nach etwa drei Minuten – für die englische Mannschaft – und das Gejohle war groß. DieKroaten kämpften sich aber zurück ins Spiel und gewannen am Ende mit verdient mit 2:1! Wieder war das Gejohle groß, als hätten die Engländer gewonnen! Das war überhaupt unser Eindruck, dass die Iren nicht unbedingt aufseiten der englischen Mannschaft standen. Jetzt feierten sie einfach das bessere Team, Fair Play!

Von einem der Besucher im Pub – er stellte sich mit Roderick vor – bekamen wir aus unerfindlichen Gründen jeder einen Whiskey spendiert, nachdem wir uns eine Weile mit ihm unterhalten hatten, vor allem über Gott (Martin Luther, also Protestant!) und die Welt. Wir revanchierten uns später mit einem Pint Ale für ihn. Manchmal geht das ja so hin und her, aber wir wollten noch nüchtern im Wohnmobil ankommen. Neben uns saß ein französisches Paar, unsere Nachbarn vom Stellplatz. Francoise und Jean-Luc hatten Irland vor 26 Jahren das letzte Mal besucht und wollten nun in drei Wochen ein paar Erinnerungen auffrischen.

Dann gesellte sich noch jemand zu uns: Dave, so stellte er sich vor. Er dachte, wir vier gehörten zusammen und lud uns ein, am nächsten Tag zur großen „Orange-Parade“ in die acht km entfernten Stadt Newcastle zu kommen. Wir sollten nur früh genug da sein wegen der Parkplätze, am besten gegen 8 Uhr. Die Parade würde gegen 12 Uhr beginnen und 60 Bands würden mit marschieren. Er würde für uns einen Parkplatz organisieren. Wir bräuchten bei unserer Ankunft nur unseren Namen zu erwähnen. Na, wenn das kein Angebot ist! Allerdings war uns die politische Brisanz der „Orange Parades“ durchaus bewusst. Aber auch wenn wir komplett gegen die Durchführung der Paraden sind, so wollten wir uns doch diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, mehr darüber zu erfahren.

Unsere französischen Stellplatznachbarn und Dave, der uns einlud

Unsere französischen Stellplatznachbarn und Dave, der uns einlud

Die von Gemeindemitgliedern und Freunden erbaute Kirche in Annalong

Kirche in Annalong, beflaggt zu Ehren des „Orange Parade Day“

Ich versuche mal, das Ganze kurz zu erklären: Als wir Belfast verließen, sahen wir einige der riesenhaften, mit Euro-Paletten, Ästen und leider auch Autoreifen aufgetürmten (teilweise 30 Meter!) „Bonfire Stacks“/Scheiterhaufen (Eleventh Night Bonfires), alles zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum „Battle of the Boyne“ Jubiläum am 12. Juli. Dieser Tag wird in den von Loyalisten bewohnten  Gegenden mit den „Orange Parades“ gefeiert (Ulster Protestant Celebration).

Gefeiert wird die Revolution (1688) und der Sieg des protestantischen Königs Wilhelm von Oranien (William of Orange,  vormals Statthalter der Niederlande) über den katholischen König James II. in der Schlacht am Fluss Boyne (1690). Damit begann der Aufstieg und die Herrschaft der Protestanten über die Katholiken.

Leider werden in vielen Fällen heute noch irische Flaggen, das Symbol für das nationalistische/republikanische und katholische Irland, verbrannt. Damit werden ethnischer Hass und konfessionelle Unterschiede immer wieder auf den Tisch gebracht. Die „Orange Paraden“ sind jedes Jahr wieder eine enorme Provokation gegenüber den Irland-freundlichen Katholiken und haben dieses Jahr auch wieder zu schlimmen Ausschreitungen in Derry (Londonderry) geführt – nur wenige Tage nachdem wir an gleicher Stelle noch eine Stadtbesichtigung gemacht hatten.

Um, wie gesagt, diese Parade selbst kennenzulernen, sagten wir zu und versprachen Dave, zu kommen. Die Franzosen blieben unentschlossen, sie wollten eigentlich weiter gen Norden reisen. Wir verabschiedeten uns,  es war Zeit zum Schlafengehen. Morgen wird bestimmt ein aufregender Tag.

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Comments
  • Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Nordirland ist und bleibt ein heißes Pflaster! Da kommt man schnell unter die Räder, wie Ihr ja am Beispiel Londonderry nachtgräglich noch erfahren habt.
    Und nun noch in die Orange-Parade? Vielen Glück!
    Da hat sich ja das Titanic-Museum gelohnt. Wird doch für die vielen Pfunde auch viel Unterhaltung, Wissenswertes mit viel Aufwand geboten!
    Und das Museum – rein äußerlich betrachtet – ist ja schon sehenswert!
    Wie ich der Karte entnehme, seid Ihr ja schon wieder unterwegs in Richtung Süden – da werdet Ihr ja doch noch vor Weihnachten wieder zurück sein….
    Leider verpaßt Ihr aber diesmal das Fischessen in Ascheberg, das Helga traditionell anläßlich ihres Geburtstages spendiert. Das soll, wenn bei den Hantels
    der Einbau der neuen Fenster rechtzeitig klappt, Mittwoch (18.07.) über die Bühne gehen.
    Aber ich denke, Irland ist es wert, einmal nicht dabei sein zu können.
    Ich wünsche Euch für die Orange-Parade viel Spaß und das es friedlich bleibt!
    Gruß Assi

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