Trakai

 In Litauen

Dienstag, 17. September 2019
Litauische Küche

Für unseren Aufenthalt in Trakai buchten wir uns über „Park4Night“ auf einem kleinen privaten Stellplatz im Grünen für 15€ die Nacht ein. Was bot er? Frischwasser, das wir dringend brauchten. Der nette Besitzer, der bei unserem Empfang ein bisschen deutsch, ein bisschen englisch sprach, lobte sein Trinkwasser denn auch gleich über den grünen Klee und trank davon, bevor er unseren Wassertank damit auffüllte. Sowas schafft Vertrauen!

Stellplatz Trakai

Stellplatz Trakai

Vilnius - Trakai

Vilnius – Trakai

Ziemlich fertig vom Großstadtbesuch, machten wir erstmal eine lange Pause. Das fiel nicht schwer, auf diesem ruhigen privaten Platz und wir waren allein dort. Eine Restaurant-Empfehlung für den Abend hatten wir vom Vermieter auch gleich bekommen,  – zwei Minuten entlang der Straße, wir würden das Lokal auf der anderen Straßenseite schon sehen.

Gegen 17 Uhr starteten wir, frisch und ausgeruht, unsere Erkundungstour in Trakai. Was hat der Ort mit seinen nur etwa 4300 Einwohnern zu bieten? Etwas gewaltig Schönes: eine traumhafte restaurierte Inselburg in Backsteingotik! Da muss man erst mal hinkommen (via hölzerner Brücke), ist sie doch von drei Seen umgeben! Im Mittelalter, von 1316 bis 1323, war das kleine Trakai sogar einmal Hauptstadt des Großfürstentums Litauen. Heute war es zu spät für einen Besuch  der Burg, so spazierten wir nur noch mal zum Touristenbüro mit angeschlossenem Souvenir-Laden. Hier wurde endlich mal nicht viel Kitsch, sondern viel Künstlerisches, in Litauen Handgefertigtes verkauft, und das zu angemessenen Preisen.

Platz vor der Tourist-Info

Platz vor der Tourist-Info

Offizielles Trakai Werbeposter

Offizielles Trakai Werbeposter

Im Ort bewunderten wir schöne, alte farbenfroh angestrichene Holzhäuser. Die Altstadt steht unter dem Schutz des Staates, ist aber auch wirklich durch die einzigartige geographische Lage auf einer schmalen Halbinsel und mit der bunten hölzernen Architektur absolut sehens- und erhaltenswert. Wir liefen entlang der Hauptstraße in ihrer gesamten Länge und durchquerten damit die ganze Halbinsel.

In der Karäerstraße (nördlich gelegen) ist ein ganzes Viertel mit farbig angestrichenen Holzhäusern erhalten geblieben. Hier liegt die „Kleine Stadt“, sie wurde einst von Tartaren und Karäern (Volk jüdischer Glaubensrichtung, LINK) besiedelt, die sich bereits vor Jahrhunderten hier niederließen, 65 Karäer sollen noch in Trakai leben, (LINK Karäer). Wir achteten auf die Fenster der einstöckigen Häuser und zählten nach: Mit dem Giebel zur Straße gewandt, sind es zumeist drei, eines ist Gott, das zweite Großfürst Vytautas und das dritte der Familie gewidmet. Irgendwie eine schöne Vorstellung …

Bunte Kreativität

Bunte Kreativität

Die bunten Häuser der Karäer

Die bunten Häuser der Karäer

Nun hatten wir uns wirklich Appetit angelaufen und gingen zurück, um im empfohlenen Restaurant „Senoji Kibinine“ zu Abend zu essen. Es ist ein ganz zünftiges, uriges Lokal und liegt nur 5 Minuten Fußweg entfernt von der Wasserburg. Im Angebot ist heimische Küche (Kartoffelpuffer mit Sour Cream, Kibinai =Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen), aber auch vegetarische Kost und Schnitzel mit Pommes und Salat und und und… was das Herz begehrt, schmackhaft und preiswert.

Wir wollten unbedingt mal die Teigtaschen, die wie „unsere“ cornischen Pasties aussehen, probieren. Frederick entschied sich allerdings für Chicken Kiew (panierte Hähnchenbrust mit einer Füllung) und ich bestellte dann ein Kibini (die Einzahl, Kibinai ist die Mehrzahl), eine dieser Teigtaschen, mit einem griechischen Salat. Dass auf unseren Tellern nicht ein einziges Fitzelchen zurückblieb, spricht für das Restaurant! So toll hat alles geschmeckt. Wer sich für neue Rezepte interessiert, kann Kibinai ja gern mal nachkochen, Rezepte sind im Internet zu finden. Ich werde es zu Hause auf jeden Fall mal probieren! Zu verdanken haben wir die leckeren Teigtaschen den Karäern!

Litauische Küche: Kartoffelpuffer und Kibinai Teigtaschen

Litauische Küche: Kartoffelpuffer und Kibinai Teigtaschen

Abendessen im Luminor Restaurant

Abendessen im Luminor Restaurant

Wir freuten uns auf den nächsten Tag, hatten uns längst für einen weiteren Tag in diesem schönen Ort entschieden! Auf zur Wasserburg morgen!

Mittwoch, 18. September 2019
Besichtigung der Wasserburg

Am Morgen trafen wir auf unseren netten Gastgeber und bezahlten gleich für unsere weitere Übernachtung. Ein zweites Wohnmobil aus Paderborn hatte sich zu uns gesellt, aber getroffen haben wir uns nicht einziges Mal. Wir zogen nach dem Frühstück los zur Wasserburg – und waren nicht allein! Ganze Busladungen von Touristen strömten über die hölzerne Brücke! Ist ja klar, wenn etwas so attraktiv ist wie diese beinahe einmalige Lage in zauberhafter Umgebung. Am See entlang waren zahlreiche Stände mit allerlei Souvenirs aufgebaut. Bootsbesitzer warben mit kleinen Touren (eine ½ Stunde für 5€) auf dem See zu schippern, aber dafür war es schon viel zu kalt.

Bootstour auf dem See

Bootstour auf dem See

Bootsvermietung in Trakai

Bootsvermietung in Trakai

Nachdem wir die Tickets mit dem Rentnerbonus gekauft hatten, bestaunten wir zunächst den Innenhof der Burg, fantastisch wiederhergestellt und mit größter handwerklicher Sorgfalt aufgebaut, genauso wie der Rest der ganzen Anlage. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und es war lange nicht mehr ein Stein auf dem anderen gewesen. Auch diese Burg ging durch viele Hände, wurde erobert, zerstört, neu aufgebaut, wieder erobert, wieder zerstört, wieder neu aufgebaut: (beteiligt waren die Ritter des Deutschen Ordens, später Fürst Gediminas, der Vilnius gründete und Großfürst Vytautas). Wer tiefer in die Geschichte Trakais blicken möchte, lese über Vytautas LINK einmal nach, eine echt spannende Geschichte! Wir besichtigten die Museumsräume. Fredericks Fotos zeigen einiges von den ausgestellten Exponaten.

Passage zwischen den Burgteilen

Passage zwischen den Burgteilen

Fußgängerbrücke zur Burg

Fußgängerbrücke zur Burg

Waffensammlung in der Burg

Waffensammlung in der Burg

Glaskunstausstellung in der Burg

Glaskunstausstellung in der Burg

Wir haben dank der niedrigen Eintrittspreise der Museen im Baltikum mit allergrößter Begeisterung jede Menge an Ausstellungen besichtigt. Diese gehören unserer Meinung nach zu den besten, weil – wer immer Kurator/in der Sammlungen ist – eine hervorragende Arbeit geleistet hat. Unter anderem folgten wir den verschiedenen thematischen Sammlungen wie Glaskunst aus Jahrhunderten, Porzellan und Keramik, Silberschmuck, alte Pfeifen und vielem mehr. Wir verstanden immer besser, warum die Trakai Burg zu einer der meist besuchten Sehenswürdigkeiten Litauens gehört.

Rokoko Design in der Burg

Rokoko Design in der Burg

Ausstellung edler Möbel in der Burg

Ausstellung edler Möbel in der Burg

Im Anschluss bummelten wir am See entlang, statteten dem Touristenbüro bzw. dem Shop noch mal einen Besuch ab und ließen uns zum Kauf einiger Souvenirs verführen. Wer weiß, wann man hier mal wieder herkommt? Nochmals ging`s durch die Karäer Straße. Wir hatten inzwischen nachgelesen, dass es Großfürst Vytautas war, der die Karäer hier hat siedeln lassen. Sie waren ihm als tapfere Krieger bekannt und er hatte sie als Leibwächter, Soldaten und Bewacher für die Burg eingesetzt. Leider war deren Gebetshaus, die Kenesa nur von außen zu besichtigen. Im Schokoladen-Museum kehrten wir nur wegen des plötzlichen Regenschauers ein. Der Eintritt ins Museum, 5€ pro Person, war uns dann doch zu teuer. Dafür genossen wir eine leckere heiße Schokolade.

Restaurant für litauische Küche

Restaurant für litauische Küche

Rustikaler Grill mit integriertem Räucherofen

Rustikaler Grill mit integriertem Räucherofen

Später gab es im Wohnmobil noch das eine oder andere zu tun. Am Abend gingen wir noch einmal in das schöne Restaurant, genossen die „heimische Kost“ und besprachen unseren weiteren Reiseverlauf. Wir entschieden uns gegen die Rückreise mit der bereits gebuchten (!) Fähre ab Liepāja und beschlossen, über Warschau Richtung Heimat zu fahren. Für die Stornierung der Buchung bezahlten wir nur 3,50€. Das war glimpflich abgegangen! Morgen also auf nach Polen.

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Comments
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    Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Das waren ja noch einmal echte Highlights Eurer Baltic-Tour!
    Wie immer zeugten tolle Fotos von den Sehenswürigkeiten dieser vorletzten Etappe.
    Eine unerwartete Skyline von Vilnius, eine Wasserburg in besonderer Lage und eine Küche,
    die der unserer Mütter alle Ehre macht.
    Originelle Entdeckungen am Rande, wie das „offene Klavier“ am Fluß, die „souveräne Künstlerkolonie“
    mit ihren selbstverständlichen Regeln, die mich irgenwie an solche aus den Bierzeitungen vergangener Tage erinnerten,
    runden die Eindrücke – neben den seriös-kulturellen aus der Geschichte – auf humorvoller Weise ab.
    Chic, chic!
    LG Assi

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