Vilnius

 In Litauen

Montag, 16. September 2019
„Republik Uzupis“

Nach dem Schrecken mit der niedrigen Unterführung in der Festung in Daugavpils rollten wir jetzt wieder. Leider verabschiedet sich das gute Wetter allmählich und wir erleben häufiger Schauerwetter und es wird allmählich kälter. Es rächt sich jetzt, dass wir einen Monat später als geplant losgekommen sind, ist aber nicht zu ändern.

Während der 2 ½ stündigen Fahrt nach Vilnius klarte es aber zeitweise auf und wir fanden uns schließlich im Getümmel einer Großstadt (etwa 600.000 Einwohner) wieder.  Auf dem Weg Richtung Altstadt hätte man denken können, man wäre in Frankfurt, Chikago oder sonst irgend einer anderen Metropole, überall modernste Architektur und riesige Hochhäuser. Ist das das Herz der Stadt? Wohl eher nicht, sondern das Geschäfts- und Handelszentrum von Vilnius. Wir waren ja auf Altstadt, Burgen und Kirchen programmiert, und dort sollte sich auch der auf „Park4Night“ ausgewählte Stellplatz befinden.

Das Navi arbeitete gut mit Frederick zusammen und leitete uns auf einen Parkplatz direkt neben der Altstadt, wo man auch übernachten darf (9€/24 Stunden). Man fährt nah an die Schranke, wird per Kamera registriert (Nummernschild-Erkennung) und die Schranke öffnet sich. Bezahlt wird am Automaten nach Stundensatz beim Hinausfahren, ein fairer Deal. Wir fuhren bis ganz ans Ende des Parkplatzes, dorthin, wo schon einige andere Wohnmobile standen (Deutsche, Engländer, Litauer). Außer Müllentsorgung wird nichts weiter geboten, ist eben im Grunde nur zum Parken gedacht. Das Gute an diesem Platz ist, dass er wirklich nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt ist, also Burg und Kirchen direkt vor der (Wohnmobil-)Tür liegen.

Vilnius Stellplatz

Vilnius Stellplatz

Vilnius Skyline

Vilnius Skyline

Daugavpils - Vilnius

Daugavpils – Vilnius

Einiges hatten wir uns über Vilnius ja schon angelesen, aber so eine Vielzahl von Kirchen (über 50) und barocke Architektur haben wir uns nicht vorstellen können. Wieder ein Fest für den Fotografen! Motive mussten nicht lange gesucht werden. Wir machten uns also sofort auf zur Erkundungstour und durchstreiften die engen Gassen. Für den Burgberg (direkt neben dem Parkplatz) war es zu spät. Die Besteigung hoben wir uns für den folgenden Tag auf, denn auf dem Berg gab es wieder einen Turm für den Fotografen Frederick.

Café an Café, Restaurant an Restaurant, Souvenir-Shop an Souvenir-Shop reihen sich aneinander. In der Hauptstraße der Altstadt herrschte großes Gewimmel, – Touristenströme eben. Hier verkehrt die ganze Welt, alle möglichen Sprachfetzen drangen an unsere Ohren, auch viel Deutsch und Englisch. In den Läden sprechen viele der Angestellten außer ihrer eigenen diese beiden Sprachen, in der Touristen-Information in einer so großen Stadt sowieso. Man scheint also gut aufgestellt zu sein. Wir fragten uns, wie voll es hier wohl im Sommer sein mochte, in der Hauptsaison?

Burgberg gegenüber von unserem Parkplatz

Burgberg gegenüber von unserem Parkplatz

Pariser Flair am Rathaus

Pariser Flair am Rathaus

Das Rom des Nordens, wie Osteuropas größte Altstadt (lt. Angaben aus den Touristenbroschüren) auch genannt wird, zeigt sich von seiner schönsten Seite mit seinen prachtvoll restaurierten Kaufmanns- und Bürgerhäusern. An jeder Ecke scheint es Geschichte zu atmen, –  einstige Klöster mit ihren Innenhöfen, die Universität (älteste des Baltikums), der Großfürstenpalast am Kathedralenplatz. Wir spazierten nur staunend angesichts so vieler mächtiger Kirchen, von denen Frederick zwar viele fotografierte, aber deren Namen wir uns niemals alle merken konnten. So müssen die Fotos dieser großartigen Stadt für sich sprechen.

Kathedrale mit separat stehendem Glockenturm

Kathedrale mit separat stehendem Glockenturm

Palast der Großfürsten

Palast der Großfürsten

Fürst Gedimas mit Pferd

Fürst Gedimas mit Pferd

Kirche des heiligen Bartholomäus

Kirche des heiligen Bartholomäus

Kasimirkirche

Kasimirkirche

Da Vilnius nie vom Deutschen Orden kontrolliert wurde, entwickelte es sich zur Hauptstadt eines polnisch-litauischen Großreiches. Für die Besichtigung des Nationalmuseums, das sich heute im Palast des ehemaligen litauischen Großfürsten befindet, ist es bereits zu spät. Das palastartige Gebäude ist beeindruckend. Spät kamen wir über eine Brücke in den Stadtteil Uzupis, der „Republik Uzupis“, die eine eigene Verfassung hat. Ein Witz? Na, vielleicht ein halber … Das ehemalige jüdische Stadtviertel wurde von Künstlern in Beschlag genommen, da das Wohnen in den alten Häusern billig war. Anfang der 1990er Jahre riefen die Bewohner ihren Stadtteil zur eigenständigen Republik aus. Als touristische Besonderheit wird es nun toleriert, inzwischen sind auch hier die Häuser renoviert und das Viertel hat sich zu einem interessanten Mix aus Galerien, Kneipen und Cafés, Läden mit Kunsthandwerk und künstlerischem Flair entwickelt.

Engelstatue in Uzupis

Engelstatue in Uzupis

Kunst am Baum

Kunst am Baum

Wappen der "Republik" Uzupis

Wappen der „Republik“ Uzupis

Hier einige Kostproben aus der Verfassung (41 Statuten):

§10: Jeder hat das Recht, eine Katze zu lieben und sie zu betreuen.
§16: Jeder hat das Recht, glücklich zu sein.
§17: Jeder hat das Recht, unglücklich zu sein.
§30: Jeder hat das Recht, Brüder, Schwestern und Eltern zu haben.
§31: Jeder hat das Recht, missverstanden zu werden.

Vielleicht gar nicht so schlecht, diese Republik. Wir kamen am zentralen Platz von Uzupis vorbei und bewunderten die schöne Engels-Skulptur, 2002 aufgestellt, ein Symbol des Stadtteils.  Am Friseurladen an der Ecke steht „Herr Katt“, ob der Friseur wirklich so heißt? Wir glauben eher, dass es sich hier um eine Wortspielerei aus dem Englischen handelt: HAiRCUT, also auf Haarschnitt hinweist und sich wie Herr Katt anhört. Schon ganz lustig und fantasievoll …

Kunst am Fluss in Uzupis

Kunst am Fluss in Uzupis

Hinterhof Künstlerszene

Hinterhof Künstlerszene

Buchtausch-Bücherei

Buchtausch-Bücherei

Nach dem Kauf einiger Postkarten im Souvenirladen machten wir uns auf den Rückweg, vorbei an den Resten der alten Stadtmauer. In den wenigen Stunden hatten schon einen ziemlich guten Eindruck von der Stadt gewonnen – wie die Foto-Ausbeute zeigt.

Dienstag, 17. September 2019

Während des Frühstücks schrieb ich die Karten. Es ließ mir keine Ruhe, dass das Porto für die Karten (innerhalb Europas 75 Cent, nach Amerika 71 Cent-Briefmarken) so günstig war. Das war doch bestimmt falsch und die Verkäuferin, die mir die Marken mit den Karten zusammen angedreht hatte, hat bestimmt keine Ahnung vom Postdienst gehabt.

Wir wollten sowieso noch einmal in die Stadt, Frederick brauchte wieder eine SIM Card und die Post dürfte auch nicht schwer zu finden sein. Hatte es die ganze Nacht über gestürmt und geregnet, war der Morgen dann doch recht schön und wir stiefelten als erstes los, hinauf auf die Berg, zun Gediminas-Turm, dem einzigen erhaltenen Eckturm der einstigen Anlage der Oberen Burg in Vilnius. Er steht auf dem 142 m hohen Burgberg und ist ein Wahrzeichen von Vilnius. Ein kleines, geschichtliches Museum ist dort untergebracht. Man erfährt viel über die Anfänge, als Großfürst Gediminas die Burg 1323 bauten ließ. Schade, dass so wenig davon übrig geblieben ist, aber wenigstens ist ein Rest zusammen gefügt mit Neuem und wird der Nachwelt restauriert erhalten. Frederick musste natürlich wieder den Turm hinauf, (3€ für das Rentnerticket, 5 € Normalpreis!). Von dort hatte er einen fantastischen Rundblick über Vilnius.  Der Aufstieg hatte sich also wirklich gelohnt, wie die Fotos beweisen.

Hochhäuser, orthodoxe Kirche, Burgberg und St. Bernadines Kirche

Hochhäuser, orthodoxe Kirche, Burgberg und St. Bernadines Kirche

Baustelle auf dem Burgberg

Baustelle auf dem Burgberg

Orthodoxe Kirche St. Michael und St. Konstantin

Orthodoxe Kirche St. Michael und St. Konstantin

Vilnius Altstadt

Vilnius Altstadt

Vilnius Altstadt links - Business Distrikt

Vilnius Altstadt links – Business Distrikt

Russisch-orthodoxe Kirche

Russisch-orthodoxe Kirche

Zum Tele2-Laden, für die Sim-Card, mussten wir noch einmal denselben Weg des Vortages laufen, quer durch die Stadt, fanden uns deshalb aber schon besser zurecht und fingen mehr von der Atmosphäre der Stadt ein. Tatsächlich hatten wir gefühlt die ganze Stadt durchquert bis zum Bus-Bahnhof, wo sich der Tele2-Laden in einem Einkaufszentrum befand! Nächste Pflicht war die Suche nach dem Postgebäude und wo war es? In der „Republik Uzupis“. Als wir dort ankamen, war Mittagspause und das Amt geschlossen. Wir warteten mit vielen anderen, bis sich endlich um 15 Uhr eine Tür im alten Gebäude öffnete und die beiden Damen drinnen am Schalter wieder Kunden bedienten. Was ich nicht für möglich gehalten hatte, bestätigte sich dann: Der Markenwert war der richtige, 71 Cent für eine Karte nach Amerika – ohne Airmail-Aufkleber allerdings, aber „irgendwann würde sie dort schon ankommen“, wurde mir versichert. Na denn …

Gut eingepackter Windhund

Gut eingepackter Windhund

Einzig erhaltenes Stadttor und Teil der alten Stadtmauer

Einzig erhaltenes Stadttor und Teil der alten Stadtmauer

Es begann zu regnen und wir suchten Schutz in einem der Cafés, bestellten jeweils eine heiße Schokolade und warteten, bis der Schauer vorüber war. Unsere Füße waren wieder mal rund, als wir am Wohnmobil ankamen. Nun aber los, weiterfahren nach Trakai, einer kleinen beschaulichen Stadt mit einer berühmten Wasserburg, nur eine halbe Stunde von der Metropole Vilnius entfernt. Am Parkautomaten bezahlten wir 10,80 €, ein absolut fairer Preis für diesen guten Stellplatz, der sogar Video-überwacht ist. Fazit: Vilnius ist eine Reise wert!

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