Kaunas

 In Litauen

Montag, 5. August 2019
Nach Kaunas in Litauen mit Zwischenstopp in Marijampole

Nun befanden wir uns also auf dem Weg nach Litauen – unsere erste Reise ins Baltikum. Die Straßenverhältnisse waren gut, allerdings war viel los. Ein typischer Montagmorgen halt mit hohem Verkehrsaufkommen. Auf der E67  fielen uns die Massen an LKW‘s auf, die uns entgegen kamen. Viele hatten russische Kennzeichen, und wir fragten uns, ob sie wohl die russische Enklave Kaliningrad versorgen.

Dass wir die Grenze nach Litauen überquerten, bemerkten wir kaum, nur an dem blauen EU-Schild mit den 12 Sternen. Und vielleicht noch an der, an dieser Stelle breiteren Straße mit nun leerstehenden Kontrollhäuschen. Ein Relikt aus vergangenen Tagen. Seit 2004 ist Litauen (etwa 2,8 Millionen Einwohner) im Zuge der EU-Erweiterung Mitglied der Europäischen Union und der NATO. Die baltischen Staaten sind für uns noch komplettes Neuland. Da Litauen, Lettland und Estland zur EU gehören und dem Schengen-Abkommen beigetreten sind. Daher gibt es auch hier keine Grenzkontrollen, Schlagbäume oder ähnliches.

Als südlichster baltischer Staat grenzt das Land im Westen an die Ostsee. Gemeinsame Grenzen hat es mit Lettland, Polen, dem Oblast Kaliningrad (gehört zu Russland) und Weißrussland. Nach sowjetischer Besetzung (1940) erlangte Litauen erst 1990 wieder seine staatliche Unabhängigkeit. Ein langer Weg also, um wirtschaftlich aufzuschließen. So überrascht es auch nicht, dass in den Orten vieles auf Restaurierung oder Abbruch wartet.

Eigentlich war unser touristisches Ziel die Großstadt Kaunas. Da es dort aber keine akzeptablen Übernachtungsmöglichkeiten für uns gibt, entschieden wir uns, in der Industriestadt Marijampole, die 62 km vor Kaunas an der E67 liegt, zu übernachten. In der Stellplatz-App „Park4Night“ war dort ein ruhiger und kostenloser Platz direkt am Fluss ausgewiesen. In der Stadt hielten wir kurz bei Lidl, um unseren Lebensmittelbestand aufzustocken und fuhren dann gleich weiter zum ausgesuchten Übernachtungsplatz an dem Fluss Sesupe, etwas außerhalb liegend, in einer Parklandschaft, war das für uns perfekt. Zwar stand kein weiteres Wohnmobil dort, aber einige PKW‘s von Spaziergängern und Wanderern. Einsam war es also nicht. Stellplatz-Koordinaten W54°31’33.0″, O23°20’22.5″. Ganz in der Nähe gab es eine Tagungsstätte, eine Badeanstalt und eine Wassersportanlage am Fluss: Wasserski! Da wir uns die Beine vertreten wollten, gingen wir dorthin und schauten eine Weile zu, bis es Zeit zum Abendessen war.

Mikolajki - Mirijampole

Mikolajki – Mirijampole

Stellplatz am Fluss in Marijampole

Stellplatz am Fluss in Marijampole

Da es auf diesem Platz am Fluss überhaupt keine Straßenlaternen gab, war es nach Einbruch der Dunkelheit wirklich stockfinster. Dementsprechend ruhig war auch die Nacht.

Dienstag, 6. August 2019
Stadtrundgang in Kaunas

Die Sonne schien, als wir aufwachten und es war warm. Schnell die Plissees zurückschieben, so dass wir den Blick auf den direkt vor uns liegenden Fluss haben. So ließ sich das Frühstück genießen. Kurz darauf  Abfahrt nach Kaunas (ca. 304.000 Einwohner, Stand 2014), der zweitgrößten Stadt Litauens. Unser Tank war ziemlich leer und daher hielten wir Ausschau nach den Dieselpreisen an den vielen Tankstellen, an denen wir vorbei fuhren. Die Preise schwankten sehr. Zwischen 1,079 und 1,289 €, konnten wir feststellen. Wir wählten natürlich 1.079 € pro Liter. Doch als Frederick beim Zapfen war, bemerkte er, dass der Preis an der Säule 1,157 € war. Das Rätsel klärte sich schnell auf. Unsere Säule war für Premium-Diesel. Das war aber nur sehr schwer erkennbar. Einige von euch werden das Thema aus Deutschland kennen, wo man bei Shell schon leicht mal V-Power Diesel zum Premium-Preis versehentlich auftankt. Dumm gelaufen!

Nach ca. 45 Minuten kamen wir in Kaunas an. Aber wie immer in großen Städten, haben große Wohnmobile genauso große Probleme, einen geeigneten Parkplatz zu finden. Der in der App „Park4Night“ vorgeschlagene, große Parkplatz beim Akropolis Einkaufscenter war voll. Nun war es allerdings auch schon gegen Mittag und in der Stadt sehr viel los. Nach einiger Kurverei und neuerlichem Suchen im Internet entschieden wir uns für den Parkplatz an der Kaunas-Burg in der Altstadt. Dort war es eng und ziemlich vollgestellt mit PKW‘s. Aber wir hatten Glück, da gerade ein polnisches Wohnmobil seine Parkbucht verließ, die wir uns dann sichern konnten. Parkgebühr bis 8 Uhr am nächsten Morgen: 4€, allerdings war das Übernachten verboten.

Hier sind wir auf dem Parkplatz eingepfercht

Hier sind wir auf dem Parkplatz eingepfercht

Die restaurierte Kaunas Burg

Die restaurierte Kaunas Burg

Natürlich bot sich als erstes eine Besichtigung der ansprechend restaurierten Kaunas-Burg an.  Sie war im 14. Jahrhundert am Zusammenfluss von Memel und Neris zur Abwehr gegen die Angriffe der Kreuzritter gebaut worden. Wer mag, möge die lange Geschichte Litauens und der Stadt Kaunas im Internet nachlesen, viel über Krieg und Frieden erfahren.

Für Rentner kostete der Eintritt zur Burg nur 1,20€ pro Person, ansonsten 2,50€. Schön, dass wir ab sofort und in den nächsten beiden Ländern, die wir besuchen werden, nicht mehr mit unterschiedlichen Währungen kämpfen und ständig umrechnen müssen, sondern uns auf unseren Euro verlassen können. Vom jungen Ticketverkäufer, der gut Englisch/Deutsch sprach, bekamen wir den Schnellkurs in Litauisch: Danke: Ačiū (spricht sich wie (H)atschi, nur mit U am Ende), Hallo: Labas!, Tschüs: Viso! Bitte: Prašom! Entschuldigung: Atsiprašau, …

Diese älteste gemauerte Burg des Landes wurde 1361 zum ersten Male schriftlich erwähnt und wir Besucher wurden außer in litauischer auch in englischer Sprache durch die kleine Ausstellung geführt.

Blick in das Burggewölbe

Blick in das Burggewölbe

Anne mit einem Burgritter

Anne mit einem Burgritter

Büste von Herzog Vaidotas

Büste von Herzog Vaidotas

In der angrenzenden Altstadt besichtigten wir anschließend das wunderschöne alte Rathaus (Barock, früher Klassizismus, Gotik – alle Stile vereint es in sich). Mit seinem hohen Turm könnte man es glatt für eine Kirche halten. Ein kleines Touristenbüro ist dort untergebracht. Man (Frau) spricht Englisch. Der Rathausplatz wurde immer schon für Märkte genutzt, heute war aber kein Markttag. Die große Einkaufsstraße (Freiheitsstraße) klapperten wir nicht ab, denn es finden dort gerade umfangreiche Bauarbeiten statt. Kaunas bereitet sich nämlich auf das Jahr 2022 vor, ist u.a. als Kulturhauptstadt Europas nominiert. Die kulturelle Vielfalt Europas soll hier gefeiert werden. Angesichts der Universitäten und der vielen jungen Leute wird es sicher ein großartiges Fest und zum Aufschwung der Stadt/des Landes beitragen.

Wandmalerei "The Wise Old Man"

Wandmalerei „The Wise Old Man“

Altstadt Flaniermeile mit groben Pflastersteinen

Altstadt Flaniermeile mit groben Pflastersteinen

Vorne das Alte Rathaus, im Hintergrund die Türme der Jesuitenkirche

Vorne das Alte Rathaus, im Hintergrund die Türme der Jesuitenkirche

Denkmal des Ritters Vytis

Denkmal des Ritters Vytis

Wir schauten uns die Kathedrale und einige der anderen Kirchen an. Es begann kurz zu regnen (nur ein Sommerschauer), und wir kehrten in einem Café ein und bestellten Kaffee und leckere Zimtschnecken, wie wir sie aus Schweden kennen.

Kurz darauf kam die Sonne wieder zum Vorschein und es wurde richtig heiß. Frederick gelüstete nach einem Bier und wir genossen dann die Atmosphäre in einem Straßen-Café (ich mit einem Glas Wein). Schließlich wurde es Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen, was gar nicht so leicht war , denn inzwischen waren wir auf dem Parkplatz – wie Frederick es so gern nennt – eingeboxt. Rechts und links von unserem Fahrzeug hatten sich Fahrer mit Ihren PKW‘s eng eingeparkt, kaum eine Chance, da heil heraus zu kommen! Zur Not hätte Frederick rückwärts über den Fußgänger-/Radfahrweg fahren müssen. Am besten, erst mal abwarten und Tee trinken!

Spontanes Volksmusikständchen

Spontanes Volksmusikständchen

Rathausmarkt mit dem alten Rathaus (rechts) und dem Jesuitenkloster (Links)

Rathausmarkt mit dem alten Rathaus (rechts) und dem Jesuitenkloster (Links)

Das taten wir dann auch, schrieben gleichzeitig unsere neuen Erlebnisse auf und hatten Glück: kaum war eine halbe Stunde vergangen, trat eine junge Frau an ihr Auto heran. Ich sprang gleich aus dem Wohnmobil und fragte sie auf englisch, ob sie wegführe. Leider nein, aber sie war sofort bereit, das Auto aus der Lücke zu fahren, um uns mehr Platz zu verschaffen. So klappte es, Frederick fuhr heraus, ich hielt die Lücke für die junge Dame frei (es lauerten schon wieder zwei ankommende PKW‘s auf den vermeintlich frei gewordenen Platz) und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.

Da Kaunas ja keine Übernachtungsmöglichkeit für uns bot, entschieden wir uns für den Stellplatz Harmony-Park im Nemunas Loops Regionalpark,  eine Fahrt von 45 Minuten in südöstlicher Richtung. Der Platz kostet 15€ und bietet Ver- und Entsorgung, liegt inmitten der Natur, verfügt außerdem über kleine Ferienhäuschen. Die Anlage gehört zum Luxus Hotel, wo man sich auch anmelden und bezahlen muss. Es sieht aus wie für Oligarchen gemacht: gigantische Kronleuchter und viel glänzender schwarzer Marmor in der Lobby. Auf der Anlage gibt es fünf gepflasterte Stellplätze, Stromversorgung (brauchen wir aber nicht) und genügend Rasenfläche für jeden. Leider etwas weit ab vom Schuss, sonst hätten wir es hier sicherlich länger als eine Nacht ausgehalten.

Marijampole - Kaunas - Harmony Park.

Marijampole – Kaunas – Harmony Park.

Stellplatz Harmony Park

Stellplatz Harmony Par

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Comments
  • Avatar
    margareta karlsson
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    Hej på er!
    Det är så spännande att följa er resa. Jag tror att ni kommer att få uppleva mycket. Det blir en historielektion för oss som följer er resa. Lycka till i fortsättningen. Litauen har vi aldrig besökt. Det ska bli intressant att höra hur ni upplever landsbygden i de baltiska länderna. När vi var i Estland och Lettland var situationen ganska bekymmersam för många människor. Situationen har säkert förbättrats avsevärt.
    Många varma kramar från Margareta o Rune

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