Donegal & Slieve League Cliffs

 In Irland

Mittwoch, 4. Juli 2018
Spektakuläre Klippen, ein Buschbrand  und tolle irische Musik

Wir hatten bestens auf dem ruhigen Stellplatz in Bundoran geschlafen, wurden dann aber von fröhlichen Kinderstimmen (meine Mutter hätte “Görengeschrei” gesagt) geweckt: wir standen mit dem Heck unseres Wohnmobils am Zaun eines Kindergartens! Na gut, da kamen wir dann eben mal früher in die Gänge. Auf diesem Stellplatz haben wir Zugriff auf Frischwasser und es gibt auch eine vorbildhafte Entsorgungsstation für Grau- und Schwarzwasser. Ebenso sehr saubere Toiletten und Duschen, Diese nahmen wir aber nicht in Anspruch.

Wir wählten die Dusche im Wohnmobil. Sie bietet genug Platz und funktioniert immer einwandfrei. Wir hätten die ”Facilities” (Einrichtungen) unseres Gastgebers nutzen können. Man musste dazu über einen Nummerncode für die Wohnungstür in ein Geschäftshaus nebenan und über den Flur in den Waschraum/die Toilette und die Nutzung kostete 2€ pro Person. Das war uns zu umständlich.

Frederick kaufte dann unser Frühstück bei Lidl um die Ecke ein und wir hatten es wieder gemütlich. Zwecks Bezahlung riefen wir den Stellplatzbetreiber an und innerhalb von Minuten war er zur Stelle. Ein so netter Mensch! Er berichtete von seinen Problemen, die ausstehenden Genehmigungen von den Ämtern zu bekommen. Er bat uns, eine Petition zu unterschreiben, was Frederick gerne tat mit ausführlicher Erklärung, wie wichtig Wohnmobil-Stellplätze seien für kleine Gemeinden (bringen Geld in die Kasse). Dann frischten wir das Wohnmobil noch mal auf mit allem, verabschiedeten uns und bekamen noch einige Tipps für unsere Weiterreise (Fish and Chips im Ort Killybegs, NEIN DANKE!).

Unser nächster Stopp sollte Donegal Town (ca. 2600 Einwohner) im County Donegal sein, ein mittelalterliches Städtchen an der Mündung des Flusses Eske. Ein klitzekleines Castle gibt es dort auch zu besichtigen. Wie es sich für mittelalterliche Städte gehört, waren die Straßen sehr eng und wir gerieten im Zentrum in eine kritische Situation, nämlich einer Unterführungshöhe von nur 10 Fuß = 3,05 m Höhenangabe: Unser Fahrzeug ist 3 m. Da es eine enge Straße war und hinter uns sich bereits Fahrzeuge stauten, gab es nur noch ein Vor und kein Zurück! Wir kriegten uns in die Haare, weil mir der Mut fehlte. Ich wollte nicht Schuld sein, wenn wir stecken blieben. Ein ungeduldiger Fahrer quetschte sich an uns vorbei durch die Toröffnung, der zweite Fahrer erkannte meine Unentschlossenheit und fuhr vorsichtig an Frederick vorbei, nicht ohne zu sagen, er würde auf der anderen Seite anhalten und sich die Sache ansehen. Das war ausgesprochen nett! Wie versprochen stieg er auf die Mauer am Fluss und lotste Frederick hindurch, es war aber Millimeterarbeit! Gut, dass wenigstens einer von uns starke Nerven hat.

Wir fuhren wieder aus der Stadt heraus, da wir keinen Parkplatz fanden. Im letzten Moment bot sich auf dem Parkplatz vor dem etwas außerhalb liegenden Fußballstadion eine Gelegenheit, das Wohnmobil abzustellen. Toll, zu Fuß zurück zum Castle, das mitten im Ort liegt, war es aber gar nicht so weit. Und dann erwischten wir auch noch einen Tag, an dem der Eintritt kostenlos war. Glück muss man haben! Dieses malerische Städtchen hatte es uns sofort angetan.

Improvisiertes Parken am Fußballstadion

Improvisiertes Parken am Fußballstadion

Kapelle am Fluss Eske

Kapelle am Fluss Eske

Entlang der Fußgängerzone gibt es Pubs! Restaurants, Cafés und hübsche Lädchen. Alles scheint einem klein und überschaubar. Es ist eine Gaeltacht Region. Es wird also überwiegend das ursprüngliche Irisch gesprochen – sagt man. Die Realität sieht allerdings doch anders aus. Viele der Iren hier sprechen kein oder wenigstens kein fließendes Irisch. Das Thema Gaeltacht scheint mehr eine Vermarktungsmasche zu sein.

Das Castle ist in Nullkommanix besichtigt. Es war aber schön und gilt als Highlight des Ortes. Es ist aus dem 15. Jahrhundert und nur teilweise, aber liebevoll restauriert. Wer Lust hat, kann die Familiengeschichte der O‘Donnells gern einmal nachlesen. Übrigens erschließt sich aus archäologischen Funden, dass die Gegend um Donegal schon in prähistorischen Zeiten besiedelt wurde. Im Jahr 1159 wurde – Aufzeichnungen zufolge – eine dänische Wikinger Festung zerstört. Donegal – der Name bedeutet ”Festung der Fremden” – und deutet wohl auf die Besiedelung der Wikinger hin.

Das schöne Donegal Castle

Das schöne Donegal Castle

Der Große Saal im Donegal Castle

Der Große Saal im Donegal Castle

Wir wanderten zur Tourist-Info, die direkt am Hafen liegt und fanden heraus, dass man auf dem angrenzenden Parkplatz (direkt am Wasser) ab 18 Uhr bis zum nächsten Morgen um 9 Uhr kostenfrei parken darf, auch so große Geschütze wie wir. Gut zu wissen, aber erst mal nach Killybegs zum Fisch and Chips Essen und vielleicht bietet sich dort am Meer auch eine Übernachtung an.

St. Patricks Kirche

St. Patricks Kirche

Das Stadtzentrum von Donegal

Das Stadtzentrum von Donegal

Eine halbe Stunde später durchfuhren wir den 1250-Seelen-Ort, der als wichtige Hafenstadt der Grafschaft Donegal gilt. Hier sahen wir eine Menge an Hochseefischkuttern. Soviel wir aber auch schauten, es gab keine Parkmöglichkeit. Im Gegenteil, wir fuhren an mehreren großen Schildern vorbei, die ausdrücklich das Parken von Wohnmobilen verboten! Wohnmobil-Hasser! Darüber ärgerten wir uns verständlicherweise sehr, obwohl wir es in dieser Form auf unseren Reisen selten erlebt haben.

Ich habe ein Foto vom Hafen aus dem Fahrzeug heraus gemacht und staune, als ich nachlese, dass der Fischereihafen dieses kleinen Kaffs der produktivste in ganz Irland ist. Es liegen meist 60 Boote vor Anker. Mangels Parkmöglichkeit konnte ich das leider nicht überprüfen, sprich nachzählen. Dann soll es dort auch noch die einzige Tourismus-Schule Irlands geben. Wir haben davon nicht viel gemerkt.

Wir fuhren also weiter Richtung Slieve League Cliffs, die mit zu den höchsten Cliffs weltweit gehören. Auf dem Weg dorthin bot sich die Gelegenheit, an einem Aussichtspunkt zu parken und – statt Fish – zum Kaffee die mitgeführten Scones zu verzehren. Das war auch schön, draußen in der Sonne zu sitzen, Landschaft und Kaffeezeit zu genießen.

Pause an der Bucht von Sligo

Pause an der Bucht von Sligo

Fototermin vor der malerischen Bucht von Sligo

Fototermin vor der malerischen Bucht von Sligo

Nach einer weiteren halben Stunde, nachdem wir die lange sich windende und sehr enge Strasse zum Parkplatz der Klippen erklommen hatten, stellten wir das Fahrzeug ab und mussten dann noch mal eine halbe Stunde den steilen Berg hinauf wandern, um endlich von oben die atemberaubende Aussicht auf die Cliffs, das Meer und die Landschaft genießen zu können.

Frederick hoch oben auf den Klippen

Frederick hoch oben auf den Klippen

Die spektakulären Klippen von Slieve League

An manchen Tagen quetschen wir aber auch alles hinein … Wir waren nicht die einzigen dort oben, einige Wanderer stiegen weiter auf, es wäre wohl noch einmal eine halbe Stunde den sehr steilen Berg hinauf gewesen. Nein, danke, mir reichte diese Höhe, über 600 Meter.

Übrigens waren wir an einer kleinen Siedlung vorbeigefahren, von der aus einem hinteren Garten dicker schwarzer Rauch aufstieg. Offenbar verbrannte jemand dort etwas. Ich hatte Flammen am Hang gesehen.

Mittlerweile war es schon halb sieben, wir traten den Rückweg an, begegneten noch ein paar Schafen und einem großen Widder mit schönem Gehörn. Der Arme humpelte ein wenig, hatte Fußweh. Wir konnten ihm leider nicht helfen.

Auch in dieser Höhe gibt es viel Buntes

Auch in dieser Höhe gibt es viel Buntes

Fußkranker Widder

Fußkranker Widder

Auf der Rückfahrt, den Berg hinunter, sahen wir dann, was es mit dem Rauch auf sich hatte: wo vorher nur ein kleines Feuerchen gewesen war, hatte es auf den ganzen Hang übergegriffen. Die Feuerwehr war zur Stelle, war fleißig am Löschen und hatte offenbar alles unter Kontrolle. Zum Glück konnten wir die Straße trotz der Feuerwehrlöschzüge passieren. Das hätte auch schlimmer ausgehen können mit einer unfreiwilligen Übernachtung in den Bergen.

45 Minuten später waren wir wieder in Donegal, auf dem Parkplatz am Hafen. Gerade mal ein Platz war noch frei, wie gemacht für uns.

Parkplatz Koordinaten: N54.651284, O-8.113168

Zum Kochen war es zu spät, also gönnten wir uns ein Essen in einem Pub (Hamburger), frisch zubereitet vom Farmer und Schlachtermeister selbst. Alles lokale Zutaten, erzählte er uns, alles von seiner Farm, 30 Meilen entfernt. Das Mehl für die Brötchen, Fleisch von den eigenen Tieren, Zwiebeln vom Hof, das Rapsöl. Er hatte im Hof des Pubs einen Verkaufsstand und war fleißig am Braten. Wir bezahlten 15 € inklusive Chips – ach ja, die kamen natürlich auch vom eigenen Hof – Chips von frischen Kartoffeln, und es schmeckte alles vorzüglich! Ein Glas Wein rundete das Ganze ab.

Imbissstand des irischen Farmers

Imbissstand des irischen Farmers

Echte irische Musik in McCaffertys Pub

Echte irische Musik in McCaffertys Pub

Dann zog es uns in den Pub, in dem Live-Musik gespielt wurde, Irish Folk, die Stimmung war toll. Pech nur, dass wir wieder zu spät waren, die Musiker zogen nach drei Stücken Leine und wir dann auch, um in den nächsten Pub zu gehen. Da gab’s dann von zwei Musikern beste Irish Music, endlich! Die spielten dann unter anderem die irische Originalversion von „An der Nordseeküste“ und wir durften dann unter viel Beifall den deutschen Refrain dazu singen.

Alt wurden wir nicht, wir waren zu müde und gingen bald zurück und ins Bett. Irland, Du bietest uns soviel, wir sind sehr dankbar, dass wir das alles erleben dürfen!

Morgen fahren wir weiter nach Nordirland (Derry). Die Übersicht unserer Reiseberichte von dort findet ihr hier: Nordirland

Weitere Fotos:
Donegal
Slieve League Cliffs

Bundoran - Donegal - Kellybegs - Slieve Mountain und zurück nach Donegal

Bundoran – Donegal – Kellybegs – Slieve Mountain und zurück nach Donegal

Der Stellplatz auf dem zentralen Parkplatz am Wasser

Der Stellplatz auf dem zentralen Parkplatz am Wasser

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