Dingle

 In Irland

Montag, 25. Juni 2018
Tagesausflug in das Hafenstädtchen Dingle

Wir hatten genug gefaulenzt und brachen nach dem Frühstück auf zu neuen Abenteuern, in diesem Fall zur Dingle Halbinsel. Auch hier muss man als Irland-Reisender unbedingt mal gewesen sein! So erzählen es uns auf jeden alle Iren, die wir treffen. Von Inch fuhren wir also auf der R561 einige Kilometer, um dann links auf die N86 nach Westen Richtung Dingle abzubiegen. Die Straße war zum Teil schon recht eng und ich musste ein paarmal die Luft anhalten. Mehrere Male fürchtete ich den großen Knall, wenn zwei Außenspiegel zusammenkrachen (auf der Schottlandreise passiert). Aber es ging alles gut dank des umsichtigen Fahrers!

Dingle hat etwa 2050 Einwohner und ist für die ländliche Bevölkerung der Umgebung von großer Bedeutung. In erster Linie jedoch ist es der Fischereihafen, der zur Wirtschaft beiträgt. Wir erreichten unser Ziel nach etwa 40 Minuten, fanden einen Parkplatz und kalkulierten für unsere Stadtbesichtigung zwei Stunden ein. Man kommt hier noch billig davon, 50 Cent pro Stunde. Wenn ich dabei an Cornwall denke … dort wird man richtig Geld los fürs Parken.

The Allsports Pub

The Allsports Pub

Nelliefred's Pub

Nelliefred’s Pub

Bei herrlichem Wetter bummelten wir los, kamen aber nicht weit, weil wir zufällig gleich in der GREEN Street landeten und dort plötzlich  vor dem Pub Dick Mack’s standen. Ich hatte schon in den Touristenbroschüren darüber gelesen. So unscheinbar und altmodisch von außen, umso spannender und voller Geschichten war es innen. Die jeweiligen Eigentümer des Pubs haben in über 100 Jahren kaum Änderungen an Haus und Einrichtung vorgenommen und so scheint man in eine Welt aus den 1890er Jahren einzutauchen. Nur das Personal ist deutlich frischer. Bobbi, die nette Blonde hinter der Bar bot uns einen Deal an: drei Probiergläser mit dem dort selbst gebrauten Bier für zusammen 6€. Die Menge der drei Gläser entsprach etwa einem Pint (568 ml). Das dunkle Bier hatte einen leichten Kaffeegeschmack (sehr lecker), ein Helles war eher fruchtig mit Zitronengeschmack und eines war ein normales Ale.

Dick Mack’s Pub, absolut unscheinbar von Außen

Ein Bierchen, im Hintergrund Bobbi

Ein Bierchen, hinter der Bar ist Bobbi

Bobbi erzählte uns eine Menge über den Pub. Rechts und links der Bar (alles noch original) waren zwei Kabinen, Beichtstühlen ähnlich. Sie stammten aus der Zeit, als Frauen nicht zusammen mit den Männern im Pub trinken durften. In den Kabäuschen (man nannte sie „Snugs“) zu sein, war ihnen erlaubt. Ihre Getränk hatten sie durch eine Fensteröffnung zu bestellen, nicht etwa an der Bar!

So langsam füllte sich der kleine Pub, deutsche und amerikanische Touristen kamen miteinander ins Gespräch. Auch über das große Whisky-Angebot, das Bobbie wärmstens empfahl. Sie berichtete von einer Sorte, die 200€ “pro Shot”, also pro Glas kostet … und wusste auch gleich zu erzählen, dass es mal jemand bei ihr bestellt hatte, um den Whisky dann mit Cola aufzufüllen. Großes Staunen und Kopfschütteln rundum. Und nein, niemand wollte gegen Mittag schon Whisky trinken, schon gar nicht für 200€!

Brian bei der Bearbeitung von Fredericks Gürtel

Brian bei der Bearbeitung von Fredericks Gürtel

Ein "Snug", Kabäuschen für trinkende Frauen

Ein „Snug“, Kabäuschen für trinkende Frauen

Der Bar gegenüber arbeitete ein Mann an der alten Holztheke. Er sortierte Ledergürtel, Armbänder und anderes und reihte die von ihm gefertigten Dinge dort zum Verkauf auf. Wir unterhielten uns mit ihm und erfuhren, dass Brian seit 40 Jahren die Gürtel und manches andere aus Leder in dem Pub herstellt. Wir kamen mit ihm ins Geschäft und kauften einen Gürtel für Frederick (38€) mit eingestanzten Initialen und keltischen Blumenmustern, den Brian vor unseren Augen herstellte. Ein Armband sprang für mich auch noch heraus (15€), ebenfalls mit Initialen und keltischem Muster. Das sind mal ein paar nette Souvenirs. Nach dem Besuch der Touristinfo am Hafen merkten wir plötzlich, dass unsere Parkzeit abzulaufen drohte. Also flink zurück zum Auto. Da wir sowieso noch einkaufen mussten, fuhren also auf den nebenan liegenden Lidl-Parkplatz, konnten jedoch aus Platzmangel dort nicht bleiben. Aber so schnell wollten wir Dingle noch nicht aufgeben und fanden einen Platz an einer Ausfallstrasse.

Die bunte Hafenstraße

Die bunte Hafenstraße

Zauberhaftes Café

Zauberhaftes Café

Dann machten wir diesen kleinen und doch so interessanten Ort noch mal unsicher. Wir hatten Hinweisschilder mit dem Wort ”Gaeltacht” gelesen. Es bedeutet, dass in diesem Gebiet noch verstärkt Irisch (gälisch) gesprochen wird. Für die ältere Bevölkerung ist es sogar die Erstsprache, Zweitsprache Englisch ab der Schulzeit. So war es kein Wunder, dass es viele Straßenschilder nur in irischer Sprache gab. Wir kennen Ähnliches aus der Bretagne (hier eben Schilder zweisprachig bretonisch/französisch). Das ist für den Autofahrer nicht ganz einfach, denn die Bedeutung des Irischen lässt sich einfach nicht erraten.

Dingle faszinierte uns wieder mit den vielen bunten Häusern, den schön gestalteten Ladenfronten und der Freundlichkeit seiner Bewohner. Dies ist eine Hochburg des Tourismus, doch Geduld und Gelassenheit scheint dem Ansturm der Massen ein probates Gegenmittel zu sein. Wir hatten von Fungie, dem heimischen Delfin gelesen, bekamen ihn aber nur als Bronzestatue zu sehen, da wir auf eine Bootstour verzichteten. Der Delfin fühlt sich seit 1983 in der Dingle Bay wie zu Hause, zur Freude der Besucher, vor allem der Kinder. Die Skipper wissen mittlerweile ziemlich genau, wo er sich aufhält.

"Fungie", der bronzene Delfin

„Fungie“, der bronzene Delfin

Nicht ein, sondern vier Geschäfte: Musikladen, Bettzeug, Computer und Restaurant

Wir erledigten noch ein paar Dinge (Postkarten abschicken etc.) und fuhren dann weiter nach Blennerville, einem Vorort von Tralee, unserem eigentlichen Ziel. Wir wollten hier die große Windmühle besichtigen. Leider waren wir zu spät dran, erreichten den Ort erst gegen 17,30 Uhr, also nach 1 1/2 Stunden. Ein bisschen Glück hatten wir trotzdem: Wir durften auf dem Parkplatz vor der Mühle übernachten, und zwar kostenlos! Dafür versprachen wir der netten Dame im kleinen Mühlen-Café, am nächsten Tag bei ihr zu frühstücken. Sowas nennt man ”zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen”

Inch Beach - Dingle - Blennerville

Inch Beach – Dingle – Blennerville

Der Coffeeshop bei der Windmühle

Der Coffeeshop bei der Windmühle

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