Inch Beach

 In Irland

Freitag bis Sonntag, 22. bis 24.6.18
Strandurlaub und Faulenzen

Wie gut es war, dass wir auf diesen ruhigen, kostenlosen Stellplatz zurückgefahren waren, da man uns in Killarney nicht haben wollte (es sei denn für 30€ pro Übernachtung auf dem Campingplatz, das war uns zu teuer!). Hier gab es Ruhe, Steinstrand und Meer vor der Tür. Die 40 Minuten Fahrt zurück hatten wir gern in Kauf genommen.

Vor der Abfahrt nach dem Frühstück bin ich noch mal an den Strand gegangen und traf auf die Fischer vom Abend zuvor. Sie legten gerade eine Pause ein. Ich kam mit ihnen ins Gespräch über Gott und die Welt und fragte, ob sie sich wohl über die vielen Touristen auf ihren engen Straßen ärgern würden. Sie lachten sofort los und meinten, nein, um Himmels Willen, sie bringen ja Geld in unser Land und sind uns willkommen! Wenn die Fischer mal mehr als einen Fisch (wie am Vorabend) fangen, verkaufen sie ihren Fang in Killorglin, einer kleinen Stadt in Richtung Killarney. Und nein, das hellgrün leuchtende Gras auf dem Strand ist keine giftige Grünalge, erfuhr ich auf Rückfrage. Wir hatten uns schon unsere Gedanken gemacht, da an Küsten in der Bretagne ebenfalls grüne Pflanzen an den Stränden sieht. Das sind dann in der Tat giftige Algen, und die leuchten auch nicht so toll.

Nahaufnahme des grünen Seegrases

Nahaufnahme des grünen Seegrases

Fischer bei der mühsamen Arbeit in der Bucht

Fischer bei der mühsamen Arbeit in der Bucht

Die Fischer meinten, man lebe in ihrer Heimat sehr gut, keine starken Winter (es gibt hier in den Gärten überall Palmen), natürlich ein paar Stürme mehr im Frühjahr und im Herbst, besser gesagt: man muss immer damit rechnen, dass es mal sehr windig ist. Wohin sie denn in den Urlaub fahren, wollte ich wissen. Die Antwort erstaunte mich dann doch: nach England, London zum Beispiel oder Frankreich, nach Paris! Oh Gott, doch nicht in solche großen Städte! Vielleicht ist es für die Fischer und ihre Familien der besondere Reiz, sich ab und zu in den Trubel zu stürzen. Ich berichtete über unsere Irland Rundreise, von der wir total begeistert sind. Sie wünschten eine gute Weiterfahrt, ich lief zurück, wo Frederick schon auf mich wartete, und los ging es wieder.

Zunächst auf der N70, dann auf die R561, die mir aufgrund der Enge doch ein bisschen Angst machte, fuhren wir auf die Dingle Halbinsel nach Inch. Frederick macht das Fahren aber nichts aus. Es war eine recht holprige Tour (etwa 40 Minuten auf ziemlich gerader Strecke), weil die Straße mehr schlecht als recht war und das eine oder andere Fahrzeug uns doch bedenklich nahe kam. Dabei schworen wir uns, nun endlich den Vorschlag eines Freundes aufzunehmen und den Seitenspiegel auf der Beifahrerseite mit rot-weißen Streifen zu bekleben. Das Klebeband hatten wir schon besorgt und Frederick brachte es dann später fachmännisch an.

Stellplatz am Strand von Inch

Stellplatz am Strand von Inch

Warnaufkleber am Seitenspiegel

Warnaufkleber am Seitenspiegel

Frederick am Strand

Frederick am Strand

Inch ist so eine Landzunge auf der Dingle Peninsula, ragt in südlicher Richtung 6 km in die Dingle Bucht und besteht eigentlich “nur” aus Strand und Dünen. Gerade das macht es so attraktiv. Das südliche Ende des Strandes ist höchstens drei km von unseren gestrigen Stellplatz in Cromane entfernt. Heute sind wir halt auf der gegenüberliegenden Seite.

Wohnmobil am Strand

Wohnmobil am Strand

Von Cromane Beach nach Inch Beach

Von Cromane Beach nach Inch Beach

Wir kamen auf dem kleinen Stellplatz gegenüber des Strandzugangs an und bezahlten im klitzekleinen Shop (mit tollem angegliederten Restaurant) 12€ für die Übernachtung. Frischwasser ist im Preis enthalten, Strom gegen Bezahlung möglich, brauchen wir aber nicht, da wir bei dem schönen Wetter über unsere Kollektoren immer ausreichend Strom generieren.

Wir brachen gleich zum Strand auf, der sich etwa 6 km hinzieht. Man kann sogar (2,5t sind erlaubt) kostenlos auf dem Strand parken und übernachten. Wie wir an der Größe der Wohnmobile, die auf dem Strand parkten sehen konnten, scheren die Iren sich aber nicht um die Gewichtsbeschränkung. Einige PKW‘s düsten über den sehr festen Sand, aber eine amerikanische Touristin hatte sich prompt in dem teilweise weichen Sand festgefahren. Sie war völlig verzweifelt, aber Hilfe kam in Form eines Surflehrers, der sich das Malheur anschaute, dann zurück zu seinem Container eilte und flugs mit Spaten und zwei Anfahrmatten wieder zurückkam. Innerhalb von fünf Minuten hatte er dann die Reifen freigelegt, setzte sich selbst ans Steuer, Frederick und der Mann der Strandaufsicht schoben noch sicherheitshalber und schon war der BMW wieder frei. Noch mal gut gegangen für die US-Touristin aus Missouri und ihren Sohn.

Hier steht ein Auto schon fast im Wasser

Hier steht ein Auto schon fast im Wasser

Der fast endlos erscheinende Strand

Der fast endlos erscheinende Strand

Inch gehört zu den beliebtesten Stränden und wird gern von Sonnenhungrigen, Strandläufern, Schwimmern, Surfern und SUP‘s (Neudeutsch für „Stand-up-Paddling) genutzt. Wir entschieden uns für eine lange Wanderung entlang des Strandes, mit den nackten Füßen im WARMEN Wasser. Das Wasser hat genug Zeit, sich auf dem breiten und flachen Strand aufzuwärmen. Bei 17 Grad mit einer frischen Brise erleben wir einen traumhaften Sommertag! Muscheln und Steine finden gibt es hier eher nicht, nur selten sehen wir eine Qualle, angespült an den Strand.

Am Samstag liefen wir gleich nach dem Frühstück für zweieinhalb Stunden am Strand, immer im seichten und warmen Wasser. Leider unterschätzte Frederick die Kraft der Sonne. Die Füße hatte er sich nicht eingekremt und so verbrannten diese doch arg. Ich hatte mir vorsorglich Sonnenschutz aufgetragen.

Strandkrebs

Strandkrebs

Leuchtende Qualle

Leuchtende Qualle

Das Café wirbt mit dem besten Kaffee weit und breit, im Restaurant gibt es ein leckeres Lunch (Club Sandwiches) und Abendessen-Angebot. Unser Kühlschrank ist noch gut bestückt und daher essen wir Salat und Scallops (Fredericks Beute aus Kilmore Quay). Mit dem Gas-Grill draußen ist das jetzt immer eine schnelle Sache von 10 Minuten und man teilt sich die Hausarbeit.

Dass der Stellplatz nicht sonderlich gepflegt ist (hat aber sogar eine Dusche = 1€ und Mülleimer!) und direkt an der viel befahrenen Straße ist, stört uns nicht weiter. Am Abend und in der Nacht fährt kaum noch jemand diese Strecke in Richtung Dingle.

Es gibt oberhalb der Straße das Strand-Hotel (an sich sollte so etwas ja Beach Hotel heißen) und wohl auch noch einige B&B‘s, die hier und da am Hang versteckt liegen. Das Wetter bleibt sonnig und so beschließen wir, bis Sonntag zu bleiben. Der mit (auch schönen) Souvenirs vollgestopfte Laden ist die Verführung schlechthin. Es gibt Silberschmuck mit keltischen Mustern, Kaffeebecher, Kleidung, Mützen, Karten, einfach alles, was ein Tourist und Strandbesucher sich nur wünschen kann. Und heute Abend spielt die deutsche Fußballmannschaft gegen Schweden, da braucht es guten Fernsehempfang (was hier gewährleistet ist)!

Auch Pferde dürfen hier an den Strand

Auch Pferde dürfen hier an den Strand

Das Strandhotel in Inch

Das Strandhotel in Inch

Da wir uns einen späten Imbiss im Strandrestaurant geleistet hatten, verzichteten wir auf das Abendessen. Stattdessen gingen wir nochmals auf eine Strandwanderung, waren aber rechtzeitig zum schicksalhaften Fußballspiel (gegen Schweden) wieder zurück. Eine Niederlage hätte für die deutsche Elf das Aus bedeutet. Na ja, es ging ja nochmal gut, aber es war auch aufregend.

Das schöne Wetter, die Aussichten auf noch schöneres und die tolle Atmosphäre hier bewogen uns dazu, noch einen Tag zu verlängern. Denn am Sonntag müssen wir mit viel Verkehr rechnen. Hier haben wir unsere Ruhe, den meilenlangen Strand und einen schönen Stellplatz. Also werden wir wohl erst am Montag weiterfahren.

Bei strahlendem Sonnenschein wachten wir am Sonntag auf. Nach dem Duschen im Wohnmobil war kaum noch Frischwasser im Tank. Also galt es, diesen wieder aufzufüllen. Allerdings nicht mit dem Schlauch, sondern 10 literweise mit der Gießkanne, d.h. 12x hin- und herlaufen. Bei der Gelegenheit räumten wir auf, machten alles sauber, verstauten die eingekauften Sachen in der Heckgarage und kamen derweil mit unseren englischen Nachbarn ins Gespräch. Tony war erst vor drei Monaten in Pension gegangen und dies war deren erste größere Reise. Tony und Bernie kommen aus Cambridge und waren auf einer vier-wöchigen Tour. Auch das Wohnmobil hatten sie erst vor drei Monaten (gebraucht) erworben und waren als Neulinge sehr interessiert an unseren Erfahrungen.

Das Gespräch schweifte dann schnell ab auf das Thema Brexit. Tony hatte ursprünglich für den Brexit gestimmt, Bernie dagegen. Der Familienzwist hätte fast zur Scheidung geführt, sagte Bernie. Aber Tony hat sich mittlerweile eines Besseren belehren lassen. Die beiden haben eine tierische Alarmanlage. Sie heißt Barnie und ist ein Riesenpudel. Der knurrt jedesmal drohend, wenn sich jemand dem Wohnmobil nähert. Besser als jede mechanische oder elektronische Sicherung sagten die beiden.

Als wir heute zum Strand kamen, trauten wir unseren Augen nicht. Schon unsere deutschen Wohnmobilnachbarn hatten uns gewarnt, es sehe dort aus, wie auf Daytona Beach. Weswegen sie auch dann sofort das Weite suchten. Tatsächlich, der Strand war vollgestellt mit Fahrzeugen. Unglaublich! Zu allem Übel hatte eine Fahrerin, die ihr Auto in vorderster Reihe abgestellt hatte, völlig vergessen, dass das Wasser auflief oder sie hatte noch nie etwas von Gezeiten gehört. Sie war offenbar ganz gemütlich ins Strandcafé gewandert und hatte dort etwas gegessen, kam aber gerade noch rechtzeitig zurück, bevor das auflaufende Wasser richtig Schaden anstellen konnte. Mit eigener Kraft konnte Sie das Auto aber nicht mehr bewegen. Nur dank der Hilfe vieler männlicher Strandbesucher, die alle beim Schieben halfen, kam die Dame mit ihrem Fahrzeug frei. So etwas Dummes wird sie hoffentlich nicht so schnell wieder machen, hofft man wenigstens.

Strandchaos am Sonntag

Strandchaos am Sonntag

Das Wasser steigt immer weiter

Das Wasser steigt immer weiter

Wir lassen den Tag faulenzend ausklingen, d.h. nochmals Strandwanderung, ein Guinness im Strandcafé und Garnelen für Frederick auf dem Grill am Abend. Morgen fahren wir dann weiter nach Dingle, ein kleiner Fischereihafen und offenbar auch sehr touristisch. Mal sehen, was uns dort erwartet.

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