Killarney

 In Irland

Donnerstag, 21. Juni 2018
Tagesausflug nach Killarney

Wohnmobil-Fahrer sind findig und so stehen wir hier auf diesem eigentlich einsamem Platz nicht lange allein. Man googelt ständig alle möglichen Seiten nach Stellplätzen, nutzt Reisebeschreibungen anderer Fahrer und schließlich gibt es auch noch Apps.

Die Kritik, dass die Wohnmobile die Landschaft verschandeln, hört man ab und zu, vor allem von anderen Reisenden (!). Das ist eben das Pech der späten Geburt, vor 50 Jahren gab es Tourismus sicher nicht in diesem Maße, heute muss man damit leben und umgehen. Die meisten Wohnmobile, die wir hier sehen, tragen das irische Länderkennzeichen. Also nix mit “die bringen ihr Wohnzimmer und alles andere mit und lassen kein Geld im Land”. Als Wohnmobil-Fahrer kennt man seine Grenzen in puncto Gewicht an Bord nehmen, und in einem anderen Land in die Geschäfte zu gehen, macht ja auch Spaß. Also wir kaufen immer lokal, da wo wir gerade sind. Das spart Gewicht, man kauft auch viel häufiger lokale Spezialitäten. Wir kommentieren dies, weil wir gestern im Internet viel Polemik gegen Wohnmobilfahrer lesen mussten. Das war sehr einseitig und brachte uns auf die Palme.

Wundern tun wir uns nur immer wieder über die wenigen Papierkörbe/Mülleimer, und trotzdem sind die Städte, ist das Land sauber. Hier hat sich wohl schon die Idee der Müllvermeidung durchgesetzt. Auf dem letzten Campingplatz, auf dem wir waren, verlangten die Betreiber 5€ extra für Müllentsorgung. Auf den kostenlosen bzw. günstigen (10€ pro Nacht) Stellplätzen gibt es keine Mülleimer, aber hin und wieder Bottle Banks. Das sind die Container, in denen man seinen Glasabfall los wird. Was also tun? Wir achten nun auch beim Einkaufen auf weniger Verpackung, sammeln Papier und Pappe gesondert und folgen dem Rat unserer beiden Engländer David und Di: Müll in ganz kleine Tüten packen und täglich in einen der städtischen Mülleimer entsorgen.

Ich bin ja zu Hause auch einer der Aufheber und bücke mich nach Dosen, Papier etc., schmeiße es dann in den nächsten Papierkorb, um die Straßen sauber zu halten. Hier schaffe ich es leider nicht, weil eben keine Entsorgungsstelle in Sicht ist. Gerade lese ich (als e-Paper) in der SHZ Ostholstein, dass sich die Initiative “Drecksack” an den Ostseestränden einen Namen macht! Endlich! Man schnappt sich vor dem Bummel am Strand so einen blauen Sack (Größe einer Einkaufstasche), bückt sich und sammelt ein paarmal, und kippt das ganze in die bereitgestellten Mülleimer. Schon wird der Strand sauberer, bei den vielen Strandläufern -nach dem Motto: viel hilft viel! Ich finde das gut. Das ist doch mal wirklich eine Aktion, auf die der Slogan JE-KA-MI passt (Jeder kann mitmachen …). In diesem Sinne fröhliches Sammeln und ein gutes Gefühl wegen sauberer Umwelt!

Heute Morgen beschäftigten wir uns für ein paar Stunden mit unseren Reiseberichten. Gegen Mittag ging es dann nach Killarney, eine Tour von ca. 40 Minuten. Dort wollten wir auch übernachten. Diese pulsierende kleine Stadt, eingebettet in unglaublich schöner, bergiger Landschaft und Natur (Killarney-Nationalpark) ist ein absolutes MUSS unter den Ausflugszielen. Die 14.500 Einwohner können sich wahrlich glücklich schätzen, in so einer (allerdings auch von Touristen geliebten) Gegend zu leben. Es ist nicht nur der höchste Gebirgszug, der uns in der Ferne beeindruckt, sondern auch die Lage am Loughlan Leane, dem größten der drei Seen im Nationalpark. Man schaut in die Ferne und fühlt sich wie bei Schneewittchen, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen.

Wenn es dann der Wettergott auch noch gut mit einem meint … aber Bilder sagen mehr als Worte. Wir kurven in der Stadt umher und finden keinen Parkplatz, da unbeschreiblicher Verkehr herrscht, die Straßen eng sind. Viele Parkplätze haben Höhenbegrenzung (meistens 2,20m). Damit werden die Wohnmobile ausgegrenzt. Offiziell will man die sogenannten „Traveller“ oder auch „Tinker“ genannt, damit fernhalten. Hier ein Link über Traveller. Leider erschwert das unsere Suche nach einem Stellplatz oder auch nur einen Parkplatz enorm. So irren wir durch die Straßen der Stadt, fahren hier und dort mal hinein, nur um festzustellen, dass es keinen Platz für uns gibt. Laut Stellplatz App soll es am 3 km entfernten Ross Castle zwei Plätze für Wohnmobile geben.  Wir fahren also dort vorbei, aber alles ist proppenvoll und dann noch die Hinweise auf “Achtung! Keine Wertsachen sichtbar im Auto lassen”, mit anderen Worten: Auto kann aufgebrochen werden sowie  Schilder, dass Übernachtungen verboten sind. Man will uns offenbar nicht.

Aber hier sehen wir zufällig die vielen Boote am Ufer eines Flusses vertaut. Denn von hier am Ross Castle beginnen die populären Bootstouren durch den National Park.

Touristenboote bei Ross Castle

Touristenboote bei Ross Castle

Gedränge in der Main Street

Gedränge in der Main Street

Schließlich landen wir auf einem ALDI Parkplatz. Meistens ist es in Irland so, dass man auf den Supermarkt Parkplätzen zwei Stunden umsonst stehen kann.  Ich frage bei dem Manager nach, wie lange wir auf dem großen Parkplatz stehen dürfen. Er schenkt mir ein breites Lächeln und sagt: “As long as you want, and it is free, you may do your Shopping HERE later …”, also: solange Sie möchten, und es kostet nichts – und vielleicht kaufen Sie ja später hier auch noch etwas ein! Sowas Nettes!

Ein paar Minuten später werfen wir uns dann auch in das Gewimmel dieser “vibrant Town”. Tourismus ist eben der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig des Ortes. Nur die Hauptstadt Dublin hat mehr Hotelbetten, und so sehen wir überall die Zeichen für Hostels und B&B, Bed & Breakfast an den Häusern und natürlich gibt es eine Menge an Hotels. Killarney hat eine tolle Atmosphäre. Alles, was Beine hat, scheint auf den Straßen, in den Geschäften oder Pubs zu sein. Um ehrlich zu sein, müsste man hier einige Tage an Zeit verbringen, den Nationalpark besuchen und das Ross Castle sowie einige Herrenhäuser besichtigen. Man könnte mit der Pferdekutsche fahren, eine Bootstour unternehmen und natürlich ohne Ende wandern. Es werden auch Exkursions-Touren, Unternehmungen mit den kleineren Bussen und Führern angeboten. Aber da wir nicht in akzeptabler Nähe übernachten können, planen wir um. Wir werden nach der Stadtbesichtigung zurück nach Cromane fahren. Es liegt halbwegs auf unserer weiteren Route und dort ist halt ein ruhiges Übernachten möglich.

Der Pub "The Laurel"

Der Pub „The Laurel“

Nein, das ist nicht Udo

Nein, das ist nicht Udo

Bunt und bunter...

Bunt und bunter…

Wir lassen uns also in unserem kurzen Zeitfenster von dieser einmaligen Landschaft, der hübschen Stadt und den freundlichen und sehr offenen Bewohnern begeistern. Wir lassen auch ein bisschen Geld in den Läden. Wo, wenn nicht hier kann man eine schöne Regenjacke kaufen? Geburtstagsgeschenke auf Vorrat für die Lieben daheim? Danach brauchen wir erstmal ein halbes Guinness und machen eine Pause in einem gemütlichen Pub, wo gerade Fußball WM im Fernsehen gezeigt wird. Dann zurück zu ALDI, dort noch kurz Proviant aufstocken und danach zurück nach Cromane.

Ganz überraschend ist es hier heute fast voll. So gerade eben bekommen wir noch einen Platz und stehen neben drei belgischen, zwei französischen und einem deutschen Wohnmobil. Natürlich kommen wir mit niemandem ins Gespräch, sind ja keine Iren oder Engländer dabei … etwas komisch ist das schon. Wir kochen und essen gegen 20 Uhr und laufen noch einmal den Strand ab. Tatsächlich finde ich – ohne danach gesucht hat zu haben – einen irischen Hühnergott-Stein (die Steine mit den Löchern). Der wird mitgenommen und in die Sammlung zu Hause integriert.

Weitere Fotos

Sonnenuntergang in Cromane

Sonnenuntergang in Cromane

Cromane Strand - Killarney und zurück

Cromane Strand – Killarney und zurück

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