Kinsale

 In Irland

Donnerstag, 14. Juni 2018
Der große Sturm und Kinsale Walk

Ich schreibe dies am Morgen danach … nach dem großen Sturm! Mit unserem Stellplatz, direkt am Charles Fort und am River Bandon gelegen, waren wir ja sehr zufrieden. Allerdings standen wir recht frei und am Abend kam sehr starker Wind auf. Zu regnen begann es ebenfalls – irisches Wetter eben, wie man es sich vorstellt. Der Sturm entwickelte sich nächtens zum Orkan und unser Zuhause wurde ganz schön hin und her geschüttelt, der Wind heulte ums Mobil, so dass wir doch immer wieder davon aufwachten. Dabei trieb uns die Sorge um, ob denn auch alle Nähte am Gefährt halten würden. Außerdem klapperte es irgendwo richtig schlimm. Zwei Stunden nach Mitternacht zog Frederick sich an und wagte sich hinaus, um einmal nachzuschauen. Dabei fand er heraus, dass wir einen Schaden an der hinteren Schürze (Aus recht dünnem und weichen Kunststoff) hatten. Sie war an einer Stelle (vielleicht mal beim Rückwärtsfahren passiert) gerissen. In einer Nacht- und Sturmaktion reparierte Frederick es provisorisch mit Klebeband. Der Wetterbericht um 3 Uhr morgens: Windstärke 8 bis 10! Das einzig beruhigende war, dass die anderen drei Wohnmobile auch immer noch an ihren Plätzen standen und nicht ins Meer geweht waren! Gott sei Dank schliefen wir für wenige Stunden noch einmal ein.

Das gut erhaltene Charles Fort

Das gut erhaltene Charles Fort

Der Burggraben des Forts

Zum Frühstück gab es dann wieder tolles Wetter, Sonnenschein, Kaffee und Müsli Der Sturm hatte sich gelegt und wir marschierten los in Richtung Kinsale. Wir folgten dem Scilly Walk, der uns entlang der Küste führte und wunderschöne Ausblicke bot, die mit der Kamera festgehalten wurden. Um ins Zentrum des Ortes zu gelangen, muss man im weiten Bogen um die Bucht herum gehen, es dauert also etwas mehr als eine halbe Stunde. Man wird entschädigt mit dem Blick auf interessante Cottages, bunte Pubs und schöne Landschaft ohne Ende!

Anne auf dem Scilly Walk nach Kinsale

Anne auf dem Scilly Walk nach Kinsale

Blick auf Kinsale und den Hafen

Für viele ist Kinsale der Einstieg in den WAW, Wild Atlantic Way, der einen zum Traumziel Ring of Kerry führt. Auf unserer bisherigen Reise haben wir Sprachfetzen von Amerikanern (vielleicht Nachkommen von Iren), Franzosen und Deutschen mitbekommen. Natürlich auch von Engländern. Mir wurde lustiger Weise ein Akzent aus Wales zugeschrieben, vielleicht ist da etwas aus Cornwall abgefärbt …

Kinsale ist eine traumhaft schöne Hafenstadt (ca. 4100 Einwohner) an der Küste der Keltischen See. Die verwinkelten Gassen mit den bunten Häusern und kleinen Läden, den Pubs und Restaurants laden zum Bummeln ein. Es gibt einen recht großen Sportboothafen. Wirtschaftlich spielt in so einer Gegend der Tourismus die größte Rolle.

Geschichtlich relevant war die Niederlage der Iren in der Schlacht von Kinsale 1601. Es veränderte den Lauf der Geschichte Irlands für immer: Die damaligen Stammesfürsten flohen, die verlassenen Ländereien wurden dann von Engländern  übernommen, die vom englischen König dorthin geschickt wurden (verpflanzt = planted) und „Planters“ genannt wurden.

Kinsale entwickelte sich über die Jahrhunderte als ein wichtiger Handelshafen auf der Route in die Neue Welt.

Heute preisen sich die Einwohner glücklich, weil es an jeder Ecke Gourmet Food in schönen Restaurants gibt. Die Chefs (Köche) dieses Ortes haben sich in ganz Irland einen Namen gemacht. Wir überfliegen die Speisekarten, schauen auf die Preise und entscheiden uns fürs Kochen im Wohnmobil! Unterwegs bekamen wir wieder mal einen Wandertipp, dem wir folgten. Hoch über dem Ort ging es eine gute halbe Stunde auf einen Rundweg mit überwältigenden Ausblicken auf den Fluss Bandon und die Stadt.

Bunte Häuser und Läden

Bunte Häuser und Läden

Und noch mehr bunte Läden

Zurück im Zentrum trafen wir ein Paar, das uns schon in Midleton bei der Destillerie Jameson aufgefallen war. Der Mann (ohne Beine) bewegte sich sehr geschickt mit seinem Rollstuhl durch die Gegend. Wir lachten alle vier, als wir uns wiedererkannten. Im Gespräch, zunächst auf Englisch, dann wechselte der Mann ins Deutsche, erzählte er uns, dass sie ebenso auf den Ring of Kerry wollten. Nach der Irland-Rundreise würden sie nach Deutschland reisen. Lübeck und Grömitz standen auf der Wunschliste! Zwischendurch übersetzte er seiner Frau unser Gespräch auf Französisch, ein Sprachtalent! Wir sind sicher, dass wir uns noch einmal über den Weg laufen. Immer machen auch die Begegnungen das Reisen aus.

Zurück im Ort gingen wir ”Window Shopping”, Schaufenster gucken. Ein paar Lebensmittel kauften wir bei Lidl, um dann endlich – nach 5 Stunden – den Heimweg anzutreten! Ein toller Tag!

Blumenpracht an der Hafenmauer

Dieser Graureiher fischte im Hafen von Kinsale

Dieser Graureiher fischte im Hafen von Kinsale

Nach dem Abendessen spazierten wir am direkt vor unserer Tür liegenden Charles Fort entlang. Es handelt sich hierbei um eine sternförmig angelegte Festung, die direkt am Wasser liegt, gut erhalten ist und das ganze Jahr über besichtigt werden kann. Es wurde unter anderem während der Herrschaft des englischen Königs Charles II. In den Jahren 1678/1682 fertiggestellt. Dieser König war mir sehr vertraut (aus unserer Zeit in Falmouth). War er es doch, der der Bevölkerung von Falmouth als Dank für ihre Unterstützung gegen eine Rebellion Land und Beteiligung am Bau der Kirche „King Charles the Martyr“ schenkte (1662, im Gedenken an seinen exekutierten Vater, King Charles I.).

In den Abendstunden konnten wir dann noch eine Segelregatta beobachten. Die Boote segelten bei bestem Wind recht flott an unserem Stellplatz vorbei, Besonders die Boote mit den braunen Segeln gaben ein tolles Bild ab.

Segelregatta

Bunt, aber uns unbekannt

Dem Charles Fort gegenüber liegt James Fort, heute nur noch eine Ruine. Man wollte sich mit diesen beiden Festungen gegen die spanische Armada wappnen.

Freitag, 15. Juni 2018
Noch einmal nach Kinsale

Wir verbrachten eine zweite Nacht auf diesem Platz, ärgerten uns aber über ”Kuschel-Parker”, Besucher des Forts, die ihren PKW so dicht an unser Fahrzeug stellten, dass wir kaum aus unserer Seitentür kamen. Nach dem Frühstück machten wir uns erneut auf die Wanderung nach Kinsale, dieses Mal zügig. Die Fotos hatten wir ja schon ”im Kasten”. So benötigten wir nur eine knappe halbe Stunde. In einem der kleinen Läden kauften wir ein Weihnachtsgeschenk (!) für eine unserer Lieben daheim. Hoffentlich gefällt es ihr.

Gegen Mittag waren wir zurück am Wohnmobil und machten uns fertig für die Weiterreise.

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