Kilmore Quay

 In Irland

Mittwoch, 6. Juni 2018
Überfahrt nach Irland

Bei diesigem Wetter machten wir unseren vorerst letzten Spaziergang am Strand von Barfleur und versorgten uns danach mit dem obligatorischen Brot zum Frühstück: Adieu Baguette, ab morgen dann wohl Toastbrot in Irland. Besser, wir kehren zum Müsli zurück!

Gegen Mittag brachen wir zum Fährhafen nach Cherbourg auf, der nur eine gute halbe Stunde entfernt liegt. Der Stellplatz am Hafen war von weiteren Campern schon gut besucht. Es gibt hier eine kostenlose Ver- und Entsorgung, die natürlich jeder noch schnell nutzt, bevor es an Bord geht. In Irland gibt es nicht so viele Stationen wie in Frankreich, man muss für die Versorgung eher mal die Campingplätze anfahren. Aber diese Erfahrung liegt ja noch vor uns. Es nieselte immer noch, also verzichteten wir auf die Stadtbesichtigung. Die hatten wir im letzten Jahr bei ähnlichem Wetter ja schon gemacht.

Am frühen Nachmittag fuhren wir zum Terminal, obwohl die Fähre erst um 18 Uhr ablegen sollte. Es wird aber empfohlen, 90 Minuten vorher einzuchecken. Die Zeit verging schnell und nach Vorzeigen der Buchung und der Pässe am Check-In erhielten wir die Boarding Cards und wurden kurze Zeit später an Bord eingewiesen. Dort geht es dann immer ein wenig hektisch zu: Die Fahrzeuge werden nahezu auf Tuchfühlung eingeparkt, Gaszufuhr muss abgedreht werden, dafür – damit der Kühlschrank weiterhin in Betrieb bleibt – muss das eigene Stromkabel an das Bordnetz angeschlossen werden. Dann kann man entspannen und an Deck gehen. Immerhin dauert die Überfahrt von Cherbourg nach Rosslare 18 1/2 Stunden.

Sobald man an Bord ist, beginnt die Zeitumstellung auf irische Zeit, man gewinnt eine Stunde! Unsere Fähre war nach dem berühmten irischen Schriftsteller Oscar Wilde benannt (1854 in Dublin geboren, 1900 in Paris gestorben). Ich selbst habe bisher leider nur “Das Bildnis des Dorian Gray” gelesen, und das ist bereits Jahre her. Lohnt sich sicherlich, in den vielen Second Hand Book Shops, wie wir sie aus England kennen, auf die Suche nach weiterer Lektüre zu gehen. Auf jedem Deck standen “Meeter & Greeter” (Begrüssungspersonal) überall an Bord bereit, um den ankommenden Gästen hilfreich zur Seite zu stehen. Zwei Musiker spielten auf ihren Gitarren und sorgten für Urlaubseinstimmung – eine freundliche Atmosphäre, wie wir sie bisher von Fährschiffen so nicht kannten.

Wir suchten als erstes unsere Kabine auf, um unser Gepäck (Rucksack) loszuwerden. Es war ein fensterloser kleiner Raum mit den rechts und links angeordneten beiden Betten. Hmm, ein bisschen düster. Frederick beschloss, sofort an der Rezeption nach den Kosten eines Kabinen-Upgrades zu fragen. Gesagt – getan: Man bot uns für einen Aufpreis von 45€ eine größere (da Vier-Bett-)Kabine an mit Fenster zur Seeseite und sogar einem Fernseher! Darauf ließen wir uns sofort ein. Als Frederick vor Monaten die Überfahrt buchte, sollte eine gleichwertige Kabine an die 200€ mehr kosten! Nun waren sie wohl einige Kabinen nicht losgeworden und brachten sie für wenig Geld an den Mann Das kam uns sehr gelegen!

Blick voraus nach Irland

Blick voraus nach Irland

Anne macht es sich bequem in unserer besseren Kabine

Anne macht es sich bequem in unserer besseren Kabine

Wir schauten uns auf den verschiedenen Decks um: Schöne Restaurants, nette Bars, ein Kino, eine kleine Bühne für Darbietungen zur Unterhaltung der Gäste, ist ja doch ein langer Trip. Wir begannen den späten Nachmittag mit einem Glas Wein und gegen 18.30 Uhr legte die Fähre in grauem Nieselwetter ab. Auf der Bühne lief das Kinder-Unterhaltungsprogramm ab. Wir amüsierten uns darüber und vor allem über die Väter.
Manche Mütter schienen die Kinder ”an der Garderobe” (bei Papa) abgegeben zu haben, hatten sich offenbar in die Kabine zurückgezogen und ruhten sich aus. Papas bemühten sich, hinter ihren Kleinen herzulaufen, sie unter Kontrolle zu bringen und Zucht und Ordnung walten zu lassen. Ein Schiff ist für Kinder ein gigantischer Spielplatz; so Vieles gibt es zu entdecken! Schwierig für Väter, die sich sonst eher am Schreibtisch festkrallen, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Durchweg waren es Familien mit mehr als zwei Kindern, also eher drei und vier. Es gab also viel zu tun. Da saß der Papa nun, ziemlich überfordert, die Kleinste in der Karre mit dem Lolli, Papa hatte dafür selbstvergessen den Schnuller im Mund und band wieder mal Schuhe bei den Größeren zu, um gleich danach hinter dem Mittleren herzujagen! Einen Sack Flöhe zu hüten schien uns leichter zu sein.

Die Brücke der "Oskar Wilde"

Die Brücke der „Oskar Wilde“

Die Rettungsboote auf der "Oskar Wilde"

Die Rettungsboote auf der „Oskar Wilde“

Die Clowns auf der Bühne taten ihr Bestes und die Lütten kreischten, sangen und klatschten und hatten Spaß. Für uns wurde es Zeit zum Essen zu gehen. Wir entschieden uns für das Steakhouse und wurden bestens bedient mit Gemüse-/Hühnchen-Fajitas und einem Glas Wein dazu. Unser “Waiter” kam aus Litauen, wie so einige aus der Mannschaft, Auch Ukrainer, Rumänen, Letten, Polen waren unter den Angestellten auf dem Schiff. Wir erfuhren, dass sie etwa zwei Monate lang sieben Tage die Woche arbeiten, dann für einen Monat nach Hause fliegen. Die Flugkosten übernimmt die Fährgesellschaft. Für junge Leute mag das ganz gut funktionieren. Beim Bummel durch den Bord-Shop fand Frederick eine schöne Kappe mit keltischem Muster und kaufte sie.

Donnerstag, 7.6.2018
Ankunft in Irland und erste Erlebnisse

Wir schliefen in dieser großzügigen Kabine sehr gut und mussten zusehen, dass wir es noch zum Frühstück schafften. Gegen 11 Uhr sollte die Fähre in Irland anlegen. Das Essensangebot (Büffet) war deutlich auf Engländer/Iren zugeschnitten: Ham and Eggs, Rührei, Spiegelei, Porridge, gebratener Speck und Würstchen, alles schön fettig. Ich wählte ein Croissant plus Kaffee, Frederick entschied sich für Scrambled Eggs (Rührei) on Toast. Da hatten wir es, das erste Toastbrot! Wenig später kam dann die Durchsage, dass wir unser Ziel Rosslare erreicht hatten und sich jeder bitte zum Fahrzeug begeben möge. Ab da beginnt es wieder, sehr unruhig zu werden an Bord, ein Gedränge wie beim Schlussverkauf! Die Fähre legte an, die Sonne schien in Rosslare und los ging die Fahrt von der Fähre herunter, ab sofort auf der linken Straßenseite, Irland – wir kommen!

Cherbourg - Rosslare

Cherbourg – Rosslare

Rosslare Hafen - Rosslare Strand - Kilmore Quay

Rosslare Hafen – Rosslare Strand – Kilmore Quay

Wir wollten jetzt nicht noch groß Strecke machen, sondern uns einen kleinen gemütlichen Stellplatz suchen. In Rosslare sollte es laut Promobil-Stellplatzführer am Strand einen kostenlosen Stellplatz geben. Doch wer immer den Leuten bei Promobil das eingeflüstert hat, lag total daneben. Es gab zwar den angegebenen Parkplatz, aber dort war auf keinen Fall Platz für ein 7,50 m langen Gefährt wie dem unseren. Wir parkten erst einmal, um uns noch einen kurzen Spaziergang am Strand zu gönnen. Es war sonnig und bei etwa 22°angenehm warm.

Anne sucht schon wieder einen Strand ab

Der Parkplatz oberhalb des Strands in Rosslare

Der Parkplatz oberhalb des Strands in Rosslare

Buhne am Strand von Rosslare

Buhne am Strand von Rosslare

Badespaß bei 14° Wassertemperatur

Cousin Matthias hatte uns den Fischereihafen Kilmore Quay empfohlen, den er im letzten Jahr mit seinem Segelboot angelaufen war. Laut Stellplatzführer sollte es dort auch einen gebührenpflichtigen Übernachtungsplatz geben. Leider ließ sich das Navi nicht überreden, den Ort zu zeigen, so dass wir uns die Lage des Ortes auf einer Google-Karte heraussuchen mussten, um dann den Nummern der Landstraßen nachzufahren. Das klappte ganz gut und wir konnten uns auch gleich am Anfang mit den engen Straßen vertraut machen. Der Ort liegt nur wenige Kilometer von Rosslare (etwa 25 Minuten Fahrtzeit) entfernt. Trotzdem wurde es eine erste etwas abenteuerliche Tour dorthin, weil a) schmale Straßen und b) schlechte Ausschilderung vor uns lagen.

Auf den Stellplatz im Ort wurde auch nicht besonders hingewiesen. Nach mehrmaligem Herumkurven hatten wir schließlich unser Ziel erreicht. Wir stehen auf einer großen Wiese (mit weiteren Campern) und schauen auf das Meer! Für die Übernachtung werden 10€ verlangt, bezahlt wird im Gebäude (Café/Restaurant) nebenan, wo es auch eine öffentliche Toilette gibt. Das ganze Ensemble gilt als Community-Centre und wird von Freiwilligen aus dem Ort betrieben.

Stellplatz Koordinaten: N52.173385, O-6.588936

Kilmore Quay Hafen

Unser Stellplatz in Kilmore Quay

Unser Stellplatz in Kilmore Quay

Kilmore Quay Hafeneinfahrt

Kilmore Quay Hafeneinfahrt

Die Saltee-Inseln

Die Saltee-Inseln

Das Wetter wurde immer besser. Die Temperatur erreichte mittlerweile 24 Grad, eine leichte Brise vom Meer. Kilmore Quay ist ein zauberhafter kleiner Ort mit etwa 372 Einwohnern, noch ein richtiges Fischerdorf, wie man an den Booten und Schiffen im Hafen sehen konnte. Für einige Freizeitsegler gibt es auch Anlegeplätze. Die Fischerei ist hier von großer wirtschaftlicher Bedeutung, Segeln und Angeln gesellen sich eher als Freizeitbeschäftigung hinzu. Angeltouren werden angeboten, aber auch Bird-Watching-Trips (Vogelbeobachtung) zu zwei vorgelagerten Inseln, den Saltee Islands, werden angeboten und gern angenommen. Great Saltee und Little Saltee sind bekannt als Irlands größtes Vogelschutzgebiet für Kormorane, Papageientaucher (Puffins) und andere Seevögel. Man kann sich für 25 € pro Person auf die Inseln bringen und nach vier Stunden wieder abholen lassen, also Picknick mitnehmen.

Unsere Stellplatz-Nachbarn sind ein sehr nettes irisches Paar, das uns sogleich mit touristischen Highlight Tipps versorgte. Dann spazierten wir zum Hafen und machten uns mit dem Umfeld vertraut. Erstaunt waren wir über Schilder im Ort, die darum bitten, das Dorf sauber zu halten. Auf den Fußwegen waren per Stempelabdruck Hinweise, die Hinterlassenschaften der vierbeinigen Lieblinge zu beseitigen. Ich dachte: die sind weiter als wir! Hatten wir in Deutschland nicht vor Jahrzehnten auch mal die Kampagnen: Unser Dorf soll schöner werden? Mit Preisverleihung und so? Ich glaube in Anbetracht der vermüllten Straßen in unseren Städten, dass solche Aufrufe mal wieder fällig wären. Würde mich über Initiativen freuen, bin selbst schon dabei und sammle häufig etwas auf! Frederick übrigens auch!

Auf dem Bürgersteig aufgesprühter Appell

Auf dem Bürgersteig aufgesprühter Appell

Sauber Kampagne in Rosslare

Sauber Kampagne in Rosslare

Direkt an der Küste ist ein besonderer Platz angelegt, wieder von Freiwilligen des Dorfes. Es ist ein Garten, der an ertrunkene Seeleute, untergegangene Fischerboote erinnern soll und an die Familien, die dadurch von Leid geplagt wurden. Ein Platz zum Innehalten, ausgestattet mit Bänken und Tafeln mit den Namen der Ertrunkenen. Wir hinterließen eine kleine Spende, um die gebeten wurde.

Der Eisladen im Dorf verlockte uns bei dem warmen Wetter, alles ”Home-made” und sehr lecker! Da fiel das Abendbrot dann kleiner aus. Aber am Abend ein Besuch im Pub, nur wenige Schritte von uns entfernt, musste dann doch noch sein, auf ein Guinness! Nichts wie hin zu James Kehoe’s Pub and Maritime Heritage Centre. In ein paar Schritten sind wir da. Das Lokal liegt an der schmalen Durchgangsstraße gegenüber der St. Peter‘s Church. Entlang der Straße stehen einige alte mit Reet gedeckte Häuser. Hier heißen diese Dächer ”Thatched Roofs” und wir wundern uns, dass es sowas hier gibt.

Der "James Kehoe" Pub mit seinem schönen Reetdach

Der „James Kehoe“ Pub mit seinem schönen Reetdach

Schmuckes Reethaus zu kaufen

Schmuckes Reethaus zu kaufen

Im Sommer findet das Seafood Festival statt, also Fisch satt in den zahlreichen kleinen Restaurants, dazu live Musik, Spaß für Groß und Klein und Wassersport-Wettbewerbe.
Nun zurück zum Pub, wo noch nicht soviel los war – außer, dass einige Einheimische an der Bar am Zanken waren über den Brexit und es plötzlich immer lauter herging. Frederick genoss sein erstes Guinness, ich hatte ein Glas Weißwein bestellt. Und dazu mussten wir unbedingt die „Dry Roasted Peanuts“, also trocken geröstete Erdnüsse haben. Ohne die geht es nicht im Pub, oder Crisps, die bei uns Chips heißen.

Wir hörten der Diskussion neben uns halb zu, schließlich hatte einer etwas von ”Cornishman” gesagt, da spitzten wir dann doch die Ohren. Überhaupt fand ich, dass die Aussprache hier doch sehr dem cornischen Akzent ähnelt. Irgendwie kamen wir dann sehr schnell ins Gespräch, und tatsächlich, der große Typ neben uns kam aus Cornwall, genauer gesagt, ist er ein Scillonian, also geboren auf den Isles of Scilly. Aber als Fischer, mit allen Wassern gewaschen, kannte er auch Falmouth und weitere Ecken, die uns vertraut sind. Nun arbeitete Terry, so heißt er, mit Noel, dem irischen Fischer zusammen.

Für uns ergab die kleine Kabbelei am Anfang nun einen Sinn: Der überwiegende Teil der Bevölkerung Cornwalls hatte für den Brexit gestimmt, die Iren sind dagegen und waren ja auch gar nicht am Referendum beteiligt. Im weiteren Gespräch erfuhren wir noch eine Menge über die Fischerei. Terry (Jahrgang 1973) erwähnte, dass seine Frau mit den Kindern (5 an der Zahl und dann kamen noch mal Drillinge hinzu, also nun 8!) in Northampton bei London leben. Wenn er Zeit hat, fährt er rüber. Die Drillinge sind jetzt auch schon groß, 12 Jahre alt.

Noel und er wollen einen neuen Fischkutter kaufen, das kostet etwa vier Millionen Euro. Er übernimmt eine Hälfte der Bezahlung, muss aber leider dazu 600.000€ aufnehmen. Sie fischen größtenteils nachJacobsmuscheln (Scallops). Diese bleiben aber nicht in Irland, sondern gehen überwiegend auf den französischen Markt. Uns schwirrte der Kopf, das Ganze mit der EU-Norm, den Fischereirechten, den Gefahren der Seefahrt (er hatte seinem Bruder mal das Leben gerettet) ging uns über die Hutschnur. Noel mischte sich ein und bot Frederick an, dass er sich am nächsten Tag Scallops direkt vom Schiff abholen könnte, die Verabredung wurde per Handschlag für 9.30 Uhr besiegelt und uns wurden noch mal Getränke spendiert.

Mit unserem neuen Freund Pat im "James Kehoe" Pub

Mit unserem neuen Freund Pat im „James Kehoe“ Pub

Fischkutter am Kai

Fischkutter am Kai

Inzwischen hatte sich Pat (heißen alle Iren Patrick? Unser Stellplatz-Nachbar heißt ja auch Paddy!) dazugesellt. Er will sich noch einmal mit uns im Pub treffen und ein paar Reise- und Besichtigungstipps mit auf den Weg geben.

Wir hatten ja sowieso zwei Übernachtungen gebucht, haben also keine Eile. Selig über diese vielen netten Begegnungen und Gespräche zogen wir von dannen und gingen schlafen.

Freitag, 8. Juni 2018
Jakobsmuscheln frisch vom Kutter

Wir standen zeitig auf, weil Frederick sich die Jakobsmuscheln nicht entgehen lassen wollte! Schnelles Frühstück, tolles Wetter und die paar Minuten ab zum Hafen. Den gibt es schon seit 1840 und er ist einer der belebtesten Fischereihäfen des Landes. So war es gar nicht langweilig, dort an der Kaimauer entlang zu spazieren und den Fischern beim Reparieren der Boote und beim Anlanden zuzuschauen. Nur unser schwarzes Boot mit der Kennung WD 220, nach dem wir Ausschau hielten, wollte und wollte nicht kommen. Schließlich war es 10.45 Uhr und wir hatten die Hoffnung aufgegeben. Du meine Güte, die Fischer können ja wohl auch nicht ihren Fang unterbrechen, nur für ein paar Scallops für einen Fremden! Wir hatten größtes Verständnis und wollten uns gerade auf den Rückweg machen, als Frederick den großen schwarzen Kutter mit dem Piratenkopf am Aufbau kommen sah. Allerdings legte er auf der anderen Hafenseite an. Wir marschierten direkt dorthin und schauten zu: Noel und seine Mannschaft waren schon beim Entladen aus dem Bauch des Schiffes, säckeweise Scallops!

Noel erkannte uns und lachte, griff sich einen leeren Sack, warf einige (viele!) Scallops hinein und wünschte Frederick einen guten Appetit! Das war ja nun wirklich nett! Frederick zog selig Leine mit seinen Muscheln. Ich hatte zum Glück nichts damit zu tun, er wollte sie auf- und zubereiten. Das ging ja dann los am Stellplatz mit Wassereimer und Schüssel und Schraubenzieher (nicht unbedingt das richtige Werkzeug zum Öffnen der Schalen). Ich nannte das ganze kurz und bündig einen Schweinkram. Die Muscheln wehrten sich nach Kräften, ihre Behausung geschlossen zu halten. Es dauerte über zwei Stunden, bis Frederick sie besiegt hatte und sie durch mehrfaches Spülen von Sand und anderem Zeug befreit in der sauberen Schüssel lagen.

Die Beute

Die Beute

Frederick mit seiner Beute

Frederick mit seiner Beute

Aufbrechen der Muscheln mit dem Schraubenzieher

Aufbrechen der Muscheln mit dem Schraubenzieher

Fast geschafft

Fast geschafft

Nun waren sie bereit für die Zubereitung auf dem Grill. Die Ausbeute: 20 Stück, also zwei Mahlzeiten. Eine Portion haben wir eingefroren. Nun fehlte nur noch frischer Knoblauch, den wir im nahegelegenen Dorfladen kaufen konnten.

Ich habe derweil ein wenig am Reisebericht weitergeschrieben. Den Nachmittag verbrachten wir dann mit einer schönen Wanderung auf einem Rundweg, der ein gutes Stück am Strand entlangführte.

Gegen 19 Uhr feuerte Frederick den Grill an und kurze Zeit später bruzzelten die Jacobsmuscheln auf der heißen Platte. Frederick war begeistert vom Geschmack der fangfrischen Scallops. Später geht es noch einmal in den Pub, um Pat und vielleicht auch unseren Fischer Noel zu treffen. Dann könnten wir ihm auf jeden Fall einen Drink spendieren als Dank für Fredericks Abendschmaus!

Samstag, 9. June 2018
Wir verlängern einen Tag

Alle waren wieder im Pub , Noel, Terry und Pat. Frederick bedankte sich nochmals bei Noel für die Scallops und spendierte ihm ein Bier. Pat hatte noch ein paar Reisetipps parat und uns wurde empfohlen, statt der Route über New Ross nach Waterford die Fähre bei Ballyhack zu nehmen. Der Barkeeper John erkundigte sich sogar telefonisch, ob wir mit unserem 3.5 Tonner auf die Fähre konnten. Kein Problem und es würde uns einen Umweg von 25 Minuten ersparen.

Den Samstag ließen wir ruhig angehen. Unsere Nachbarn Paddy und Ally waren schon früh abgereist. Da schliefen wir natürlich noch. Nach dem Frühstück wurde der Platz neben uns von einem englischen Wohnmobil besetzt. Der Fahrer erkundigte sich bei uns über die Zahlungsmodalitäten am Platz. Dadurch kamen wir ins Gespräch. Die beiden, Dave und Diane waren gerade drei Wochen im Süden und Westen Irlands unterwegs und wollten hier ein letztes Mal übernachten, um dann morgen mit der Fähre nach England zurückzukehren. Das traf sich gut für uns, da wir noch ein paar brandheiße Tipps mitbekamen, denn wir wollten ja dieselbe Strecke fahren. Letztendlich verbrachten wir gemeinsam den Nachmittag mit einem Rundgang durch den Ort, gönnten uns zur Kaffeezeit Cream Tea und aßen es auf cornische Weise, erst die Marmelade, dann die Sahne (Cream) obendrauf. Aber Rodda’s Cream war es nicht…  Den Abend verbrachten wir beim gemeinsamen Essen draußen zwischen unseren Wohnmobilen. Eine sehr nette Begegnung!

Zu den vielen Tipps der beiden gehörte das Thema „Müllentsorgung“ auf den Stellplätzen. Uns war ja schon aufgefallen, wie sauber es überall ist, obwohl nicht mal überall Papierkörbe stehen. Offenbar übt sich die Bevölkerung in Müllvermeidung oder in „was du mitbringst, kannst du auch wieder mit nach Hause nehmen“, ein ziemlich guter Ansatz, finde ich. Unsere Gemeinden an der Ostsee sollten dem Beispiel mit all den Hinweisen folgen. Vielleicht bekommen wir dann wieder eine sauberere Umwelt, vor allem in den Städten und an den Stränden.

Weitere Fotos

Renovierbedürftiges Boot

Renovierbedürftiges Boot

Mit Dave und Diane

Mit Dave und Diane

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Comments
  • Claus-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Glückwunsch! Einen schönen Einstieg ins grüne Irland, wenn auch mehr für Frederick als für Anne, die ja gar nicht so auf Fisch steht.
    Aber was den Partner glücklich macht, gereicht auch dem anderen zur Freude!
    Noch viel Spaß mit all den Pattricks!
    Helga und Assi

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