La Rochelle

 In Frankreich

Mittwoch, 10. April 2019
Nach Norden – Nach La Rochelle

Nach ausgiebigem Frühstück im Wohnmobil auf dem Stellplatz des Weingutes Chateau Saint Ahon bei Bordeaux liefen wir schnell noch mal zu den beiden Pferden auf der Koppel und spendierten ihnen einen Apfel, dann ging es weiter. Gute zwei Stunden Fahrtzeit nach La Rochelle lagen vor uns. Bei unseren vielen Frankreich-Touren stand die Stadt immer schon ganz oben auf unserer Besuchsliste, aber zumeist war es dann doch zu weit raus. Nun lag La Rochelle beinahe auf unserem Weg, also nichts wie hin. Unser schöner Stellplatz in der Nähe des Port Neuf liegt etwas außerhalb des Zentrums, kostet 12 € incl. Strom und Ver- und Entsorgung. Hier werden wir drei Tage bleiben. Zum Zentrum ist es ein 25-minütiger Fußweg, wie sich später herausstellte.

Arkadeneinkaufsstraße

Arkadeneinkaufsstraße

Blanquefort - La Rochelle

Blanquefort – La Rochelle

Stellplatz Port Neuf in La Rochelle

Stellplatz Port Neuf in La Rochelle (GPS: W46.16033, E-1.18432)

Ich lese nach, dass La Rochelle (etwa 75.800 Einwohner) Partnerstadt von Lübeck ist und dem Hansebund der Neuzeit angehört.

Donnerstag, 11. April 2019
La Rochelle – eine  bezaubernde Hafenstadt

Neugierig begaben wir uns gleich auf Erkundungstour. Der Weg führte auf schnurgerader Straße durch ein Wohngebiet mit hübschen Häusern und kleinen Gärten – es wurde also nicht langweilig – und schon fanden wir uns in der Altstadt und am „Port View“,dem Alten Hafen von La Rochelle (heißt übersetzt “Kleiner Felsen”) wieder. Die prächtigen und alten Bauten beeindruckten uns sofort: die Hafeneinfahrt mit den Wehrtürmen „Tour St.-Nicolas“ und  „Tour de la Chaine“ auf jeweils einer Seite, welch ein Anblick!

Ein Gewirr von Masten quasi im Stadtzentrum

Ein Gewirr von Masten quasi im Stadtzentrum

Die beiden Wehrtürme an der Hafeneinfahrt

Die beiden Wehrtürme an der Hafeneinfahrt

Gegründet im 10. Jahrhundert, haben die Gallier und die Römer hier alle an der Atlantikküste ihre Spuren hinterlassen. Den Römern sind die Kenntnisse für den Weinanbau und die Salzgewinnung zu verdanken. Bis zum 15. Jahrhundert galt der Hafen als größter Frankreichs, den Reichtum begründete er unter anderem mit dem Handel von Wein und Salz und Sklavenhandel. An die vielen Kriege, die den Ort über die Jahrhunderte überschatteten (Religionskriege, Belagerungen), mögen wir gar nicht denken an diesem sonnigen und schönen Tag, nachzulesen über die Hugenotten und die Kolonialzeit lohnt sich aber doch.

Wir wanderten zunächst die Promenaden des kleinen Binnenhafens (Vieux Port) entlang. Die Zeilen mit den alten restaurierten Handelshäusern, inzwischen Cafés, Restaurants und kleine Läden, – wunderschön! In der Ferne Richtung Meer sahen wir die vielen Masten (etwa 4000 Liegeplätze!) der Yachten am Außenhafen.

Hafenpromenade

Hafenpromenade (mit dem im haus integrierten Leuchtturm)

Noch ein Leuchtturm am Hafen

Noch ein Leuchtturm am Hafen

In einem Haus integrierter Leuchtturm

In einem Haus integrierter Leuchtturm

Ich glaube, wir ließen bei unserem Stadtrundgang wohl keine der vielen kleinen Gassen aus. Es war so einiges los, aber irgendwie ging es gelassener zu als in der Großstadt Bordeaux. Welch ein Glück, dass es die “Konvention von La Rochelle” gab: bis zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 war La Rochelle mit seinen Hafenanlagen in deutscher Hand. Durch die Konvention, einem Stillhalteabkommen des deutschen Festungskommandanten und einem französischen Unterhändler, wurde beschlossen, auf die befohlene Zerstörung zu verzichten, solange die eingeschlossenen Deutschen nicht von den Alliierten angegriffen wurden. Daran wurde sich gehalten und es führte dazu, dass Stadt und Hafenanlagen unversehrt blieben.

Toll dekorierter Grundstückseingang

Toll dekorierter Grundstückseingang

Sanierter Hafenbereich mit Riesenrad

Sanierter Hafenbereich mit Riesenrad

Durch das Portal der Porte de la Grosse Horloge (Große Uhr) spazierten wir in die Altstadt. Hier fanden wir ein nettes Café, das in den nächsten beiden Tagen immer wieder zu unserem Anlaufpunkt werden sollte. Später landeten wir im Geschäftsviertel und bewunderten die vielen Arkadengänge und überdachten Passagen, die den Passanten seit Jahrhunderten Schutz bei jedem Wetter bieten und die so viel entspannter einkaufen. In alten Zeiten breiteten die Händler hier ihre Waren aus. Der Rathauskomplex war total eingerüstet, da es 2013 große Schäden (in Millionenhöhe) bei einem Brand erlitten hatte. 70% des Renaissance Gebäudes waren beschädigt worden. Das Rathaus, eines der schönsten in Frankreich, wird zur Zeit wieder aufgebaut.

"Grosse Horloge", der Uhrenturm

„Grosse Horloge“, der Uhrenturm

Das sich in der Restaurierung befindliche Rathaus

Das sich in der Restaurierung befindliche Rathaus

Freitag, 12. April 2019

Uns fiel es nicht schwer, drei wunderbare Tage in dieser Hafenstadt zu verbringen. Der kleine Spaziergang von einer knappen halben Stunde machte uns nichts aus. Täglich entdeckten wir Neues und Interessantes.

So auch das Musée du Nouveau Monde (Museum der Neuen Welt). Im Wohnhaus (aus den 1740er Jahren) des zu Geld gekommenen Monsieur Aimé-Benjamin Fleuriau ist eine Ausstellung über die Kolonialzeit zu sehen. Dabei wird auch die Geschichte des Sklavenhandels in Frankreich nicht ausgelassen, die Sklaverei in den französischen Kolonien. Dänemark war das erste Land in Europa, das den Sklavenhandel 1792 abschaffte. Frankreich folgte – während der Französischen Revolution – am 4. Februar 1794, formell, wohlgemerkt! Umgesetzt wurde die Entscheidung sehr viel später. Monsieur Fleuriau brachte zwei seiner Töchter, deren Mutter eine Sklavin war, mit von seinen Reisen nach Frankreich. Er ließ sie hier zur Schule gehen und promenierte mit ihnen durch die Stadt. Wahrscheinlich konnten sie sich zu den glücklicheren Menschen zählen … Es gab also viel Geschichte, schöne alte Möbel und Gemälde und Zierrat zu bestaunen in diesem alten Gemäuer.

Verkehrsschild - ein Schelm, wer etwas schlechtes dabei denkt!

Verkehrsschild – ein Schelm, wer etwas schlechtes dabei denkt!

Riesiger Flaschenzug aus brasilianischen Hartholz

Riesiger Flaschenzug aus brasilianischen Hartholz im Museum

Bei einem Spaziergangs zum „Tour de la Lanterne“ – einem Leuchtturm, im 15. Jahrhundert auf einem Fuß von sechs Meter dicken Festungsmauern errichtet, stießen wir auf eine Enten-Mama, die versuchte, auf der Straße ihre sechs kleinen Nestflüchter zusammenzuhalten. Wir trieben sie zurück auf die Grünflächen.

Auch auf dieser Seite der Stadt konnte man wunderbar spazieren gehen und ständig Neues entdecken. So ließen wir uns treiben, gelangten noch zu dem, im Originalstil restaurierten Bahnhofsgebäude (beeindruckend), durchstöberten noch einige Geschäfte und marschierten gegen Abend zurück zum Wohnmobil und genossen dort ein gemütliches Abendessen bei immer noch strahlendem Sonnenschein. Morgen früh geht’s weiter.

Weitere Fotos

Schmuckes Fachwerkhaus

Schmuckes Fachwerkhaus

Tour de la Laterne

Tour de la Laterne

Entenmama mit ihrer Brut auf der Straße

Entenmama mit ihrer Brut auf der Straße

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