Rouen

 In 2018, Frankreich

Freitag, 1. Juni 2018
Endlich wieder auf Reisen

Aus verschiedenen Gründen treten wir unsere erste große Reise in diesem Jahr erst Mitte des Jahres an. Wir hatten einiges zu erledigen. Daher mussten wir unsere Frühjahrspläne mit Südfrankreich und Nordspanien aufgeben. Heute ist der 1. Juni und nun wird es auch Zeit! Ein kurzer Blick in den Computer zeigt die vor Ewigkeiten gebuchte Abfahrt von Cherbourg nach Irland für den 6. Juni 2018, 18 Uhr an. Also mehr oder weniger Strecke machen … Ursprünglich hatten wir für die Anreise nach Cherbourg 12 Tage eingeplant.

Gegen 16 Uhr fuhren wir aus Bad Segeberg in Richtung Vechta und visierten den uns bereits bekannten, kostenfreien Stellplatz am Schwimmbad an, eine Fahrt von etwa drei Stunden, die wir ohne Probleme – selbst durch Hamburg an einem Freitag – bewältigten.

Cadac Safari Chef 2 Gasgrill

Erstaunlicherweise waren wir das einzige Wohnmobil dort. Frederick packte den neuen Gasgrill aus und schmurgelte ein paar Bratwürste, ich schnippelte den Salat dazu. Der  Grill (Cadac Safari Chef 2) ist die perfekte (von anderen Campern abgeguckte) Anschaffung! Mit der kleinen Gaskartusche geht alles sehr schnell, Frederick ist begeistert und träumt von den vielen Fisch-Mahlzeiten, die ich mich weigere, imWohnmobil zu braten …

Wir planten den nächsten Tag und dabei kam heraus, dass Frederick nicht an Obelink in Winterswijk/Holland (wahrscheinlich der größte Camping-Bedarf-Händler der Welt) vorbei kam. Da Winterswijk praktisch auf unserer Route nach Süden lag, bot sich ein Besuch dort an. Es gibt nichts, was der Camper nicht noch brauchen könnte, in unserem Fall Seitenteile (Windschutz) für die Markise. Diese kommen erst dann zum Einsatz, wenn man mal längere Zeit auf einem Campingplatz steht, in der Vorstellung zum Beispiel ein Überwintern in Spanien. Bärbel, Ulli: wir kommen!

Samstag, 2. Juni 2018
Obelink, Winterswijk

Trotz der Wärme im Wohnmobil, schließlich herrschten 30 Grad am Tage, schliefen wir gut und lange und fuhren am späten Vormittag in Richtung Holland. Von Vechta aus brauchten wir ca. 2 1/2 Stunden, bis wir auf dem riesigen, aber trotzdem fast völlig überfüllten Parkplatz bei der Firma Obelink ankamen. Zwischen all den Campingfahrzeugen standen auch viele PKW und es war reines Glück, dass wir eine Lücke fanden. In der Mittagshitze waren es wohl an die 31 Grad und das letzte, wonach mir war, war ein Shopping-Erlebnis mit Hunderten von Leuten! Frederick zog also allein los, kaufte zunächst nur Befestigungsstangen für einen bereits vorhandenen Windschutz. Den hatten wir als günstiges Angebot (50€) von Reiner abgekauft, unserem Stellplatz-Nachbarn in Segeberg. Zurück am Wohnmobil, probierte Frederick erst mal alles aus, ob es denn auch passte. Natürlich nicht: Das ”günstige Angebot“ von Reiner erwies sich nach dem Ausrollen als zu schmal für unsere Markise und deshalb waren auch die gekauften Stangen nicht zu gebrauchen. Also noch mal rein und nach eingehender Beratung das richtige kaufen. Nun haben wir alles, zwei Seitenteile und eine Vorderseite, also ein komplettes Vorzelt, sogar mit Gardinen. Das zu kleine Teil (220 breit, für Thule Markise) bieten wir gern zum Kauf an …

In Winterswijk wollten wir nicht übernachten. Falls wir noch mal irgendwann in Cherbourg ankommen wollten, half es nichts, wir mussten mehr “Strecke machen” und entschieden uns, als nächstes Ziel für einen kleinen Ort zum Übernachten nördlich von Lille, nahe der belgischen Grenze, eine Tour von ca. vier Stunden. Über die französische Stellplatz-App und den neu erworbenen Stellplatz-Führer „France Passion“ waren wir an zwei Plätze gekommen, die leider bereits ausgebucht waren. Im France Passion-Führer sind Plätze benannt, die Bauern, Gastwirte, Privatleute anbieten, entweder kostenfrei oder gegen ein kleines Entgelt. Natürlich besteht die Hoffnung, dass der Camper einige Einkäufe im Hofladen macht bzw. im Restaurant etwas verzehrt. Manchmal werden nur zwei Plätze angeboten, Kontakt zu den Gastgebern ist ausdrücklich erwünscht. Wenn das nicht Völkerverbindend ist ….

Parkplatz Wambrechies

Übernachtung auf einem Parkplatz in Wambrechies

Wir kurvten also nach der Suche eines geeigneten Schlafplatzes von einem kleinen Ort zum anderen und landeten schließlich gegen 21 Uhr auf dem Parkplatz eines Supermarktes, wo die Pizzeria noch geöffnet war. Das war sehr einladend und Frederick bestellte flugs eine, die wir uns teilten, mit einem Glas Pino dazu, im Wohnmobil. Der Pizzabäcker sagte auf Nachfrage, dass es kein Problem sei, dort über Nacht zu stehen. Wir finden es immer besser, mal nachzufragen. Schließlich ist man Gast in einem anderen Land, dazu noch nicht mal eingeladen.

So schliefen wir auch gut in diesem hübschen kleinen Ort Wambrechies und konnten uns am nächsten Morgen mit dem ersten echten, von uns so geliebten Baguette zum Frühstück versorgen, der Supermarkt hatte nämlich geöffnet. So auch die dem Supermarkt angeschlossene Tankstelle, der Liter Diesel schmerzhafte 1,449€ … und wir brauchten “einmal voll” (99€, max. Betrag bei Kartenzahlung).

 

Sonntag, den 3. Juni 2018
Rouen, die Stadt an der Seine

Unsere nächste Etappe führte uns nach Rouen in der Normandie. Je häufiger wir in diese Gegend fahren, desto vertrauter (logisch), aber auch verliebter sind wir in die Normandie! Die Dörfer, die wir durchquerten, mit ihren schönen bunten Bauerngärten und dem normannischen Fachwerk, – eine Freude, anzusehen. Die Sonne war unser ständiger Begleiter und unsere Klimaanlage musste sich tüchtig anstrengen, um die Temperatur  erträglich zu halten. Nach ca. drei Stunden fuhren wir in die Hauptstadt der nordfranzösischen Normandie, Rouen (110.000 Einwohner) ein. Unser Ziel: Ein Stellplatz am Fluss Seine. Nun war der nicht so einfach zu finden, da sich entlang des Ufers Baustelle an Baustelle befand. Am Sonntag wurde dort zwar nicht gearbeitet, sich durch den Schilderwald der Umleitungen hindurch zu mogeln, war aber eindeutig eine Herausforderung für den Fahrer, der die Aufgabe bestens löste. Denn plötzlich fanden wir uns auf einer bereits erneuerten großen Fläche direkt an der Seine wieder und gesellten uns zu zwei dort bereits stehenden Wohnmobilen.

Uhrenturm, A-rosa Viva und Szene-Restaurant

Uhrenturm, A-rosa Viva und Szene-Restaurant

Stellplatz am Seine-Ufer

Stellplatz am Seine-Ufer

Hier war es schöner, sauberer und offener als am, von der französischen App vorgeschlagenen Stellplatz. Vor uns auf der anderen Seite des Ufers lag das Schiff Arosa Viva, auf Städtetour auf andere Weise. Wo hatten wir sie nicht schon überall gesehen, in Passau, in Avignon, in Budapest; sicher auch eine Art des angenehmen Reisens.

Es war mittlerweile 14 Uhr, Mittagshitze; trotzdem hielt uns nichts von einer Stadtbesichtigung ab! Wir wanderten an neu gestalteten Restaurants vorbei zur großen, offensichtlich ebenfalls neuen Hebebrücke. Alles scheint auf das Verbringen von Freizeit, ein gutes Leben und Relaxen ausgelegt zu sein. Die Stadtväter oder Investoren geben sich alle erdenkliche Mühe, ein wohl lange vernachlässigtes Areal zum Schmuckstück der Stadt herauszuputzen. Vielleicht aber werden die alten Lagerhäuser und Hafenanlagen einfach nicht mehr gebraucht und sie werden etwas Neuem zugeführt. Wir finden es jedenfalls aufregend und schön entlang der Uferpromenaden, und es ist schwer was los!

Blick auf Rouen von der neuen Hubbrücke

Blick auf Rouen von der neuen Hubbrücke

Moderne Lichtkunst an einer Bürohaus-Facade

Moderne Lichtkunst an einer Bürohaus-Facade

Rouen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Die Kelten, die Römer, die Wikinger – sie alle hinterließen ihre Spuren. Ach ja, die Engländer (Heinrich V. von England) eroberten die Stadt 1419 während des Hundertjährigen Krieges und unterstellten die Normandie der britischen Krone. Vielleicht lieben schon deshalb viele Engländer Frankreich, weil doch erheblich gemeinsame Geschichte sie miteinander verbindet. Wir sahen auf unserer Fahrt zahllose englische Nummerschilder und wissen aus unserer Zeit in Cornwall, dass Frankreich ein bevorzugtes Zweitwohnsitz-Gebiet ist. Im Zusammenhang mit dem Hundertjährigen Krieg wurde Jeanne d‘Arc verurteilt und am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Karl VII. eroberte Rouen 1449 für Frankreich zurück. Rouen wurde eine Hochburg des Protestantismus, denn die Bewohner nahmen die Ideen des Reformators Martin Luther und später Johannes Calvin auf. Die Stadt war wohlhabend und verfügte über ein relativ hohes Bildungsniveau.

Rouen ist mit zwei Blumen im Nationalrat der beblümten Städte und Dörfer vertreten, maximal können vier Blumen erreicht werden. Die Blumen werden im Zuge eines regionalen Wettbewerbs verliehen. Eine ähnliche Geschichte wie der früher in Deutschland verbreitete Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden.“

Wir spazierten durch die Altstadt und bewunderten die vielen alten und gut erhaltenen großen Handels- und Privathäuser. Nahezu alle Läden waren geöffnet, ob es nun ein besonderer Tag war oder völlig normal in so einer touristischen Stadt, wissen wir nicht. Auch wir ließen uns von der sommerlichen und entspannten Atmosphäre mitreißen und  suchten uns einen Tisch in einem Straßencafé. Für die beiden Gin & Tonic-Getränke bezahlten wir 17€ ohne Trinkgeld, ein ganz schön stolzer Preis. Vielleicht wurde damit anteilig auch der Musiker am Klavier  bezahlt, der die Gäste draußen unterhielt. Rouen bekommt von uns viele Sterne/Pluspunkte und ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Wir spazierten zur großen Kathedrale „Notre Dame“ und Frederick freute sich über ein paar schöne Motive.

Der Uhrenturm Ludwig IV

Der Uhrenturm Ludwig IV

Bunte Restaurant Facade

Bunte Restaurant Facade

Außengastronomie am "Vieux Marché"

Außengastronomie am „Vieux Marché“

Kirche "Sainte-Jeanne-D'Arc"

Kirche „Sainte-Jeanne-D’Arc“ am „Vieux Marchè“

Rouen Kathedrale "Notre Dame"

Rouen Kathedrale „Notre Dame“

Dann ging es über eine andere Brücke zurück zum Stellplatz. Und wieder zeigte Frederick seine neu erworbenen Grillkünste. Es gab leckere Garnelen (für ihn) zum Abendessen. Wir setzten uns noch eine Weile vor das Wohnmobil und genossen die Ausblicke auf die Seine, Spaziergänger und Jogger. Endlich war auch mal wieder ein Plogger dabei, der der neuesten Bewegung aus Skandinavien folgte: Plocking (Aufheben von Müll = Papier, Dosen, Plastik, was sich leider in einer Vielzahl in unserer Umwelt befindet) und Joggen = Plogging. Ich habe mich darüber sehr gefreut, weil wir selbst uns auch immer wieder mal bücken und zu den “Aufhebern” (eine Initiative aus Berlin) gehören. Hinschauen ist besser als Wegschauen, selber Tun hilft der Umwelt und gibt einem selbst auch ein gutes Gefühl!

Nicht umsonst war ich vor etwa 60 Jahren im Micky-Maus-Klub: ”Jeden Tag eine gute Tat” war die erste Regel, das gelingt nicht immer, aber manchmal hat man Gelegenheit, zwei oder drei gute Dinge auf einmal zu tun … und mit dem Müllsammeln (auch am Strand) ist man schon ein Stück weiter mit den guten Taten.

Moderne Hubbrücke über die Seine

Moderne Hubbrücke über die Seine

Blasorchester in der Fußgängerzone

Inzwischen standen wir allein auf dem Platz. Das war mir für eine Übernachtung nicht recht und ich konnte Frederick überreden, doch noch ein Stück weiter in einen der kleineren Orte zu fahren. Das war dann Pont-de-l’Arche. Die französische Aussprache hört sich irgendwie unanständig an. Das offensichtlich neue Industriegebiet, in dem sich auch moderne Sportanlagen (Halle und mehrere Fußballplätze) befanden, bot kostenlose Ver- und Entsorgung und leider nur an der Straße entlang einige Stellplätze. Wir entschieden uns zum Bleiben, da es schon gegen 21 Uhr war und es uns – da Sonntag – ruhig vorkam.

Dies stellte sich in der Nacht als Irrtum heraus: einige Male kurvten Autos durch die Straßen, deren Fahrer sich wohl ein Rennen lieferten. Dann legte hin und wieder das Geheul von Alarmanlagen aus irgendwelchen Gebäuden los, eine unruhige Nacht also, bis es Frederick zu viel wurde und er gegen 2 Uhr morgens den Motor anschmiss und auf den Parkplatz des brandneuen Lidl fuhr. Dort war der Zugang noch möglich. Einige Supermärkte beschranken die Zufahrt mittlerweile. Wir waren das einzige Fahrzeug dort und wollten schließlich auch Kunde sein ab 8.30 Uhr … Frisches Baguette s’il vous plaît …

Der Rest der Nacht verlief ohne weitere Zwischenfälle.

Montag, 4. Juni 2018
Quer durch die Normandie

Ein bisschen gerädert nach der Nacht mit den unliebsamen Störungen, war wenigstens die Aussicht auf ein geruhsames Frühstück mit frischem Baguette erfreulich. Frederick kaufte ein, ich kochte Kaffee. Auf dem Parkplatz hatten sich nun schon mehrere Fahrzeuge eingefunden. Wir waren doch erstaunt, dass in so einem Umfeld ein hyper-moderner Lidl Shop entstanden war. Soviel an Wohngebiet drumherum hatten wir gar nicht gesehen.

Übrigens noch mal zurück zur großen Sporthalle. Sie trug den Namenszug Henri Salvador. Das hatten wir bei unserem Spaziergang am Abend gesehen und sofort tauchte ein Bild vor meinen Augen auf und im Ohr hatte ich es auch gleich: Das Lied “The Lion sleeps tonight”, wer kennt es noch oder vielleicht auch nicht? Es ist ja wirklich weltbekannt und wurde unter anderem von Henri Salvador gesungen, er sang es sogar auf deutsch (Der Löwe schläft heut Nacht) und es brachte ihm damit in Deutschland grosse Bekanntheit ein. Leider konnte ich nicht herausfinden, was es mit der Namensgebung einer Sporthalle auf sich hatte, aber ich habe einiges über das interessante Leben des Künstlers nachgelesen.

Weitere Fotos

Bad Segeberg-Vechta-Winterswijk-Wambrechies-Rouen

Bad Segeberg-Vechta-Winterswijk-Wambrechies-Rouen

Jugendzentrum Henri Salvador

Jugendzentrum Henri Salvador

Recent Posts
Comments
  • Ulli
    Antworten

    Ok. Wir werden warten!

Leave a Comment


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Kontakt

Deine Nachricht:

Not readable? Change text.