Omaha Beach – Granville

 In Frankreich

Hinweis: In unserem Bericht über Göttingen vom 10. September haben wir noch einen Absatz über die Chansonsängerin Barbara eingefügt. Wer möchte, kann dies dort noch einmal nachlesen. Hier der Link zur Seite Göttingen

Dienstag, 26. September 2017

Auf diesem ruhigen Campingplatz in Luc-sur-Mer hätten wir es gern noch länger ausgehalten. Aber wir hatten inzwischen unsere Verabredung mit Helen und Chris, die im Herzen der Bretagne, Cléguérec bei Pontivy leben, für Mittwoch Abend getroffen. Daher ging es jetzt wieder weiter.

Wir fuhren die Strecke entlang der Küste, die 1944 der Landungssektor der Schiffe der Alliierten für D-Day (6. Juni 1944) war. Etwa 60 km waren damals unterteilt in Strandabschnitte mit den Namen Utah-, Omaha-, Juno-, Sword- und Gold-Beach. An der Operation Overlord waren nach langer Vorbereitung u.a. amerikanische, kanadische, englische, schottische Soldaten beteiligt.

Passend zu unserer Stimmung war das Wetter, neblig und ein düsterer Himmel über uns. Wir als Angehörige der Generation kurz nach dem Krieg sind noch mit Filmen und Berichten über die Schrecken des Krieges aufgewachsen. 1998 wurde das Grauen des D-Days im Film „Der Soldat James Ryan“ aufgearbeitet und nun, fast 20 Jahre später, wurde der Film „Dunkirk“ (Dünkirchen) herausgebracht. Trotzdem wollten wir uns mit der Vergangenheit konfrontieren und fuhren den großen Parkplatz oberhalb des Strandes in Arromanches an. Auch hier große Informationstafeln, Denkmäler die erklären und die erinnern sollen, die ihr Leben lassen mussten.

Arromanches

Arromanches

Geschütz im Zentrum von Arromanches

Geschütz im Zentrum von Arromanches

Wir liefen dann die vielen Stufen, die sich in den Ort hinunterschlängelten, hinab. Etwa 550 Einwohner leben hier, aber natürlich ist Arromanches-les-Baines heute Anziehungspunkt für Besucher aus aller Herren Länder und man heißt vor allem die einstigen Befreier, Amerikaner und Engländer willkommen. Diese kleine Hafenstadt könnte genauso gut in Cornwall sein, die kleinen Cottages aus Granit, die Dächer gedeckt mit Schiefer, ein Lädchen mit touristischem Strandkram neben dem anderen, Cafés, Restaurants, alles da.

Der Strand mit seinem goldfarbenen Sand gehörte zum Abschnitt „Gold Beach“. Der Küste vorgelagert sind noch heute die Reste des künstlichen Hafens Mulberry Beach zu sehen (Truppen und Nachschub wurden von hier aus ins Land gebracht). Verstreut in der Landschaft Relikte aus den Kriegsjahren, Panzer, Kanonen, amerikanische Jeeps – immerzu denken wir: Nie wieder Krieg!

Reste einer schwimmenden Fahrbahn

Reste einer schwimmenden Fahrbahn

Reste des schwimmenden Hafens "Mulberry Park"

Reste des schwimmenden Hafens „Mulberry Park“

Ende September ist immer noch viel los und es ist ein Stimmengewirr um uns herum. Wir sehen überwiegend Menschen unserer Generation, das ist kein Wunder, das Interesse an der Vergangenheit ist hier besonders groß und Ferien wie auch Haupturlaubszeit sind schließlich vorbei. Wir liefen den Weg zurück hinauf zum Museum, um uns den Dokumentar-Film im 360° Rundkino anzusehen. Er war aus Originalaufnahmen zusammen geschnitten und man wollte und konnte eigentlich nur weinen und tat es auch. Der Originalton tat ein Übriges. Wir fanden es aber für uns wichtig, diese Erinnerungsstätte (und weitere) einmal zu besuchen.

Über kleine Dörfer ging es weiter zur Omaha Beach. Entlang der Route immer wieder original Kriegsmaterial, Sherman Panzer, riesige Kanonen etc. und Museen. Omaha Beach ist heute ein sehr gepflegter, breiter Sandstrand. Am Hauptzugang ein abstraktes Kriegerdenkmal, in der Nähe wieder ein Museum  und viele Reisebusse, die mit Schulklassen oder Rentnern unterwegs waren.

Straße der Freiheit an der Omaha Beach

Straße der Freiheit an der Omaha Beach

Omaha Beach Mahnmal

Omaha Beach Mahnmal

Abstraktes Denkmal an der Omaha Beach

Abstraktes Denkmal an der Omaha Beach

Der sehr weitläufige Omaha Strand

Der sehr weitläufige Omaha Strand

Kurze Zeit später fuhren wir weiter, unserem Ziel in der Nähe von Granville entgegen. Es war immerhin schon später Nachmittag. Der schöne und gut ausgestattete Stellplatz in St. Pair-sur-Mer (etwa 4000 Einwohner) liegt direkt im Ort, der seit Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem schönen Strand ein Seebad ist. Eine blumengeschmückte, entzückende kleine Stadt! Wir entdeckten beim Stadtrundgang schnell eine Take-away-Pizzeria und sparten uns das Kochen im Wohnmobil. Hier warf kein Pizza-Bäcker den Teig in die Luft, um ihn hauchdünn zu bekommen, sondern er schob eine Handvoll Teig in eine Maschine und heraus kam der dünn ausgerollte Boden für die Pizza. Eine bessere Pizza haben wir selten gegessen, sehr lecker!

Rauschender Bach am Strand vom St.-Pair-sur-Mer

Rauschender Bach am Strand vom St.-Pair-sur-Mer

Luc-sur-Mer - Arromanches - Omaha Beach - Granville

Luc-sur-Mer – Arromanches – Omaha Beach – Granville

Danach bummelten wir noch einmal an den nahegelegenen Strand, um nach den Tageserlebnissen keine schlechten Träume zu haben und fanden zu unserer Freude noch ein paar schöne Austernschalen.

Mittwoch, 27. September 2017
Wanderung nach Granville und Stadtbesichtigung

Übrigens hatte das Ticket für den Platz für 24 Stunden genau 9,05€ gekostet, wir hatten also noch Zeit genug, zu Fuß nach Granville (etwa 13.400 Einwohner) zu gehen, eine viel versprechende Stadt mit Seehafen, Fischerei- und Yachthafen (1100 Liegeplätze!!). Leider verpassten wir den Einstieg zum Küstenwanderweg (Warnhinweis für die Strecke) und mussten einen Teil des Weges an der viel befahrenen Straße entlang gehen. Nach nur einer halben Stunde erreichten wir die Stadt mit seiner interessanten Geschichte.

Der Sportboothafen von Granville

Der Sportboothafen von Granville

Über den Dächern von Granville

Über den Dächern von Granville

Den Namen hat der Ort der Adligen Familie Grant zu verdanken. Im 11. Jahrhundert wurden der Familie Besitztümer in der Normandie geschenkt von keinem Geringeren als Wilhelm dem Eroberer (William the Conquerer), als Dank für die Unterstützung in Kriegsgeschäften. So, so …
Zwar sind wir ganz in der Nähe vom viel besuchten Mont St. Michel, können ihn aber nicht am Horizont entdecken, da er hinter einer Landzunge liegt. War Wilhelm auch im Jahr 1066 mit seiner Eroberung Englands erfolgreich, wendete sich das Blatt wieder im 14. Jahrhundert. Das Königreich England eroberte die gesamte Normandie, mit Ausnahme des Mont St. Michels! Um 1492 kamen aus Spanien vertriebene Juden nach Granville. In der Stadt zu wohnen wir Ihnen verboten, also siedelten sie am Rande. Es war ihnen erlaubt, als Geldverleiher und Goldschmiede zu arbeiten und sie trugen zur Entwicklung und zum Wachstum der Stadt bei.

Vom Hafen operiert eine Fischfangflotte und außerdem ist Granville bekannt für sein gutes Segelrevier. Hier liegen tausende von Segelbooten und auch Windsurfing wird hier sehr stark betrieben.

Fischernetze im Hafen

Fischernetze im Hafen

Ein Mastenwald im Sportboothafen

Ein Mastenwald im Sportboothafen

Windsurfer vor Granville

Windsurfer vor Granville

Geparkte Dinghis im Sportboothafen

Geparkte Dinghis im Sportboothafen

Auch in diesem Ort machte sich langsam die Ruhe nach der Sommersaison breit. Von Cafés im Hafenbereich war nicht viel zu sehen. Aber wir liefen ja auch direkt durch den Fischerei-Hafen.
Dank der Kabeljau-Fischerei wurde Granville immer bedeutender und schließlich erhielten an die 80 Schiffe das Recht, sich zu bewaffnen. 15 Admirale brachte die Stadt hervor, unter anderem schauten wir, nachdem wir die 108 Stufen hinauf in die Oberstadt gekraxelt waren, auf die Statue des Korsaren Le Pelley, dem man ein Denkmal gesetzt hat. Die streng wirkende Architektur stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Gassen sind eng, die Häuser hoch, das heißt: wenig Licht in den kleinen Hinterhöfen. Leben möchte man hier oben sicher nicht, aber trotzdem würde ich die Ausstrahlung der Oberstadt als „Charming“ beschreiben. Hier nun endlich auch die kleinen Cafés an der Ecke, Gallerien, Boutiquen, Restaurants.

Die Oberstadt (Haute Ville)

Die Oberstadt (Haute Ville)

Französisches Flair im Zentrum

Französisches Flair im Zentrum

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gilt Granville als Badeort und brauchte natürlich – wie ein Investor meinte – ein Casino, 1911 erbaut. Damit wollte man aus dem Ort das „Monaco des Nordens“ machen, ist nicht so ganz gelungen, obwohl die Stadt einen eigenen Zauber hat. Kein Wunder, dass dieser beliebte Badeort im Hochsommer total überfüllt sein soll. Es gibt Sand- und Felsstrände, außerdem ist es ein Zentrum der Thalasso-Therapie (Behandlung von Krankheiten mit kaltem oder erwärmtem Meerwasser, Meeresluft und Sonne, Schlick und Algen und Sand, in einem: Sommerfrische!).

Langsam wurde es Zeit, nach St. Pair zurück zu laufen und dieses Mal fanden wir den spannenden und teilweise steilen Küstenpfad mit fantastischer Aussicht auf die Bucht, Cornwall-Erinnerungen … Eine Kleinigkeit zum Mittagessen im Wohnmobil und los ging die Fahrt nach Cléguérec.

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