Helsinki

 In Finnland

Montag, 26. August 2019
Trucker Frühstück und überwältigt vom Großstadtgewimmel Helsinkis

Das Klingeln des Weckers riss uns um 5.45 Uhr aus dem Schlaf, eindeutig zu früh, Reise-Mobilisten schlafen für gewöhnlich (da zumeist Rentner) alle gerne etwas länger. Ohne Frühstück (Frederick hatte das Frühstück auf der Fähre gebucht) fuhren wir gegen 6.15 Uhr auf das Hafengelände und reihten uns – dem Zeichen SEA WIND folgend – in die Schlange der riesigen LKW’s zur Abfertigung ein. Es dauerte lange, bis wir dran waren, erst kurz vor 7 Uhr, der Abfahrtszeit der Fähre und beinahe als letztes Fahrzeug wurden wir an Bord gewunken. Da es sich um eine LKW-Fähre handelt, die deshalb günstiger ist als die Fähren vom Hafen in Tallinn, ist die Ausstattung einfach und zweckmäßig. Meine Befürchtung, dass es sich beim Frühstück für finnische und andere Trucker hauptsächlich um ein großes Fischangebot (Lachs, Shrimps, Heringe, gebratene Sprotten, Thunfisch) handeln würde, bestätigte sich schnell. Genau das wurde angeboten! Deftig war angesagt: Frederick füllte sich den Teller mit Köttbullar (kennt jeder, der IKEA kennt), Röstkartoffeln und anschließend Milchreis mit Fruchtsalat. Ich suchte meinen Weg in der süßen Abteilung und fand ein paar Kekse und Fruchtjoghurt, aus der Traum von meinen geliebten knusprigen frischen Croissants und Brötchen …

Es war zu früh am Tag, als dass man sich hätte draußen aufhalten können. Wir erkundeten das Schiff und staunten, dass es sogar einen Sauna-Raum gab. Schließlich suchten wir uns einen Platz in der Lounge. Die Trucker hatten sich in irgendwelche Ecken gedrückt und versuchten, noch ein bisschen zu schlafen. Wir machten es ihnen nach. Halt: eine weitere Abwechslung (außer der Sauna) gab es dann doch noch: kurz vorm Anlegen öffnete der Shop, Alkohol, Parfums und Süßigkeiten zollfrei (?) zu haben. Wir kauften die von unserem Sohn Olli bestellten Alkoholitäten und schon folgte der Aufruf, sich zum Fahrzeug zu begeben, in mehreren Sprachen. Dreieinhalb Stunden waren doch relativ schnell vergangen, aber schlauer geworden, nehmen wir auf der Rückfahrt am Donnerstag Kissen und Bücher mit …

Muuga - Vuosaari - Helsinki

Muuga – Vuosaari – Helsinki

Mit der Fähre gen Finnland

Mit der Fähre gen Finnland

Pünktlich gegen 10.30 Uhr im finnischen Hafen Vuosaari angekommen dauerte das Ausschiffen doch etwas länger. Wir kamen zwar zügig vom Schiff, mussten uns dann aber in einer Schlange von Wohnmobilen und PKW’s einreihen und dann abwarten. Da die ganze Hafenanlage wohl recht neu ist, und die Beförderung von PKW’s und Wohnmobilen noch neuer, hinkt die Logistik ein wenig hinterher. Statt den Weg aus dem Hafen gut auszuschildern, positionierte sich ein Lieferwagen mit gelben Warnlichtern vor das erste Fahrzeug in unserer Schlange, und nachdem alle LKW’s von Bord waren, durften wir dann diesem „Follow me“ Fahrzeug zum Ausgang aus dem Hafen folgen. Mittlerweile waren 45 Minuten seit unserer Ankunft vergangen. Die spinnen, die Finnen … frei nach Obelix! Da müssen sie sich noch etwas einfallen lassen und nachbessern.

Wir fuhren dann direkt nach Helsinki (auf Schwedisch Helsingfors) – übrigens gern mal Ephraim Kishons Geschichte in diesem Zusammenhang nachlesen: Kein Weg nach Oslogrolls, man lacht sich kaputt! – und dort quer durch die verkehrsreiche Innenstadt, auf der Suche nach einem Parkplatz, was sich aber als aussichtslos herausstellte. Etwa 640.000 Menschen leben hier, es ist die größte Stadt Finnlands und – falls es interessiert – die drittgrößte Stadt der Nordischen Länder nach Stockholm und Oslo! Wenn auch nervig in diesem immensen Verkehr, bekamen wir doch wenigstens schon mal einen ersten Eindruck von dieser Metropole, die Frederick allerdings schon kannte (vor 9 Jahren Segeltörn mit Cousin Matthias). Wir gaben den Versuch, einen Parkplatz zu ergattern auf, fuhren zum kostenlosen Stellplatz (PARK4NIGHT App), den wir schon vorher für die Übernachtung ausgewählt hatten und der etwas außerhalb des Stadtzentrums liegt (zu Fuß knapp eine Stunde). Der Platz ist wirklich fein und liegt an einem Teil des Schärengewässers. Mit viel Glück bekamen wir einen Platz in der ersten Reihe direkt am Wasser, der groß genug für unser langes Fahrzeug war.

Restaurantboot Torpedo unterhalb unseres Stellplatzes

Restaurantboot Torpedo unterhalb unseres Stellplatzes

Unser schöner und kostenloser Stellplatz in Helsinki

Unser schöner und kostenloser Stellplatz in Helsinki

Wie immer bei Ankunft in neuen Städten,  dauerte es nicht lange und wir machten uns auf den Weg in die Innenstadt. Die öffentlichen Transportmittel funktionieren hier in Finnland gut, die Bushaltestelle war nicht weit und wir kauften beim Busfahrer zwei 24-Stunden-Tickets für insgesamt 16€. Keine 30 Minuten später waren wir im Getümmel der Märkte am Südhafen, der bis in die Innenstadt hineinragt. Eine tolle Atmosphäre! Ein Kreuzfahrtschiff hatte auch hier seine Passagiere ausgespuckt, damit sie ordentlich Geld da lassen … ein Sprachengewirr wie schon vorher erlebt, wehe, wenn sie (vom Schiff) losgelassen!

Buntes Treiben rund um den Markt

Buntes Treiben rund um den Markt

Helsinki Markt am Südhafen

Helsinki Markt am Südhafen

Ist Finnland bekannt für die Natur, seine endlosen Wälder und zahlreichen Seen, hat es doch auch eine sehr moderne Seite. Nirgends sieht man das so sehr wie in der Hauptstadt des Landes. Sie ist vor allem das Ziel des Tourismus. Helsinki hat eine lebendige Kulturszene, viele Museen und Galerien und verfügt über eine atemberaubende Architektur, hat jedoch keine „geschlossene“ Altstadt. Wir fanden heraus, dass alles ziemlich weitläufig ist, „runde“ Füße mal wieder vorprogrammiert.

Am Hafen ist es allein schon interessant, zu bummeln. Die Märkte finden nicht jeden Tag statt, wir hatten also Glück und konnten viele unterschiedliche handwerkliche Dinge bestaunen, die doch wieder so ganz anders als alles bisher Gesehene waren: viele geschmiedete Leuchter und Deko, Dinge aus Hirschhorn, dicke handgestrickte Pullover, Handschuhe, Strümpfe mit den typisch skandinavischen Motiven, handbemalte Keramik, Glaskunst, Silberschmuck … die Finnen sind bekannt für ihr Design, das sich eher nordisch kühl, eher zeitlos als verspielt zeigt. Schöne Dinge also, anzusehen ja – aber zu kaufen – nein. Die Preise waren nämlich ganz schön happig! Auch der Appetit auf Eis oder Kuchen verging uns: 3,90 bis 5 Euro pro Eiskugel, ein Croissant oder Berliner 2,50€. Das perfekte Land, nicht zum Naschen verführt zu werden! Und wir hielten durch!

Der prächtige Innenraum der Orthodoxen Kirche

Der prächtige Innenraum der Orthodoxen Kirche

Die prächtige Orthodoxe Kirche

Die prächtige Orthodoxe Kirche

Im Hafengebiet gibt es ein modernes Freibad mit Liegewiesen (Holzfläche), das gut besucht war. Einladende Cafés und Restaurants,  doch uns genügte der Blick auf die Preisliste: 0,5 l Bier für 8€, Speisen auch sehr teuer, – bald sind wir zurück im Baltikum und schlemmen nach Herzens-(und Geldbörsen-)Lust! Im Schnitt schien alles etwa doppelt so teuer zu sein wie in Deutschland, manchmal sogar noch teurer.

Leider war der wunderschöne Backsteinbau der orthodoxen Kirche geschlossen, Montag eben. Im imposanten Bahnhofsgebäude fanden wir das Touristenbüro und bekamen ein paar Tipps. Auf zum Wahrzeichen Helsinkis, dem Dom. Er thront weithin sichtbar am Senatsplatz über der Stadt und gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten. Dieses schneeweiße, riesige Kirchengebäude (evangelisches Gotteshaus) mit seinen vielen Stufen davor ist aber auch beeindruckend.

Fassade des Hauptbahnhofs

Fassade des Hauptbahnhofs

Die große Eingangshalle im Hauptbahnhof

Die große Eingangshalle im Hauptbahnhof

Domkirche und Riesenrad

Domkirche und Riesenrad

Domkirche von Helsinki

Domkirche von Helsinki

Überall herrschte ein Gedränge, auch Radler und Rollerfahrer mischten kräftig mit und als Fußgänger musste man schauen, wo man blieb. Völlig fertig von so einem Großstadtgewimmel schnappten wir uns den Bus Nr. 16, der uns zurück zu unserem Stellplatz nach Högholmen, etwas außerhalb und in Ruhe und Frieden gelegen, brachte. Diese Nacht schliefen wir – wie so oft – vorzüglich. Es war hier auch wunderbar ruhig.

Helsinki, Dienstag, 27. August 2019
Ausruhen, Berichte schreiben und Inselrundgang

Vielleicht steckte uns das gestrige frühe Aufstehen und auch die Hektik des gestrigen Tages noch in den Knochen. Jedenfalls beschlossen wir, uns heute nicht fort zu bewegen, sondern auszuruhen und ein bisschen an Berichten und Fotos zu arbeiten, und genau so machten wir es dann auch. Dazu eignete sich dieser Stellplatz bestens. Auch wenn dort eine ganze Menge weiterer Wohnmobile standen, war es dennoch sehr ruhig. Bis zum Abend, da drehten wir noch mal eine Runde durch den Wald und rund um die kleine Insel Högholmen, entlang der Schärenlandschaft und beobachteten am Himmel einen bunten Heißluftballon, der bei leichtem Wind sanft dahinschwebte. Durch das Teleobjektiv konnte Frederick sehen, dass sich 11 Personen im Korb befanden.

Schwimmende Sauna

Schwimmende Sauna

Schwierige finnische Sprache: "Privat - Betreten verboten"

Schwierige finnische Sprache: „Privat – Betreten verboten“

Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel befindet sich ein Hafenrestaurant mit Außengastronomie. Da wären wir ganz gern eingekehrt , aber auswärts zu essen verbot sich schon auf Grund der hohen Preise, wir sind doch nicht Krösus! So bereitete ich ein kleines Abendessen im Wohnmobil. Fernsehen war nicht möglich, da wir von hohen Bäumen auf der Südflanke umgeben waren. Dorthin richtet sich unsere Parabolschüssel immer aus. Wenn Bäume im Weg sind, gibt’s halt kein Fernsehen. Wir genossen den Abend auch so mit einem Becher Tee unten am Wasser.

Restaurant am Ufer des Sees

Restaurant am Ufer des Sees

Heißluftballon über Helsinki

Heißluftballon über Helsinki

Mittwoch, 28. August 2019
Atemberaubende Bibliothek, Inselbesuch und eine Felsenkirche

Die Pause hatte uns gut getan. Wir waren bereit zu neuen Schandtaten und nahmen an der nahe gelegenen Haltestelle den 11 Uhr-Bus (noch mal zwei 24-Stundentickets für 16 €) ins Zentrum. Da trafen wir doch gleich auf ein bekanntes Gesicht in der Fremde: Jean-Pierre,    -unseren Nachbarn vom Stellplatz zog es auch in die City. Er sprach ein bisschen Englisch, ein bisschen Deutsch und viel Französisch! Er erzählte uns, dass er und seine Frau für ein Jahr in Helsinki leben, im Sommer bis Ende September im Wohnmobil auf dem Stellplatz, ab Oktober bis April 2020 in einer angemieteten Wohnung. Es ging ihm gut: seine Frau hatte Arbeit … sie unterrichtet an einer Schule die französische Sprache und er wusste wohl, wie er von Montag bis Freitag (ihre Arbeitszeit) die Zeit gut herumbrachte. Tolles Arrangement, er musste selbst lachen, als er es uns erzählte. Seine Frau haben wir nie zu Gesicht bekommen, morgens aus dem Haus (Wohnmobil) zur Arbeit, abends zurück.

Gildezeichen

Gildezeichen

Helsinkis moderne Bibliothek "Oodi"

Helsinkis moderne Bibliothek „Oodi“

Nachbar Jean-Pierre

Nachbar Jean-Pierre

Er gab uns den Tipp, dass es um 12 Uhr ein Jazz-Konzert im Bahnhofsgebäude geben sollte, Eintritt frei. Wir erkundigten uns noch einmal danach im Touristenbüro und bekamen Vorschläge für weitere Besichtigungen. Als da sind: Das überragende, sensationelle, fantastische, einmalige Gebäude der Central Bibliothek Oodi (LINK). Ich schreibe mal die Straße dazu, damit ihr mal einen Eindruck von der finnischen Sprache bekommt: Töölönlahdenkatu 4, (zum Glück nicht weit vom Bahnhof entfernt – und HIER spielte die Musik, die Jazz-Band!). Auch sollten wir uns unbedingt die Temppeliaukio-Kirche (Felsen-Kirche) anschauen, eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Helsinkis.

Mit Oodi, eröffnet im Dezember 2018, wurden Träume und Wünsche der Bevölkerung umgesetzt. Der finnische Präsident Sauli Ninistö hatte in seiner Eröffnungsrede gesagt: „An der Tür dieser Bibliothek sollte ein Warnschild angebracht werden: Hier wirst du mehr Zeit verbringen als du gedacht hast.“ Eigentlich ist dieser Bau nicht zu beschreiben. Schaut Euch Fredericks Fotos an, vielleicht vermitteln sie einen kleinen Eindruck, sonst mal selbst unter LINK b-u-b.de schauen, es ist eben soviel mehr als nur ein Gebäude. Auf drei Stockwerken ist es Kino, Spielfläche für Kinder und Familien, Konzertsaal, Café und Restaurant mit Dachterrasse, Arbeits- und Ruheplatz, und und und … Das kostenlose Jazz-Konzert im Kino hatten wir zeitlich leider verpasst, trafen aber noch einmal auf Jean-Pierre und seine Freunde.

Spektakuläre Wendeltreppe in der Bibliothek

Spektakuläre Wendeltreppe in der Bibliothek

Großraum in der obersten Etage der Bibliothek

Großraum in der obersten Etage der Bibliothek

Ausflug per Boot nach Suomenlinna

Vom Kiosk in der Markthalle besorgten wir uns  (günstige!) Verpflegung und fuhren mit der Fähre (die ist bereits mit dem Busticket bezahlt, aber wir brauchten gar nichts vorzuzeigen) nach Suomenlinna = Finnenburg, auf Schwedisch Sveaborg = Schwedenburg, – können die sich mal auf etwas einigen? – eine kleine Schiffstour von etwa 15 Minuten. Es ist eine im 18. Jahrhundert entstandene Festung. Sie liegt vor der finnischen Hauptstadt auf mehreren miteinander verbundenen Inseln und ist ein weiteres interessantes Touristenziel (900.000 Besucher pro Jahr!). Die Einheimischen nennen es „Gibraltar des Nordens“. Zeugt ja auch schon mal von einer besonderen Art von Humor.

Fahrt zur Insel Suomenlinna

Fahrt zur Insel Suomenlinna

Suomenlinna - Sveaborg Fähre

Suomenlinna – Sveaborg Fähre

Die Festung entstand um das Jahr 1748, wurde als Schutz vor Peter dem Großen und Russlands Machtansprüchen gebaut. Heute ist es ein Natur- und natürlich auch Geschichtserlebnis, dort zu wandern und alles zu erkunden. Die Anlage steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Es gibt etliche alte Mauern und Befestigungen, Bunker und rostige Kanonen zu bestaunen. Sogar ein U-Boot war auf der Insel aufgebockt und konnte besichtigt werden. Daran waren wir aber nicht interessiert, wohlwissend, was das für eine Kriecherei ist … haben wir doch eines in Laboe bei Kiel.

U-Boot Vesikko als Museumsschiff

U-Boot Vesikko als Museumsschiff

Gewaltige Kanone - kann man auf dem Bild nicht so recht erkennen

Gewaltige Kanone – kann man auf dem Bild gar nicht so recht erkennen

Und immer wieder hat man den Blick aufs Wasser und auf die Schärenlandschaft, einfach schön. Auch hier sind Cafés und genügend Museen angesiedelt, so dass niemandem langweilig wird. Wir verbrachten gute drei Stunden auf der Insel (an sich sind es ja mehrere durch Brücken verbundene Inseln), bevor die Fähre uns wieder in die Stadt zurückbrachte. Während der Rückfahrt gelangen Frederick noch einige schöne Fotos von Helsinki, da die Sonne sehr gut stand.

Helsinki Südhafen.

Helsinki Südhafen.

Hafenspeicher und Orthodoxe Kirche

Hafenspeicher und Orthodoxe Kirche

Zurück in Helsinki, marschierten wir als nächstes zur Felsenkirche, die zu besichtigen uns wärmstens empfohlen worden war. Zu dieser Kirche: Bereits in den 1930er Jahren gab es Ideen, auf dem Tempelberg eine Kirche zu errichten. Die Grundfläche wurde direkt in den Felsen gesprengt. Der außergewöhnliche Bau wurde 1969 fertig gestellt und erinnert an eine Höhlenkirche aus dem Mittelalter. Eine architektonische Meisterleistung. Die kupferne Dachkuppel, die Anordnung der Fenster, einfach unbeschreiblich schön.

Innenraum der Felsenkirche

Innenraum der Felsenkirche

Eingang zur Felsenkirche - sieht von außen eher wie ein Bunker aus

Eingang zur Felsenkirche – sieht von außen eher wie ein Bunker aus

Wir waren restlos begeistert und beeindruckt, hörten gerade noch den Rest eines Orgelkonzerts und bekamen so die fantastische Akustik mit. Wikipedia Link

Die Kamppi-Kapelle der Stille, fast liefen wir so an ihr vorbei, dachten, es wäre „nur“ eine große Holzskulptur. Nicht weit entfernt vom Hauptbahnhof steht dieser Bau, der wie eine Schale aus Holz aussieht. Im 10 m hohen Kirchenraum umfängt einen ein warmes Licht, alles ist schlicht in hellem Holz gehalten, die paar Sitzbänke, die inneren Wände. Eine faszinierende Atmosphäre und wahrhaftig ein Ruhepool in der hektischen Umgebung. Leider darf man nicht fotografieren, deshalb auch hier ein Link Kamppi Kapelle.

Traditionssegler im Helsinki Hafen

Traditionssegler im Helsinki Hafen

Die Kamppi Kapelle

Die Kamppi-Kapelle

Wir sind froh, dass wir diese drei so völlig anders gestalteten und ungewöhnlichen Bauten, dh. Oodi Bibliothek, Felsenkirche und Kamppi -Kapelle einmal gesehen haben. Irgendwie ticken die Finnen anders, für besonderes Design sind sie ja lange bekannt. Hier wurde uns das bestätigt.

Auf dem mühevollen Rückweg (runde Füße und Hunger wollten einfach nicht zusammenpassen!) schauten wir noch an den verschiedenen Shops vorbei – wirklich NUR vorbei …

Marimekko, 1951 gegründet, Bekleidung und Haushaltswaren, bekannt für seine zeitlosen Muster und funktionellen Produkte, jedes Stück für mich zu teuer!

Ittala, einst als Glashütte im Jahr 1881 gegründet, eine weitere finnische Design-Marke, die sich auf Küchengeschirr, Glaswaren/-kunst, Keramik und besondere Objekte spezialisiert hat, auch hier – seufz, so viele tolle und wunderschöne Dinge, aber leider zu teuer (und unsere Schränke sind bereits voll).

Arabia, die finnische Keramikfabrik stellt Produkte aus Keramik und Porzellan (teilweise handbemalt) sowie Einrichtungsgegenstände und Geschenkartikel her. Auch diese Firma reicht weit zurück im Bewusstsein der Finnen (und weltweit der Liebhaber von besonders schönem Porzellan): gegründet 1873. Angesichts der Preise hier verzichtete ich auf Fredericks Angebot, am Abreisetag noch mal im Outlet-Shop der drei Firmen reinzuschauen. Der bekam übrigens auch eine schlechte Presse im Netz, der Shop! Aber wir konnten uns an den präsentierten hübschen Dingen auch so erfreuen, man muss wirklich nicht alles haben …

Von Ernst (getroffen in Liepaja) hatten wir den Tipp bekommen, in der Fastfood-Kette Day to Day essen zu fassen. Dafür waren wir gegen 19 Uhr auch reif, zwei „kleine“ Pizzen, die sich als groß wie Wagenräder herausstellten, und kostenloses Wasser dazu, wir bezahlten 13€ und das im teuren Helsinki! Das war doch mal ein Wort! Die Bushaltestelle war glücklicherweise in der Nähe und wir nahmen die Nr. 16 wieder zurück zum Stellplatz. Toller Tag, tolles Helsinki!

Donnerstag, 29. August 2019
Abreise mit Hindernissen

Unser Wasservorrat neigte sich zwar dem Ende zu, aber zum Duschen vor dem Frühstück reichte es noch. Von Jean-Pierre hatten wir den Tipp bekommen, zum nahe gelegenen Campingplatz zu fahren um dort Frischwasser zu bunkern und die Toilettenkassette zu entleeren. Er machte das etwa alle drei Tage so, weil sie ja auf dem Stellplatz lebten. 2 € sollte das kosten, dafür hatten wir in Kolberg/Polen schon mal 8€ bezahlt, war bestimmt besonderes Wasser!

Wir verbummelten irgendwie den Morgen und kamen holter di polter erst um 11.20 Uhr los, die Fähre legte um 13 Uhr ab. Wir mussten ja noch zum Campingplatz und die Dinge erledigen! Das ging denn auch alles zügig und kurz nach 12 Uhr waren wir am Fährhafen. Auch hier  keine ausreichende deutliche Beschilderung, so standen wir schließlich auf einer Spur in Richtung Fähre vor einer Schranke, die sich partout nicht öffnete. Wir wollten aber partout dort hin und warteten und warteten, bis der Trucker-Fahrer hinter uns an unsere Fensterscheibe klopfte und uns erklärte, dass wir in der falschen Spur stünden, die wäre nur für die LKW’s. Im selben Moment kam ein Angestellter des Fährterminals zu uns und wies uns ebenso darauf hin. Er beschrieb dann genau, wo wir hinfahren sollten. Also völlig raus aus diesem Gelände und ein paar Straßenzüge weiter. Das fanden wir zwar schnell, hier war die Beschilderung auch schon besser, aber was nützte es uns denn erst dort? Wäre angebrachter auf den Vor-Wegweisern gewesen …

Nun stellten wir uns um 12.20 Uhr als erstes Fahrzeug vor dem geschlossenen Tor auf, nebenan gab es noch ein paar Spuren mit Autos, die aber mit anderen Fähranbietern zu anderen Zielen fahren wollten. Wir warteten, bis es Frederick zu bunt wurde und er beim Fährterminal anrief. Die waren nicht sehr hilfreich, meinten, das Einchecken wäre bereits um 12 Uhr beendet worden, Frederick möge sich bei Tallink wegen unserer Fähren-Buchung melden. Gesagt – getan: Frederick erklärte den Sachverhalt, aber es gab kein Erbarmen, exakt EINE STUNDE vor der Abfahrt ist das Einchecken beendet. So ein Mist! Fähre verpasst! Das haben wir so noch nie erlebt.

Wie häufig sind wir schon mit Fähren unterwegs gewesen, immer war es möglich, bis ganz kurz vor dem Ablegen noch an Bord zu kommen (Berte, Du erinnerst Dich an unsere Höllenfahrt in Dünkirchen, sieben Minuten vor Ablegen der Fähre nach Dover …). Auf dem Herweg, in Muuga waren wir auch erst 45 Minuten vorher am Terminal und das Einchecken war kein Problem gewesen. In Dünkirchen kamen wir einmal erst 7 bzw. 15 Minuten vor Abfahrt an und wurden trotzdem mitgenommen.

Nach kurzer Diskussion taten wir der Dame am anderen Ende der Leitung wohl leid und sie bot uns – nach Rücksprache mit ihrem Supervisor (Neudeutsch für Chef) die Nacht-Fähre um 11.30 Uhr an, ohne Umbuchungsgebühr oder Aufpreis. Das war ja sehr nett, damit konnten wir gut leben.Wir fanden einen kleinen Parkplatz am Wald, nicht weit vom Fährterminal entfernt und achteten höllisch auf die Uhrzeit. Eine gute Stunde vor Abfahrt wollten wir dieses Mal dort sein – damit uns sowas Dummes nicht noch mal passierte. Das klappte dann auch alles gut, wir waren das erste Fahrzeug, das beim Einschecken vor der Schranke stand.

Mit Kissen und einer Decke bewaffnet begaben wir uns pünktlich an Bord. Die besten Liegeplätze (Sitzecken) waren schon belegt, wir mussten uns mit den Sesseln zufrieden geben, auf denen man weiß Gott nicht gemütlich schlafen kann. Also legten wir uns, wie einige andere Fahrgäste, einfach auf den Boden und schliefen (es war um Mitternacht) mehr schlecht als recht in den 3 ½ Stunden der Überfahrt.

Helsinki - Vuosaari - Muuga - Tallinn

Helsinki – Vuosaari – Muuga – Tallinn

Nächtliche Ankunft in Riga

Nächtliche Ankunft in Riga

Kurz vor drei Uhr morgens ertönte die Stimme aus dem Lautsprecher  und weckte uns: bitte alle zu den Fahrzeugen, Schiff ist im Hafen von Muuga angekommen!
Frederick hatte auf der „Park4Night“ App einen Parkplatz für den Rest des frühen Morgens herausgesucht, schließlich war es 3.15 Uhr, also nachtschlafende Zeit. 12 Minuten sollte die Fahrt vom Hafen dorthin dauern. Etwas länger zog es sich dann doch hin, ehe wir dort ankamen. Wir wunderten uns, wohin das Navi uns lenkte: mitten durch die Stadt und witziger Weise genau in die Straße, wo wir schon bei unserem ersten Tallinn-Besuch geparkt hatten! Nämlich in einer der Geschäftsstraßen, die wegen Bauarbeiten zur Zeit für die Durchfahrt gesperrt war. Für ein paar Stunden Schlaf sollte es reichen, bis die Stadtreinigung gegen 7 Uhr mit ihren Fahrzeugen loslegte.

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    Claus-D. Aßmann
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    Hallo Dethleffs!
    Helsinki ist immer ein Reise wert! Wenn auch teuer und die Preise für das Grundbedürfnis „Essen und Trinken“ habbig sind (..ich muß Euch hier leider korrigieren,
    habbig schreibt man mit 2 „b“, kommt von Habbe!), ähhh…so hat das doch immerhin den Vorteil des „Schlankessens“, im Gegensatz zur Völlerei in den billigen Ländern! So muß man das sehen…
    Ich bin mir mit der Beurteilung der Wichtigkeit Helsinkis, den Tourismus betreffend, nicht so sicher. Wir meinen, es ist das intensive Naturerlebnis und die manchmal exotischen Gewohnheiten der Menschen dort, (z.B. die Vorliebe für den Tango, Teppichwaschen im See, Birkenzweigschlägereien beim Saunieren, ungewöhnliche Verbundenheit mit den Deutschen, rituellen Nationalstolz, Mittsommernachtfeier am See mit Kind und Kegel und Stockwurst über dem Lagerfeuer usw.), das ist es, was die Besucher des Landes erleben wollen – neben der besonderen Stadt Helsinki.
    Helga und ich haben vor Jahren eine Reise durch Finnland mit eigenem Auto und vorgebuchten Hotels („Finnland – natürlich!“) gemacht, wobei „natürlich“ wörtlich im Sinne von Natur gemeint war – Finnland, das „Land der tausend Seen“. Wir haben fast alles gesehen, was das Land ausmacht – leider keinen einzigen Elch!
    Aber Helsinki gleich 2x. Am Tage der Ankunft mit dem Schiff und am Ende der Reise, einen weiteren Tag lang. Da teilen wir Eure Meinung über die Stadt 1:1.
    Noch ein Tip zu guter letzt: Für Bäume, die das Fernsehen einschränken oder gar unmöglich machen, sollten Wohnmobilisten immer auch eine Kettensäge an Bord vorhalten! Ein Tag ohne „Bares für Rares“ geht gar nicht! Und : Größenverhältnisse im Foto darzustellen ist schwierig. Als Hilfsmittel haben sich da die Partner bewährt, indem man sie unmittelbar daneben stellt. In manchen Fällen kann die zusätzliche Angabe der Körpergröße des Statisten in cm hilfreich sein…
    Gute Reise weiterhin, wünscht Euch
    Assi

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