Inseln Saaremaa und Muhu

 In Estland

Kuivastu, Sonntag, 1. September 2019
Schwierigkeiten mit der Wäsche

Nach der Ablehnung durch den Hafenmeister in Haapsalu, dort unsere Wäsche zu waschen, wurde es langsam kritisch im Hinblick auf frische Wäsche für uns. Wir mussten eine Lösung finden. Da wir auf die Insel Saaremaa wollten, hatte Frederick einen Kleinboothafen in Kuivastu auf der Insel Muhu ausgemacht, mit dem Hafenmeister telefoniert und bestätigt bekommen, dass wir dort unsere Wäsche waschen konnten. Um nach Saaremaa, unserem eigentlichen Reiseziel, zu kommen,  muss man über Muhu,  und zwar mit der Fähre vom Festlandhafen Virtsu nach Kuivastu auf Muhu. Frederick hatte das Ticket (12€ Einzelfahrt) per Internet für 15 Uhr gebucht. Wir erreichten den Hafen schon nach einer knappen Stunde und wurden auf die 14 Uhr Fähre gelassen. An Bord dieses schicken und ganz offenbar neuen Schiffes war eine große deutsche Radfahrer-Truppe, alle durchweg in unserem Alter. Ich sprach eine Dame an und sie erzählte, dass die Gruppe fast täglich an die 70 km fährt. Drei Wochen lang sind sie unterwegs im Baltikum. Allerdings radelten sie an einigen Tagen gar nicht, sondern wären per Zug oder Bus unterwegs. Ich zollte ihnen jeden Respekt, drei Wochen lang mit so einer zusammen gewürfelten Truppe von Individualisten …

An Bord wurde ein Mittagessen angeboten, es roch lecker nach Sauerkraut und Schweinebraten und Röstkartoffeln, endlich mal was Vernünftiges, dachte Frederick und ließ sich gern verlocken (ich auch). Wir bezahlten einschließlich einer Flasche Wasser 17€, so günstig und lecker haben wir noch nie auf einem Schiff gegessen, Hausmannskost eben! Nach gut einer halben Stunde war die Fähre schon in Kuivastu.

Haapsalu - Kuivastu (Muhu)

Haapsalu – Kuivastu (Muhu)

Einfahrt in den kleinen Hafen Kuivastu auf Muhu

Einfahrt in den kleinen Hafen Kuivastu auf Muhu

Wir parkten das Wohnmobil am Yachthafen und suchten den Hafenmeister auf. Dieser entpuppte sich als sehr hilfreich und freundlich und besserte den Ruf von Hafenmeistern wieder auf! Eine Wäscheladung von 5 kg (leider nur eine kleine Wasch- und zugleich Trockenmaschine modernster Art) kostete komplett 5,50 €. Der Hafenmeister sprach ein bisschen Englisch und für ihn war nichts ein Problem, wir konnten – ein Wasch-/Trockengang dauerte leider 2 1/2 Stunden – die Maschine bis zum Abend nutzen. Er selbst hatte keine Ahnung, wie das Ding zu bedienen war. Wir schauten in die Anleitung (auf Englisch), hatten aber ziemliche Probleme, nach dem Waschgang die Tür öffnen zu können.Irgendwann klappte es endlich, (Zeitverzögerung) und wir befanden, dass das Wäsche trocknen in so einer Maschine ziemlich witzlos ist. Nur ein geringer Teil lässt sich trocknen und man muss die gesamte Waschladung dann aufteilen (gähn – das kostet immens Zeit).

Gegen 20 Uhr war es Zeit, mit der ganzen Aktion aufzuhören und auf den vorher ausgesuchten „Park4Night“ Stellplatz im nahen Liiva zu fahren (zehn Minuten entfernt) und unsere Wascherei am nächsten Tag fortzusetzen.

Muhu, die drittgrößte der Moonsund-Inseln macht einen sehr guten Eindruck: Die Einwohnerzahl ist überschaubar (ca. 1480). Es ist – wie überall in Estland – sehr sauber hier und sehr gepflegt.  Die Insel ist Teil eines Biosphärenreservats der UNESCO. Rechts und links der Hauptstraße, die nach Saaremaa führt, sieht man nur Wald und ein paar Holzhäuser. Im Ort Liiva gibt es einen modernen Coop-Laden und ein kleines Zentrum mit Souvenir-, Fischräucherei- und Bäckerladen. Wir vertraten uns um 21 Uhr noch mal die Beine und liefen an der schönen weißen Katharinen-Kirche vorbei (fürs Foto leider schon zu dunkel)zum Coop. Der hat tolle Öffnungszeiten: bis 22 Uhr! Wir kauften ein paar Dinge. Die anderen Läden waren bereits geschlossen. Über den Bäckerladen hatte Frederick in „Park4Night“ gelesen. Mehrere Schreiberlinge hatten auf diesen Laden und das fantastische leckere Roggenbrot, das es dort zu kaufen gibt, hingewiesen. Das also morgen, zum Frühstück, hoffentlich.

Traditionell dekorierte Schuhskulpturen in Liiva

Traditionell dekorierte Schuhskulpturen in Liiva

Fast komplett vermooste Natursteinmauer bei der Kirche in Liiva

Fast komplett vermooste Natursteinmauer bei der Kirche in Liiva

Kuivastu, Montag, 2. September 2019
Einen ganzen Tag lang Wäschewaschen

Früh klingelte der Wecker, hatten wir dem Hafenmeister doch zugesagt, wieder um 8 Uhr auf der Matte zu stehen für unsere restlichen Waschladungen. Frederick hatte am Tag zuvor schon die brillante Idee gehabt, eine Leine zu spannen und Wäsche dort zum Nachtrocknen aufzuhängen.
Ohne zu frühstücken fuhren wir zuerst beim Bäcker vorbei und kauften eines dieser sagenumwobenen Schwarzbrote fürs Frühstück. – Der Hausmeister lachte, als wir weitere 16,50 € bezahlten und meinte, wir würden ja wohl den ganzen Tag bei ihm vor Ort sein, einschließlich Ostseeluft-getrockneter Wäsche …

Ich fand das alles nicht toll, ein Königreich für eine Waschmaschine, eine Frau ohne Waschmaschine ist wie ein Honigbrot ohne Honig, ein Apfelstrudel ohne Apfel, ein Berliner ohne Marmelade. Ich fand diese langen Wasch- und Trockenphasen richtig blöd und die Laune sank von Stufe zu Stufe. Das gesamte Wohnmobil-Innere war mit Wäsche zum Nachtrocknen dekoriert! Es wird mir eine Lehre sein, wir müssen in Zukunft eben doch nach einer Waschmöglichkeit MIT normalem Trockner suchen! Wenn es nur so einfach wäre hier im Baltikum!

Allein das Frühstück mit dem frischen und wirklich leckeren Brot besänftigte mich ein wenig. Frederick stört alles wenig, er ist froh, wenn er mit seiner Fotobearbeitung hinterher kommt und freut sich über diese Stillstandsmomente … So verbringen wir also Stunde um Stunde, beherrschen schließlich die Technik der Waschmaschine aus dem Eff-Eff. Draußen aufhängen geht heute nicht, da Regen, jedenfalls bis 15 Uhr. Danach haben wir dann noch einmal Wäsche aufgehängt.Trotzdem will uns nicht in den Kopf, weshalb man für einen so kleinen Yachthafen eine 1a-sanitäre Anlage baut mit den schicksten Fliesen und nur so kurz darüber nachdenkt, dass der Segler (oft auch mit Kindern unterwegs) eine große Waschmaschine und einen großen Trockner braucht.

Unsere Wäsche auf der Leine im Yachthafen

Unsere Wäsche auf der Leine im Yachthafen

Leckeres Rukkileib "Roggenbrot"

Leckeres Rukkileib „Roggenbrot“

18.30  Uhr, endlich durch mit allem!

Nachdem wir uns noch einmal beim netten Harbourmaster für seine große Hilfsbereitschaft (er hatte uns außerdem mit deutschsprachigen Touristenbroschüren versorgt) mit einer Tafel Schokolade bedankt hatten, konnten wir gegen 18.30 Uhr endlich weiterfahren. Wir durchquerten also die Insel Muhu, fuhren dann über einen schmalen Damm (besteht seit 1896) nach Saaremaa, der größten der ca. 1500 estnischen Inseln. Von Tallinn kann man in dieses Naturparadies sogar fliegen. Wir benötigten eine knappe Stunde Fahrtzeit bis Kuressaare, der gemütlichen Inselhauptstadt. Unser „Park4Night“ Stellplatz liegt fußläufig zur Innenstadt und beinahe in Sichtnähe (wenn die großen Bäume nicht davor wären) zur Bischofsburg Kuressaare (deutsch: Arensburg) aus dem 14. Jahrhundert. Mit diesem Platz – allein auf weiter Flur inmitten einer grünen gepflegten Landschaft – waren wir mehr als zufrieden.

Stellplatz nahe der Burg in Kuressare

Stellplatz nahe der Burg in Kuressare

Kuivista -Liiva - Kuressaare (Arensburg)

Kuivista -Liiva – Kuressaare (Arensburg)

Es war ein schöner Abend, Beine vertreten war angesagt und wir liefen los, um uns mit unserem neuen Umfeld vertraut zu machen. Wir umrundeten die Bischofsburg. Die gesamte Anlage ist einmalig schön restauriert, jeden Moment erwartet man, dass Dornröschen oder sonst irgendeine Märchenprinzessin um die Ecke biegt oder mit Gefolge auf den Platz im Innenhof tritt … das abendliche Licht tat ein Übriges und freute den Fotografen Frederick, auch ohne Märchenprinzessin.

Bischofsburg in Kuressaare

Bischofsburg in Kuressaare

Bischofsburg in Kuressaare im Abendlicht

Bischofsburg in Kuressaare im Abendlicht

Nicht über sieben, sondern über zwei Brücken ist von hier aus das Zentrum von Kuressaare zu erreichen. Dass die Stadt etwa 16.000 Einwohner hat, ist ihr nicht anzumerken. Es war so gut wie nichts los, Saisonende eben. Wir spazierten durch die Hauptstraße, in der Bauarbeiten im Gange sind: ein neuer Straßenbelag vom Feinsten wird hier gelegt (graue Granitsteine). Ein Restaurant reiht sich ans nächste, Cafés, Bistros, das hübsche Hotel Arensburg und weitere Wellness-Tempel. Alle warten auf Kundschaft. Sorry, wir sind mit dem Wohnmobil hier und kochen selbst, heute Abend jedenfalls. Ein Blick auf das Preisgefüge bestätigte uns darin noch mehr. Ein Glas Wein für 6€, Speisen 10 bis 15€, fast deutsche Preise. Wir stellten noch einmal fest, dass man sich am besten und günstigsten in Litauen verpflegen (lassen) kann.

Zentraler Marktplatz in Kuressaare

Zentraler Marktplatz in Kuressaare

Kiosk im Park

Kiosk im Park

Ein interessantes Gebäude, das sich als hochmodern gestaltetes Erlebnismuseum (Thule Koda, in diesem Jahr eröffnet) und Kino entpuppte, erweckte unsere Aufmerksamkeit. Eine gute Gelegenheit, den neuesten Brad Pitt/Leonardo di Caprio Film zu sehen: „Es war einmal in Hollywood“ – Once upon a Time in Hollywood, Regisseur Quentin Tarantino. Es ist ein Glück für uns, dass die Filme hier mit Untertiteln in der Landessprache gezeigt werden, also im Originalton auf englisch! Den Kinobesuch nahmen wir uns für den nächsten Tag vor, und wir kehrten erstmal zurück zum Wohnmobil und machten es uns hier gemütlich mit einem kleinen Abendessen.

Kuressare, Dienstag, 3. September 2019
Gescheiterte Burgbesichtigung

Herrlich ruhig war es über Nacht, gut ausgeschlafen und gefrühstückt liefen wir gegen halb elf rüber zur Burg. Doch welch eine Enttäuschung: In der Nachsaison (ab 1.9.) ist montags UND dienstags geschlossen. Naja, nicht weiter schlimm, hier gab es noch genug anderes zu sehen. Zum Beispiel die gesamte Burganlage mit Wall, Burggraben und hohen handwerklich einmalig wieder aufgebauten Mauern aus Felssteinen. Alles war frei zugänglich. Der Nachbau einer Windmühle (Bockwindmühle) war ebenso sehenswert. Es gab einmal etwa 800 solcher Getreidemühlen auf Saaremaa, beinahe jeder größere Hof besaß seine eigene.

Nordöstlicher Wehrturm

Nordöstlicher Wehrturm

Burggraben und Befestigungswall

Burggraben und Befestigungswall

Bockwindmühle

Bockwindmühle

Südlich von der Burg gelegen ist ein traumhafter Badeplatz eingerichtet, er dehnt sich aus ins offene Meer der Ostsee. Ein Sandstrand ist aufgeschüttet, Spielmöglichkeiten für Kinder und Sportler (Beachvolleyball-Feld), nicht weit entfernt davon ein Fußballplatz und am Ende der Straße eine Tennishalle, was will man mehr?

Ein paar Schritte weiter gelangten wir zum kleinen Yachthafen, auch diese Anlage (Gelder aus der EU) sah nagelneu aus und war sehr gepflegt, wie der ganze Ort. Im Zentrum, das in 15 Minuten von unserem Stellplatz zu erreichen ist, klapperten wir die Souvenirläden ab. Im Angebot sind Strickwaren, Tierfelle und viele Dinge aus Holz. Wir kauften ein paar Buttermesser aus Juniper (Wachholderholz). Die Herstellung der Buttermesser hatten wir im NDR Programm „Von Riga bis Tallinn“, gesprochen von Volker Lechtenbrink gesehen. Über diese aus Wacholderholz gefertigten Messer, Kellen und Gefäße stolpert man hier an allen Ecken und sie sind ein nettes kleines Mitbringsel für die daheim Gebliebenen. Die angebotenen Kunstobjekte (Ölbilder, Dinge aus Glas und Keramik, fantasievoller Schmuck) gefielen uns entweder nicht, waren uns zu teuer oder zum Mitnehmen im Wohnmobil nicht gerade eignet (Gewicht!).

Ausflugssegler im Yachthafen von Kuressaare

Ausflugssegler im Yachthafen von Kuressaare

Kuressaare Strand

Kuressaare Strand

Im modernen Supermarkt Coop kauften wir einige Dinge ein. Wir finden die Leute hier doch eher zurückhaltend und abwartend, mit dem Englischen kommt man auch nicht allzu weit. Aber bei der Dame im Touristenbüro klappte es, sie war nahezu perfekt und schlug uns die Besichtigung des Rathauses vor (in dem die Touristinfo untergebracht ist). Waren wir höchst beeindruckt von den restaurierten Parkettfußböden, dem Sitzungssaal des Stadtrates sowie einer Galerie.

Eingangshalle im Rathaus

Eingangshalle im Rathaus

Der Sitzungssaal des Stadtrats im Rathaus

Der Sitzungssaal des Stadtrats im Rathaus

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Wohnmobil noch einmal los zu einer (vermeintlichen) Strandwanderung. Die nette Dame in der Touristinfo hatte uns grob gezeigt, wo der nächste Streand aufzufinden war. Nur wenige Hauptstraßen sind asphaltiert, die übrigen sind Schotterstraßen. Deshalb verzichteten wir auf große Erkundungstouren, sondern folgten der groben Beschreibung einer kleinen Übersichtskarte der Insel. Leider kriegten wir nicht die richtige Kurve, hatten aber wenigstens über die 40 km lange Tour (hin und zurück!) noch mal was anderes von der Insel gesehen: kleine Siedlungen und hübsche Holzhäuser, Natur pur mit Kiefern- und Birkenwälder, Wadholderheiden, den kleinen Flugplatz und den modernen Fährhafen (Fähren nach Rohnu und Abruka, weiteren Inseln). Mit Saaremaas Geschichte wollten wir uns am nächsten Tag vertraut machen, beim Besuch der Burg.

Kuressaare, Mittwoch, 4. September 2019
Endlich die Burgbesichtigung

Die ganze Nacht über hatte es geregnet, am Morgen war es immer noch Schauerwetter. Das hielt unsere deutschen Nachbarn, auf dem Platz, Paderborner Autokennzeichen, nicht davon ab, ihre e-Bikes hervorzuholen und mit dem kleinen Hund im Körbchen auch tatsächlich loszufahren. Kaum um die Ecke, schüttete es aus allen Eimern! Uns störte das nicht, wir frühstückten gemütlich, machte Dornröschen doch ihr Schloss erst ab 11 Uhr den Besuchern zugänglich.

Drei sehr schöne Holzvillen an der Nordseite der Burg

Drei sehr schöne Holzvillen an der Nordseite der Burg

Die Nordfassade der Bischofsburg

Die Nordfassade der Bischofsburg

Wir verbrachten beinahe drei Stunden in der Burg! Es würde eine Fortsetzung des Buches „Krieg und Frieden“ (Leo Tolstoi), machte ich auch nur den Versuch, das Gelesene und Gesehene hier weiterzugeben. Hier also eine Kurzversion: Die Arensburg wurde um 1560 als mittelalterliche Schutzburg erbaut (Bischofsperiode), )um 1612 bis 1645 während der Dänischen Besatzung umgebaut und ergänzt, 1676 bis ca. Anfang 1700 durch die Schweden modernisiert. Im Großen Nordischen Krieg (in Nord-, Mittel- und Osteuropa geführter Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum) wurde die Burg durch die Russen stark demoliert, 1711 sprengten ihre Truppen die Bastionen und den Kanonenturm. Die schwedischen Machthaber waren durch eine Pestepidemie stark geschwächt— (bis zum Ende des Ende des Zarenreiches im Jahr 1917 reichte die russische Herrschaft).

Nach und nach hatte die Kuressaare Verteidigungsanlage ihre Wichtigkeit verloren und Russland verkaufte sie 1836 an die Saaremaa Ritterschaft. Die Burg wurde nun für zivile Zwecke (Verwaltung) genutzt. Im Ersten Weltkrieg war Saaremaa ein wichtiger Stützpunkt der russischen Flotte, Ende 1917 aber wurde die Insel von den Deutschen erobert und wurde 1918 mit der Erlangung der Unabhängigkeit Teil Estlands.

1939 kam es als Folge des Ribbentrop – Molotow Vertrages erneut zu einer Stationierung sowjetischen Militärs, was wieder einer Besetzung Estlands gleich kam. Der Zweite Weltkrieg brachte wie überall in Europa viel Leid auf die Insel. 1941 bis 1944 war sie von Deutschen besetzt, danach wieder von sowjetischem Militär. Erst 1991 erlangte Saaremaa mit der erneuten estnischen Unabhängigkeitserklärung das Recht auf Selbstbestimmung und -entwicklung.

Purtse Restaurant am Burggraben

Purtse Restaurant am Burggraben

Darstellung der Fischereigeschichte Estlands

Darstellung der Fischereigeschichte Estlands

Alter Lanz Bulldog Trecker

Alter Lanz Bulldog Trecker

Sowjetischer Traktor

Sowjetischer Traktor

Über all dies wurden wir in der Burg auf zumeist auch in englischer Sprache gehaltenen Tafeln informiert. Die verschiedenen Räumlichkeiten waren mit Fund- und Ausstellungsstücken aus verschiedenen Epochen ausgestattet. Welch ein Glück, dass im obersten Stockwerk das kleine Café geöffnet hatte, das hatten wir dringend nötig nach so viel Geschichte, eine nette kleine Kaffeepause.

Rustikales Café im Burgturm

Rustikales Café im Burgturm

Zurück im Mittelalter (kleiner Spaß)

Zurück im Mittelalter (kleiner Spaß)

Das Wetter war wieder gut und wir drehten noch einmal eine längere Runde durch den Ort. Im Coop Supermarkt kauften wir nochmals ein paar Lebensmittel ein. Zurück am Platz, trafen wir auf unsere Nachbarn. Sie hatten ein ordentlich nasses Fell bekommen, im Zentrum keine Möglichkeit zum Unterstellen gefunden. Das hätten wir ihnen auch gleich sagen können …

Insel Muhu, Donnerstag, 5. September 2019
Museumsdorf Koguva

Eigentlich hatten wir nach dem Frühstück zu neuen Ufern aufbrechen wollen, waren sogar schon losgefahren. Dann aber fiel uns ein, dass ja ein Food Festival im Ort stattfinden sollte. Wir drehten bei fuhren zurück zu unserem Parkplatz und wollten gerade in die Stadt laufen, in der wir nun beinahe schon jeden Stein kannten. Dabei stießen wir auf zwei deutsche Wohnmobilfahrer aus Berlin und kamen in ein längeres Gespräch. Es ist immer schön, sich unterwegs mal austauschen zu können und wir nahmen den Vorschlag der beiden mit, auf unserem Rückweg über Muhu das kleine Freilichtmuseum in Koguva zu besichtigen.

Dann ab in die Stadt. Rein gar nichts war los. Die kleinen Marktstände waren nun, um 13 Uhr schon verwaist, es gab nur noch einige kunsthandwerkliche Holzartikel. Uns dämmerte, dass wir die Plakate wohl falsch interpretiert hatten. Nur ein paar der Restaurants nahmen am Food Festival teil und hatten bestimmte saisonale Leckereien im Angebot. Wir entschieden uns dann doch für die Abreise.

Nach einer knappen Stunde Fahrtzeit erreichten wir das kleine Museumsdorf Koguva. Es ist wirklich einen Abstecher wert. Für 4€ pro Person konnten wir uns über das Leben in vergangenen Zeiten gut informieren. Das Heimatmuseum (Geburtshaus des verehrten Schriftstellers Juhan Smuul) mit den historischen Gebäuden liegt inmitten des Ortes, wo Grundstücke und Häuser (allesamt im alten, traditionellen Stil erbaut). Außer den Gebäuden, die zum Smuul-Museum gehörten sind alle anderen Anwesen drumherum privat bewohnt und können nicht besichtigt werden. Ein Paradies für Kinder, die hier aufwachsen. Es ist der reinste Abenteuerplatz, mit großen Gärten und vielen Apfelbäumen. Bei den in Kisten angebotenen Äpfeln am Straßenrand darf man sich kostenlos bedienen.

Alte Werkstatt im Smuul Museum

Alte Werkstatt im Smuul Museum

Äpfel zum mitnehmen und traditioneller Schweinestall

Äpfel zum mitnehmen und traditioneller Schweinestall

Es gibt auch eine Galerie. Die nette Dame (sie heißt Mall (abgeleitet von Magdalena) dort sprach sehr gut Englisch und erklärte uns dies und das über Traditionen auf Muhu, zum Beispiel die Besonderheit der schönen gestickten (oder gemalten) Blumenmotive und der Farbe Orange, DIE Muhu-Farbe! Wieder wurden wir schwach bei den Buttermessern aus Wacholderhokz, die bei ihr nur 3€ kosteten, nun haben wir schon neun davon … Souvenirs für daheim Gebliebene. Wir tranken noch einen Kaffee bei ihr, wanderten anschließend zum winzigen Hafen (für die ortsansässigen Fischer und kleine Jachten), staunten über das große Restaurant (mit Pension) dort in the „Middle of nowhere“ oder „Walachei“ wie wir sagen würden und bewunderten die riesige Statue des beliebten Autors Juhan Smuul (1922 – 1971).

Statue von Juhan Smuul

Statue von Juhan Smuul

Mall und Anne

Mall und Anne

Galerie im Museumsdorf in Koguva

Galerie im Museumsdorf in Koguva

Nun wurde es aber Zeit, auf die Fähre zu kommen. Frederick buchte die Tickets online, wir hielten noch einmal am Yachthafen und fassten (im Regen!) 50l Wasser per 10l- Gießkanne. Ach, und da hing doch noch unsere Wäscheleine, die wir schlichtweg vergessen hatten! Jetzt nahmen wir sie wieder mit. Leider trafen wir unseren netten Hafenmeister nicht an, er hatte schon Feierabend gemacht.

Und dann ging es auch schon auf die Fähre, als vorletztes Fahrzeug. Vor uns hatte sich ein großer LKW breit gemacht, was hatte er an Bord? Ausgerechnet Schweine, ein Lebendtransport. Es stank bestialisch und drang durch alle Ritzen ins Wohnmobil. Zügig gingen wir – mit angehaltenem Atem – in den Salon, bestellten dieses Mal aber kein Essen, wie all die anderen hier, denn die Überfahrt dauert ja wirklich nur eine halbe Stunde. Adieu, Muhu!

Moderne Vistka - Kuivastu Fähre

Moderne Vistka – Kuivastu Fähre

Der kleine Hafen in Koguva

Der kleine Hafen in Koguva

Auf der anderen Seite angekommen und – Luft anhaltend – wieder in unserem Fahrzeug, mussten wir noch eine Weile hinter dem Schweinelaster herfahren. Bei uns im Wohnmobil stank es dermaßen, dass es kaum auszuhalten war. Nur die geöffneten Fenster, obwohl es kalt war, retteten uns. Zum Abendbrot in Pärnu, unserem Übernachtungsziel, hatten wir sowieso etwas Vegetarisches (Gemüsebratlinge und Salat) geplant, nach Borstenvieh und Schweinespeck stand uns so gar nicht der Sinn. Nachts regnete es wieder, aber morgens schien dann – wie gewohnt – die Sonne.

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