Pärnu

 In Estland

Pärnu, Samstag, 24. August 2019
Karambolage mit einem Strommast und eine deutsche Pferdezüchterin in Lettland

Nach den Einkäufen auf Rigas tollem Markt nahmen wir Fahrt auf nach Pärnu (deutsch Pernau), einer Hafenstadt in Estland (etwa 51.300 Einwohner). Es brauchte beinahe drei Stunden, zwar über recht gute Straßen, aber die Fahrkünste einiger Autofahrer auf dieser Strecke ließen zu wünschen übrig. So einige Male wurden wir rechts überholt und bekamen das eine oder andere Mal gefährliche Manöver mit. Unser Ziel war ein Stellplatz, der sowohl Ver- und Entsorgung wie Strom anbot. Strom war diesmal für uns wichtig, um unsere Bordbatterie nach dem Stromausfall in Riga wieder voll aufzuladen.

Nach Erreichen der Vororte von Pärnu wurde es immer voller auf den Straßen. Je mehr wir uns unserem Stellplatz näherten, desto schwieriger wurde das Vorwärtskommen. Kein Wunder, ist Parnü doch auch ein seit Jahren beliebtes Seebad. Später erfuhren wir aber, dass an diesem Wochenende ein internationales Reitturnier in den Dünen stattfand, der eigentliche Grund für die vollen Straßen. Das Problem, dass sich jetzt für uns darstellte, war, wegen des Trubels und der Straßensperrungen unser Stellplatzziel zu finden. Es gelang uns schließlich, zu der Adresse zu gelangen, ohne aber  eine Einfahrt zu erkennen. Denn der Stellplatz war der große Garten des Hotels „Villa Katarina“.

Also nochmals eine Runde drehen und es nochmal versuchen. Auf der vollgeparkten und recht engen Straße mit Gegenverkehr näherten wir uns der vermeintlichen Auffahrt, hielten aber etwas 100 m vorher an. Frederick fand eine Lücke am Straßenrand, gerade groß genug für unser Gefährt vorläufig zu parken. Er musste aber direkt am Bordstein parken, um den Verkehr nicht zu blockieren. Ich lief voraus, um die Auffahrt zur erkunden. Diese stellte sich dann als mit Bäumen fast zugewachsen und sehr eng heraus. Ich informierte Frederick, der sich dann – etwas zu schnell – aus der Parklücke herausmanövrierte, denn ein hässliches Geräusch stoppte jäh die Weiterfahrt.

Was war passiert? Durch das, wegen der engen Parksituation notwendige starke Ausschwenken, schrammte der hintere Teil der Markise gegen einen direkt am Bordstein stehenden Strommast (aus Holz), den Frederick nicht auf der Rechnung hatte. Nun gab es weder ein Vor noch ein Zurück. Beides versprach weiteren Schaden. Frederick stieg aus und machte sich ein Bild von der Situation. Glücklicherweise war noch etwas Luft zwischen dem vor uns geparktem Fahrzeug und unserem rechten Vorderrad war Daher schwenkte Frederick etwas nach rechts und gewann dadurch einige Zentimeter, so dass sich das Heck unseres Fahrzeugs vom Strommast löste und wir aus der Lücke ohne zusätzliches Unheil herauskamen. Erleichtert  fuhren wir die paar Meter auf den ziemlich engen Stellplatz, umkurvten vorsichtig einige Apfelbäume und fanden schließlich einen passenden Standort für die Übernachtung.

Als erstes musste der angerichtete Schaden am Wohnmobil analysiert werden. Dieser stellte sich als nicht so schlimm heraus. Die linke Schutzkappe der Markise fehlte zwar und der hintere Teil der Markisenabdeckung hatte ein paar zusätzliche Schrammen, aber wir waren noch mal glimpflich davongekommen. Die Abdeckung fanden wir später auf der Auffahrt zum Hotelgarten, allerdings kaputt. Ersatz kostet ca. 25 Euro. Wenigstens stand der Mast noch, das wäre sonst ja schlimm geworden. Eine Stadt ohne Strom – unseretwegen!

Unser Stellplatz im Garten des Hotels Villa Katarina

Unser Stellplatz im Garten des Hotels Villa Katarina

Anne vor der Villa Katarina

Anne vor der Villa Katarina

Riga - Pärnu

Riga – Pärnu

Willkommen in Bullerbü! Für die Übernachtung wurden uns 15€ plus 2,50€ für Strom berechnet. Das mit Bullerbü kommt nicht von ungefähr. Der ganze Ort wirkt wie aus den Büchern von Astrid Lindgren, viel Grün, hübsche Holzhäuser, Obstbäume in den Gärten. Denn die Zeichnerin der Illustrationen in Lindgrens Büchern, Ilon Wikland kommt aus der estnischen Stadt Haapsalu, die offenbar Pärnu recht ähnlich ist. Wie ähnlich, werden wir in Kürze selbst erfahren.

Straßenfest aus Anlass des Reitturniers

Straßenfest aus Anlass des Reitturniers

Villa Katarina

Villa Katarina

Der Ort Pärnu wurde 1251 vom Deutschen Orden gegründet und war mit seinem eisfreien Hafen Mitglied der Hanse.

Wir liefen zum Strand, der uns allerdings enttäuschte: hier war er eher grau und der Sand grob, Seetang am Ufer, das waren wir nicht gewöhnt von den bisherigen Stränden, die nur so geblitzt haben, in ihrer Sauberkeit und in ihrem Weiß. Da verloren wir schnell das Interesse an der Strandwanderung.

Eigenwillige Architektur des Kurhauses am Strand

Eigenwillige Architektur des Kurhauses am Strand

Auch in Estland - Umkleidekabinen am Strand

Auch in Estland – Umkleidekabinen am Strand

Also schauten wir bei dem Pferdeturnier Springreiten direkt am Strand, in den Dünen vorbei. Es war ordentlich was los, wir bummelten an den Verkaufsständen entlang und sahen prompt etwas für unsere Enkeltochter: Taschen der Marke Sigikid mit Pferdemotiv, das könnte ihr gefallen. Während wir noch überlegten, kam die Chefin des Standes hinzu und sprach uns auf deutsch an. Sie IST deutsch und heißt Ute, hat seit 25 Jahren ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Leben in Estland und dort eine Pferdezuchtbetrieb aufgebaut. Ihr werdet später über sie lesen, denn sie hat uns eingeladen, sie zu besuchen. Das werden wir gern auf unserem Weg nach Vilnius tun . Wir kauften zwei süße Taschen für unsere Enkelin und bekamen einen kleinen Rabatt, danke, Ute!

Stand der Firma Hobulove-Ute Wohlrab

Stand der Firma Hobulove-Ute Wohlrab

Springreiterin im Parcours

Springreiterin im Parcours

Der weitere Weg führte uns wieder vorbei an unserem Hotel (Stellplatz) Richtung Zentrum. Dorthin gelangten wir durch ein altes Tor, das Teil eines Erdwalls ist. Wahrscheinlich diente beides in grauen Vorzeiten zur Stadtbefestigung. Das Zentrum der Stadt hatte starke Ähnlichkeit mit schwedischen Kleinstädten, hauptsächlich wegen der überall noch vorhandenen Holzhäuser, die auch größtenteils renoviert waren und so ein schmuckes Stadtbild boten.

Quirlige Altstadt

Quirlige Altstadt

Schöne Wandmalerei

Schöne Wandmalerei

Altstadt von Pärnu

Altstadt von Pärnu

In der Tourist-Info war nicht viel zu erfahren, außer wo der nächste Bankautomat zu finden war. Obwohl der Ort von Wasser fast umgeben ist, hat man daraus nicht viel gemacht – im Gegensatz zu vielen anderen Orten, wo sich am Wasser normalerweise das Leben abspielt. Auf den Straßen herrschte aber ein lebhaftes Treiben und die Restaurants waren aber überall gut gefüllt. Auch eine irische Kneipe (Irish Pub) darf hier nicht fehlen. Zu unserer Überraschung sahen wir ein Lokal mit einem Cannabis-Logo auf dem Ladenfenster, ein „Dope Shop“ also. Sollte  der Gebrauch von Cannabis in Estland tatsächlich legal zu sein?

 

Pärnu Rathaus

Pärnu Rathaus

Irish Pub „Sweet Rosie“

Originelle Pizzawerbung

Originelle Pizzawerbung

Legales Cannabis in Estland?

Legales Cannabis in Estland?

Übrigens stellten wir schnell fest, dass das Preisgefüge hier in Estland doch erheblich höher war als in den beiden anderen baltischen Ländern. Besonders in einem Ferienort wie Pärnu sind die Preise vergleichbar mit denen bei uns in Deutschland. Wenn man ein Glas Wein trinken möchte, dann ist es oftmals sogar mehr und dann bekommt man, wenn man nicht aufpasst, meist nur halb-trockene oder liebliche Weine – nicht gerade unser Geschmack.

Genug gesehen, wir waren bei dem Anblick der gut gefüllten Restaurants ebenfalls hungrig geworden, und daher ging’s heim zum Abendessen im Wohnmobil.

Am Eingang unseres Hotels Villa Katarina (ein Holzhaus, dem ein wenig mehr Liebe und Pflege gut gestanden hätte) sah ich ein Werbeschild: Pediküür (estnisch), oh ja, das hatten meine müden Füße mal nötig. Also buchte ich uns beide bei Leena ein für Sonntag ein,  um 8.45 Uhr (mein Termin) gefolgt von Frederick um 9.45 Uhr.

Übrigens haben wir auch hier vergebens versucht, uns an das Bitte und Danke und Guten Tag in estnisch anzunähern. In der Stadt fielen mir mehrfach die für uns lustig zu lesenden Schilder auf, wie etwa “Töölolekuaeg” (Bürozeiten), Hambaarst (Zahnarzt), Advokaat (Anwalt), keelatud (verboten), jalgtee (Fußweg) …  viele doppelte Konsonanten/Buchstaben also.

Okay, heute früh schlafen gehen, damit ich meinen Termin nicht verpasse!

Pärnu, Sonntag, 25. August 2019
Gold-lackierte Fußnägel

Pünktlich um 8.45 Uhr fand ich mich in dem kleinen verwuselten Behandlungsraum im Hotel ein. Er ist dort, wo auch die Sauna, die Toilette und die Dusche ist. Die Toilette war ja ein Raum zum Abschließen, die beiden offenen Duschen neben der Sauna aber boten keine Privatsphäre. Zum Glück hatte ich den ruhigen Abend zum Duschen genutzt. Auch Frederick hatte Glück, heute Morgen nicht in der Dusche überrascht zu werden.

Leena sprach ein bisschen Englisch, kam aus der Ukraine und machte einen guten Job. Am Ende der Behandlung bot sie noch das Verschönern der Fußnägel an und zeigte mir eine Auswahl an Nagellacken. Ich entschied mich für Rot, was sie strikt ablehnte. Sie riet mir unter großem Wortschwall zu Gold, ich ließ das über mich ergehen und habe nun Oligarchen-Fußnägel, mal was anderes. Ich bezahlte 20€ plus 3€ für den Nagellack plus 2€ Trinkgeld und war sehr zufrieden, Frederick später auch, er kam billiger dabei weg, da er auf den Nagellack verzichtete.

Estnische Höflichkeit

Baltische Litfaßsäule

Baltische Litfaßsäule

Annes gold-lackierte Fußnägel

Annes gold-lackierte Fußnägel

Um die Mittagszeit fuhren wir weiter nach Tallinn (etwa 1 1/2 Stunden Fahrtzeit).

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