Cornwall 2019 (ohne Wohnmobil) 3. Teil

 In England

D-Day Gedenkfeier in Fowey 

Wir freuten uns jeden Tag aufs Neue, dass wir uns für vier Wochen Cornwall entschieden hatten. Denn es gibt so viel zu sehen, und das immer wieder! Auch, wenn man dieselben Orte zum wiederholten Male besucht. Landschaft, Strände, Häfen, Städte – hier wird es uns nie langweilig.
Am 6. Juni fuhren wir ins historische Fowey und liefen direkt in die 75Jahr-Feierlichkeiten anlässlich des D-Days (6. Juni 1944) hinein. Damals waren tausende amerikanische Soldaten in dem kleinen Ort stationiert, um sich auf die Invasion in Frankreich vorzubereiten. Von Fowey aus zogen sie in ihren Booten in den Horror der Omaha und Utah Strände an der Küste der Normandie. Auch die nahe gelegenen Strände in Pentewan und Crinnis wurden als Übungsfelder für die Anlandung der Truppen genutzt. Alles musste natürlich im Geheimen stattfinden. Wie man das dort in Cornwall geschafft hat, bleibt mir ein Rätsel. Rosamunde Pilcher‘s  Geschichte im Buch ”Die Muschelsucher”, (eines ihrer besten Bücher, wie ich finde)  nimmt das Thema auf.

An diesem sonnigen Tag wurde hier nun der Sieg über Nazi-Deutschland und dem sich nahenden Ende des Krieges gefeiert – mit Reden, Musik, Kaffeetafeln für Veteranen, bunt geflaggten Booten im Hafen.

D-Day Gedenkfeier in Fowey

D-Day Gedenkfeier in Fowey

Bootparade am D-Day Gedenktag

Bootparade am D-Day Gedenktag

Auch ein kleines Dampfboot nimmt an der Parade teil

Auch ein kleines Dampfboot nimmt an der Parade teil…

Auch der Seenotkreuzer mit kompletter Besatzung ist dabei

…und der Seenotkreuzer mit kompletter Besatzung ist auch dabei

Kleines Schlauchboot, aber Riesenflagge

Kleines Schlauchboot, aber Riesenflagge…

...und sogar ein Ruderboot

…und sogar ein Ruderboot müht sich, mitzuhalten

Auch Fowey verändert sich langsam. Alte Cottages werden herausgeputzt und auf den neuesten Stand gebracht, – aber an der Enge der Gassen und damit der Romantik einer alten Hafenstadt lässt sich nicht rütteln, zum Glück! Nicht nur der Charme des Ortes bringt uns Touristen hierher, sondern auch das Wissen, dass es der Ferienort der Schriftstellerin Daphne Du Maurier war. Ihre Eltern besaßen ein Haus (Ferryside) in Bodinnick-by-Fowey. Daphne liebte Cornwall über alles und ließ sich hier von Land und Leuten inspirieren. Eines ihrer bekanntesten Bücher, später von Alfred Hitchcock verfilmt, ist “Rebecca” (Erstveröffentlichung 1938). Wer hätte den Film nicht schon gesehen. Er beginnt mit den Worten aus dem Buch: Last night I dreamt I went to Manderley again … und schon läuft es mir kalt über den Rücken, wenn ich nur an die böse und unheimliche Haushälterin in dem Film denke! Spannung und Drama pur, bis heute! –

Es macht Spaß, durch die kleinen Gassen Foweys zu spazieren, auf den Spuren alter Seefahrer zu wandeln und der Fotograf freut sich über die vielen Motive! Ja, Cornwall forever!

Fowey Kirche

Fowey Kirche

Möwenfamilie auf dem Schornstein

Möwenfamilie auf dem Schornstein

Charlestown

Deshalb mussten wir auf dem Rückweg auch noch einmal in Charlestown nach dem Rechten schauen. Der alte Hafen in der Nähe von St. Austell gehört zu den meist besuchten Attraktionen Cornwalls. Inzwischen säumen schicke Bistros und Weinbars (mit teuren Tastings!) die Hafenpromenade. So waren wir natürlich auch nicht allein, sondern zwei von vielen. Es scheint dort mittlerweile auch viel mehr kleine Ferienunterkünfte zu geben, wie wir an den Werbeschildern erkennen konnten. Kein schlechter Platz, um seinen Urlaub an der Küste zu verbringen.

Traditionssegler im Hafenbecken von Charlestown

Traditionssegler im Hafenbecken von Charlestown

Nachbau eines antiken Rammboot in Charlestown

Nachbau eines antiken Rammbootes in Charlestown

Auch das Eden Project (von Tim Smit ab 1998 begründet  und durchgesetzt), der berühmte Garten, dessen Entwicklung wir von Anbeginn verfolgen durften, ist von hier aus leicht zu erreichen. Uns schreckte der Eintrittspreis für einen Besuch von Eden (28,50 Pfund pro Person) jedoch  ab. Außerdem kennen wir es ja durch recht häufige Besuche aus der Zeit, in der wir noch in Cornwall lebten. Damals waren wir Mitglieder im Club ”Friends of Eden”, wurden zu Gesprächsrunden mit Tim Smit und zu speziellen Veranstaltungen eingeladen (50 Pfund jährlich).

Mevagissey

Ein Besuch des Ortes Mevagissey gehört ebenfalls immer zu unserem Programm. Dieses Mal hatten wir uns eine anstrengende Version ausgesucht, Wanderung von Pentewan, wo wir kostenlos parken konnten, weil der Parkscheinautomat kaputt war. Das Parken in den Städten Cornwalls ist so ein Thema für sich. Erstens sind die Straßen oft eng und zweitens ist es ziemlich teuer. Also ist es klüger, etwas außerhalb der Zentren zu parken und einen kleinen Fußweg in Kauf zu nehmen.

Von Pentewan aus spazierten wir auf der Suche nach dem Einstieg auf den Küstenpfad zunächst am Strand entlang Richtung Steilküste. Dabei kamen wir an einem großen, sehr gepflegten Campingplatz vorbei. Auch kleine hübsch eingerichtete Holzhäuser standen als Ferienunterkünfte zur Verfügung. Schließlich fragten wir jemanden nach dem Küstenpfad. Wir mussten den ganzen Weg zurück zur Zufahrt des Campingplatzes, fanden schließlich den schmalen beinahe überwachsenen Aufgang des Pfades und auf ging es. Ein bisschen anstrengend war es schon, auf diesem zerklüfteten Weg rauf und runter zu wandern. Und dann mussten wir auch noch an einer Weide mit vielen Kühen vorbei. Vor denen habe ich einen Heidenrespekt, da ich schon von Angriffen durch Kühe auf Wanderer gehört hatte. Aber mit meinem auf dem Bauernhof aufgewachsenen Mann (der mich wegen meiner Phobie auslacht) konnte mir ja nichts passieren und wir überlebten den Vorbeimarsch ohne besondere Vorkommnisse.

Pentewan Campingplatz

Pentewan Campingplatz

Frederick auf der KKuhkoppel und Pentewan Beach im Hintergrund

Frederick auf der KKuhkoppel und Pentewan Beach im Hintergrund

Einmal am ganz anderen Ende des Hafens von Mevagissey,  aus nördlicher Richtung anzukommen, war ein besonderes Erlebnis. Der Ausblick auf die Bucht mit den vielen Fischerbooten war toll. Noch immer ist der Fischfang neben dem Tourismus (der ist inzwischen Haupteinnahmequelle) ein wichtiger Erwerbszweig. Mevagissey bezaubert seine Besucher mit seinen Cottages in bunten Farben und seiner Lebendigkeit, für uns gehört ein Besuch dieses Ortes  jedes Mal dazu.

Hafeneinfahrt von Mevagissey

Hafeneinfahrt von Mevagissey

Fischerboote im Mevagissey Hafen

Fischerboote im Mevagissey Hafen

Der innere Hafen von Mevagissey

Der innere Hafen von Mevagissey und viele Algen

Mevagissey Hafen aus einer anderen Perspektive

Mevagissey Hafen aus einer anderen Perspektive

Wir bummelten eine Weile durch die Gassen, kauften das eine oder andere Souvenir und kehrten in einem der urigen Pubs auf ein Bier ein, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Wieder kamen wir an der großen Weide vorbei, dieses Mal war nur eine einzige Kuh dort, sie lag genau in der Mitte im tiefen Gras, das sah wirklich zu komisch aus. Wo die Kolleginnen wohl waren?

Einzige Kuh auf der riesigen Weide

Einzige Kuh auf der riesigen Weide

Ruderboot mit Segeln

Ruderboot mit Segeln

Verlorener Ohrring

Zwischendurch gab es auch mal einen Regentag, an dem wir es uns im schönen Haus unserer Freunde gemütlich machten. Es war die Zeit, ein paar Dinge zu erledigen. Zum Beispiel, den Sitz einer Firma in Neu-Schottland Kanada herauszufinden. Leider hatte ich einen meiner Lieblingsohrringe (einen silbernen Seestern) bei der Abreise von der Hallig Hooge verloren. Ich hatte mich sofort bei den Herbergseltern (wir hatten in der Jugendherberge dort übernachtet) danach erkundigt, jedoch hatte niemand ihn gefunden. Nun war das ein besonderes Souvenir von unserer erstmaligen und  letztjährigen Reise nach Nova Scotia, und ich ärgerte mich sehr über den Verlust. Frederick war edler Ritter und – da wir uns daran erinnern konnten, wo wir die Ohrringe gekauft hatten (nämlich in Truro, Nova Scotia!) – bestellte er mir ein neues Paar.

Seestern-Ohrring

Seestern-Ohrring

Sonnenuntergang vom Wintergarten aus gesehen

Sonnenuntergang vom Wintergarten aus gesehen

Schon nach ein paar Tagen trudelte zu meiner großen Freude das Päckchen aus Truro in Kanada ein. Witzig daran ist, dass wir eben auch in Nova Scotia die Orte Falmouth und Truro besucht hatten, –  es gab auch ein Windsor und die Stadt Sidney …

Lunch mit Margaret und Gunter in Flushing

Von Margaret und Gunter erhielten wir eine weitere Einladung, dieses Mal zum Lunch (Mittagessen) im Pub “Seven Stars” in Flushing. Natürlich gehört die Wanderung dorthin dazu. Ein Zusammentreffen mit den beiden ist immer besonders nett, Margaret war Stewardess und Gunter war Kapitän, da gibt es viele Geschichten zum Zuhören. Wir spendierten dann nach dem leckeren Essen (Sunday Roast, eine traditionelle britische Hauptmahlzeit mit gebratenem Fleisch und diversen Gemüsebeilagen) Kaffee und Kuchen im Café am Pier. Dann führte Gunter uns auf einem ganz anderen Weg, quer durch die Wildnis, nach Mylor zurück. Schön war’s!

Penryn Creek

Penryn Creek

Kaffeepause mit Margaret und Gunter

Kaffeepause mit Margaret und Gunter

Fish ’n Chips in Gweek

An einem Abend fuhren wir nach Gweek, dort sollte es am kleinen Hafen jeden Mittwoch ein Pasty-Essen mit Musik geben. Das hatten uns einige nette englische Touristen in Spanien während der Besichtigung einer Schokoladenfabrik erzählt. Das eine Paar kam nämlich aus Gweek, klein ist die Welt! Wir hofften, sie nach dieser losen Verabredung zu treffen. Wahrscheinlich waren wir zu spät dran und  sahen sie deswegen dann doch nicht mehr. Trotzdem hatten wir eine gute Zeit, kamen schnell mit den freundlichen Dorfbewohnern ins Gespräch und – statt Pasties – gab es Fish and Chips, gerade das Richtige für Frederick, ich ging leer aus…, na ja, von der großen Portion Chips mal abgesehen!

Helford River in Gweek

Helford River in Gweek

Kostenlose musikalische Unterhaltung beim Fish 'n Chips Essen

Kostenlose musikalische Unterhaltung beim Fish ’n Chips Essen

Penzance, Newlyn und Mousehole

Mousehole hatten wir noch auf unserer Wunschliste. Da wir die Parkplatznot dort kennen, hatten wir uns etwas ganz Besonderes ausgedacht. Wir planten den Besuch dort als Wanderung von Penzance aus. Hildegard freute sich genauso wie wir darauf und schon wurden wieder Brote geschmiert und die Thermoskanne mit Kaffee gefüllt. Man sieht soviel mehr unterwegs und es lässt sich bestens plaudern. Endlich auch mal in aller Ruhe durch das kleine Newlyn spazieren und neugierig in alle Ecken schauen. Seit dem 15. Jahrhundert wurden in Newlyn Pilchards (große Sardinen) verarbeitet und in alle Welt verschickt. Mit mehr als 16 ha besitzt der Ort den größten Fischereihafen Englands, in den bei jedem Gezeitenstand Boote einlaufen können.

Pub Schild in Newlyn

Pub Schild in Newlyn

Uhrenturm vom Sea Institute in Newlyn

Uhrenturm in Newlyn

Fischereihafen von Newlyn

Fischereihafen von Newlyn

Penzance Kirche

Penzance Kirche

Newlyn Hafeneinfahrt und St. Michaels Mount in der Ferne

Newlyn Hafeneinfahrt und St. Michael‘s Mount in der Ferne

Michaels Mount in der Ferne

St. Michael’s Mount

Hildegard und Anne vor einem Souvenir-Shop in Mousehole

Hildegard und Anne vor einem Souvenir-Shop in Mousehole

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Künstler die Gegend. 1895 wurde die Newlyn Art Gallery gegründet, damals Heimat für Künstler des Spätimpressionismus, hat sie sich heute auf moderne Kunst spezialisiert. Für Interessierte gibt es viele Möglichkeiten zum Besuch von Galerien in Newlyn und Penzance. Mein Favorit ist Penlee House in Penzance. Die ausgestellten Gemälde berichten aus alter Zeit und sind wunderschön.

Unsere Wanderung führte uns an der Küste entlang, in der Ferne sahen wir St. Michaels Mount und nach etwa 7 km erreichten wir Mousehole, in dem es geschäftig – wie immer – zuging. Herrlich, sich hier ohne Auto zu bewegen …

Am Horizont konnten wir – leicht verschwommen – merkwürdige Formen erkennen. Im Teleobjektiv der Kamera waren mehr Einzelheiten zu erkennen, aber interpretieren konnte Frederick das Gesehene nicht. Aber er konnte die großen Buchstaben am Rumpf erkennen und  (dafür gibt es halt das Internet!) herausfinden, um was es sich handelte. Mit bloßem Auge war das Schiff nur schwer zu sehen. Hier ein Link

"Boka Vanguard" Absenkbares Schwertransportschiff

„Boka Vanguard“ Absenkbares Schwertransportschiff

"Boka Vanguard" Absenkbares Schwertransportschiff

„Boka Vanguard“ Absenkbares Schwertransportschiff

Wir setzten uns auf eine Bank am Hafen und packten unsere Brote aus. Im Freien schmeckt es wirklich doppelt so gut.  – Mousehole,  entzückend wie immer, das wissen eben auch viele andere Touristen. Autos, Busse schoben sich hin und her in der schmalen Hauptstraße direkt am Hafen. Wie entspannt man als Wanderer dem Ganzen zuschauen konnte …

Der Aufbruch fiel uns schwer, aber es lagen noch 7 km Rückweg vor uns. Gut zu Fuß zu sein, ist wirklich ein Vorteil bei einem Besuch Cornwalls.

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