Sylt, Juni/Juli 2021 – 2. Woche

 In Deutschland

Samstag, 26. Juni 2021

Trödeltag …, muss auch mal sein. Wir verbummelten einen schönen sonnigen Morgen, frühstückten endlich mal unter blauem Himmel draußen vor dem Wohnmobil (was immer mit dem Aufbau des Tisches, dem Rausholen der Stühle usw. verbunden ist). Zum Glück ist immer noch sehr wenig los auf diesem Stellplatz, so dass wir beinahe rundherum ins Grüne schauen und die gar nicht scheuen Kaninchen sowie die Vögel (Drossel, Stare, Bachstelzen und Buchfinken) beobachten können.

Faulenzen vor dem Wohnmobil

Faulenzen vor dem Wohnmobil

Faulenzen vor dem Wohnmobil

Faulenzen vor dem Wohnmobil

Am Strand von Rantum

Am Strand von Rantum

Dann zog es uns erst zum Strand und dann zum Hafen Rantum (übrigens ein kleiner, ehemaliger Fischereihafen), an der Ostseite Sylts gelegen. Ein schöner, jedoch kurzer Spaziergang. Wir wollten das schöne Wetter noch für einige Fotos nutzen. In dem heutigen Sportboothafen liegen nur wenige Boote. Bei Ebbe fällt der Hafen trocken und er ist aufgrund seiner Lage an der geschützten Ostseite der Insel nicht dem Seegang der Nordsee ausgesetzt. Es gibt eine kleine Bootsreparatur-Werkstatt. Mir fällt gleich das Lied “Hafenunterricht” ein. Die Zeile: Lässt ein neues Schiff man bauen auf der sogenannten Werft, werft man meist das alte weg, drum hat die Werft den Namen Werft.

Anlage der "Sylter Quelle"

Anlage der “Sylter Quelle”

Bootsreparaturwerft in Rantum

Bootsreparaturwerft in Rantum

Gegenüber gibt es den Hafenkiosk 24 in der Hafenstraße 24, – wie ich nachlese, mit absoluten Highlights der Speisekarte: Backfisch, Bismarck-Heringe, aber auch Currywurst und Pommes. Gleich nebenan entdecken wir das Sylter Trading Kontor: Hier kann man in die Welt des Whiskeys eintauchen. Aber auch exklusive Gin- und Likörsorten gibt es im Angebot, gern auch zum Verkosten. Allerdings ist jetzt, noch mitten in der Corona-Zeit – alles etwas schwieriger, da muss man schon alle Nachweise mit sich führen: 1xgeimpft, durchgeimpft (2xgeimpft plus 14 Tage danach), genesen, Luca-App und CovPass auf dem Telefon als Nachweis, und – natürlich – die Maske dabei haben.

Kaffeerösterei in Rantum

Kaffeerösterei in Rantum

Sylter Trading, ein Spezialgeschäft für Alkohol, Tee und Kaffee

Sylter Trading, ein Spezialgeschäft für Alkohol, Tee und Kaffee

So ist das auch in der Kaffeerösterei, in die wir einkehren (Außengastronomie erlaubt). Nach dem ganzen Vorzeigen darf man mit Maske schließlich rein, um Kuchen auszusuchen und zu bezahlen. Man nennt seinen Vornamen und sucht sich draußen einen Platz. Irgendwann wird dann nach Frederick, Cornelia, Uwe, Hans, Franz oder Anne gebrüllt und Kaffee und Kuchen werden serviert. Beides sehr lecker, die Auswahl an Kuchen und Kaffeesorten (hier wird das ganze Programm abgefragt: Latte, Espresso, Cappuccino etc.) wirklich groß!

Wir bummelten über den Schutzdeich des Hafens. Hier war nix aufgehübscht, ein wahrer Steinhaufen von zusammengeschütteten Abbruchhäusern, irgendwie gruselig. Wo doch jeder Quadratzentimeter auf Sylt so teuer ist …? Am Ende des kleinen Dammes eine Art Leuchtturm, aus den umher liegenden Resten von kaputten Mauersteinen von irgendwem aufgetürmt. Ein Fotomotiv … vielleicht muss wirklich nicht alles schön sein auf dieser Insel. Ursprünglichkeit tut’s auch.

Geröll und Bauschutt als Uferbefestigung - nicht schön anzusehen

Geröll und Bauschutt als Uferbefestigung – nicht schön anzusehen

Leuchtturm aus alten Ziegelsteinen

Leuchtturm aus alten Ziegelsteinen

Statue "Fischträger" in Rantum

Statue “Fischträger” in Rantum

Wir schlenderten am Sansibar-Outlet, dem Souvenirladen mit hübschen Dingen sowie der Sylter “Bonscherei” vorbei zurück zum Stellplatz. Heute Abend wollte Fredericks Bruder sich für eine Übernachtung zu uns gesellen – auch er war wieder mal für seinen Jahreskalender 2022 auf Fotomotiv-Jagd.

Die "Bonscherei"

Die “Bonscherei”

Außengastronomie der "Bonscherei"

Außengastronomie der “Bonscherei”

Spät, aber nicht zu spät fürs Abendessen tauchte Hermdieter dann auf. So ganz hatte die Verabredung zum Fototermin mit der Wander-Schäferin in Brenderup noch nicht geklappt. So hatten wir einen entspannten Abend in Familie. Für den nächsten Tag war mit Hermdieters Freundin Beate weiterer Besuch angemeldet. Wie schön, dass das endlich wieder geht nach Lockdown und vielen anderen Corona-Maßgaben!

Sonntag, 27. Juni 2021

Bei herrlichem Sylt-Wetter frühstückten wir draußen mit Hermdieter. Er stand mit seinem Vito auf dem Stellplatz direkt neben uns und hatte ebenso gut geschlafen wie wir. Doch dann musste er sich sputen, Freundin Beate vom Bahnhof Westerland abzuholen. Sie konnte aus Zeitgründen nur ein paar Stunden auf der Insel verbringen. Wir freuten uns sehr auf sie und beschlossen sofort, Wiederholungstäter für die Kaffeerösterei zu werden, da das ja nur ein kleiner Spaziergang von unserem Stellplatz war. Perfekt, um etwas Zeit miteinander zu verbringen. Wir luden die beiden ein. Auch dieses Mal waren die Kuchen (Windbeuteltorte, in der Torte waren kleine Windbeutel versteckt, das Ganze gekrönt von Sahne und roter Grütze, und leckere Mandarinen-Quarktorte!) der Hit! Und der Kaffee sowieso, wie man es in einer Kaffeerösterei erwarten kann.

Die beiden "behüteten" Brüder in Rantum

Die beiden “behüteten” Brüder in Rantum (Foto: Beate Sievertsen)

Rantum Hafen

Rantum Hafen

Die Zeit verging leider viel zu schnell, – am frühen Nachmittag winkten wir die beiden weg. Auf das Abendessen verzichteten wir heute mal, der Torte sei dank!

Montag, 28. Juni 2021

Wieder ein Schönwetter-Tag auf Sylt! Noch einmal fuhren wir nach dem Frühstück mit den Rädern die 5 km nach Westerland. Ich wollte mir für die geplante längere Fahrradtour mit den Itzehoern am Dienstag Funktionsunterwäsche kaufen. Sowas gibt’s nämlich, mit so einer besonderen Unnerbüx (Unterhose) wird der Popo auf dem Fahrradsattel ein bisschen besser gepolstert. Frederick hatte seine Funktionsunterhose von zu hause mitgenommen, schlau wie er ist! Im Sportladen ließ ich mich beraten und kaufte die angepriesene Hose.

Wir ließen die Fahrräder (gesichert) beim Sportgeschäft stehen, bummelten noch mal durch die Friedrichstraße, zum Westerländer Strand und entlang der Promenade. Die zu entrichtenden Kurtaxen für die Sylter Strände zählen wahrscheinlich zu den teuersten der deutschen Nord- und Ostseeküste. Wir kommen auch hier am Kontrollhäuschen mit unserer Gästekarte durch. Für diese besteht eine Rückgabepflicht, wenn wir den Stellplatz am Ende verlassen.

Die Friedrichstraße in Westerland

Die Friedrichstraße in Westerland

Humorvoller Hinweis

Humorvoller Hinweis

Noble Wohnstraße

Noble Wohnstraße

Im Ort spendiert Frederick bei Leysieffer noch ein Eis. Mein Blick fällt auf den Turm der Stadtkirche St. Nicolai. Ach, die hätte ich ja gern noch mal von innen gesehen! Also los, – und schön ist sie, in ihrer grau-weißen Schlichtheit, mit der wunderschönen modernen Glaskunst am Eingang und den bunten Glasfenstern hinter dem Altar.

Evangelische Kirche

Evangelische Kirche St. Nikolai

Glaskunst hinter dem Altar der Nikolaikirche

Glaskunst hinter dem Altar der Nikolaikirche

Rasch greife ich beim Hinausgehen eine kleine Broschüre, “Momente der Stille”. Und bin sofort berührt, begeistert, bewegt. Denn sie enthält einen Text von Antoine de Saint-Exupéry, für den ich mich seit meinem 17. Lebensjahr (und das ist verdammt lange her!) begeistert habe. Damals war es “Der kleine Prinz”, der es mir angetan hatte. Heute ein Gebet. Auch hier umschreibt es eigentlich wieder alles, was der Mensch so braucht, was er gerne mal zur Hand haben sollte und so weiter. Ich fühle mich wie ein Glückspilz und reich beschenkt mit diesem Gebet. Hier zum Nachlesen:

Herr, lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Ich bitte weder um Wunder noch um Visionen, sondern um Kraft für den Alltag.
Hilf mir achtsam und erfinderisch zu sein, um im richtigen Moment im Kontakt mit den richtigen Erkenntnissen und Erfahrungen zu sein.
Festige meine Entscheidungen bezüglich der richtigen Zeiteinteilung. Gib mir das Gefühl dafür, was für mich grundlegend wichtig und was zweitrangig ist.
Ich bitte um Kraft, mich selber zu fokussieren, so dass ich das richtige Mass finde und mich nicht im Leben verliere, so dass ich in Weisheit meine Tagesaktivitäten planen kann.
Hilf mir so gut wie nur möglich im Jetzt zu leben und die Gegenwart als höchstes Gut zu erkennen.
Erleuchte mich mit der Erkenntnis, dass Schwierigkeiten und Misserfolge Gelegenheiten sind um zu wachsen und zu reifen.
Mach mich zu einem Menschen der Kraft hat, Menschen zu berühren, die in der Dunkelheit leben.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.”

So sei es!

Das war Westerland für heute. Nun zu den Rädern und zurückgestrampelt, mit dem Rückenwind geht’s noch mal so schnell.

Frederick arbeitete noch eine Weile am Bericht, schließlich war es Zeit für den Abendspaziergang zum Rantumer Hafen und ein Abendessen. Heute wollten wir mal außerhalb essen. Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns auf dem Rückweg für das Villagio-Restaurant, bestellten zweimal Pizza, dazu ein Bier und ein Glas Erdbeerbowle, einfach nur lecker, alles!

Sonnenuntergang am Strand von Rantum

Sonnenuntergang am Strand von Rantum

Warten auf die Pizza im Villagio Restaurant

Warten auf die Pizza im Villagio Restaurant (sehr zu empfehlen)

Dienstag, 29. Juni 2021

Es hatte die ganze Nacht über heftig geregnet und auch heute Morgen prasselte es immer noch hernieder. Unsere Verabredung, mit den Itzehoern, eine Radtour zu unternehmen, hatten wir daher schon gestern abgesagt und auf Donnerstag verschoben – der Wetterbericht gab grünes Licht für den Tag.

Manchmal ist es ganz gut, dass so ein Regentag zum Kürzertreten zwingt. Ist ja nicht so, als hätte man nichts um die Ohren … Bilder wollen bearbeitet und Blog geschrieben werden, das passt also. Am Nachmittag spazierten wir mit dem Schirm bewaffnet zu dem inzwischen liebgewonnenen alten Rantumer Hafen. Unsere Tage (des Aufenthaltes) waren gezählt, Sylter Luft genießen solange es ging …

Abendliche Stimmung in den Rantumer Dünen

Abendliche Stimmung in den Rantumer Dünen

Etwas trostlose Stimmung

Etwas trostlose Stimmung

Mittwoch, 30. Juni 2021

Wir mussten unsere Proviantvorräte aufstocken. Das ging natürlich am besten mit dem Wohnmobil als zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die großen Supermärkte sind in Tinnum. Doch bevor wir dorthin fuhren, entschieden wir uns, den nahe gelegenen Ort Keitum zu besuchen. Auf dem großen Parkplatz am Ortseingang durften Wohnmobile nicht stehen. Stattdessen ging es im Schritttempo durch den Ort, bis wir eine Parkmöglichkeit ergatterten. Drei Stunden durfte man dort stehen – perfekt für uns.

Eines der typischen, Reetgedeckten Häuser in Keitum

Eines der typischen, Reetgedeckten Häuser in Keitum

Drei Stunden kostenloses Parken in Keitum

Drei Stunden kostenloses Parken in Keitum

So konnten wir uns beim Schlendern  durch Keitum Zeit lassen. Was soll man sagen? Reet-gedeckte Häuser überall, eines schöner als das nächste. Viele dieser Häuser waren sehr teuer aussehende Boutiquen. Nicht so ganz nach unserem Geschmack. So genossen wir einfach die hübschen Gärten und Häuser. Zum Einkehren lud gar nichts ein, so dass wir unsere drei-stündige Parkzeit nicht mal ausnutzten.

Blumen-Stillleben auf einer Bank in Keitum

Blumen-Stillleben auf einer Bank in Keitum

Keitumer Luxus-Boutique

Keitumer Luxus-Boutique

Neubau im historischen Stil

Neubau im historischen Stil

Gold- und Silberschmiede in Keitum

Gold- und Silberschmiede in Keitum

Der nächste Stopp war Lidl in Tinnum. Schnell war eingekauft und das Wohnmobil mit allem, was wir benötigten, bestückt. Es war noch früh am Nachmittag. Daher fuhren wir zur Sansibar, bzw. zum Sansibar Parkplatz, der fast voll war. Nur mit Mühe ergatterten wir dort einen Platz mit unserem großen Wohnmobil. Doch unsere Erwartung auf einen Besuch der Sansibar wurde jäh gestoppt. Eine lange Schlange von Menschen wartete bereits, zum Restaurant hindurchgelassen zu werden. Das wollten wir uns nicht antun. Stattdessen fuhren wir weiter zum nächsten Parkplatz, 4 km vor Hörnum und liefen von dort zu Fuß in den Ort.

Statt Sansibar also Krabbenbrötchen und Waffeln mit roter Grütze am Hafen von Hörnum. Ganz bestimmt um einiges günstiger und vielleicht sogar besser schmeckend als das Angebot der Sansibar …

Da dunkle Wolken aufzogen, machten wir uns zügig auf den vier km langen Rückweg zum Wohnmobil. Ganz schafften wir es nicht und die letzten 10 Minuten waren dann doch recht nass von oben. Gut, dass wir vorsorglich einen Regenschirm mitgenommen hatten.

Donnerstag, 1. Juli 2021

Die Radtour. Vorsichtshalber riefen wir bei Ingrid und Ekkehard an, ob es denn nun los ginge und wir kommen sollten. Völlig klar für die beiden passionierten Radfahrer (KEINE e-Bikes!), wir sollten kommen. Ingrid bringt es im Jahr mit ihrem Fahrrad auf etwa 10.000 km, alle Achtung!

Los ging es zu Ingrid und Ekko zum Westerländer Campingplatz, dann zu Viert weiter nach Westerland zum Sportladen. Frederick hatte seine Radlerhose im Wohnmobil vergessen, wollte diese offensichtlich längere Tour aber nicht ohne fahren und kaufte sich eine neue. Sicher ist sicher. In Westerland hielten wir uns aber nicht weiter auf, sondern radelten auf dem Fahrradweg Richtung Wenningstedt, wobei wir an der Asklepios-Nordseeklinik vorbeikamen. Na, wenn man hier nicht gesund wird, so direkt am Meer.

Wenningstedt-Braderup ist schon bald erreicht. sehr hübsch ist es hier an der Promenade, wo nicht nur Touristen die Wege und Cafés bevölkern, sondern auch die schönen “Alltagsmenschen”, die ein bisschen größer (und schwerer) sind als der normal Sterbliche. Diese hier sterben sowieso nicht, denn sie sind von den Künstlerinnen Christel und Laura Lechner geschaffen und sorgen für ein Lachen, Lächeln bei dem, der sie sieht. Wahre Hingucker, perfekte Begleiter fürs Urlaubsfoto!

Anne mit "Alltags"-Surferinnen in Wenningstedt

Anne mit “Alltags”-Surferinnen in Wenningstedt

Gosch Restaurant an der Wenningstedter Strandpromenade

Gosch Restaurant an der Wenningstedter Strandpromenade

Ich lese nach, dass es die Alltagsmenschen inzwischen in ganz Deutschland gibt. Aber hier in Badebüx und mit Surfboard unterm Arm machen sie sich doch besonders gut. Ich glaube ja auch, dass sie hier nie wieder weg wollen .. Nordseeluft und Meeresrauschen!

Hungrig waren wir leider noch nicht, – Chance verpasst, bei Gosch am Kliff einzukehren. Ein einzigartiger in die Natur passender Bau lockt mit dem berühmten und vielseitigen Gosch-Angebot. Außerdem schienen uns alle Plätze besetzt zu sein. Wieviel Betrieb hier wohl am Abend herrscht, wenn Sylt-Besucher den Sonnenuntergang erleben wollen. Auch dafür ist gerade dieses Restaurant mit seiner Lage bekannt und ein Garant für Lebensfreude!

Wir folgten unseren Reiseführern durch Wenningstedt (ein wunderschöner Ort mit vielen zauberhaften Reetdachhäusern), hin zum Dorfteich. Wie ist das möglich, eben noch Meeresrauschen und Brandung, nun das ruhige Wasser des Dorfteiches. Ein paar Enten und eine Schar Gänse, blühende Seerosen, eine “Alltagsfrau” im Badeanzug, die ins Wasser springen will neben vielen anderen (lebendigen), die die Idylle hier genießen. Das hätten wir allein nie gefunden!

Seerose im Dorfteich

Seerose im Dorfteich

Mit Ingrid und Ekko am Wenningstedter Dorfteich

Mit Ingrid und Ekko am Wenningstedter Dorfteich

"Alltagsmensch" im Dorfteich

“Alltagsmensch” im Dorfteich

"Alltagsmensch" auf dem Sprung in den Dorfteich

“Alltagsmensch” auf dem Sprung in den Dorfteich

Auf unserer Strecke entlang der Westküste erreichten wir die Uwe-Düne (benannt nach dem Sylter Uwe Jens Lornsen , Jurist und Freiheitskämpfer 1793-1838). Mit ihren 52,5 Metern Höhe ist sie die höchste Erhebung Sylts, die in 109 Stufen der Holztreppe erklommen werden will. Puh, geschafft! Von hier oben hat man einen schönen Blick auf Kampen und überhaupt: man muss ihn erlebt haben, diesen Rundumblick, einfach toll! Quasi nebenan ist das Rote Kliff, auch so ein Naturschauspiel.

Der alte achteckige mit rotem Klinker ummantelte Leuchtturm wurde 1912/13 erbaut, um vor einer Sandbank in der Einfahrt zum Lister Tief zu warnen. Sein Feuer wurde 1936 elektrifiziert, dann kam 1974 das Aus. Allerdings lese ich nach, dass die Gemeinde Kampen dafür sorgt, dass dieses in den Dünen liegende schöne Fotomotiv nachts angestrahlt wird. Der Leuchtturm leuchtet also weiter!

Kampener Leuchtturm

Kampener Leuchtturm

Blick von der Uwe-Düne auf das Hotel Rungholt

Blick von der Uwe-Düne auf das Hotel Rungholt

Und wenn wir schon mal dabei sind: Hier am Roten Kliff sind die Fotomotive imposant! Bei den richtigen Lichtverhältnissen gibt die Steilküste (etwa 30 Meter hoch), zwischen Wenningstedt und Kampen etwa vier Kilometer lang jedem Fotografen und allen Besuchern diesen besonderen Herzschlag! Es ist ein Traum und ein Muss für jeden Sylt-Besucher, sich das einmal anzusehen. Besonders zu empfehlen bei Sonnenuntergang. In alten Zeiten diente das Rote Kliff den Seefahrern als Orientierung, da es hier an der Westküste mit seiner rötlichen Farbe einzigartig ist.

Das Rote Kliff in Kampen

Das Rote Kliff in Kampen

Blick von der Uwe-Düne auf die umliegende Dünenlandschaft

Blick von der Uwe-Düne auf die umliegende Dünenlandschaft

Nach kurzer Rast ging es dann weiter nach Kampen, das “eigentlich” nur 471 Einwohner hat. Möchte nicht wissen, wie viele Menschen dieser kleine Ort in der Saison zu verkraften hat. Blick in die Vergangenheit: Kampen wurde 1543 erstmals urkundlich erwähnt, bis etwa 1900 war es ein mehr oder weniger landwirtschaftlich und von Fischfang und Seefahrt geprägter Ort. Heute gehört Kampen zu den Highlights von Sylt.

Der ruhige, romantisch im Heidegebiet liegende Ort wurde mehr und mehr von Touristen entdeckt. Laut einer Verordnung aus dem Jahr 1912 (gilt bis heute) ist festgelegt, dass alle neuen Häuser dem Ortsbild entsprechen müssen, also Klinkerbauweise mit traditionellem Reetdach. Das konnte sich nicht jeder leisten. So zog es viele an, die über genügend Mittel verfügten, Künstler, Intellektuelle, Schriftsteller. Auch Thomas Mann und seine Familie liebten Kampen. In den 1950er Jahren zog der Ort Industrielle an, Prominente aus Film und Fernsehen und Kampen wurde ein Tummelplatz für die “Reichen und Schönen”. Das Strandleben wurde immer freizügiger und die FKK-Bewegung erlebte in den 1960er Jahren einen Aufschwung. “Buhne 16” wurde durch große Medienaufmerksamkeit berühmt. Nackt sein am Strand war “in”. Irgendwann wurden die, die sich dort tummelten, alle älter und seit den 80ern beruhigte sich wildes Leben und Freizügigkeit wieder.

Wir radelten durch den Strönwai unserem Ziel, der “Kupferkanne” entgegen. Ingrid rief mir zu, dass dieses die teuerste Straße von Kampen sei, vorbei am Nachtclub “Pony”, das sein 60stes Bestehen feiern kann. Das “Pony” ist Promi-Disco und Edelbar in einem, berühmt wurde es durch Playboy und Fotograf Gunter Sachs, der hier oft und gern verkehrte. Wer sich für Schicki und auch Micki interessiert, kann gern mal das Pony googeln … es gehört zu den drei größten Nachtclubs auf Sylt.

Nun waren wir sehr gespannt auf das Café Kupferkanne, über das Ingrid und Ekkehard so von Herzen begeistert berichtet hatten. Am frühen Nachmittag war – wie erwartet – viel los und die Corona-Bestimmungen (Zugang mit Maskę, Anmeldung über die Luca-App) griffen auch hier noch in der Außengastronomie. Innen war der Zutritt nicht erlaubt. So reihten wir uns für etwa 15 Minuten in die Warteschlange ein, bis uns ein Platz zugewiesen wurde. Wie hübsch war es hier! Kein Wunder, dass das Café, 1950 eröffnet, mit den Jahren zum Kult-Café aufstieg. Eingebettet zwischen Kiefern und anderem Grün, bieten die kleinen Nischen und gemütlichen Sitzecken einen ungewöhnlichen und entzückenden Rahmen für eine Mittags- oder Kaffeepause. Wir lesen nach, dass dieser Platz auch wieder Geschichte schrieb, was die Sylter Prominenz anbelangt (an erster Stelle wieder Gunter Sachs, Berthold Beitz und viele Promis mehr). Auch heute noch gehören Leute, bekannt aus Funk und Fernsehen, zu den Besuchern der Kupferkanne, aber auch “Normalos” wie wir!

Garten-Café der Kupferkanne in Kampen

Garten-Café der Kupferkanne in Kampen

Der Eingang zur Kupferkanne

Der Eingang zur Kupferkanne

Kuchen- und Kaffeeangebot (eigene Rösterei) sind großartig und wir sind Ingrid und Ekkehard für diesen Tipp zur Einkehr sehr dankbar. Den Innenbereich können wir uns nur anhand einiger Fotos vorstellen. Er entstand aus ehemaligen Flakbunkern, die immer weiter ausgebaut wurden. Wer mehr erfahren möchte über die faszinierende Welt der Kupferkanne, lese bitte bei Tante Google nach, es lohnt sich. Übrigens wurde die Kupferkanne auch mal als Diskothek genutzt, wie Ingrid sich lebhaft und gern erinnerte.

Die weitere Tour führte uns durch die Braderuper Heide in wunderschöner Natur. Schließlich nach Munkmarsch, wo es einen kleinen Hafen und eine Surfschule gibt. Wie Ingrid berichtete, hatte sie hier das Surfen erlernt. Eine tolle geschützte Bucht, ein schöner Strand.

Seglerverein Munkmarsch

Seglerverein Munkmarsch

Anne und Ingrid am Strand von Munkmarsch

Anne und Ingrid am Strand von Munkmarsch

Der Hafen von Munkmarsch

Der Hafen von Munkmarsch

Ungewöhnlich - Austernfischer auf einem Dach in Munkmarsch

Ungewöhnlich – Austernfischer auf einem Dach in Munkmarsch

Über Braderup, wo wir noch kurz vor Feierabend in ein Leder-Geschäft hineinschauten, ein reiner Handwerksbetrieb mit traumhaft schönen handgefertigten Dingen, radelten wir durch das hübsche Keitum. Auch hier war es mittlerweile ruhig geworden, keine Touristenströme mehr, Abendbrotzeit halt.

Heimwärts ging es über Tinnum zum Westerländer Campingplatz. Welch ein grandioser Tag mit so vielfältigen besonderen Erlebnissen auf der Insel! Wir bedankten uns herzlich bei Ingrid und Ekkehard für ihre tolle Reiseleitung und schlussendlich auch bei unseren neu erworbenen Radlerunterhosen, die uns bei dieser doch etwas längeren Fahrt gut durch den Tag gebracht hatten und ab ging’s die letzten vier km nach Rantum zu unserem Stellplatz.

Freitag, 2. Juli 2021

Gut ausgeschlafen und zu neuen Taten bereit, wanderten wir bei schönstem Inselwetter vormittags sechs km am Strand entlang zur Sansibar. Dieses Promi-Lokal fehlte uns ja noch auf unserer “To do-List”, denn in der letzten Woche hatten wir es ja nicht mehr geschafft.
Frederick hatte den Schrittzähler eingestellt und nach jedem Kilometer bellte die Dame uns an mit der geschafften Distanz. Das war auf der einen Seite ermutigend, auf der anderen Seite lief es sich im Sand und barfuß nicht ganz so schnell und leicht und es schien ewig zu dauern bis zum nächsten geschafften Kilometer! Aber Wellen und Meer und das Licht und die Luft trösteten darüber hinweg.

Endlich kamen die Flaggen zum Aufgang Sansibar in Sicht, nach sechs Kilometern. Wurde auch langsam Zeit… flugs die Holztreppen hinauf und was war? Voll war’s! Kein freies Plätzchen in der Außengastronomie in Sicht. Am anderen Ende, also vom Straßenparkplatz her angekommen, saßen dort schon Leute in Warteschleife (stilgerecht in Strandkörben). Wenigstens einmal Schampus, Wein, ein Bier, etwas essen in der berühmten Sansibar! Ich muss demjenigen recht geben, der schrieb: Es hat den Charme einer Skihütte … kann ja beinahe auch nicht anders sein, so mitten in den Dünen gelegen, jedem Wetter ausgesetzt. Ein Holzgebäude, in Sturm und Wind, Sonne, Meeresluft …  Das Markenlogo: zwei sich kreuzende Säbel auf schwarzem Grund mit dem Namen Sansibar darunter.

Der kluge und fleißige schwäbische Koch Herbert Seckler kam 1974 nach Sylt. Einen Sommer lang wollte er dort arbeiten. Es gefiel ihm so gut, dass er auf der Insel blieb und zwischen Hörnum und Rantum am FKK-Strand einen Kiosk eröffnete. Currywurst und Eintopf war das Angebot. Da sich der Kiosk auf dem Strandabschnitt Sansibar befand, nannte er kurzentschlossen seinen Kiosk so. Das ist eine lustige Sache: in den 1930er Jahren wurden die Strandabschnitte auf Sylt mit exotischen Namen bedacht, Samoa liegt nicht weit entfernt, Abessinien gibt’s in List.
Auch nach einem Brand des Kiosks warf Herr Seckler die Finte nicht ins Korn, sondern startete noch mal richtig durch, und brachte es mit Hilfe seiner überwiegend berühmten Kunden (Achtung, jetzt wird es langweilig: Gunter Sachs wieder dabei mit seiner Entourage, Peter Boenisch, Sprecher der Regierung von Helmut Kohl und viele mehr) zu DER Promi-Location schlechthin. Der Fahrzeugpark auf dem Parkplatz ist legendär. Das Essen soll es auch sein. 2009 wurde Herr Seckler zum “Restaurateur des Jahres” gekürt, im Jahr davor wurde ihm der Titel “Bestes Szenerestaurant” verliehen. Inzwischen gibt es Sansibar-Ableger in St. Peter-Ording und Düsseldorf. Auch die Läden für Bekleidung, Taschen und Schuhe haben Fahrt aufgenommen, und viele Autofahrer weisen sich als Sansibar-Fans aus mit dem Aufkleber der gekreuzten Säbel. Sansibar ist also eine echte Erfolgsgeschichte! Neiden wollen wir ihm den Erfolg nicht, denn – wie Herr Seckler in einem Interview sagte – ging es in den 40 Jahren des Aufbaus auch oft zulasten der Familie.

Sansibar Außenbereich und Kinderspielplatz

Sansibar Außenbereich und Kinderspielplatz

Die Sansibar

Die Sansibar – rechts die wartenden Gäste in Strandkörben

Wir verzichteten wegen der Warterei auf das Erlebnis Sansibar und liefen auf dem Radweg zurück in Richtung Samoa. Das Strandlokal auf diesem Strandabschnitt ist eigentlich auch richtig nett, und wir wurden sofort mit Kaffee und Kuchen bedient, allerdings im “Take away”. Das passte uns besonders preismäßig sehr gut und schmeckte toll hier draußen in den Dünen.

Nun hatten wir die letzten Kilometer vor uns. Als wir mit runden Füßen am Stellplatz ankamen, hatten wir wiederum 14 Kilometer “auf der Uhr”. Unser letzter Tag auf Sylt ging zu Ende, es war auch heute wieder wunderschön!

Samstag, 3. Juli 2021

Bis 11 Uhr sollte man den Stellplatz räumen, wir erledigten also rechtzeitig Ver- und Entsorgung, rechneten im Büro ab und verabschiedeten uns schweren Herzens. Uns hatte es hier sehr gut gefallen und Sylt ist wirklich eine Reise wert. Wir kommen also wieder!

Wir fuhren zum Campingplatz Westerland, verabschiedeten uns von den Itzehoern, weiter nach List zur Fähre, kamen etwas früher am Hafen an und wurden ohne Komplikationen gleich mitgenommen. Das klappte also bestens.
Auf dem Rückweg wollten wir noch der dänischen Kleinstadt Tondern, oder Tønder in der Landessprache einen Besuch abstatten. Schon nach 40 Minuten erreichten wir das Städtchen, fanden einen Parkplatz in Zentrumsnähe und schauten uns dort ein wenig um.  Tønder steht seit Mitte der 1960er Jahre im Rufe eines Heiratsparadieses, ähnlich wie Gretna Green in Schottland. Eine Eheschließung ist EU-weit anerkannt und mit weniger Formalitäten (bei ausländischen Partnern) verbunden als in Deutschland.

Wir erfreuen uns an den vielen gut erhaltenen Patrizierhäusern im Städtchen. Auf dem schönen Marktplatz sind die Tische der Lokale nahezu alle besetzt und die Menschen genießen das gute Wetter/Essen in den Restaurants. Eine gemütliche Atmosphäre überall! Hygge, wie die Dänen sagen! Dänisches Flair! Bevor die Läden schließen, entscheide ich mich noch schnell, einen Rock zu kaufen, und ein paar schöne Glastellerchen in dem wunderbaren Geschäft mit den vielen kunstvoll gestalteten Glasartikeln. Und – ein Glück: die Läden sind dicht, um 14 Uhr. Denn hier gab es wieder so tolle Dinge zum Schauen (und Kaufen!). Die reinste Verführung! Naja, so weit weg von uns ist Tondern ja nicht, eine etwa zweistündige Fahrt von Malente. Und auch Dänemark ist immer eine Reise wert.

Estergade Fußgängerzone

Estergade Fußgängerzone

Tondern Marktplatz

Tondern Marktplatz

Toller Trödelladen in der Estergade

Toller Trödelladen in der Estergade

Marktplatz (im Hintergrund die Kirche)

Marktplatz (im Hintergrund die Kirche)

Wir fuhren zum gemütlichen Stellplatz nach Süderlügum, dort war gegen 16 Uhr gar nichts los. Im nahegelegenen Supermarkt kauften wir noch etwas für das Abendessen ein, dann war Fußball gucken angesagt, leider verlor die deutsche Mannschaft gegen die Engländer, so’n Pech aber auch! Während des Fußballspiels wurde es auf einmal laut. Wir schauten hinaus,  beim Schwimmbad nebenan flog ein Rettungshubschrauber ein. Was dort passiert war, wussten wir aber nicht. Hoffentlich nichts Schlimmes!

Rettungshubschrauber im Abflug

Rettungshubschrauber im Abflug

Unser ruhiger Stellplatz in Süderlügum

Unser ruhiger Stellplatz in Süderlügum

Am Sonntag ging es dann heim nach Malente. Ein schöner Urlaub war das hier im Norden, praktisch vor unserer Haustür.

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Strandpanorama Rantum