Sylt Juni 2021 – 1. Woche

 In 2021, Deutschland

Was geschah bisher in diesem Corona-Jahr?

Ende März schauten wir auf YouTube einen Reisebericht von Campern auf Sylt. Das gefiel uns so gut, dass wir spontan entschieden, für Mitte des Jahres einen zweiwöchigen Aufenthalt auf dem Campingplatz Rantum-Becken zu buchen. Da wir zum Buchungszeitraum bereits unsere 1. Impfung hatten und der Termin für die Zweitimpfung auch schon feststand, waren wir optimistisch, dass diese Reise stattfinden würde.

Die Vorfreude war riesig. Nach ein paar ein oder zwei-Tage Touren in Schleswig-Holstein sollte Sylt die erste richtige Wohnmobilreise in 2021 werden. Die Wartezeit bis zum 19. Juni schien sich regelrecht dahinzuschleppen. Durch einige ein- oder zwei-Tage-Touren konnten wir die Zwischenzeit etwas abkürzen.

Kampa Vorzelt

Für den kommenden Winter haben wir uns wieder auf dem Campingplatz La Marina in Spanien eingebucht. Ob’s was wird hängt natürlich von der Corona-Entwicklung ab. Wie schon an anderer Stelle berichtet, brauchen wir für die Überwinterung dort ein Vorzelt und – nach intensiver Recherche – haben wir bei der Firma Doorout ein Kampa Luftzelt bestellt: 390 cm breit und 2,75 m tief. Das Zelt wurde schnell geliefert und wir fuhren dann mit dem Wohnmobil zum Stellplatz in Bimöhlen bei Bad Bramstedt, um es auf dem dortigen Rasen probeweise aufzubauen. Gut, dass wir das gemacht haben, denn es fehlten die Fenster und Türen. Schön luftig bei heißem Wetter, aber so sollte es wirklich nicht sein. Ein Anruf bei Doorout löste das Problem. Fenster und Türen waren ein separates Packstück und das war ganz einfach im Lager vergessen worden. Schon am nächsten Tag wurde es nachgeliefert.

Kampa Air Pro 390 Vorzelt

Kampa Air Pro 390 Vorzelt, wie es aussehen soll

Innenansicht des Vorzelts

Innenansicht des Vorzelts

Am 12. Juli wird unser Sohn Dale für zwei Wochen das Wohnmobil ausleihen. Er hat auf dem Campingplatz Heidkoppel in Heidkate einen Platz für sich und seine Familie gebucht. Dort soll das Vorzelt zum ersten Mal zum Einsatz kommen.

Wildunfall

Leider passierte uns am 23. Mai noch ein Wildunfall auf der Rückfahrt von Itzehoe. Ein Reh rannte, von links kommend direkt in die Front unseres Wohnmobils und überlebte diesen Aufprall leider nicht. Auch das Wohnmobil erlitt beträchtlichen Schaden. Beide Kotflügel und der Kühlergrill wurden arg lädiert und müssen ausgetauscht werden. Glücklicherweise ist das Fahrzeug aber fahrtüchtig, so dass die Sylt-Reise nicht gefährdet ist.

Unfallschäden

Unfallschäden

Unfallschäden

Unfallschäden

Und nun geht’s wirklich los …

… das Reisen mit dem Wohnmobil!
Ziel: Zwei Wochen Urlaub auf dem Campingplatz in Rantum (Rantumer Becken) auf der Nordseeinsel Sylt.

Freitag, 18. Juni 2021

Fertig beladen fuhren wir gegen 14 Uhr Richtung Süderlügum, einem Ort kurz vor der dänischen Grenze. Mit der Fähre ab Rømø/Dänemark vom Hafen Havneby nach List ist es die günstigste Anreise für uns. Hin- und Rückfahrt kosten inkl. 7 m langem Wohnmobil 133 Euro. Zum Vergleich: mit der Bahn von Niebüll muss man 244 Euro berappen, sich mit langen Wartezeiten abfinden und außerdem 300 m rückwärts auf den Zug fahren.

Unsere Übernachtung vor dem Übersetzen nach List war auf dem über Park4Night gefundenen kostenlosen Stellplatz in Süderlügum geplant, da wir uns dort am Samstagmorgen zum Coronatest angemeldet hatten. Denn wir wollten beim Grenzübertritt nach Dänemark und unserer Ankunft auf Sylt einen möglichst tagesaktuellen Test vorweisen können.

Dieser Freitag war der letzte Tag der extremen Hitzewelle. Doch hier im hohen Norden war es bei 26° erträglicher als zuhause. In Süderlügum konnten wir auch unsere zweite Gasflasche in einem Baumarkt und Gartencenter für 17 Euro nachfüllen (richtig gelesen: nachfüllen nicht tauschen). Bisher haben wir Gasflaschen in Deutschland nur tauschen, aber nicht nachfüllen können.

Für die fünf (kostenlosen) Wohnmobilstellplätze auf einem allgemeinen Parkplatz am Schwimmbad kann man der Gemeinde Süderlügum nur dankbar sein. Es ist ein gepflegter sauberer Platz, umringt von Bäumen – Mülleimer sind vorhanden. Ver- und Entsorgung bzw. Strom gibt es nicht.

Wir spazierten in der Hitze des Nachmittags (26 Grad) durch den kleinen Ort mit seinen schönen Wohnvierteln und hatten das Gefühl, fast schon in Dänemark angekommen zu sein. Es gibt Werbeplakate in den Läden in dänischer Sprache, viele Fahrzeuge mit dänischem Länderkennzeichen, sogar einen dänischen Supermarket (Köbmand) existiert er ganz real, der kleine Grenzverkehr.

Friesenhaus mit parkähnlichem Garten

Friesenhaus mit parkähnlichem Garten

Süderlügum Friedhof mit hölzernem Glockenturm

Süderlügum Friedhof mit hölzernem Glockenturm

Wir suchten und fanden die kleine Apotheke, in der wir uns am nächsten Morgen zum vereinbarten Termin zwecks Test einfinden sollten. Denn für den Aufenthalt auf dem Campingplatz müssen wir einen  gültigen, negativen Corona-Test vorweisen. Unser Abendbrot genossen wir gemütlich draußen vor dem Wohnmobil sitzend im Grünen.

Samstag, 19. Juni 2021

Nach einem schnellen Frühstück fuhren wir zur Apotheke, unser Termin war um 9.30 Uhr. Mit dem großen Fahrzeug am Straßenrand zu parken, war gar nicht so einfach. Die Plätze vor der Apotheke waren den PKW‘s vorbehalten. Wenigstens war nicht viel los im Testzentrum, nur drei Leute vor uns und die Tests (Ergebnis: beide negativ) waren schnell überstanden.

Gegen 11 Uhr erreichten wir Havneby/Rømø. Erstaunlich, dass wir bei der Einreise nach Dänemark keinerlei Grenzkontrollen passieren mussten. Noch mehr wunderten wir uns darüber, dass an der Fähre nicht viel los war. Schließlich war in zwei Bundesländern Ferienbeginn. Vielleicht reist der größte Teil der Sylt-Besucher doch über die Zugverbindung ab Niebüll über den Hindenburgdamm nach Westerland an?

Die Nordsee war wolkenverhangen, beim Einlaufen in den Hafen hob sich die Fähre in den rot-weißen Farben wunderbar gegen den blaugrauen Himmel ab!

Die Syltfähre beim Einlaufen in den Hafen von Havneby

Die Syltfähre beim Einlaufen in den Hafen von Havneby

Lister Hafen

Lister Hafen

Wir blieben während der kurzen  Überfahrt nach List (ca. 45 Minuten) gemütlich im Wohnmobil sitzen. Einen so starken Wind da draußen wollten wir uns nicht um die Nase wehen lassen…

Ankunft auf Sylt

Angekommen in der nördlichsten Gemeinde Deutschlands, im Hafen von List, suchten wir uns einen Parkplatz und erkundeten den quirligen Hafen mit seinen vielen Läden, Buden, Restaurants. Es ist alles da, was das Urlauberherz begehrt! Fredericks Herz  begehrte zunächst eine Wind-/Regenjacke, da er seine zu Hause vergessen hatte. Das ist also der Trick, um an eine neue Klamotte zu kommen! Wir wurden auch gleich fündig. Ein Sonderangebot, statt 89,90 € nur 49,90 €, und DAS auf Sylt, wenn das mal nicht toll ist! Und schon steuerten wir die “Gosch Alte Bootshalle” an. Es war Mittagszeit und was gab es Schöneres als ein Fischbrötchen – für Frederick. Wer unseren Berichten folgt, weiß, dass ich für Fisch und Meeresfrüchte ja leider nicht zu haben bin …

Ist doch zünftig..?

Ist doch zünftig..?

Restaurant am Lister Hafen

Restaurant am Lister Hafen

Schmucker Souvenirladen am Hafen

Schmucker Souvenirladen am Hafen

Da kann auch noch so ein netter Typ wie der alte Herr Gosch, der das Unternehmen gegründet hat, publikumswirksam vor einem seiner Läden sitzen. Für mich müsste er ein Marmeladenbrot schmieren! (… was er in einem seiner Interviews erzählte, dass er das ebenso gerne täte für  Nichtfischesser). Leider befand er sich gerade im Gespräch vertieft mit Kunden. Wer sich für den Unternehmer Gosch interessiert, schaue gern mal ins Internet. Da kann man eine wirklich interessante und faszinierende Lebensgeschichte nachlesen (von einem, der mit dem Bauchladen auszog, um Aale zu verkaufen ) und viele Weisheiten für das eigene Leben mitnehmen.

Frederick ging allein in diesen Gourmet-Tempel und sein Herz begehrte so viel! Ich schaute mich inzwischen um – was für ein Jahrmarkt hier! Viel los, alles Corona-konform, AHA: Abstand halten, Hygienevorschriften beachten, Alltagsmaske tragen. Wie hatte sich das ruhige, verschlafene List in den letzten 34 Jahren, in denen wir nicht auf Sylt gewesen sind, bloß verändert! Schick und aufregend interessant ist es hier, zum Bummeln und Ausgehen perfekt!

In der Alten Bootshalle gibt es nichts, was es nicht gibt. Zu den ausgefallensten Fischgerichten Schampus, Wein, tolle rustikale Brotsorten,  Kuchen, Salate, Souvenirs … Frederick kam selig lächelnd mit einer gefüllten Papiertüte aus der Markthalle. Wir gingen zum Hafen, da, wo die Schiffe und Boote festgemacht waren und setzten uns auf eine Mauer, das Fischbrötchen musste doch sofort verzehrt werden!

Lister Hafen

Lister Hafen

Lister Ladenzeile

Lister Ladenzeile

Campingplatz Rantum-Becken

Dann aber weiter nach Rantum zum Campingplatz. In der Rezeption war überhaupt nichts los und wir checkten schnell und unkompliziert unter Vorzeigen des negativen Corona-Tests ein. Unser Stellplatz kostet pro Tag 31,50 Euro ohne Strom. Der würde separat abgerechnet, brauchen wir aber nicht. Wir bekamen jeweils eine Gästekarte, die auf der ganzen Insel zum Strandzugang berechtigt. Der kostet sonst vier Euro pro Person und Tag. Mit dieser Zwangsabgabe, um am Strand wandern zu gehen, stehen wir ja immer auf Kriegsfuß, wenngleich sie wohl ihre Berechtigung hat: Strandabschnitte werden gepflegt etc. Trotzdem: aus Dänemark, Schweden und den vielen anderen Ländern, die wir bereist haben, kennen wir solche Abgaben nicht. Da es hier in den Tagessatz des Stellplatzes integriert ist, schmerzt es uns nicht weiter. Im Gegenteil, insgesamt sind die 31,50€ ein sehr günstiger Preis.

Unser Platz liegt auf Rasen schön im Grünen, noch genügend Abstand zu weiteren Wohnmobilen. Gassigeher flanieren ab und zu mit ihren Lieblingen und wir staunen, dass so manches Wohnmobil ein Heim für drei große Hunde und ihren Besitzern bietet.  – Viel Natur um uns herum, das passt dann.

Unser Stellplatz in Rantum

Unser Stellplatz im Grünen in Rantum

Mümmelmann vor dem Wohnmobil

Mümmelmann vor dem Wohnmobil

In den nächsten Tagen lernen wir die drei Musketiere kennen, ein lustiges Kaninchen-Trio, das so gar nicht scheu ist und miteinander rund ums Wohnmobil durch die Gegend jagt. Und wir lernen einen ”Spiegelfechter” kennen … Wer oder was das ist? Ein kleiner Buchfink, der sich im schwarzen hochglänzenden Lack des Fahrzeugs unseres Nachbarn spiegelt und den vermeintlichen Nebenbuhler bekämpft, und das unermüdlich und tagelang. Ich lese darüber nach … „bis der Hormonspiegel sich wieder senkt …” so ein dusseliger kleiner Kerl – Video! 

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, liefen wir bei blauem Himmel und Sonnenschein los durch die Dünenlandschaft an den Strand (etwa 300 m entfernt). Hier pustete es ordentlich, die Nordsee glitzerte und wie es nach Meer roch, herrlich!

Wir hatten die Richtung nach Rantum eingeschlagen und bogen irgendwann ab zu den hölzernen Treppen und Stegen durch die Dünen.

Strand bei Rantum

Strand bei Rantum

Luxushäuser in den Rantumer Dünen

Luxushäuser in den Rantumer Dünen

Im Feinsten von Rantum kamen wir raus: wunderschöne Reetdachhäuser, Feriendomizile und Restaurants in exklusiven Wohngebieten, teilweise in die Dünenlandschaft hinein gebaut. Kein Wunder, dass man hier für einen Neubau mit zwei Zimmern, 58 m² groß, gern schon mal 750.000 Euro bezahlt – wie in einer Anzeige gelesen.

Wir entdeckten noch einen kleinen Nahkauf-Laden und bezahlten den Sylt-Preis für eine Schachtel mit Blaubeeren (5€), aber schließlich muss alles auf die Insel gekarrt/geschippert werden, da darf es schon ein bisschen teurer sein … Am Abend freuten wir uns auf die Gosch-Leckereien, Frederick auf die Garnelen und ich auf das frische Steinofenbrot mit Salat.

Hach, Sylt, Du Schöne – wir freuen uns, dich endlich einmal wiederzusehen und neu zu entdecken!

Sonntag, 20. Juni 2021

Das gute Wetter hielt an und wir wanderten nach dem Frühstück auf dem Fahrrad- und Wanderweg Richtung Westerland (etwa 5,5 km). Dabei kamen wir an der viel gepriesenen Osteria Sylt vorbei, dem kultigen Szene-Treff: Lebendig, lässig, bunt. Das Restaurant liegt idyllisch direkt bei den Dünen auf einem Campingplatz.

 Osteria am Campingplatz Westerland.

Osteria am Campingplatz Westerland.

Campingplatz Westerland - alles dicht gedrängt

Campingplatz Westerland – alles dicht gedrängt

Wir schauten uns ein wenig um – nicht, weil wir hungrig waren, sondern weil Frederick diesen Campingplatz nur allzu gut kannte: Vor 58(!) Jahren hatte er hier mit einem Freund drei Wochen gezeltet, sein erster Urlaub überhaupt. Das Geld für den Aufenthalt verdienten sich die beiden mit Hilfsarbeiten im kleinen Campingplatz-Kiosk. Sie arbeiteten täglich im Wechsel, so hatte jeder auch mal frei, konnte Sonne, Sand und Meer genießen und das am Vortag verdiente Geld ausgeben. Dieser Sylt-Urlaub sollte sich ganz entscheidend auf Fredericks künftiges Leben auswirken. Er lernte hier junge Leute aus Schweden kennen und der Rest ist Geschichte.

Wir folgten dem Wanderweg am Wald entlang und sahen eine Gedenktafel, auf einem großen Stein angebracht. Die Tafel wies auf ein trauriges Kapitel der NS-Zeit hin. Auch Sylt und seine Bewohner waren nicht verschont geblieben.

Schließlich bogen wir ab in Richtung Strand. Am Strandzugangs-Kontrollhäuschen vorbei, stellte Frederick fest, dass er seine Gästekarte in der Tasche der anderen Hose gelassen hatte! Wir waren aber an eine nette Kontrolleurin geraten und sie winkte uns durch, als wir die Sachlage erklärt hatten und sie meine Karte angesehen hatte. Wie fast überall und für uns Ostseeanrainer ungewöhnlich, führt der Weg zum Strand zumeist durch die Dünen, hinauf und hinab über viele Holztreppen und Bohlen. Eine extra sportliche Herausforderung.

Endlich waren wir auf der Westerland-Promenade (1,5 km lang), an die wir uns gut erinnern konnten. Sie besteht seit über 100 Jahren und hat sich seit unserem letzten Besuch von vor 34 Jahren kaum verändert! Hier war trotz frischer Seeluft und viel Wind Maskenpflicht angesagt. Wegen Küstenschutz existiert dort zur Zeit eine große Baustelle.

Hochhäuser in Westerland

Hochhäuser in Westerland

Südliche Bohlen-Strandpromenade Westerland

Südliche Bohlen-Strandpromenade Westerland

An der nächstbesten Fischbude (natürlich wieder Gosch) kam Frederick nicht vorbei und kaufte sich ein Heringsbrötchen. Erstaunlich der Preis: 3,50 Euro. In Malente kostet das gleiche  an der Dieksee-Promenade 4,50 Euro! Die nächste Bank war unsere und wir legten eine Pause ein.

Das war ganz in der Nähe der Musikmuschel, die seit einer halben Ewigkeit dort steht. Ihr Ursprung geht in das 19. Jahrhundert zurück. Als ein kleiner Pavillon mit Bühne entstand sie im Jahr 1879. Die Kurkapelle spielte auf und auch andere musikalische Veranstaltungen fanden statt. Als Westerland zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Stadtrecht erhielt, wurde der Pavillon erneuert. Leider überlebte das Gebäude nicht, denn bei einer schweren Sturmflut  im November 1911 wurde Westerland überschwemmt mitsamt dem kleinen Pavillon, den das Meer sich holte. Ein Nachbau entstand sehr schnell, eine weitere Verbesserung, nämlich die muschelartige Form, folgte in den 1920er Jahren. Der Pavillon entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer festen Kulturinstitution. Die Musik erstarb jedoch während des Zweiten Weltkrieges. Zum Glück ging diese Zeit mit all ihren Schrecknissen vorüber. Die Musikmuschel wurde 1949 noch einmal neu in der jetzigen Form gestaltet und unter dem Namen “Musik am Meer” begeistern jedes Jahr in den Sommermonaten diverse Musikveranstaltungen tausende von Gästen.

Die heute etwa 10.000 Einwohner Westerlands müssen mit einer großen Anzahl von Touristen fertig werden. Aber es ist ja auch ihr Broterwerb; man lebt hier vom Tourismus. 1855 wurde Westerland das Prädikat eines Seebades verliehen. Die damals 500 Einwohner hatten in ihrer allerersten Saison 98 Gäste! Der Ort galt bald als fortschrittlichstes Seebad, da Männer und Frauen im sogenannten Familienbad gemeinsam baden durften. Immer mehr Menschen wollten in die Sommerfrische und die gesunde Seeluft genießen. Es entstanden viele Kurheime; man benötigte mehr Betten für die Gäste und leider fielen viele der schönen alten Villen neuen Apartmentbauten zum Opfer. Insbesondere in den 1960er Jahren veränderte sich das Stadtbild durch den Boom des Tourismus völlig.

Friedrichstraße

Friedrichstraße

Blockhouse Restaurant

Blockhouse Restaurant

Uns zog es in die berühmte Friedrichstraße, der Hauptgeschäftsstraße der Stadt. Sie ist eine Flaniermeile. Hier heißt es „sehen und gesehen werden“. Es wurde uns bald zu voll in all den Geschäftsstraßen, und shoppen wollten wir sowieso nicht, wenngleich es auch 1001 Gelegenheit dazu gegeben hätte und hier herrschte außerdem Maskenpflicht. Also schwenkten wir in die ruhigen Wohnstraßen, wo wir die Masken abnehmen konnten und noch etliche der schönen im Friesenstil erbauten Häuser mit den tief heruntergezogenen Reetdächern und Gauben bestaunen und bewundern konnten. Eine gute Stunde später waren wir zurück am Campingplatz.

Evangelische Kirche

Evangelische Kirche

Ev. Kirche

Ev. Kirche

Friesenhaus

Friesenhaus

Unsere Schrittzählerin rechnete fleißig die geleisteten Kilometer mit, am Ende waren es tatsächlich 14 geworden! Die Füße qualmten ein bisschen.

Montag, 21. Juni 2021

Nach dem gestrigen Gewaltmarsch ließen wir es heute ruhig angehen. Es regnete leicht und wir verbrachten den Vormittag mit Schreiben und Lesen. Am Nachmittag spazierten wir bei leichtem Nieselregen mit dem Schirm bewaffnet zum Rantumer Hafen nach Alt-Rantum. Dabei kamen wir am Meerkabarett vorbei, einem Rantumer Veranstaltungsort, erbaut von der Firma “Sylt Quelle”. Auf Grund von Corona finden dort aber derzeit keine Veranstaltungen statt.

Mit einigen anderen nicht wasserscheuen Touristen vertrieben wir uns die Zeit mit Schauen. Es gibt dort nur wenige kleine Lädchen mit hübschen Souvenirs und einem Bekleidungsangebot. Wer jetzt noch keine Regenjacke hat, hier ist die Möglichkeit …  Ebenso ein Souvenir- und Bekleidungsladen des berühmten Sansibar-Restaurants. Eine Kaffeerösterei mit Kaffeeausschank hat sich dort auch versteckt. Aber wegen des Wetters war es dort mehr als gut besucht und wir fanden keinen Platz mehr. So genossen wir nur den Duft von geröstetem Kaffee, der über die Straße zog. Es gibt hier auch eine Strandkorbmanufaktur. Es ist sicher interessant, das Entstehen von handgefertigten Strandkörben zu beobachten. Neben der Strandkorbmanufaktur gibt es eine “Bonscherei,” eine Bonbon-Kocherei, die man besichtigen kann.

Shop und Fertigungshalle der Sylter Strandkorbmanufaktur

Shop und Fertigungshalle der Sylter Strandkorbmanufaktur

Ausstellung hier gefertigter Strandkörbe

Ausstellung hier gefertigter Strandkörbe

Rantum ist die schmale Taille von Sylt. 600 Meter trennen die wilde Westküste von der ruhigen Wattseite. Hier kommt wahres Inselgefühl auf: Steht man auf den Dünenkuppen, schaut man auf der einen Seite auf die Nordseebrandung und den Weststrand, – auf der anderen Seite sieht man die Weiten des  ostseitigen Watts. Sturmfluten und Flugsand haben dem Ort Rantum, der einer der kleinsten Orte der Insel ist, in der Vergangenheit viel abgerungen. Wohl deshalb trägt Rantum den Beinamen “das flüchtende Dorf“.

Auf dem Deich entlang liefen wir, an zutraulichen Schafen vorbei wieder Richtung Stellplatz. Unser Abendessen war schnell zubereitet. Dann verwöhnten wir unsere drei Musketier-Kaninchen noch mit ein paar Karottenscheiben und verbrachten einen ruhigen Abend.

Schafe auf dem Deich

Schafe auf dem Deich

Abendliche Stimmung in den Rantumer Dünen

Abendliche Stimmung in den Rantumer Dünen

Dienstag, 22. Juni 2021

Die saubere, jodhaltige Meeresluft der Nordsee lässt uns gut schlafen! Bei 15 Grad am Morgen ziehen wir immer noch vor, im Wohnmobil zu frühstücken, Tisch und Stühle bleiben vorerst eingepackt. Wenn es nur trocken bleibt … dafür wären wir schon dankbar!

Nach dem Duschen in dem sehr gepflegten und nach neuestem Standard (Zutritt per Gästekarte) eingerichteten Sanitärgebäude nahmen wir gleich den im selben Gebäude angebotenen Service des Schnelltestens wahr. In einigen Restaurants und Läden wird der 24-Stunden gültige Antigen-Test verlangt und für den Aufenthalt auf dem Stellplatz brauchten wir ihn sowieso (72 Stunden Gültigkeit). Teststationen haben wir auf Sylt schon einige gesehen. Für eine Insel ist es ja auch mehr als wichtig, solche Maßnahmen zu ergreifen, um einen Ausbruch von Covid 19 schnell in den Griff zu bekommen. Unser Test wurde mit ”negativ” bestätigt und wir konnten nun in Ruhe frühstücken.

Ein junger Star wollte uns frühmorgens besuchen

Ein junger Star wollte uns frühmorgens besuchen

Rezeption des Campingplatzes und Bäckerladen

Rezeption des Campingplatzes und Bäckerladen

Danach spazierten wir wieder los, Ziel: Das berühmte Kult-Restaurant Sansibar, mit Köpfchen und sehr viel Fleiß aus einem Kiosk am FKK-Strand ist dort ein kleines Imperium, eine Kultstätte entstanden.

Nach knapp fünf Kilometern schlugen wir uns erstmal Richtung Dünen, denn das Schild “Samoa” Restaurant lockte uns. Sehr urig in den Dünen gelegen, eine Sauna gleich nebenan, der Weg zur Nordsee, zum Abkühlen nach dem Saunagang nicht weit – und das Warnschild: Fotografieren verboten” (wegen FKK). Also verstaute Frederick die Kamera in der Fototasche. Das Restaurant war gut besucht, alle Außenplätze belegt. Hier waren natürlich alle noch bekleidet! De Speisekarte bot Verlockendes an, die Preise etwas über moderat. Sylt halt. Und bei DER Lage …. Da wir aber gerade vom Frühstück kamen, lockte uns nichts.  Den Rückweg zum Campingplatz liefen wir am Strand entlang. Die „Sansibar” muss auf uns noch etwas warten!

Leckere Rosinenschnecken am Nachmittag

Leckere Rosinenschnecken am Nachmittag

Samoa Dünenrestaurant

Samoa Dünenrestaurant

Am Morgen hatte Frederick beim Campingplatz-Bäcker außer Brötchen auch Rosinenschnecken gekauft. Die verspeisten wir am späten Nachmittag mit Genuss. Für Mittwoch planten wir eine Radtour nach Hörnum.

Mittwoch, 23. Juni 2021

Über die Gemeinde Hörnum nachgelesen: Sie liegt an der Spitze des südlichen Nehrungshakens der Insel. Die Einwohnerzahl mit etwa 920 ist gering, aber es kommen ja jährlich Tausende von Touristen hinzu. Interessant finden wir, dass die Südspitze der Insel lange Zeit noch unbesiedelt blieb. Der Grund dafür: Nicht nur die Sturmfluten, sondern auch die Wanderdünen, die immer wieder Häuser unter dem feinen Sand verschwinden ließen.

Ende des 18. Jahrhunderts begann die gezielte Bepflanzung mit Strandhafer, um den Verwehungen endlich Einhalt zu bieten. Zunächst lebten nur wenige Fischer hier. Häufig kamen Strandungsfälle vor Hörnum vor, womit sich die arme Bevölkerung ein Zubrot verdiente. Jedoch waren die Amrumer oft als erste zur Stelle, um die lukrative Bergung durchzuführen. Sie kamen mit ihren Booten herüber gesegelt und bedienten sich so meist vor den Syltern an gestrandeten Schiffen.

Die deutsche Reederei HAPAG sorgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts für einen Anleger, und auch die Sylter Inselbahn (im Volksmund „Rasende Emma” genannt) sorgte für mehr Betrieb in Hörnum. Von 1888 bis 1970 war die Schmalspurbahn im Einsatz und verband Hörnum mit Westerland. Später führte die Bahn bis in den nördlichsten Ort Deutschlands, List. Wie schade, dass es die Bahn nicht mehr gibt. Seit den 1970er Jahren ist die ehemalige (zurückgebaute) Schienentrasse Radweg.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde mehr und mehr gebaut und Hörnum entwickelte sich dann langsam zu dem populären Urlaubsgebiet, das es heute ist.

Auf zur Südspitze der Insel!

Frederick holte nach dem Frühstück die Klappräder aus der Garage des Wohnmobils, baute sie zusammen, prüfte den Luftdruck und dann fuhren wir nach Hörnum – wie von Fredericks Schwester und Bruder empfohlen. Der sehr gute, asphaltierte Radweg verläuft parallel zur Straße und die Strecke beträgt etwa 12 Kilometer. Der frische Wind kam von hinten, was das Fahren sehr erleichterte. Wieder kamen wir am großen Parkplatz des Samoa-Restaurants vorbei und wenige Kilometer weiter am Sansibar-Parkplatz – weithin zu erkennen am Schild mit den gekreuzten Säbeln. Aber heute stand nun einmal Hörnum auf unserem Plan, so hielten wir nicht an.

Ortseingang Hörnum

Ortseingang Hörnum (es klarte später auf)

Eine der vielen schönen Friesenbänke

Eine der vielen schönen Friesenbänke

Anfangs war es noch sehr bedeckt, aber das Wetter wurde immer besser und wir erreichten Hörnum recht zügig. Ein hübscher Ort! Die schönen weißen Friesenbänke im Zentrum – alle so unterschiedlich – luden ein, ein paar Fotos zu machen und natürlich Platz zu nehmen. Wir stellten die Räder beim kleinen Edeka-Markt ab und bummelten durch den Ort.

Dünenhäuser und der Hörnumer Leuchtturm

Dünenhäuser und der Hörnumer Leuchtturm

Leuchtturm

Leuchtturm

Hübsche Ferienhäuser mit kleinen Bauerngärten davor, ein paar kleine Läden mit Souvenirs und Bekleidung und Restaurants lockten mit ihren Angeboten. Und schon waren wir an der Hafenpromenade angekommen. Da ging es schon deutlich lebhafter zu, – kein Wunder bei den weiteren Verlockungen der Fischbuden und Cafés. An der Kaimauer drängten sich die Leute und schauten gebannt ins Wasser. Warum wohl? Wir wurden neugierig und guckten auch, und siehe da, die Robbe Willi ließ sich wieder mal im Hafenbecken blicken. Sie ist ein regelmäßiger Besucher und zieht viele Touristen an. Vielleicht hat sie genauso viel Spaß an den vielen Menschen wie diese an ihr!

Willi, die Robbe im Hörnumer Hafen

Willi, die Robbe im Hörnumer Hafen

Südstrandpromenade

Südstrandpromenade

Wir liefen Richtung Leuchtturm, der einzige auf Sylt, den man besichtigen kann (nur jetzt nicht wegen Corona). Frederick war begeistert über die vielen tollen Fotomotive. Wir schlugen den Weg in den Wald ein, der entpuppte sich als echter Dschungel, und das so nah an der See! Doch ganz plötzlich  waren wir wieder aus dem Wald heraus und standen mitten in den Dünen mit den wunderschönen, kleinen Reetdachhäusern, die versprengt auf den Dünen gebaut waren.

Ferienhäuser in den Hörnumer Dünen

Ferienhäuser in den Hörnumer Dünen

Der "Dschungel" von Hörnum

Der “Dschungel” von Hörnum

Wir suchten ein ganz besonderes Haus, nämlich eines, das Fredericks Bruder im Dezember 2013 bei Sturmflutbedingungen fotografiert hatte. Das Besondere dabei ist, dass im Hintergrund das aufgewühlte Meer zu sehen ist, es tobte damals nämlich der Sturm Xaver. Hermdieter hatte dazu berichtet, dass er sich bei gefühlten 180km/h durch die Dünen gerobbt hatte, um an diese Aufnahme zu kommen. Wir hatten jetzt deutlich besseres Wetter, allerdings nicht die tobende See. Das Haus fanden wir nach einer Weile und Frederick erklomm den kleinen ausgetretenen Pfad der Düne. Leider kam sofort die Bewohnerin des dahinter liegenden Hauses und fragte ihn nach dem Woher und Wohin, ein bisschen peinlich! Aber Frederick hatte wenigstens eine Aufnahme „im Kasten”, schnell wie er war!

Fredericks Foto vom selben Haus bei ruhiger See

Fredericks Foto vom selben Haus bei Sonnenschein ruhiger See

Haus in den Dünen am 6.12.2013 cc H.Dietrich Habbe

Das Originalfoto: Haus in den Dünen am 6.12.2013 cc H.Dietrich Habbe

Schließlich kamen wir an den Strand. Wunderschön! Wir umrundeten die Hörnum Odde, – die gefräßige Nordsee nagt an Sylts Südspitze, so wird sie immer schmaler. Mit Tetrapoden versucht man den Landfraß der Wellen aufzuhalten. Das sind Betonblocksteine, und man mag sie dort leiden oder nicht. Sie sind aber immens wichtig für den Küstenschutz. So ein Koloss wiegt etwa 6 Tonnen. Einige Strandbesucher hatten es sich zwischen diesen Riesen gemütlich gemacht, auch ein paar Nacktbader.

Tetrapoden als Küstenschutz am Hörnumer Weststrand

Tetrapoden als Küstenschutz am Hörnumer Weststrand

Zugang zum FKK-Strand

Zugang zum FKK-Strand

Tolle Krabbenbrötchen 

Unsere Wanderung hatte gute eineinhalb Stunden gedauert und wir waren hungrig. Die nächste Fischbude am Hafen war unsere und wir bestellten zwei Krabbenbrötchen (sehr günstig: 6€ pro Stück). Es wird niemand glauben, der mich kennt, – aber sogar ich (die sonst keinen Fisch bzw. Meeresfrüchte anrührt) hatte Appetit auf frische Krabben! Dazu ein kaltes Flens – lecker! Danach mussten wir unbedingt noch zur nächsten Bude und die dort angebotenen, frischen Waffeln mit roter Grütze probieren. Auch die waren toll! Nach Hörnum fahren wir sicher ein zweites Mal. Allein schon wegen der Krabbenbrötchen und der leckeren Waffeln. Hier gefiel es uns richtig gut.

Übrigens gehen vom Hafen aus die Schiffe der Adler-Reederei nach Föhr und Amrum, ein weiteres nettes Angebot für Touristen. Vielleicht reizt den einen oder anderen auch ein Ausflug zu den Seehundbänken, bestimmt auch oder gerade für Kinder interessant.

Hörnumer Odde

Hörnumer Odde

Außengastronomie am Hörnumer Südstrand

Außengastronomie am Hörnumer Südstrand

Hörnumer Südstrand

Hörnumer Südstrand

Adler Ausflugsschiff auf dem Weg nach Amrum

Adler Ausflugsschiff auf dem Weg nach Amrum

Zurück bei den Rädern, kam ich mit einer anderen Radlerin ins Gespräch. Sie interessierte sich für unsere Klappfahrräder. Wir tauschten uns ein bisschen aus, da sie und ihr Mann auch gern mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Dabei stellten wir fest, dass die beiden – wie wir – aus Itzehoe kamen. Small World … Die beiden stehen mit ihrem Wohnmobil auf dem Westerländer Campingplatz.

Wir radelten noch zusammen zum Wohnmobilstellplatz Hörnum und schauten uns den mal an. Sehr klein, sehr gemütlich und jeder dort grüßte (was wir auf manchen Campingplätzen, wie auch auf dem im Rantum Becken, vermissen). Vielleicht buchen wir nächstes Mal dort. Ist auch eher etwas für uns, da das Hörnumer Zentrum fußläufig zu erreichen ist.

Kunstvoll bemalter Entlüftungskasten in Hörnum

Kunstvoll bemalter Entlüftungskasten in Hörnum

Neuer Ferienhaus-Komplex in Hörnum

Neuer Ferienhaus-Komplex in Hörnum – hübsch anzusehen

Jetzt ging es aber auf direktem Wege zurück, und zwar bei Gegenwind. Unsere neuen Bekannten nahmen eine andere, längere Route durch die Dünen, da erfahrene Dauerradler! Wieder verpassten wir die Sansibar. Es war schon zu spät. Macht nichts, ein andermal dann eben.

Glücklich und leicht erschöpft nach der ersten Radtour „in Jahren“ am Wohnmobil angekommen, staunten wir nicht schlecht‘ als zwei Minuten später „unsere” Itzehoer bei uns ankamen. Sie wollten heim zum Stellplatz in Westerland. Nochmals folgte ein lustiger Plausch bevor die beiden sich auf den Heimweg machten.

Donnerstag, 24. Juni 2021

Wir hatten uns schon bei unserer Ankunft über einen alten, aber gut erhaltenen blauen Lieferwagen der Marke Citroën gewundert, der werbewirksam vor dem Sanitärgebäude des Campingplatzes steht. Denn hier geht nun wirklich jeder mehrmals am Tag vorbei. Die Firma “Kölln Flocken” bietet bis September 2021 verschiedene Müsli-Variationen von diesem Lieferfahrzeug zum Probieren zum Nulltarif an – eine richtig gute Frühstücksportion. Kein Wunder, dass vor dem Fahrzeug immer eine Schlange stand. Heute waren wir dabei, mit einem gesunden Frühstück als Start in den Tag.

Rantum Hafen bei schönem Wetter

Rantum Hafen bei schönem Wetter

Alter Citroen der Fa. Koelln aus Elmshorn

Alter Citroen der Fa. Koelln aus Elmshorn

Dermaßen gestärkt wanderten wir gegen 13 Uhr los Richtung Alt-Rantum. Heute im Sonnenschein sah in der Hafengegend alles freundlicher aus und viele Touristen waren dort unterwegs. Wir wollten das Rantumbecken – ein Landschaftsschutzgebiet – erkunden. Man läuft (oder fährt per Rad) auf einem halbwegs festen Kiesweg kilometerweit auf dem Deich entlang in schöner Landschaft, entdeckt hier oder da interessante Wasser- und Wattvögel, begegnet etlichen Schafen, die das Gras am Deich kurz halten und genießt Natur pur. Ein schöner Rundweg, bei dem wir – wieder am Stellplatz angekommen- etwas über 10 Kilometer „auf der Uhr” hatten. Im Nachhinein müssen wir sagen, dass ein kleines Picknick und eine Flasche Wasser unterwegs ganz schön gewesen wäre. Ob wir’s noch mal lernen?? Auf jeden Fall hatte sich die Wanderung fototechnisch und fitnessmäßig gelohnt!

Austernfischer

Austernfischer

Kormorane

Kormorane

Säbelschnäbler

Säbelschnäbler

Radler auf dem Deich des Rantum-Beckens

Radler auf dem Deich des Rantum-Beckens

Das Biotop des Rantum-Beckens

Das Biotop des Rantum-Beckens – im Hintergrund Westerland

Rantum-Becken Außendeich

Rantum-Becken Außendeich

Am späten Nachmittag schmeckte unsere Belohnung, eine Rosinenschnecke und ein Becher Tee noch mal so gut.

Freitag, 25. Juni 2021

Nach dem Frühstück ließen wir uns erneut (wie vorgeschrieben) im Testzentrum auf dem Campingplatz testen. Nach wenigen Minuten erhielten wir per Email das Ergebnis: negativ. Damit waren wir für 24 Stunden gewappnet und waren uns des Zugangs zu Restaurants sicher. Manche Restaurants verlangen den Nachweis, speziell dann, wenn in der Innengastronomie gegessen werden soll. Das ziehen manche Gäste hier an der See vor, da die Mitesser (Möwen!) draußen ständig auf der Lauer liegen, um etwas von den Tellern zu klauen! Ab morgen zählen wir nun zur Gruppe der vollständig Geimpften und benötigen dann keine weiteren Tests mehr.

Bei schönstem Wetter zogen wir los an den Strand (etwa 300 Meter vom Campingplatz entfernt) und liefen Richtung Westerland (ca. 5 Kilometer). Wieder fiel uns auf, dass hier von einer Saison sicher nicht die Rede sein kann. Immer noch herrscht gähnende Leere in den vielen Strandkörben wie ganz allgemein an den Stränden. Im Wasser war auch kaum jemand. Uns kann das nur recht sein, läuft es sich doch so viel ruhiger am Strand.

Frederick vor einer Strandgut-Skulptur bei Westerland

Frederick vor einer Strandgut-Skulptur bei Westerland

Strandkörbe in Reih und Glied - die meisten aber leer.

Strandkörbe in Reih und Glied – die meisten aber leer.

Am Aufgang Campingplatz Westerland verließen wir den Strand. Eigentlich hatten wir geplant, dort in der von vielen empfohlenen “Osteria” zu essen. Aber dafür war es gegen 15 Uhr viel zu früh. Also weiter nach Westerland. An Ferien- und Apartmenthäusern vorbei standen wir plötzlich mitten in der Stadt vor dem Friedhof der Heimatlosen. Darüber hatte ich schon gelesen. Er wurde bereits 1854 vom Strandvogt Wulf Hansen Decker angelegt. Bis zu dem Zeitpunkt wurden unbekannte Leichen, an den Strand gespült, einfach sich selbst überlassen. Wie man sich vorstellen kann, handelte es sich meist um über Bord gegangene, ertrunkene Seeleute. Am 3. Oktober 1855 wurde der erste an den Westerländer Strand angespülte tote Seemann auf dem neuen Friedhof bestattet. Am 2. November 1905 erfolgte eine letzte Beisetzung. Für jeden der 53 bestatteten Toten wurde ein schlichtes Holzkreuz aufgestellt, auf dem der Zeitpunkt der Beerdigung und der Name des Fundortes vermerkt wurde. Nur einmal gelang es, einen dort beigesetzten Toten nachträglich zu identifizieren: der 18jährige Matrose Harm Müsker, der ein Opfer der See wurde, als 1890 sein Schiff “Gerhardine“ im Oktober 1890 strandete. Heute erinnert eine Gedenktafel an ihn.

Friedhof der Heimatlosen

Friedhof der Heimatlosen

Eingang zum Friedhof für Heimatlose

Eingang zum Friedhof für Heimatlose

Gedenktafel auf dem Friedhof

Gedenktafel auf dem Friedhof

Moderner Innenraum mit Orgel und dem Organisten

Moderner Innenraum mit Orgel und dem Organisten

Kirche St. Christopherus

Kirche St. ChristopherusAuf diesem kleinen gepflegten Friedhof inmitten der Stadt wird man an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert, es zwingt zum Innehalten. 

Gleich gegenüber steht das sehr moderne Gebäude der katholischen St. Christophorus Kirche (der heilige Christophorus, Schutzpatron der Reisenden). Sie wurde in den Jahren 1997 bis 1999 in rotem Backstein erbaut. Sehr einladend war die geöffnete Tür der Kirche, Orgelmusik drang an unser Ohr. Wir gingen hinein, setzten uns und lauschten dem Organisten, der zu seinem Spiel auch sang. Ein wunderschöner Moment. Der Innenraum der Kirche ist mit seinen Holzbänken sehr schlicht gehalten und setzt die Modernität des Gebäudes fort. Sehenswert, auf jeden Fall!

Mittlerweile hatten wir uns Appetit angelaufen und wir suchten uns einen Platz in der Außengastronomie des Fischrestaurants Blum und wunderten uns über die sehr günstigen Preise auf der Speisekarte, – aha: Selbstbedienung am Buffett! Auch gut, wenn das Glas Wein dann nur 5,50€ kostet statt der üblichen 7,50 € und mehr.
Frederick wollte unser Festmahl noch kurz fotografieren, schon stürzte sich eine der riesigen Westerländer Möwen in Richtung unserer Teller! Das Essen schnell mit der Hand abgedeckt, puh – noch mal Glück gehabt – WIR! –  denn die fette Möwe ging leer aus!

Schnitzel und Fischpfanne mit Senfsoße

Schnitzel und Fischpfanne mit Senfsoße

Die gierige Möwe

Die gierige Möwe

Uns hatte es gut geschmeckt bei BLUM, wir bummelten weiter durch den Ort, stockten unseren Lebensmittelvorrat im schicken Edeka-Markt auf, kauften in einem der schönen Buchläden den Roman einer Sylter Kindheit (Susanne Matthiessen: Ozelot und Friesennerz) und traten den Heimweg an.

Plötzlich fuhren zwei uns bekannte Radfahrer uns buchstäblich vor die Füße: „Unsere“ Itzehoer von neulich! Wie nett! Da unser Weg am Westerländer Campingplatz vorbei führte, luden die beiden uns auf einen Kaffee in ihr Wohnmobil ein und wir klönten noch eine ganze Weile.

Ingrid und Ekko sind so sportlich, radeln Unmengen an Kilometern und laufen noch mal so viele, dass sie sich entschlossen, uns auf unserem Fußmarsch zurück zum Campingplatz zu begleiten. Wir brachen also gemeinsam die ca. vier Kilometer nach Rantum auf und luden sie dann noch ein auf ein Wasser/Bier und verklönten

doch tatsächlich noch bis spätabends gegen halb elf die Zeit! Ja, wenn sich Lebenswege begegnen …

Im nächsten Bericht erfahrt ihr, was wir in der zweiten Woche auf Sylt erlebten.

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