Mårbacka – Kapellskär

 In 2017, Schweden

Freitag, 14. Juli 2017

Kaputte Brille – Mårbacka

Was ich vergessen hatte zu erwähnen: am Mittwoch Abend fegte ich nach dem Essen versehentlich Annes Brille vom Tisch, ohne es zu bemerken. Beim Aufstehen dann ein hässliches Geräusch unter dem Fuß und das war’s mit Annes Brille. Nur noch Scherben. Welch ein Malheur! Sofort wurde mit Barbro und Ingemar beraten, was zu tun sei. In der ca. 1. Stunde Fahrtzeit entfernten Stadt Karlskoga sollte es eine Specsavers Filiale geben (so etwas ähnliches wie Fielmann bei uns). Wir beschlossen, am Freitag dorthin zu fahren, was wir dann auch taten. Vom letzten Besuch in dieser Stadt (hier wohnen auch unsere Freunde Margareta und Rune, die wir letzten Samstag in Falkenberg getroffen hatten) wussten wir, dass es hier einen sehr schönen Stellplatz gab mit modernen Duschen und Toiletten, Stromsäulen und einer sehr sauberen Ver- und Entsorgungsanlage.

Karlskoga Stellplatz

Karlskoga Stellplatz

Die schöne Holzkirche in Karlskoga

Die schöne Holzkirche in Karlskoga

Zu diesem Stellplatz steuerten wir als erstes, um uns einen Platz zu sichern, denn er ist sehr populär. Wer nicht bis 11 Uhr da ist, hat nur noch geringe Chancen. Wir hatten Glück. Als erstes gönnten wir uns den Luxus einer langen Dusche. Als wir wieder am Wohnmobil waren, sahen wir zu unserer Überraschung, dass unsere neuen, englischen Freunde Frances und Stephen den letzten freien Platz direkt neben uns ergattert hatten. Wir gingen dann ins Zentrum, um das Brillenproblem zu lösen. Wir hatten geplant, die Brille in dieser Filiale zu bestellen und sie dann in einer Filiale im Süden Schwedens in der letzten Woche unserer Reise abzuholen. Leider konnte man uns aber die Lieferzeit nicht garantieren, so dass Anne entschied, vorläufig auf die Brille zu verzichten, um dann in Deutschland ,zu bestellen.

Wir machten noch einen Stadtrundgang, erledigten notwendige Einkäufe und marschierten dann zurück zum Stellplatz. Dort verabschiedeten wir uns von Frances und Stephen, zu denen sich mittlerweile ein Entenpärchen gesellt hatte.

Entenbesuch bei unseren englischen Freunden

Entenbesuch bei unseren englischen Freunden

Innenraum der Kirche in Karlskoga

Innenraum der Kirche in Karlskoga

Unser Tagesziel war das Anwesen Mårbacka der berühmten schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf (u.a. Nils Holgerssons wunderbare Reise) nahe des Ortes Östra Ämtervik. Die Fahrt dorthin dauerte volle vier Stunden, denn es ging über einige enge Nebenstraßen, die die Durchschnittsgeschwindigkeit beträchtlich reduzierten.

Das Anwesen Mårbacka hat einen eigenen Stellplatz für Wohnmobile, wo wir um 17.30 Uhr ankamen. Das Wetter war toll und wir richteten uns auf einen ruhigen Abend ein. Anne ging es weiterhin sehr dreckig, ihr Hals schmerzte und ständiger Husten ermüdete sie. Daher verzog sie sich jetzt ins Bett, denn sie brauchte Ruhe. Ich wanderte auf dem Anwesen herum, genoss das warme Wetter und machte einige Fotos. Morgen würden wir uns die geführte Tour im Herrenhaus gönnen.

Café und Restaurant

Café und Restaurant

Häuser der Bediensteten in Mårbacka

Samstag, 15. Juli 2017

Selma Lagerlöf

Wieder erwachten wir zu einem tollen, sonnigen Tag. Anne hatte zum Glück gut geschlafen, vielleicht auch weil es hier sehr ruhig war. Es ging ihr etwas besser. Wir frühstückten, kauften uns dann die Tickets für die Führung in englischer Sprache (sollte erst um 13.30 Uhr beginnen). Die Zwischenzeit nutzen wir zu einem ausgiebigen Rundgang auf dem Gelände des Hofes, besichtigten die Unterkünfte der Angestellten, die Ställe und anderen Wirtschaftsgebäude. Alles war als Museum für die Nachwelt erhalten und wir bekamen einen guten Eindruck vom Leben in Schweden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dann war es auch schon Zeit für die Führung und wir fanden uns kurz vor 13.30 Uhr vor dem Haupteingang des Herrenhauses ein. Unser Führer war ein junger Mann namens Jon, der ein ausgezeichnetes Englisch sprach und unserer kleinen Gruppe, zwei Russinnen, zwei deutsche Frauen und uns das Leben von Selma Lagerlöf sehr unterhaltsam nahebrachte. Wir wurden so richtig in die damalige Zeit versetzt. Das Haus war sehr beeindruckend, hell und wohnlich. Ganz sicher war dieser Hof nicht „das Übliche“ eines Normalbürgers, Selma Lagerlöf hatte den Rückkauf (Ihr Vater hatte sich einst verspekuliert und Haus, Hof und Grundstücke verloren) des Hauses mit Dynamite Money (so nannte sie es) finanziert, also mit dem Geld, dass sie als Nobelpreis-Trägerin (Literatur) erhalten hatte.

Mårbacka Herrenhaus

Mårbacka Herrenhaus

Wirtsschaftsgebäude

Wirtsschaftsgebäude

Übrigens war sie die erste Frau, der ein Nobelpreis zugesprochen wurde. Und so waren einige Räume entsprechend luxuriös eingerichtet: eine große Bücherei, eine wunderbare Porzellansammlung (das meiste waren Geschenke von Besuchern), ein zu seiner Zeit modernes Radio von Telefunken, auch das war ein Geschenk. Offensichtlich wollten sich einige damit schmücken, einer Nobelpreis-Trägerin wertvolle Geschenke zu machen. Selma Lagerlöf galt als vorbildliche Arbeitgeberin. Sie beschäftigte an die 20 Familien auf dem Hof, so war immer viel los. Natürlich gab es viele Kinder, die dort aufwuchsen. Im Grunde war es ihre Großfamilie, sie war ja unverheiratet und kinderlos. Sie hatte bereits eine Krankenversicherung und ein Rentensystem für ihre Arbeiter und Angestellten eingeführt, allerdings mit Einschränkungen: bei selbstverschuldeter Krankheit durch Alkoholmissbrauch
trat die Versicherung nicht in Kraft (be warned!). Vielleicht war das gar keine schlechte Idee … sie hatte in dieser Hinsicht sicher auch die negative Erfahrung mit ihrem Vater vor Augen. Nach einer 3/4 Stunde war die Führung, für die wir gern die (ca.) 30 Euro bezahlt hatten, beendet und wir gingen zurück ins Wohnmobil, wo die restlichen Kanelbullar (Zimtschnecken) auf uns warteten. Die verzehrten wir mit Genuss mit einem Becher Kaffee.
Weiter ging die Fahrt nach Ludvika, einer Stadt, die wir nach zwei Stunden erreichten. Der freie Stellplatz direkt am See war ruhig. Also übernachteten wir hier.

Blick über den See auf die Stadt Ludvika

Blick über den See vom Stellplatz auf die Stadt Ludvika

Ludvika

Ludvika Stellplatz

Sonntag, 16. Juli 2017

Norrtälje und Kapellskär

Kurze Einstellung im Navi, Weg nach Norrtälje: nur knapp drei Stunden über die Autobahn, auf Nebenstrecken um ein Vielfaches länger! Nein, danke. Es fährt sich gut in Schweden, gerade auch sonntags ist nicht viel los auf den Straßen, so ist es ein entspanntes Fahren. Wie landschaftlich schon zuvor, Wald – Wald – Wald – Seen – Seen – rote Häuser und wunderschön blühende wilde Lupinen am Straßenrand, ein bisschen wie in Polen über Land.
Norrtälje kam in Sicht und wir fuhren als erstes einen Campingplatz an, um das Wohnmobil zu ver- und entsorgen. Das kostete nur 25 Kronen! Danach fanden wir in Nähe des Zentrums einen Parkplatz und bummelten in die Stadt. Einige Läden hatten bis 16 Uhr geöffnet und entsprechend lebhaft war es denn auch. Endlich mal wieder eine Stadt nach meinem Geschmack: kleine verwinkelte Gassen, wunderschöne alte restaurierte Holzhäuser, ein Wasserlauf, die Fotos zeigen es!

Sanierte Innenstadt

Kreative Straßendekoration in Nortällje

Norrtälje-Au - Idylle mitten in der Stadt

Norrtälje-Au – Idylle mitten in der Stadt

Sind die Ringe nur Dekoration - wir wissen es nicht

Sind die Ringe nur Dekoration – wir wissen es nicht

Sjötorp – Karlskoga – Mårbacka – Norrtälje – Kapellskär

Schwedische Holzarchitektur in der Innenstadt von Norrtälje

Schwedische Holzarchitektur in der Innenstadt von Norrtälje

Restaurantschiff "Norrtelje"

Restaurantschiff „Norrtelje“

In Schweden (ach, eigentlich wie überall) gibt es nämlich so’ne und solche Städte, einige – meist kleine Industriestädtchen – sind total langweilig und stellen sich beim Besuch als enttäuschend heraus. Norrtälje ist wieder ein Glücksgriff, einfach wunderschön! Gut, dass Annes Lebensgeister so langsam zurück kamen und sie den Spaziergang genießen konnte. Anschließend fuhren wir die 20 Minuten nach Kapellskär, dem Fährhafen, von dem unser Schiff am Montagmorgen nach Långnäs auf Åland ablegen sollte. Auf dem Parkplatz im Hafengebiet standen bereits einige Wohnmobile und man kann für 30 Kronen Gebühr übernachten. Die vielen LKW’s störten uns dieses Mal nicht so sehr, sie waren weit genug weg.

 

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Comments
  • H. und C.-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Detleffs!
    Zuerst einmal wünschen wir Anne eine schnelle und gute Genesung – auch ohne Brille!
    Wir alle kennen das: Urlaub und kranksein geht gar nicht. Da wird man um die Erholung und den Spaß ganz fies betrogen!
    Euer Mitbringsel für die schwedischen Freunde, jedenfalls was den Matjes betrifft, können die Beschenkten nur
    als „Fischkost light“ betrachten, wenn ich da an den stinkenden Gammelfisch in Dosen, der Lieblingskost der Schweden, denke.
    Aber so können die Schweden erfahren, wie man auch auf angenehme Weise eingelegten Fisch essen kann…
    Da hat sich also die Selma in ganz besonderer Weise als sozial herausgestellt, indem sie die Nobel-Million doch irgedwie auch unters Volk
    gebracht hatte. Die unverheirateten, kinderlosen schwedischen Frauen tun sich diesbezüglich ganz besonders hervor. Das habe ich 1951
    über Weihnachten mit Klara Skogsberg in Säffle ganau so erfahren dürfen! Sie hat damit und mit dem dort erlebten meine Liebe zu Schweden begründet.
    Ich wünsche Euch für die Überfahrt mit der Fähre viel Spaß – hoffentlich kann Anne das schon genießen!
    Liebe Grüße, auch von Helga,
    Assi

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