Karlskoga Tag 2

 In 2016, Schweden

Freitag, 29. Juli 2016
Ein Tag mit Margareta und Rune

Nach dem Aufstehen und Frühstücken zog die Karawane Bettina und Harald weiter und wir winkten ihnen hinterher. Dann war noch ein wenig Fotobearbeitung angesagt, und gegen 13.30 Uhr sollten wir von Margareta und Rune abgeholt werden. Und schon war die Zeit um und sie standen vor unserer Tür mit ihrem schicken nagelneuen Auto, einem Volvo V 40 in edlem Braun-Metallic. Wir freuten uns alle über das Wiedersehen.

Sie fuhren mit uns zu Alfred Nobels Björnborn, dem Alfred Nobel Museum in Karlskoga. Wieder war es ein schöner Sommertag und das hübsche Gartencafé verlockte zum Bleiben. So hatte Margareta es dann auch arrangiert, wir wurden zum Lunch eingeladen. Frederick und Rune entschieden sich für Räkmacka, das sind reichlich mit  Krabben und Mayonnaise/Salat belegte Brötchen. Dazu gab es dann auch mal ein leichtes Bier (nur 2,8 %), für die Damen Kaffee. Margareta und ich wählten die so leckeren Våfflor, für die ich auch das Rezept habe. Die schwedischen Waffeln sind luftiger und leichter als die belgischen. Sie werden mit Jordbärsylt (Erdbeermarmelade) und nur leicht aufgeschlagener Sahne serviert. Ich staunte nicht schlecht, als die Serviererin jeweils 2 Waffeln brachte. Die wuppt man aber leicht, weil sie einfach zu lecker sind!

Unsere geführte Tour im Herrenhaus Nobels begann erst um 15 Uhr. So hatten wir genügend Zeit, über die Reisen und Erlebnisse des vergangenen Jahres zu sprechen. Die Atmosphäre im Gartenlokal war wunderschön. Dann gingen wir durch das angeschlossene Museum, das erst vor etwa 10 Jahren vom schwedischen König eingeweiht worden war. Hier wurde ordentlich mit dem Säbel gerasselt. Da es nicht mehr aus der Zeit der Säbel ist, handelte es sich um eher modernes Kriegsgerät wie Kanonen, Mörser, Panzer. In Karlskoga ist nämlich die Firma Bofors angesiedelt, Industriezweig Rüstung, vergleichbar mit Krupp in Deutschland. Durch Eisenfunde hatten sich seit dem 17. Jahrhundert in dieser Gegend Eisenhütten etabliert. 1894 kam Alfred Nobel ins Spiel, er kaufte die Firma Bofors und besaß sie und auch große Ländereien bis zu seinem frühen Tod, 1896.  Gerade er sorgte maßgeblich für einige Modernisierungen, so dass die Firma sich zur zeitgemäßen Rüstungsindustrie entwickelte (chemischer Zweig und der Bau von Kanonen). Nicht alle Bewohner waren glücklich über die Zur-Schau-Stellung des Kriegsgerätes. So mussten einige Kontroversen überwunden werden, bis es zu den heutigen Ausstellungsräumen kam.

Wir gingen zum Herrenhaus hinüber, wo schon die nette Museumsführerin Edith auf die Gruppe wartete. Margareta und Edith kannten sich gut, weil sie einmal Nachbarn gewesen sind. Es stellte sich heraus, dass Edith aus Deutschland kam, nun aber schon seit 60 Jahren in Schweden lebt. Demnächst wollte sie nach Norddeutschland, Plön und Henstedt-Ulzburg reisen, um Freunde zu besuchen. Ja, die Welt ist klein! Außerdem berichtete sie über eine Tour nach Königsberg und Tilsit in Ostpreußen, woher sie ursprünglich stammte. Aber dies nur nebenbei …

Alfred Nobel kam 1833 in Stockholm zur Welt. Er hatte drei Brüder. Schon der Vater war Erfinder und Unternehmer und hatte ganz offensichtlich diese Gene an Alfred weitergereicht. Bis wir auf Alfred Nobel in Karlskoga treffen, liegt ein abenteuerliches Leben dazwischen mit hohen an ihn gestellten Anforderungen. Mit 17 beherrschte er fünf Sprachen, hatte in Russland gelebt, war durch Europa und USA gereist. Wie wir alle wissen, galt sein besonderes Interesse dem Explosiven, und erste Experimente mit Nitroglycerin, dem hochexplosiven Stoff folgten. Er entwickelte das Dynamit, mit dem man kontrollierte Sprengungen vornehmen konnte, zum Beispiel für den Bau von Tunneln, Straßen etc. insgesamt hatte Nobel 355 Patente erfolgreich angemeldet.

Im Haus konnten wir leider nur das große Speisezimmer, schön eingedeckt, das Arbeitszimmer, die Bibliothek und einen weiteren kleinen Raum bewundern. Die oberen Zimmer waren nicht zugänglich, da sie für eine Hochzeitsfeier umgerüstet wurden. Edith erklärte das Leben Nobels mit viel Begeisterung. Zu Reichtum gekommen, hatte Alfred Nobel Rückzugsorte in Sanremo (dort starb er 1896) und Paris. Da die Erfindung des Dynamits viel Leid und Unheil über die Menschen gebracht hat, verfügte Alfred Nobel testamentarisch, dass einmal im Jahr ein Preis an diejenigen verliehen werden sollte, die etwas ganz Besonderes für die Menschheit leisteten. Am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, wird seit 1901, der Nobel-Preis, die größte wissenschaftliche Auszeichnung in den Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur in Stockholm verliehen. Der Friedensnobelpreis jedoch wird in Oslo ausgehändigt, so hatte es Alfred Nobel festgelegt.

Leider schafften wir gar nicht mehr den Weg ins Labor, sondern brachen zum Sightseeing der Umgebung auf. Margareta stammt aus Karlskoga und Rune lebt schon viele Jahre hier. So ging es durch die waldreiche Gegend, an Relikten der alten Eisenhütten vorbei. Das war sehr interessant. Auch zu einem Köhlerhof im Wald fuhren wir noch und lernten einiges über die Herstellung von Holzkohle, eine ziemlich schmutzige und verräucherte Angelegenheit! So wurde sehr anschaulich dargestellt, wie ein Kohlemeiler aufgebaut wurde. Das wird hier an dieser Stelle jedes Jahr für ca 14 Tage vorgeführt. Dann kann man Säcke mit dort produzierter Holzkohle kaufen und sich leckere Pfannkuchen genießen, die mit der Holzkohle in großen Pfannen gebraten werden. Wir kehrten dann noch in einem Hofladen ein, in dem nicht nur Eier und Käse aus Bio-Haltung verkauft wurde, sondern auch Geschenkartikel und schöne kleine Einrichtungsgegenstände.

Margareta und Rune mit Anne vor dem Eisenhüttenmuseum

Margareta und Rune mit Anne vor dem Eisenhüttenmuseum

Büste Nobels

Büste Nobels

Schließlich ging es zu Margaretas und Runes Haus, das in einem sehr hübschen Wohngebiet Karlskogas liegt. Im schönen Garten mit den bunten Blumenbeeten gibt es zu den Nachbarn hin keine Begrenzungen, da sich alle gut miteinander verstehen. Da es noch warm war, saßen wir draußen auf der Terrasse. Tochter Karin, die auf Urlaub ist, gesellte sich hinzu, ihre beiden Kinder Tuva (11) und Alve (8) tobten nach der Begrüßung auf dem Rasen herum. Frederick konnte Runes Angebot, einen schwedischen Whisky zu probieren nicht widerstehen und befand ihn für mild und gut. Margareta wirbelte in der Küche herum und zauberte ein leckeres Büfett. Da gab es unter anderem auch Elchfleisch zu probieren. Der Gesprächsstoff ging uns mit diesen beiden lebhaften Freunden sowie mit Karin und ihren Kindern nicht aus und wir hatten so einen tollen Abend miteinander. Erst gegen 23 Uhr brachen wir auf und beide, dieses Mal mit Margareta als Fahrerin brachten uns zurück zum Wohnmobil. Ein sehr schöner Tag ging zu Ende. Die überwältigende Herzlichkeit der Beiden hat uns sehr berührt und natürlich luden wir sie zu uns in Malente ein,wenn sie mal mit ihrem Wohnmobil in unserer Nähe sind.


 

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