Südwest-Schweden (Falsterbo – Trelleborg – Smygehuk)

 In 2016, Schweden

Dienstag, 12. Juli 2016
Fährüberfahrt Travemünde – Malmö

Frühes Aufstehen ist angesagt, um 7.00 Uhr klingelt der Wecker. Wer weiß, welche Hindernisse in Form von Baustellen, Berufsverkehr Lübeck vor uns liegen … Die Fähre nach Malmö ab Travemünde, Abfahrt 10.00 Uhr wollen wir auf keinen Fall verpassen.

So geht es also ohne Frühstück und Kaffee los, dafür ist an Bord genug Zeit. Ca. 9 Stunden dauert die Überfahrt. Gepackt haben wir in den Tagen zuvor Lebensmittel, warme und leichte Bettdecken, hoffentlich an alles gedacht. Und eigentlich fahren wir ja auch nicht  in die Wüste, alles Übrige kann vor Ort gekauft werden.

Bereits nach 45 Minuten haben wir ohne Probleme den Fährhafen erreicht und versuchen, uns in der schlechten Ausschilderung zurecht zu finden. Die  Finnline Spur ist unser Ziel, viel ist nicht los. Wer immer der Betreiber des Fährhafens ist, sollte in sich gehen und sich schämen. So etwas Verschlamptes im Jahr 2016 ist unfassbar! Völlig ungepflegt das ganze Areal! Wenn im Ticket- und Kontrollhäuschen nicht die nette Schwedin gewesen wäre, die wohl Mädchen für ALLES ist: Pass- und Ticketkontrolle,  später Follow-me Car (Zubringer zur richtigen Spur, die jedoch ausgeschildert „Fähre nach Helsinki“ war, wohin wir nicht wollten!). Und sie meinte sich sogar an den Namen Habbe und die Verbindung Australien (Fredericks  Pass) zu erinnern, also fungiert sie auch noch bei den Telefonbuchungen. Hut ab! Ich schätzte sie auf kurz vor dem Rentenalter ein. Sie tat mir leid, in so einem verwahrlosten mit Unkraut bewachsenen Umfeld arbeiten zu müssen. Der Terminal ist nicht mehr zeitgemäß und braucht meiner Meinung nach eine Runderneuerung!!!

Jedenfalls waren wir schon gegen 9.30 Uhr auf dem Schiff, suchten uns ein nettes Plätzchen drinnen und konnten uns über unser mitgebrachtes Frühstück hermachen. Das Bord-Restaurant öffnete erst um 11 Uhr, die kleine Bar für Kaffee, Bier etc. blieb geschlossen, wohl weil nicht genügend Passagiere an Bord waren. Uns fielen viele junge Familien auf mit ihren kleinen Kindern, wir hörten viel französisch: Bildungs-Tripp nach Schweden? Während der Tour bekamen wir einen Einblick, wieviel Kraft und Phantasie benötigt wird, um die lieben Kleinen neun Stunden lang zu amüsieren und zu unterhalten. Manche Eltern hatten sich offenbar für Tageskabinen entschieden, in die sich die Familien mal zurückziehen konnten.

Wir vertrieben uns die Zeit mit Lesen, Rätsel raten und – da das Wetter immer besser wurde – mit draussen an Bord sein. Die frische Seeluft begeistert uns immer wieder!

So verging die Zeit, und schließlich war es soweit: Unruhe kam auf, jeder machte sich bereit für das Foto shooting der großen Öresund-Brücke, die Schweden (Malmö) mit Dänemark (Kopenhagen) verbindet. So auch Frederick, dem ein paar gute Schnappschüsse gelangen. Nicht mehr fern konnten wir den „Turning Torso“, den in der Abendsonne erstrahlenden weißen in sich verdrehten Wohn-Turm sehen. Wir kennen ihn auch aus der Nähe und wissen, dass hier am Ufer der Ostsee teure Wohnungen entstanden sind.

Öresundbrücke

Öresundbrücke

Seezeichen im Öresund

Seezeichen im Öresund

Turning Torso Malmö

Turning Torso Malmö

Gegen 19.15 Uhr fuhren wir vom Schiff und nahmen uns die Halbinsel Falsterbo an der schwedischen Südwest-Spitze zum Ziel, dieses Mal also nicht den Parkplatz am Strand von Malmö wie in den Vorjahren. Es dauerte nicht lange, da hatten wir die Halbinsel erreicht. Mit dem vielen Wasser drumherum ist es natürlich ein Ferien- und Touristenziel: kleine Häfen mit Yachten und Booten, viel Strand und gemütlich aussehende Ortschaften mit verträumten Holzhäusern und Bauerngärten. Wir entschieden uns zur Übernachtung für einen kostenlosen Platz direkt am Falsterbo-Kanal, der die Halbinsel vom Festland trennt. Im Sommer geht alle halbe Stunde die Brücke hoch, um die vielen Freizeitboote hindurchzulassen, die sich dadurch den langen Weg um die Halbinsel herum sparen können. Im Winter gilt ein anderer Zeitplan und an Weihnachten und Silvester geht für die Boote gar nix! Muss man wissen …

Auf dem Stellplatz am Falsterbo-Kanal

Auf dem Stellplatz am Falsterbo-Kanal

Auf dem Stellplatz am Falsterbo-Kanal

Auf dem Stellplatz am Falsterbo-Kanal

Wir fühlten uns hier sicher, standen wir doch nicht allein. Eine schwedische Familie mit zwei Kindern stand mit seinem Wohnmobil neben uns.  Es war ein schöner Sommerabend und wir konnten unser Abendbrot draußen genießen und dann den Sonnenuntergang über dem Öresund bewundern.

Mittwoch, 13. Juli 2016
Falsterbo – Trelleborg – Smygehuk

Gut ausgeschlafen und gemütlich gefrühstückt wollten wir auf der Weiterfahrt den Hauptort mit demselben Namen, Falsterbo erkunden. Dazu fuhren wir weiter westlich auf die Halbinsel und parkten in einer der schmalen Wohnstraßen. Der Ort besteht aus ganz zauberhaften kleinen Häuschen, die wir so eher aus Dänemark kennen. Ist eben nahe dran an Dänemark, das schöne Schonen. Kein Wunder, dass Erholung Suchende sie hier in dieser Beschaulichkeit finden: Bauerngärten, Stockrosen, Lavendelbüsche wohin man sieht! Einladende Cafés und Restaurants, B&B’s, hier scheint man als Urlauber richtig zu sein. Was die Einheimischen wohl im Winter machen?

Idyllischer Supermarkt in Falsterbo

Idyllischer Supermarkt in Falsterbo

Strand von Falsterbo

Strand von Falsterbo

Wir schlenderten durch den Ort und kamen nach kurzer Zeit zum Strand. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass Mittagszeit war – und viele Familien mit Kindern vom Strand weg strebten. Vielleicht wollte man auch der Mittagshitze entgehen. Wir entschieden uns für eine Strandwanderung von einer Stunde, das war schön! Weit und breit waren keine Strandkörbe zu sehen, und Kurtaxe war auch nicht zu bezahlen, obwohl der Strand gepflegt war. Gibt’s wohl nur in Deutschland ….

Da Frederick die SimCard vom Vorjahr aktivieren wollte, mussten wir einen grösseren Ort mit Telefon-Shop ansteuern. Außerdem wollten wir Trelleborg sowieso einmal kennenlernen, den anderen Fährhafen, den man auch von Travemünde erreichen kann – allerdings zu teureren Konditionen. Ab hier gehen auch Fähren nach Sassnitz/Rügen, Rostock und Swinemünde. Nach 20 Minuten Fahrtzeit waren wir schon in Trelleborg, einer Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern. Leider nahmen wir uns nicht genügend Zeit, da wir auf die Schnelle nur einen Parkplatz am Stadtrand, an der Ostsee mit zwei Stunden Parkdauer finden. Ein schön aussehender Weg entlang der Uferstraße verlockt uns, von hier aus ins Zentrum zu gehen. Aber ach, wie stinkt es hier! Es liegen angeschwemmte Algen am Ufer, die vor sich hin gammeln. Wahrscheinlich ein Futterparadies für Wasservögel, die sich nicht an dem Gestank stören. Trotzdem sind Bänke aufgestellt, das Gras ist gemäht – vielleicht riecht’s im Winter nicht!

Stinkende Algenbrühe

Stinkende Algenbrühe

Witzige Statue in der Fußgängerzone in Trelleborg

Witzige Statue in der Fußgängerzone in Trelleborg

Nach halber Stunde Fußmarsch ist das Zentrum erreicht und die Suche nach dem Telefonladen beginnt. Normalerweise sind die Städte „übersät“ damit, nur wenn man einen sucht und braucht …

In der Innenstadt sieht es sauber und schön aus. Es ist viel los, Urlaubszeit. In einem Einkaufszentrum werden wir fündig und kauften 30GB Daten für den 30 Tageaufenthalt. Damit haben wir dann Zugriff auf das Internet direkt im Wohnmobil mit iPhone, iPad und Laptop. Als Frederick die Karte per Smartphone aktivieren wollte, musste er die Telefonnummer der SimKarte eingeben, aber die hatte er nicht mehr. Nachfragen in den Telefonläden brachten nichts, so dass Frederick letztendlich die Telefongesellschaft anrief. Die konnten die Telefonnummer durch den auf der Karte aufgedruckten Code ermitteln und schon lief alles.

Tapfer segeln wir an allen Verführungen vorbei, als da sind gemütliche Cafés, nette Bistros, Eisläden. Eine halbe Stunde haben wir noch Zeit für den Rückweg und schaffen es auch rechtzeitig. Auf dem Weg entlang dr Küste sehen wir eine Krähe, die sich einen Joghurtbecher aus einem Müllbehälter schnappt und damit davonfliegt. Sah schon lustig aus.

Fußgängerzone Trelleborg

Fußgängerzone Trelleborg

Krähe mit Joghurtbecher

Krähe mit Joghurtbecher

Niemand scheint die Parkdauer zu kontrollieren, also lassen wir uns noch Zeit für unser Mittagessen, heiße Würstchen mit Brot. Über dem kleinen Teich neben uns fliegen kreischende Möwen, offenbar auf der Jagd nach Futter. Als mir das Geschrei zu viel wird, schaue ich mal nach und stelle mit Entsetzen fest, dass die Möwenhorde auf der Jagd nach den kleinen Küken der im Schilf sitzenden Blesshühner sind. Und richtig, da sehe ich eine Möwe im Sturzflug auf eines der hilflosen Küken stürzen und sie fliegt mit dem Kleinen im Schnabel davon!

Empört greife ich nach einem grossen Handtuch und wedele es über meinem Kopf hin und her. Es glückt, die Möwen sind nach kurzer Zeit vertrieben, denken wohl, ein noch größerer Vogel kommt sie holen … Das aufgeregte Blesshuhn-Paar tut mir leid. Ein paar Kleine, die im Schilf paddeln, sind ihnen noch geblieben.

Vielleicht für den nächsten Besuch: Trelleborg ist nach der Wikingerburg Trelleborg benannt, sicher interessant. Der alte Marktplatz, eine Klosterruine, eine rundum schöne besichtigenswerte Stadt.

Wir fahren durch die schonische Landschaft weiter nach Smygehuk, wo wir schon einmal waren, Wiederholungstäter!

Schonischer Bauerhof inmitten eines riesigen Weizenfeldes

Schonischer Bauerhof inmitten eines riesigen Weizenfeldes

Schnell, sonst verpasst ihr den Bus

Schnell, sonst verpasst ihr den Bus

Schnell finden wir einen kostenlosen Parkplatz, nebenan ist ein sehr großer Stellplatz, voll besetzt mit Wohnmobilen. Die Übernachtung kostet 150 Kronen und gilt ab 18 Uhr, das ist fair.

Es ist schon gegen 17 Uhr, trotzdem ist noch ordentlich was los. Irgendwie hat sich der Ort verändert, ist touristischer geworden. Zur einst kleinen Fischräucherei  gehört nun ein großes Restaurant mit vielen Außenplätzen und modernem Gestühl. Im Hafen liegen jetzt sehr viele Freizeit-Boote. Der „London“-Bus kutschiert Touristen aus Trelleborg für einen Tagesausflug nach Smygehuk. Auch hier sehen wir wieder schwedisches Familienleben pur, Eltern mit Kindern und den Großeltern.

Der alte Kaufmannsladen in dem großen Gebäude hält wie immer seine Verlockungen bereit: schöner Schnickschnack, von Keramik über Ohrringe, maritimes Wohnzubehör. Besser schnell raus bevor wir uns noch zum Kauf entschließen.

Kunsthandwerk in Smygehuk

Kunsthandwerk in Smygehuk

Frederick in Smygehuk

Frederick in Smygehuk

Ystad ist nun noch eine knappe halbe Stunde entfernt. Wir wollen einen ganz bestimmten Stellplatz (natürlich kostenlos!) anlaufen, verfahren uns aber und müssen noch eine Runde in der Stadt drehen, bevor wir ankommen. Oje, ziemlich voll, dieser schöne Platz am Meer! Gerade mal ein Plätzchen für uns übrig, das nennen wir Glück.

Wir genießen draußen, mit Blick auf die Ostsee, beim Abendbrot noch einen schönen Sommerabend, der langsam zu Ende geht.


 

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