Falun

 In 2015, Schweden

Donnerstag, 27. August 2015
Falun

Noch bei schönem Wetter ging unsere Reise weiter nach Falun. Der Wetterbericht sagte jedoch ab 16.00 Uhr starke Regenfälle voraus. Eine halbe Stunde später wussten wir, dass wir in der Provinz Dalarna angekommen waren: wer kennt sie nicht, die reich bemalten schönen Holzpferdchen. Hier am Ortseingang stand ein Rotes davon, jedoch aus Beton und wohl 10 Meter hoch! Välkommen i Dalarna!

In Avesta schon von weitem sichtbar, das Dalar-Pferd

In Avesta schon von weitem sichtbar, das Dalar-Pferd

und so sieht es aus, wenn man davor steht

und so sieht es aus, wenn man davor steht

Natürlich hielten wir an, es gab außerdem noch ein kleines Einkaufszentrum mit allerlei Verlockendem (inzwischen gibt’s auch weisse, rosa und hellblaue Pferdchen). Wir blieben aber standhaft, zu Hause stehen bereits zwei Pferdchen, traditionell in Rot und Dunkelblau, aus früheren Besuchen im Schwedenland. Sie gelten als Kulturgut und haben entsprechende Preise. Nach einer weiteren Stunde  kamen wir auf dem vom Husbilsklubben empfohlenen kostenlosen Stellplatz an, zu Fuß nur einige Minuten entfernt vom Stadtzentrum. Hier standen wir gut, es ist ein sehr großer geteerter Parkplatz mit einigen Baumreihen.

Stellplatz Falun

Stellplatz Falun

Sala - Avesta - Falun

Sala – Avesta – Falun

Kreisverkehr-Gestaltung in Falun

Kreisverkehr-Gestaltung in Falun

Durch eine Unterführung hindurch gingen wir am offensichtlich neu gestalteten Busbahnhof vorbei Richtung Zentrum. An dieser Stelle sah es immer noch ein wenig nach Baustelle aus, es wurde viel grauer glitzernder Granit verarbeitet und wird, wenn die Maßnahmen mal beendet sind, aussehen wie vom Feinsten.

Falun machte auf uns einen sehr gepflegten und teilweise auch modernen Eindruck. Etwas außerhalb des Zentrums gab es dann wieder diese typischen langen Reihen von der bunten Holzhäuser. Der Weg führte uns zum „Stora Torg“, dem großen Platz, der mit seinem Kopfsteinpflaster in allen nur denkbaren Farbschattierungen beeindruckt. Dort steht das schöne Rathaus, ein Bronzedenkmal von Engelbrekt Engelbrektson (Anführer des Aufstandes gegen die Dänen im 15. Jahrhundert) und die Kristinenkirche (17. Jahrhundert). Außen eher ein schlichter roter Backsteinbau, ist das Innere reich ausgestaltet, die Kirchenbänke und Türen in schönstem Blau gehalten. Der Organist übte gerade und wir konnten eine Weile seinem Orgelspiel lauschen. Das ist immer wieder etwas Besonderes.

Falun Rathaus

Falun Rathaus und der große Platz

Kristinenkirche

Kristinenkirche bei Tageslicht

Wir hatten uns geschworen, keine Pferde-Souvenirs zu kaufen, in der Stadt war das Angebot jedoch so verführerisch. Ich blieb an einem Paar Ohrringen mit Dalarhäster (Dalarna Pferdchen) hängen, bzw. hängen sie nun an mir, an meinen Ohren! Beim nächsten Besuch wird es dann ein Armband, beim übernächsten ein silberner Kettenanhänger, oder einer in Gold oder in Kupfer!

Ja, Kupfer: bei Falun ist das berühmte Kupferbergwerk. Der Abbau ist seit dem 13. Jahrhundert schriftlich belegt. Heute ist das Gelände Weltkulturerbe (2001) und seit 1992 nicht mehr in Betrieb). In der Blütezeit des Bergwerks im 18. Jahrhundert kamen Zweidrittel des Kupferbedarfs der Welt aus Falun!!!

Nun wurde es langsam Zeit, das Weite zu suchen. Tatsächlich verdunkelte sich der Himmel gegen vier Uhr dramatisch und wir eilten im Sauseschritt zurück zum Wohnmobil. Geschafft: ein paar Minuten später öffnete der Himmel alle Pforten und es goss wie aus Eimern. Ein richtiger Sturm kam auf und fegte über den  den Parkplatz. Das ganze Naturspektakel dauerte etwa drei Stunden, dann beruhigte sich das Wetter all allmählich. Wir machten es uns gemütlich in unserem Wägelchen. Erst am späten Abend gingen wir noch mal in die Stadt, um die Abendstimmung am großen Platz einzufangen. Die Luft war herrlich nach dem starken Regen. Die Motivsuche hatte sich gelohnt, Kirche und Rathaus waren hübsch angestrahlt und wurden fotografiert.

Das abendliche Fernsehen mussten wir schon nach kurzer Zeit aufgeben, da der Strom plötzlich zur Neige ging. Wir konnten uns das nicht erklären, denn wir haben doch eine 100 W Photovoltaikanlage auf dem Dach, die uns bisher immer mit ausreichend Bordstrom versorgt hatte. Vielleicht hatte das Gewitter etwas damit zu tun.

Das Rathaus angestrahlt

Das Rathaus angestrahlt

Schwedische Litfasssäule in Falun

Schwedische Litfasssäule in Falun

Kristinenkirche bei Nacht

Kristinenkirche bei Nacht

Freitag, 28. August 2015
Besichtigung der Falun Gruva (Kupferbergwerk)

Der Weg zum Kupferbergwerk war nur 1,3 km lang und das schafften wir an diesem Morgen leicht zu Fuß. Nach dem Regen am Abend hatte es zwar sehr aufgefrischt, aber richtig kalt war es nicht, nur sehr windig.

Wir hatten nachgelesen, dass Falun ca. 37.300 Einwohner hat und der größte Arbeitgeber früher die Kupfermine war. Im 17. Jahrhundert war das Bergwerk sogar der größte Arbeitgeber Schwedens!!! Daraus hatte sich die Stadt im 11. Jahrhundert entwickelt. In der Zeit davor wurde der Bergbau von Bauern betrieben. Dazu gibt es eine schöne Geschichte: der Steinbock auf dem Feld eines Bauern hatte seine Hörner in der Erde gerieben und sie waren dadurch ganz rot geworden, kupferhaltiger Grund also! Ähnliches hatte sich in Sala zugetragen, nur war es eine Kuh, deren Hörner silbern waren …(es folgte der Silberbergbau!).

Der legendäre Steinbock mit den roten Hörnern

Der legendäre Steinbock mit den roten Hörnern

Das Türmchen, das die Stelle markiert, an der der Steinbock sich rote Hörner holte

Das Türmchen, das die Stelle markiert, an der der Steinbock sich rote Hörner holte

Durch den Bergbau entwickelte sich Falun immer weiter und erhielt 1641 die Stadtrechte. Immerhin hatte es zu der Zeit ca. 6000 Einwohner und zählte zu einer der größten Städte Schwedens. Erstaunliche zwei Drittel der Weltproduktion wurden hier geborgen.

Falun Grube

Falun Grube

Verwaltungsgebäude der Falun-Grube

Verwaltungsgebäude der Falun-Grube

Die Arbeit war mühsam: bevor man in der Lage war, Sprengungen (Dynamit) vorzunehmen, legte man Feuer in die Stollen, um den Stein mürbe zu machen. Den Rest mussten Spitzhacken und menschliche Arbeitskraft besorgen. Es ging nur meterweise voran, etwa einen Meter pro Monat ließ sich der Schacht nach unten treiben. Durch die vielen Brände in den Stollen breitete sich ein stinkender, schwefelhaltiger Rauch kilometerweit in der Umgebung aus tötete alles pflanzliche in einem Umkreis von 3,5 km um die Grube.

1687 kam, was kommen musste, da der Abbau planlos erfolgt war, stürzte ein Großteil der Grube ein! Denn das ganze Gebiet war inzwischen durchlöchert wie ein Käse. Ein Wunder, dass es keine toten Bergarbeiter gab, der Grund: der Einsturz war zur Zeit des Mittsommerfestes geschehen und die Bergleute hatten frei!

Im Nachhinein wurde viel darüber berichtet, dass man es im Berg hatte rumoren hören, eigenartige Geräusche wären zu hören gewesen. Also gab es schon gewisse Vorzeichen, die jedoch ignoriert wurden. Der Kollaps der Mine entpuppte sich als Glücksfall. Die Kupfergewinnung fand nun über Tage statt, da das eingestürzte Gestein stark mit Kupfererz versetzt war. Dies läutete die Blütezeit des Bergwerks ein.

Das Wasserrad-Maschinenhaus

Das Wasserrad-Maschinenhaus

Förderturm der Långgruvan - (Der tiefe Schacht)

Förderturm der Långgruvan – (Der tiefe Schacht)

Förderturm mit Maschinenhaus dahinter

Förderturm mit Maschinenhaus dahinter

Schachthaus Fredrik

Schachthaus Fredrik

Grubenskulptur

Grubenskulptur

1761 wurde Falun durch zwei Brände zerstört, das ging rasend schnell, weil ja fast alle Häuser aus Holz gebaut worden waren. – Autoren nahmen sich der Geschichten um Bergwerksunglücke in Falun an wie E.T.A. Hofmann und Johann Peter von Hebel, sicher wert, einmal nachgelesen zu werden. Übrigens hatte man gelernt: beim Wiederaufbau der Stadt wurden die wichtigsten Gebäude aus Stein gebaut.

Falu Rödfärg  (Falu Rote Farbe)

Was nun hat Faluns Kupferbergbau mit Falu Rödfärg, der roten Holzschutzfarbe zu tun? Irgendjemand fand heraus, dass es im Restgestein nach dem Abbau feine Anteile aus Kupfer und Eisen gab. Durch diverse Produktionsprozesse, unter anderem ausschlemmen, wird die Basis für die Farbe gewonnen, die dann gebrannt wird.  Die Farbe erwies sich als viel haltbarer als was bis dahin bekannt war  und war außerdem deutlich billiger als andere Produkte. Obendrein erwies sich Falun röd als ein hervorragendes Holzschutzmittel und sah auch noch schön aus.

Farbenfabrik Falu-Färg

Farbenfabrik Falu-Färg, direkt am Rand der Grube

Besucherzentrum in Falun, eingeweiht von Prinzessin Victoria

Besucherzentrum in Falun, eingeweiht von Prinzessin Victoria

Plötzlich erfuhren die Häuser und großen Scheunen eine Aufwertung und sahen den teuren roten Ziegelhäusern ähnlich. Seit 1764 wird die Falu rot bereits verkauft und bis heute erfreut sie sich großer Beliebtheit.

Im 20. Jahrhundert kam es in Mode, sich ein Sommerhäuschen anzuschaffen. Da die Häuser aus Holz waren, war es eine billige Möglichkeit, sie durch die rote Farbe haltbarer zu machen. Außerdem fügen sie sich hübsch in die grüne Landschaft oder auf den Schäreninseln ein. Übrigens kann man die Farbe eimerweise im Informationszentrum kaufen (mittlerweile gibt es helles Rot, Schwarz-grau und Schwarz). Die Firma Falufärg steht auf dem Areal des Bergwerks. Auf dem Rundwanderweg um die Grube (ca. 1,5 km) kommt man an den nicht zu übersehenden ROTEN Gebäuden vorbei!

Alles in allem war der Besuch am Bergwerk eine interessante Reise in die Vergangenheit. Die Fahrt in die Tiefe ersparten wir uns; zu kalt und zu dunkel an so einem schönen und sonnigen Tag.

Falun Skisprungschanzen

Nach der Besichtung des Bergwerks hatten wir Appetit auf Waffeln und marschierten Richtung Stadtzentrum zurück in der Hoffnung, irgendwo ein Café zu finden, das Waffeln anbietet. Doch hier oben in Dalarna scheinen Waffeln nicht so beliebt zu sein wie in Süden Schwedens. Denn wir wurden nicht fündig. Stattdessen ging’s zurück zum Wohnmobil, wo wir eine gemütliche Kaffeepause einlegten.

Frisch gestärkt machten wir uns auf zur zweiten Etappe des Tages, die Besichtigung der Sprungschanzenanlage Lugnet.

Die Schanzen wurden 1972 gebaut und 1992 Jahren modernisiert. Severin Freund sprang hier im Februar dieses Jahres mit 135,5m zum Schanzenrekord.

Wir hatten erfahren, dass die Schanze für Besucher offen war. Die Gelegenheit, oben auf einer Großschanze stehen zu können, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die 1.5 km waren schnell überwunden, und wir standen vor den imponierenden Schanzen. Doch dann gestaltete es sich etwas schwierig. Wir sahen eine vollautomatische Einkabinen-Bergbahn, die offenbar Besucher zum Plateau unterhalb der eigentlichen Schanzen befördern sollte. Doch wo konnten wir die Karten für die Bahn kaufen? Nach einigem Suchen landeten wir in der großen Sporthalle etwa 100 m entfernt und bekamen schließlich dort in der Rezeption die Karten für 4,50€ pro Person.

Die Skisprung-Anlage Lugnet in Falun

Die Skisprung-Anlage Lugnet in Falun

Mit der Bergbahn zur Schanze

Mit der Bergbahn zur Schanze

Blick von oben auf die Schanze hinunter

Blick von oben auf die Schanze hinunter – links die kleine Schanze

Dann mussten wir uns mit der Technik der Bahn vertraut machen – wie gesagt, alles vollautomatisch. Nach einigen Minuten waren wir dann auf dem Plateau unterhalb der beiden Schanzen. Die zweite Etappe hinauf auf die Großschanze ging per Fahrstuhl und jetzt bekam Anne es mit der Angst zu tun. Trotz guten Zuredens war sie nicht dazu zu bewegen, in den Fahrstuhl zu steigen. „Da fahr du mal allein hoch“, musste ich mir anhören. Also fuhr ich allein hoch. Die Chance wollte ich mir doch so kurz vor dem Ziel nicht nehmen lassen. Oben erwartete mich eine traumhafte Aussicht. Da half natürlich der strahlende Sonnenschein. Der Blick nach unten war weniger dramatisch, als ich erwartet hatte, aber trotzdem ein Erlebnis.

Aussicht von der Schanze auf die Seenlandschaft

Aussicht von der Schanze auf die Seenlandschaft

Blick auf die kleine Schanze

Blick auf die kleine Schanze

Ich machte Aufnahmen in alle Himmelsrichtungen und fuhr wieder hinunter, wo Anne mich schon – jetzt völlig entspannt – erwartete. Wir bestiegen die Kabine der Bergbahn und waren kurz darauf auch schon wieder ganz unten. Für den Rückweg zum Stellplatz wählten wir den Fahrrad- und Wanderweg, der uns durch einen schönen Teil von Falun führte. Hier sahen wir viele sehr schöne, traditionelle und wohl auch sehr teure Holzhäuser in Traumlagen.

Ursprünglich hatten wir geplant, hier in Falun noch eine Nacht zu verbringen und am Samstag früh nach Sundborn zum Carl-Larsson-Museum weiterzufahren. Auf Grund des Problems mit der Bordbatterie entschieden wir uns aber, schon heute weiterzufahren in der Hoffnung, dass sich die Batterie während der Fahrt wieder ausreichend aufladen würde. Schon nach 20 Minuten kamen wir in Sundborn an und fanden auch sofort einen geeigneten Stellplatz. Fünf Plätze auf einem Parkplatz waren für Wohnmobile markiert. Auch zwei Toiletten gab es hier.

Stellplatz Sundborn

Stellplatz Sundborn

Falun Sundborn

Falun – Sundborn

Der Batteriestand war tatsächlich wieder normal, trotz der nur kurzen Fahrt. Der Platz liegt ganz malerisch an einem Flüsschen ohne irgendwelchen Verkehrslärm. Wir freuten uns auf eine ruhige Nacht. Zum draußen sitzen war es doch schon etwas zu kühl und wir aßen unser Abendessen im Wohnmobil. Zum Abschluss des tollen Tages lachten wir dann noch über die „Mitternachtsspitzen“ im WDR.

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