Edinburgh

 In 2015, Schottland

Samstag, 20. Juni 2015
Edinburgh

Vom Campingplatz kommt man leicht per Bus in die Stadt (6£ für zwei, hin und zurück), Fahrtdauer ca. 25 Minuten im Doppeldecker Bus.

Gleich nach dem Frühstück marschierten zur Bushaltestelle. Auf dem Weg dorthin sahen wir auf einer Weide schottische Highland-Kühe, die mit den riesigenHörnern – wie Texas Longhorns. Die sahen gefährlich aus, waren jedoch ganz zahm. An der Haltestelle angekommen, erinnerte Frederick sich plötzlich daran, dass die Fahrer NUR abgezähltes Geld annehmen. Auf 3£ kamen wir aber nicht! Dann merkten wir gerade noch rechtzeitig, dass wir auf der falschen Seite standen: Linksverkehr! Am Wartehäuschen gegenüber stand das Paar, das vorher so schnurstracks an uns vorbeigegangen war und wir fragten sie nach Wechselgeld. Glück gehabt, der Mann zog eine ganze Handvoll Münzen aus der Hosentasche! Und da kam auch schon der Doppeldecker Bus. Wir setzten uns in die erste Reihe im Oberdeck. Der Bus hielt in kurzen Abständen, das kann man Public Transport (öffentliche Verkehrsmittel) nennen, im Sinne der Bevölkerung, viele Haltestellen und alle zehn Minuten fährt ein Bus!

Fahrt im Doppeldecker Bus

Fahrt im Doppeldecker Bus

Schottische Highland Kühe

Schottische Highland Kühe

Richtung Innenstadt wurden die Straßen immer enger und der Verkehr (Samstagmorgen!) immer dichter! Wie die Fahrer hier die Nerven behalten, zwischen Fußgängern, Ampeln, Lkw’s, großen Reisebussen und weiteren Doppeldeckern – man kann nur staunen. Edinburgh gilt als eine der schönsten und lebendigsten Städte Europas. Der mittelalterliche Teil der Stadt kontrastiert stark zu den Häusern aus gregorianischer Zeit.

Buntes Treiben auf den Strassen

Buntes Treiben auf den Strassen

Parkanlage unterhalb des Schlosses

Parkanlage unterhalb des Schlosses

Altehrwürdig erscheint einem alles. Nicht umsonst wurde Schottlands Hauptstadt zur  World Heritage Site erklärt. Schöne altmodische Geschäftsfronten, die so sehr den Charme vieler englischer Städte ausmachen, konnten wir bewundern und ein geschäftiges Gewusel. Endlich kam die Burg in Sicht, an dieser Haltestelle stiegen wir aus. Wir waren genau am Fuße des Castles. Beeindruckend, wie es sich da auf einen Fels gebaut vor uns aufragte. In Edinburgh sind die meisten Gebäude eher aus dem sandsteinfarbenen Material, das einen weicheren Eindruck macht als das  harte Silbergrau des Granits, von dem wir bisher so viel gesehen haben. Die Dächer bestehen aus den kleinen Schieferschindeln, das sieht sehr schön aus.

Mittlerweile wurde das Wetter besser, der Himmel hellte sich auf.  Wir gingen durch einen schönen Park,  fragten aber sicherheitshalber jemanden nach dem direkten Weg zur Burg. Er erklärte es uns und wir wanderten los, dem geringeren Anstieg entgegen. Zwischendurch blieben wir immer mal stehen für Fotoaufnahmen. Der Weg hatte uns zur National Gallery geführt, einem imposanten Gebäude. Ein Mann sprach uns an, es war der nette Herr, der uns den Weg erklärt hatte. Er war uns gefolgt, weil er uns den langen Umweg zur Burg genannt hatte! Es gab aber einen kürzeren, den erklärte er uns jetzt. Das war nett! Leider ließen wir die Galerie links liegen, obwohl uns ein zweites Mal eine Ausstellung über Lee Miller, die Kriegsfotografin, über den Weg lief (in Budapest bereits, Thema: Lee Miller und Pablo Picasso, von dem sie wohl an die 1000 Fotos „geschossen“ hat). Leider auch hier wieder 9£ Eintritt. Da muß ich bis zur Cornwall-Reise warten und mir endlich in der Falmouth Art Gallery das Fotobuch von ihr kaufen.

Aber nun zur Burg! Es kam uns vor wie am Mont St. Michel, wir unter 1 Million Besuchern! Naja, nicht ganz so viele. Oben angekommen, wartete eine Riesenschlange vor dem Ticketschalter, geschätzte Wartezeit: eine Stunde. Frederick buchte unsere Tickets kurzerhand per mobile phone. Man konnte über Selbstbedienung dann die Tickets aus dem Automaten abrufen und es dauerte nur wenige Minuten, bis wir Zutritt zur Burg hatten. Es ist ein überwältigendes Erlebnis, sich dort im alten Gemäuer zu bewegen, so viel schottische und englische Geschichte! Das Castle zählt zu einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Schottlands. Vermutlich liegen die Anfänge im 7. Jahrhundert. Erst im 14. Jahrhundert findet sich in der Chronik Schottlands ein Hinweis auf Edinburgh Castle im Zusammenhang mit dem Tode von König Malcolm III (im Jahr 1093). Die St. Margaret’s Kapelle ist das älteste erhaltene Gebäude vom Anfang des 12. Jahrhunderts.

Edinburgh Castle

Edinburgh Castle

Blick auf Edinburgh vom Castle

Blick auf Edinburgh vom Castle

Deacon's House Cafe

Deacon’s House Cafe

In der Altstadt unterhalb des Schlosses

In der Altstadt unterhalb des Schlosses

Vielfache Belagerungen fanden statt während der nachfolgenden Jahrhunderte, mehrfach wurde die Burg zerstört, dann wieder aufgebaut. In den schottischen Unabhängigkeitskriegen ging es hin und her, mal gewannen die Engländer, dann die Schotten die Burg zurück. Man glaubt es kaum, dass Teile der Burg noch heute von der 2. Britischen Infanteriedivision als Garnison genutzt werden und die neuesten Bauten aus dem 21. Jahrhundert stammen.

Kanonier Anne

Kanonier Anne

Hundefriedhof auf dem Castle für die Hunde der Offiziere

Hundefriedhof auf dem Castle für die Hunde der Offiziere

Man liest nach über Robert the Bruce, dann Maria Stewart, die hier residierte, bevor sie von Elisabeth I. von England zur Abdankung gezwungen wurde.  Die One O‘ Clock Gun (ein-Uhr-Kanone) ist berühmt: täglich außer Sonntags wird sie abgefeuert. Heute eine Touristenattraktion, einst eine Notwendigkeit zur Zeit der Seefahrer, die im Firth of Forth liegend danach ihre Chronometer einstellten. Ein Uhr kommt dem schottischen Geiz entgegen, besser als 12 Uhr (12 Schüsse!).

Seit 1950 findet das größte Musikfest Schottlands am Castle statt, das Edinburgh Military Tattoo. Außer Militärmusik gibt es etwa 200 Pipes and Drums, die Formation aus Dudelsackspielern und Trommlern. Ein wunderbarer farbenfroher Anblick sicherlich, leider sind wir zu früh, es findet im August statt. Ungefähr sieben Stunden haben wir für die Besichtigung des Castles gebraucht! Inklusive Einkehrschwung im Café. Es gäbe noch so vieles zu beschreiben, zu viel! Unser Rat an alle: mal hinfahren, es lohnt sich!

Langsam waren wir nicht mehr aufnahmefähig für Geschichte(n) und machten uns an den Abstieg ins Zentrum. Dabei kamen wir an dem Bühnenaufbau für das Musikfestival vorbei. In einer Woche sollte hier Lionel Ritchie auftreten. Wir hatten schon den Auftritt von Elton John in Wales verpasst, waren wohl einfach zu früh unterwegs für derartige Konzerte. Vieles geht eben erst im Juli/August los, der Nachteil dann allerdings ist die Anzahl der Touristen. Wir kennen das noch von Cornwall zur Genüge. Juli und August sind die Ferienmonate der Engländer und der Verkehr auf Straßen und in den Orten ist unbeschreiblich. Wir gingen die berühmte Royal Mile entlang, eine der Hauptgeschäftsstraßen, die vom Castle ins Zentrum führte. Die stattlichen achtstöckigen alten Häuser beeindruckten uns. Laden an Laden lockten mit echt schottischen Geschenkartikeln, vom Kilt über karierte Schals, Decken, Mützen, Schaffellen – hier gibt es ja so viele davon! -, und Whisky natürlich an jeder Ecke. Das alles im Wechsel mit alten interessanten Pubs, Restaurants, Hotels und kleinenGassen, die sich „Close“ nannten.

Straßenbild in Edinburgh

Straßenbild in Edinburgh

Traditioneller Pub

Traditioneller Pub

Wir trafen auf einen sehr versteckt liegenden urigenPub und lasen auf einem Schild, dass der schottische Autor Robert Luis Stevenson hier die Idee bekam für sein Buch „Dr. Jeckyll and Mr. Hyde“. Zu gern hätte ich eine der angebotenen geführten Geistertouren oder Stadtbesichtigungen mitgemacht, in London haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Zumeist sind die Stadtführer Leute mit schauspielerischem Talent und es macht Spaß, ihnen zuzuhören. Dafür war es aber zu spät. Wir kauften etwas für das Abendessen ein und schnappten uns den nächsten Bus zurück nach Morton Hall, dem Campingplatz. Edinburgh ist wirklich eine Reise wert, wir kommen wieder.

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