Lebork

 In 2015, Polen

Montag, 27. Juli 2015
Tagestour nach Lebork 

Um 8.00 Uhr klingelte der Wecker, wir frühstückten schnell und eilten gegen 9.00 Uhr zum Bahnhof, der Intercity Triebwagen sollte um 9.20 Uhr nach Lebork abfahren. Wir waren knapp dran, einige Leute standen am Ticketschalter und der Zug lief schön warm. Die Schalterbeamtin ließ sich Zeit und machte einen mürrischen Eindruck. Endlich hatten die Reisenden vor uns Mitleid mit uns, redeten und gestikulierten wild und wir verstanden es so, dass man die Tickets auch im Zug kaufen könnte. Wir rannten sofort los, und in dem Moment schlossen sich die Türen des Zuges, Frederick drückte auf den Öffnungsknopf und wir hatten Glück: es funktionierte und wir konnten schnell noch einsteigen. Dann ging es auch schon los! Der Zug ( 1 „Intercity“-Triebwagen!) war ziemlich gut besetzt, wir mussten eine lange Zeit stehen.

Ach, mein liebes Ungarn: Du Land, in dem Mütter ihre Söhne/Töchter dazu erziehen,  Platz zu machen für grau-melierte ältere Damen und Herren! Hier lümmelte sich alles in die Sitze, Rucksäcke und Reisetaschen auf der gegenüberliegenden Seite. Der Sprache nicht mächtig, entschieden wir uns dafür, auf der kleinen Treppe zu sitzen. Da kam auch schon die ebenfalls mürrische Schaffnerin, wir kauften die Tickets (11 Zloty für 2 = 2,75 € Hinreise) und sie bedeutete uns, dass zwei Einzelplätze etwas weiter vorn frei wären. Dorthin setzten wir uns.

Ich schiebe ja die Schuld, dass alle mürrisch gucken und – wie ich es nenne, so „zu-e“ (verschlossene) Gesichter haben, auf den Sozialismus, der wohl noch in den Knochen stecken mag. Keiner traut keinem, oder so. Mir fällt das hier jedenfalls sehr auf. Ein Lächeln muss sehr teuer sein ….. Der Zug ruckelte durch die Landschaft, an großen Getreidefeldern vorbei, durch das eine und andere Dorf mit Gott verlassenen heruntergekommenen Bahnhöfen und schließlich fuhr der Zug ein in den schicken modernen Bahnhof von Lebork. Gleich um die Ecke war die Touristen-Information mit wenig Information, zumindest in Englisch oder Deutsch, dabei ist der Ort so hübsch!

Hier ist das Internet wieder von großer Hilfe: Dass Lebork „unser“ Lauenburg an der Elbe zur Partnerstadt hat, verwundert nicht, hieß Lebork doch selbst auch einmal Lauenburg! Die Stadt hat ca. 35.500 Einwohner und liegt am Fluß Leba. Auch hier ist die Gründung der Stadt (14. Jahrhundert) dem Deutschen Ritterorden zu verdanken. Im Ort gibt es gut erhaltene, wunderschöne Backsteinbauten. Der Marktplatz ist in netter Weise modernisiert. In der Fußgängerzone gibt es noch genügend alte, gut restaurierte Häuser zu besichtigen. Fast mutet es englisch an –  als wenn man sich in einer englischen Stadt befände: alte Geschäftsfronten sind erhalten geblieben oder erneuert worden. Hier fühlt man sich gleich wohl beim Stadtbummel!

Fußgängerzone Lebork

Fußgängerzone Lebork

An sich sollte Frederick darauf sitzen

An sich sollte Frederick darauf sitzen – wollte er aber nicht

Wir entdeckten einige tolle Läden (Handtaschen und Rucksäcke in Leder, preiswert), nette Restaurants und Cafés. In eines zog es uns auf einen Cappuccino, „Choc&latte“ heißt der Laden, am Markt.

Kuchen und selbstgemachte Pralinen und alle Kaffeesorten werden in einem sehr schicken Umfeld angeboten. Ich bestellte 2 (!) Pralinen, die auf einem kleinen Porzellantellerchen mit Kuppel (!) serviert wurden … Als Porzellan-Fan mußte ich doch gleich mal unter den Teller schauen: Geschirr von PIP, alles klar, deshalb so niedlich! Alles, was die machen, ist schön, finde ich jedenfalls! Die „Herren-Praline“ mit Whisky war der absolute Gag (siehe Foto).

So werden die Pralinen serviert

So werden die Pralinen serviert…

... und das ist die Männerpraline!

… und das ist die Männerpraline!

Nach der Pause liefen wir die Nummern-Stationen der polnischen Straßenkarte ab, die Höhepunkte des Ortes. Im Museum wäre ein Audio-Führer (sicherlich Deutsch/Englisch) zu borgen gewesen, aber leider ist es am Montag geschlossen. Wir bewunderten die teilweise restaurierte Stadtmauer mit drei wiederhergestellten Türmen (EU-finanziert). Der nach Santiago/Spanien führende Pilgerpfad, der Jakobsweg führt von Klaipeda durch Lebork. Überall sieht man das wohlbekannte Zeichen, die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund als Wegweiser.  An der Jakobskirche war eine Gedenktafel angebracht. Sie sollte an Polens Staatspräsidenten Lech Kaczynski und alle weiteren Opfer erinnern, die bei einem Flugzeugunglück im Jahr 2010 bei Smolensk ums Leben gekommen waren.

Jesus-Statue und Gedenktafel an Flugzeugunglück (siehe Text)

Jesus-Statue und Gedenktafel an Flugzeugunglück (siehe Text)

Rathaus

Rathaus

Reste der Stadtmauer

Reste der Stadtmauer

Wehrturm und Stadtmauerreste

Wehrturm und Stadtmauerreste

St Jacobi-Kirche

St Jacobi-Kirche

 

Auch hier wieder viele rote Backsteinbauten: Das Rathaus mit seinen filigranen Türmchen ist ein Schmuckstück. Meiner Meinung nach sollten Stadtväter nur noch Bauten in diesem roten Stein erlauben, hält ewig, sieht ewig gut aus!! Wir schauten in eine Kirche hinein, schöne Buntglasfenster – aber ansonsten war es recht dunkel darin und wir wollten die Andacht Haltenden nicht stören.

Nach unserem Rundgang suchten wir uns einen Tisch draußen vor einer Pizzeria und bestellten Pizza. Die schmeckte richtig gut und kam bestimmt aus dem Steinofen! Ein Glas Rotwein passte gut dazu.

Pizzeria Olivka

Pizzeria Olivka

Rotwein zur Pizza - Prost

Rotwein zur Pizza – Prost

Da wir um 14.37 Uhr zurückfahren wollten, brachen wir auf und schlenderten durch die belebte Fußgängerzone zurück zum Bahnhof. Um diese Uhrzeit war der Rückfahrverkehr nach Leba nicht so stark und wir fanden ohne Probleme einen Sitzplatz. Ganz bestimmt fahren wir während unserer Zeit in Leba noch einmal hierher, aber an einem Tag, an dem das interessante Museum geöffnet hat.

In Leba kauften wir noch Obst ein und beschäftigten uns im Wohnmobil. Gegen 18.00 Uhr zog uns das angenehme Wetter noch einmal an den Strand und wir liefen, mit den Füßen im Wasser, noch für zwei Stunden dort spazieren. Herrliche Ostsee, die nun so ruhig dalag!

Das Abendessen bestand aus „kalter Küche“, da wir mittags ja schon mehr als gut gegessen hatten.

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Showing 2 comments
  • Frauke Poolman
    Antworten

    Danke für den schönen Bericht! Und wieder einmal hast du mich mitgenommen auf eure Reise! Eine gute zeit und liebe Grüße !

    • Ozzie
      Antworten

      Hallo Frauke, wir freuen uns immer sehr, wenn unsere Reiseberichte gelesen werden, denn wir geben uns wirklich viel Mühe, diese interessant zu gestalten. Heute ist unsere letzte Nacht in Polen. Morgen früh geht es mit der Fähre von Gdingen nach Karlskrona in Schweden. Noch vier Wochen liegen vor uns und wir werden auch davon viel berichten. Schau mal wieder ‚rein. Liebe Grüße von Anne und Frederick

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