Stettin

 In 2015, Polen

Donnerstag, 23. Juli 2015
Anreise nach Stettin

Die Landschaft, durch die wir bei schönstem Wetter fuhren, war einfach toll. Schleswig-Holstein, besonders Ostholstein schon sehr ähnlich, ebenso eine weich geschwungene Hügellandschaft, jedoch riesige Felder (wahrscheinlich den LPG-Zeiten zu danken, (Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften), Alleen, kleine Dörfer, die wir durchquerten.

Nach ca. 1 3/4 Stunden tauchte dann das Schild „Willkommen in Polen“ vor uns auf. So geht ein Land, ohne einen Unterschied zu bemerken in das andere über!  Das ist Europa! Da wir noch einkaufen und ja auch noch Geld tauschen mussten ( hier hapert es dann wieder mit dem europäischen Gedanken), fuhren wir auf den Parkplatz eines großen Einkaufszentrums (von Leroy Merlin bis Carre Four alles vertreten). Kaum dass wir standen, machte sich ein junger Mann an der Fahrerseite bei Frederick bemerkbar und sagte: kein Haus, kein Geld … Das war uns doch ein wenig zu frech, so angebettelt zu werden. Wir sahen ihn später bei Carre Four einkaufen …

Im Zentrum gab es einen Bankautomaten, wo wir Zlotys über die Kreditkarte aus dem Automaten bekamen. Erst später fiel uns ein, dass wir dort auch besser mal hätten tanken können, zum Preis von 4,40 Zloty = 1,10€, das war billig! Also bei der Weiterfahrt unbedingt dran denken, hier vorbeizufahren.

Ulli sei Dank – (GPS Daten und Adresse) fanden wir den Campingplatz sofort. Man hat das Gefühl, in einen großen Park – oder besser: Garten einzufahren. Auf dem ganzen Platz verteilt stehen Tannen- und Laubbäume, Büsche, Sträucher und Blumenbeete sind überall angelegt, sehr hübsch. Nicht nur das, als Attraktion lockt auch noch der Dabie-See mit seinen vielen Booten. Eine wunderschöne Atmosphäre! Es gibt ein nettes Restaurant auf dem Platz, in dem man sehr günstig speisen kann. Und weil die Sicht auch von oben sicher sehr schön ist, fliegen ein paarmal kleine Flugzeuge über uns, aus dem Fallschirmspringer fallen! So gibt’s viel zu gucken.

Unser schöner Campingplatz

Unser schöner Campingplatz

Der Bootshafen vor dem Campingplatz

Der Bootshafen vor dem Campingplatz

Schön angelegter Garten vor dem Restaurant des Campingplatzes

Schön angelegter Garten vor dem Restaurant des Campingplatzes

Neubrandenburg - Stettin

Neubrandenburg – Stettin

In der Rezeption – man spricht deutsch, sagt man uns, dass an der Straße vor dem Campingplatz ein Bus in die Stadt fährt (man soll dem Fahrer winken und muss einmal umsteigen), Kosten: 4€ für 2 Personen, Hin- und Rückfahrt. Das machen wir aber erst morgen.

Den Abend beschlossen wir mit einem leckeren Essen am Wohnmobil und einem Glas Wein und freuen uns schon auf die morgige Stadtbesichtigung.

Freitag, 24. Juli 2015
Stettin Stadtbesichtigung

Nach dem Frühstück und dem Erledigen von einigem Bürokram kauften wir die Bustickets in der Rezeption, gingen zur Haltestelle und winkten dem erstbesten Bus – ohne Erfolg – zu. Erst der zweite Busfahrer schwenkte auf die Haltestelle, nur wenige Minuten später. Nach etwa 1 1/2 km schon kamen wir an der Umsteigestelle an! Das klappte alles fast übergangslos, auch hier, wie in Ungarn, scheint es ein gutes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln zu geben. Nach ca. 15 Minuten waren wir im Zentrum. Eine Straßenkarte mit den touristischen Höhepunkten half uns bei der Orientierung.

Kathedrale St. Jakob

Kathedrale St. Jakob

Kirche St. Peter und Paul

Kirche St. Peter und Paul

Stettin (im polnischen Szczecin) hat ca. 408.105 Einwohner, liegt im Verwaltungsbezirk (Woiwodschaft) Westpommern und ist auch die Hauptstadt des Bezirkes.

Erst jetzt haben wir nachgelesen, dass Stettin, an der Mündung der Oder gelegen und am Stettiner Haff, einer der größten Seehäfen des Ostseeraumes ist. Unsere Karte führte uns den Weg entlang oberhalb der Oder, so dass wir einen Ausblick auf den Fluss und die Hafenanlagen hatten. Es herrschte rege Bautätigkeit, offenbar um die Wege direkt am Ufer interessanter zu gestalten. Wäre auch wünschenswert.

Nationalmuseum

Nationalmuseum

Restaurantschiff am Ufer der Oder

Restaurantschiff am Ufer der Oder

Stettin gehörte zur Hanse und war im 13. Jahrhundert ein bedeutender Handelsplatz. Im Touristenbüro gab es noch den Hinweis, entlang der roten gestrichelten Linie zu wandern, sie würde uns zu allen Sehenswürdigkeiten führen. Das war wirklich hilfreich, denn wir fanden das Zurechtfinden in dieser großen Stadt doch verwirrend, da es kein geschlossenes Zentrum ist.

Der obere Weg, auf dem wir liefen, war wie eine Allee angelegt,  mit Blick auf die Oder, netten Restaurants, und mit wenig Verkehr. Wir kamen am Nationalen Museum vorbei, am Backsteingebäude der Verwaltung und sahen das beeindruckende Schloss der pommerschen Herzöge, ein strahlend weißer Bau mit vielen Verzierungen. Die mächtigen Kirchen, St. Peter und Paul, St. Johann-Evangelist-Kirche, St. Jakobi, allesamt in Backstein, beeindruckten uns sehr.

Wir erreichten den Solidarnosc-Platz, gleichzeitig eine Gedenkstätte für die Wirren des 2. Weltkrieges und das Leid, das die Polen im Krieg ertragen mussten. Das Mahnmal ist noch im Entstehen und ähnelt etwas der der Holocaust-Gedenkstätte in Berlin. Ein großer, bewusst unebener gestalteter Platz aus hellgrauem Granit und unterirdischen Räumen, in denen es eine Ausstellung geben wird. Dabei spielt auch das Thema Solidarnosc eine große Rolle. Schon jetzt sind große Schautafeln auf dem Platz ausgestellt, auf denen die herausragende Rolle der Gewerkschaft bei der Befreiung vom Kommunismus gewürdigt wird.

Solidarnosc Platz mit Stettiner Philharmonie links und Polizeipraesidium rechts

Solidarnosc Platz mit Stettiner Philharmonie links und Polizeipräsidium rechts

Polnischer Fiaker

Polnischer Fiaker

Wir marschierten weiter entlang der roten Linie und befanden uns plötzlich auf einem Volksfest. Erst dachten wir noch, dass es ein Wochenmarkt war, doch dann drangen Musikklänge herüber und die Marktstände hörten nicht auf. In jedem Straßenzug um und gegenüber der St. Jakobi-Kathedrale boten in Hunderten von Ständen die Verkäufer ihre Waren feil. Auffallend die vielen Fress- und Bierstände. Verhungern oder verdursten würden wir hier sicherlich nicht. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Alle schienen gute Laune zu haben.

Belebtes Volksfest

Belebtes Volksfest

Klezma-Musik auf der großen Bühne

Klezma-Musik auf der großen Bühne

Wir fanden heraus, dass das Fest an 70 Jahre seit Kriegsende erinnerte. Auf der großen Bühne wurde tolle Klezma-Musik gespielt, die uns sehr gefiel, so dass wir uns ein leckeres Weißkrautgericht (Bigos) kauften und dann an einer der Tische Platz nahmen und der Musik lauschten. Als Nachtisch wollten wir uns dann etwas Süßes gönnen. Sahen aus wie kleine Küchlein, die an vielen Ständen angeboten wurden. Dazu wurde Preiselbeermarmelade gereicht. Doch,oh Schreck, das Zeug schmeckte fürchterlich. Die Küchlein waren mit geräuchertem Ziegenkäse gefüllt. Wir bekamen keinen Bissen runter und suchten schnellstens den nächsten Mülleimer, um diesen „Nachtisch“ loszuwerden. Dann brauchten wir dringend noch ein Bier, um den Ziegenkäsegeschmack wegzuspülen.

Im Anschluss verfolgten wir weiter unsere rote Linie, die uns aber irgendwo falsch leitete, so dass wir wieder in der Nähe der Bushaltestelle landeten. Da es bereits 17 Uhr war, entschieden wir uns, zum Campingplatz zurückzufahren. Statt auf den 2. Bus umzusteigen, fühlten wir uns noch rüstig und marschierten die letzten 1 1/2 km zu Fuß.

Zurück am Wohnmobil wurde zuerst geduscht und dann gemeinsam der Reisebericht bearbeitet. Zum Essen hatten wir keine Lust mehr.

Morgen geht es dann weiter nach Leba, dem populären Ostseebadeort der Polen, wo wir uns 14 Tage aufhalten werden. Wir freuen uns schon auf viele Strandwanderungen und Fahrradtouren. Zum Baden wird es wohl etwas kühl sein (offenbar zur Zeit nur 16° Wassertemperatur).

Für weitere Fotos hier klicken

 

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