Łeba

 In 2013, Polen

Mittwoch, 5. Juni 2013
Gdynia (Gdingen) und Leba

Gegen 11.00 Uhr verließen wir den schönen Platz in Marienburg, ein wenig mit Bedauern, aber auch mit etwas Erleichterung, denn es waren ja nur 11 bis 13 Grad dort gewesen und es herrschte ein ziemlich kalter Wind. Für die Ostseeküste, unser nächstes Ziel der Ort Leba, war die Wettervorhersage so viel besser! Vor Sternberg (Starogard Gdanski) kamen wir auf ein Autobahnteilstück (ca. 40 km) mit Mautgebühr. Es waren ja nicht viele Kilometer, trotzdem staunten wir über die nicht vielen Zloties, nur 4,90 PLN! Echt billig!

Vor Danzig zog und zog sich die Fahrt hin (Großstadt, Baustellen) – meine Schuld, weil ich unbedingt noch nach Gdynia wollte. Dieses „mal eben dort die Küste ansehen“ kostete uns im Endeffekt zwei extra Stunden, aber wenn man schon mal da ist … An dem Teil der Seepromenade von Gdynia, den wir uns ansahen, wehte ein kühler Wind. So hielten wir es nicht lange aus. Es waren Nordsee-Verhältnisse, wir wunderten uns über die vielen „Unverfrorenen“, die mit ihren Nordic-Walking-Sticks im Eiltempo an uns vorbeimarschierten.

Skulptur an der Promenade-in-Gdingen mit Hafen im Hintergrund

Skulptur an der Promenade-in-Gdingen mit Hafen im Hintergrund

Bei stürmischen Wetter am Pier von Gdingen

Bei stürmischen Wetter am Pier von Gdingen

 

Bei gutem Wetter war es bestimmt schön, diese modern ausgebaute Promenade entlang zu laufen. Ansonsten war die Stadt eben auch Großstadt, wie gesagt, es zog sich hin, sie zu durchqueren.
Auffallende Skulptur an der Promenade in Gdynia

Auf halber Strecke nach Leba stieg Frederick plötzlich „in die Eisen“: an einer Tankstelle vor uns sah er den Preis für einen Liter Diesel = 1,26 Euro, bereits umgerechnet von Zloties. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen, obwohl unser Tank noch halb voll war. Endlich hatten wir den Abzweig nach Leba, die Stadt Lebork, erreicht. Leider fuhren wir nur hindurch, dabei wäre ich dort so gern angehalten. Sie sah vielversprechend aus, in der Innenstadt wuselte es nur so von Menschen, viele kleine Läden, schöne Häuser, einfach – vom schnellen Ansehen beurteilt – ein liebenswerter Ort. Die Zufahrtsstraße nach Leba war dann noch 26 km lang und schmal, Felder und auch hier wieder sehr schöne Häuser und neue schicke Wohngebiete rechts und links der Straße. Leba gilt als einer der beliebtesten Badeorte Polens, wir waren gespannt.

Ach, wir wurden erinnert an Burg auf Fehmarn, oder Wyk auf Föhr, oder auch Cornwall mit seinen Cottages als wir in den Ort hinein fuhren! Viel Backstein, viele einstöckige kleine Häuser, ein Fluß mit vielen interessanten Schiffen und Booten, Yachthafen und dann bewahrheitete sich auch noch die Wettervorhersage: blauer Himmel und Sonnenschein! Toll, nun mussten wir nur noch den ausgesuchten Stellplatz finden. Das Navi wies uns den Weg und wir waren vollauf zufrieden: Ein netter deutsch sprechender Platzwart (oder Eigentümer), Kosten ca. 17 Euros pro Nacht alles inklusive, auch WLAN, prima.

Uriges Restaurant

Uriges Restaurant

Die beiden Koggennachbauten im Hafen von Leba

Die beiden Koggennachbauten im Hafen von Leba

Es war bereits 16.30 Uhr und die Mägen knurrten. Das erste beste Lokal direkt gegenüber em Campingplatz war unseres („hier spricht man Deutsch“), Frederick bestellte Flunder und Pommes und ein 0.5 l Bier (und gesunden Salat), ich hatte Appetit auf 2 Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade. Dieses Vergnügen kostete nur 9 Euros, umgerechnet. Wir erwähnen dies immer mal wieder, weil es einfach unbeschreiblich günstig und noch unbeschreiblicher gut ist, das Essengehen hier!! Eine Entscheidung zu fällen, was man essen möchte, fällt beim Lesen des Menues immer schwer, das Angebot ist so reichhaltig und attraktiv. Frederick hat beschlossen, sich durch sämtliche Fisch-Menues zu essen, so lange wir hier sind! Recht so, da ich ja keinen Fisch esse geschweige denn koche, soll er es mal ruhig ausnutzen!

Wir schlenderten durch die Straßen des Ortes, Bernstein-Schmuck-Läden wieder mal ohne Ende, also Augen zu und durch. Vielleicht würde ich ja am Strand fündig. Also auf zum Meer. Der Strand dort ist nicht golden, sondern fast weiß und sehr fein.

Die Steine, die ich sammelte, hießen leider nicht mit Vornamen „Bern“, waren aber trotzdem niedlich, sie sehen aus wie Kleingeld, also Pfennige und Groschen (Cents). Wir liefen fast zwei Stunden am Strand entlang, das Wetter war traumhaft. Den Weg zurück wählten wir durch den Fischereihafen. Hier lagen wirklich interessante Ausflugsboote (siehe Fotos), den Wikinger Schiffen und Hansekoggen nachgebaut.

Marienburg - Leba

Tagesetappe: 173 km

Am Strand von Leba

Am Strand von Leba

Leba ist ein wunderschöner Urlaubsort für Sand-, Strand- und Fischliebhaber, wir haben beschlossen, eine weitere Nacht hierzubleiben. Morgen geht es per Rad zur Wanderdüne (ca. 7 km entfernt) und zu weiteren Erkundungen.

Aufs Abendessen verzichteten wir, da wir am Nachmittag bereits so gut und günstig gespeist hatten. Stattdessen genossen wir den vom Vorabend unterbrochenen Rest des Films (auf DVD) „What’s eating Gilbert Grape“ mit Johnny Depp und Lenardo di Caprio in den Hauptrollen.

Frederick klagte über Schmerzen am linken großen Zeh. Es tat schon am Vortag weh, Anne rieb die Stelle mit dem von Eva so empfohlenen Arnika (Creme) ein und es ging dann auch wieder. Aber nach der langen Strandwanderung schmerzte es wieder. Also noch mal einreiben.

Donnerstag, 6. Juni 2013
Fußschmerzen

Unser kuscheliger Platz in Leba

Unser kuscheliger Platz in Leba

Frederick hatte eine schlaflose Nacht. Die Schmerzen im Mittelknochengelenk des linken großen Zehs wurden in der Nacht immer stärker. Um drei Uhr stand er auf, um Schmerztabletten zu nehmen. Selbst die Bewegung aus der Koje verursachte tierische Schmerzen. Was war bloß los? Mitten in der Nacht durchstöberte er das Internet nach Informationen und fand dabei heraus, dass es sich um eine Gichtattacke (wie Anne bereits vermutet hatte, da sie so etwas aus der Familie kannte) handeln musste. Und das ausgerechnet Frederick, der doch recht bewusst isst und nicht übergewichtig ist. Wir fanden heraus, dass derartigen Problemen nur mit einer Diät beizukommen ist. Das Zauberwort ist Purin. Nur Nahrungsmittel mit sehr niedrigem or gar keinem Puringehalt können gegessen werden und KEIN Alkohol!

Nach einem Diät-Frühstück aus Yoghurt und Früchten entschlossen wir uns dann, zum Arzt zu gehen.Allerdings war an Gehen nicht zu denken sondern wir mussten ein Taxi nehmen. Die Sprechstundenhilfe sprach ein wenig Englisch, so dass wir ihr klarmachen konnten, was das Problem war. Gegen Zahlung von 50 Zloty wurden wir dann zur Ärztin vorgelassen. Diese sprach weder Deutsch noch Englisch, was die Sache etwas komplizierte. Aber irgendwie gelang es, ihr die Symptome zu schildern und sie bestätigte dann unsere eigene Diagnose: Gicht! Sie verschrieb entzündungshemmende Tabletten und eine Salbe, die Anne aus der Apotheke besorgte, während Frederick wieder mit dem Taxi zurückfuhr.

Jetzt müssen wir einen Ernährungsplan erstellen. Das Internet ist eine große Hilfe. Wenig Fleisch und dann auch nur Rinderbrust (essen wir eigentlich nicht). Erstaunlicherweise haben auch die meisten Fische zu hohe Purin- und Harnsäurewerte. Nur Scholle und Aal sind einigermaßen okay. Milchprodukte wie Milch, Yoghurt, Käse etc. sind am besten, auch Eier und Pellkartoffeln. Das ist schon vieles, was man mag. Dann wollen wir mal sehen, was dabei herauskommt.

Natürlich warf diese Geschichte unsere Pläne für heute über den Haufen. Weder Wandern noch Fahrradfahren sind möglich. Es wird also ein ruhiger Tag beim oder im Wohnmobil. Zum Glück scheint die Sonne, so dass wir heute einen faulen Tag mit viel Lesen und Dösen einlegen.

Freitag, 7. Juni 2013
Bewegungsunfähig

Leider ist Frederick mit dem kranken Fuß gegen eine Stufe getreten und nun tut es natürlich wieder höllisch weh! Aber wir müssen Geduld haben und ein wenig Ausruhen ist ja auch nicht schlecht, entspricht nur nicht unserer Natur, weil wir ja so gern unterwegs sind …

Ich vertreibe mir die Zeit, indem ich auch mal allein an den Strand gehe und einkaufe. Denn vorerst ist wieder Kochen im Mobil angesagt. Ich staune immer wieder über die niedrigen (nicht nur) Lebensmittelpreise. Wer wenig Rente bekommt, dem empfehlen wir, nach Polen zu ziehen, da reicht das Geld viel länger! Oder man gibt sein Geld für andere Dinge aus wie ich zum Beispiel: Konnte an einem Stand mit Bernsteinschmuck nicht vorbeigehen, ohne einen Ring angepaßt zu haben, der mir bereits am Vortag ins Auge gesprungen war. Drei kleine Bernsteine in den Farben Honig, Grün und Braun in Silber gefaßt, 45 Zloties, also ca. 12 Euros und der Ring saß am Finger! Freue mich sehr darüber!

Ab ca. 17.00 Uhr scheint der Ort in einen noch langsameren Trott zu verfallen. Offenbar strömt dann alles (Kinder- und Jugendreisegruppen mit ihren Betreuerinnen in Massen, deutsche Reisebustouristen) dem Abendbrot zu. Aber ganz allgemein betrachtet herrscht hier die Langsamkeit des Seins, man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit von „Ferien auf Immenhof“ oder so, 60er Jahre. Wenig Autoverkehr, niemand bewegt sich hektisch. Der lange weiße Sandstrand zieht sich unendlich hin und das Möwengeschrei dringt – wie einst in Falmouth – an unser Ohr. Leider ist die Touristeninformation nicht auf Zack, niemand spricht hier Englisch oder Deutsch und so können wir nicht in Erfahrung bringen, wann und wie der kleine Zug, der ab und zu durch die Straßen fährt, beladen mit Fahrgästen, zu besteigen ist. Man gab uns nur einen Zettel mit einer Telefonnummer, die zwecks Buchung anzurufen ist. Da versteht man mich bestimmt! Außerdem wollten wir ja keinen Einzelservice, der schon überteuert in Danzig angeboten wurde.

Eine einzige Broschüre auf Deutsch konnte ich ergattern. Außer der touristischen Hauptattraktion, der Wanderdüne, die sich im Nationalpark (1967 gegründet) befindet und die sich mit einer Geschwindigkeit von 3 – 10 Metern pro Jahr ostwärts bewegt (Wind und der sehr feine Sand, höchste Dünen erreichen bis zu 42 m), gibt es tatsächlich noch mehr zu sehen im Umfeld. Zum Beispiel die Abschußrampe auf dem Raketenversuchsgelände der Nazis aus dem Jahre 1940. Es gibt ein Mauerfragment der Nikolai-Kirche aus dem 14. Jahrhundert. In der Nähe befindet sich „Alt-Leba“, die ursprüngliche Niederlassung, die durch wiederholte Überschwemmungen, starke Stürme und nicht zuletzt von der Wanderdüne zerstört worden ist. Meine Broschüre weist 24 touristische Highlights auf, aber leider heißt sie auch „Zu Fuß in Leba“, na Klasse, gerade jetzt, wo Frederick das Schicksal ereilt hat, nicht laufen zu können … Vielleicht klappt es morgen per Fahrrad!

Samstag, 8. Juni 2013
Radtour zur Wanderdüne

Frederick auf dem Wehrmachts-Krad

Frederick auf dem Wehrmachts-Krad

Hurra, es hat geklappt: Frederick „was fit like a fiddle“, sich auf das Rad zu schwingen und mit mir zur Wanderdüne zu fahren. Radfahren machte dem lädierten Fuß also nichts aus, Gott sei Dank! Wie schön, dass wir Evas und Lothars alte Amsterdam-Räder dabei haben, los ging es also. Die Strecke zur Wanderdüne belief sich auf 8,5 km entlang eines schönen Fahrradweges durch den Kiefernwald. Beim Eingang in den Nationalpark bezahlten wir 12  Zloties. Heute, am Samstag waren viele Urlauber mit Kind und Kegel unterwegs, die meisten zu Fuß. Der erste Haltepunkt war das Museum eines Raketenversuchsgeländes der Nazis mitten im Wald. Hier bezahlten wir 20 Zloties Eintritt inkl. Rentnerrabatt. Auch hier begegnete uns eine verblüffende Unbefangenheit, mit der die Polen offenbar mit der Vergangenheit umzugehen scheinen. Eine Schaufensterpuppe in Lebensgröße, gekleidet in eine Soldatenuniform aus der Nazizeit „begrüßte“ uns am Eingang. Ein Motorrad (mit Beiwagen, auf dem ein Maschinengewehr montiert war) aus derselben Zeit stand für Fotozwecke zur Verfügung, zum Vergnügen der Kinder.

Die Fotoausstellung im sogenannten Beobachtungsbunker war interessant, weil vieles auf Deutsch erklärt wurde. Außerdem fanden wir es niedlich, dass die Schwalben ihre Nester dort gebaut hatten und sich beim Füttern der Jungen nicht von den Besuchern stören ließen.

Schwalbennest im Beobachtungsbunker

Schwalbennest im Beobachtungsbunker

Ganz schön schwer, so 'ne V2

Ganz schön schwer, so ’ne V2

Wir erfuhren, dass die Abschussrampe noch in den 60er Jahren für meteorologische Raketenversuche genutzt wurde. Es gab eine halbwegs erhaltene Montagehalle.

Weiter ging es auf einer noch von den Nazis angelegten breiten Betonpiste durch den Wald. Am Ende des Weges (ziemlich genau nach 8,5 km!) öffnete sich der Weg und gab den Blick frei auf den blauen Himmel über uns und die weiße gleißende Sanddüne vor uns. Unglaublich, wenn man es nicht selbst gesehen hat! Mit -zig anderen Menschen erklommen wir barfüßig die hohe Düne, was gar nicht so einfach war, weil sie steil ist und der Sand sehr fein, so dass die Füße sich tief eingruben. Wir erreichten den „Kamm“ und sahen ein riesiges Gebiet aus Sand um uns herum, fühlten uns wie in der Sahara.

Anne auf der Wanderdüne (im Hintergrund die Ostsee)

Anne auf der Wanderdüne (im Hintergrund die Ostsee)

Hier geht es steil bergab

Hier geht es steil bergab

Welch eine Macht die Natur doch hat! Nichts kann diese Wanderdüne aufhalten! Irgendwann wird sie auch das Gebiet mit der Abschußrampe erreicht haben und nichts wird mehr davon übrigbleiben. Die Kinder hatten ihren Spaß, die Düne hinunterzurutschen oder einfach hinunter zu rollen. Zum Glück hatte Fredericks Fuß dieses Abenteuer nichts ausgemacht und wir kamen unbeschadet wieder hinunter.

Die Ruinen der Nikolai-Kirche fanden wir leider nicht (schlechte Ausschilderung), dafür aber einen schönen Strandzugang mit einem netten Restaurant. Da es Mittagszeit war, kehrten wir ein: Frederick wählte mal wieder Fisch mit Salzkartoffeln und Salat, ich entschied mich für Vegetarisches: Pommes mit Salat, dazu bestellten wir 2 x Mineralwasser und bezahlten anschließend 33 Zloties, also ca. 9 Euros. Wir fanden das wieder mal sehr preiswert.

Zurück am Wohnmobil verbrachten wir den Rest des Tages mit Lesen und Sonnen.

Morgen heißt es Abschiednehmen von diesem schönen Ort.

Fotogalerie Łeba

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