Nikolaiken

 In 2013, Polen

Dienstag, 28. Mai 2013
Sensburg (Mragowo) und Nikolaiken (Mikolajki)

Abendessen mit Familie im Hotel Eva

Abendessen mit Familie im Hotel Eva

Während Eva und Lothar mit Maja heute eine Tour gen Westen (Olsztyn/Allenstein, Ostroda/Osterode und Marienburg) geplant hatten, wollten wir uns gemeinsam mit Lars, Dani und dem kleinen Lukas in in Sensburg (Mragowo) umsehen. Nach dem Frühstück im Hotel ging es dann zu Fuß entlang der Uferpromenade am See zur ca. drei Kilometer entfernten Innenstadt. Es war recht kalt, windig und stark bewölkt.

Die Innenstadt von Sensburg ist noch in dem Maße restauriert, wie wir das von anderen Städten im Ostblock kannten, also eher sparsam. Aber man sieht überall Baustellen und Gerüste, so dass davon auszugehen ist, dass es in einigen Jahren auch hier sehr viel schöner aussehen wird. Zur Seepromenade kommen wir später.

Klein Lukas hatte am Vortag aus Versehen Lars‘ Brille (ein Glas) zerbrochen und wir suchten zuerst nach einem Optiker. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten gelang es Lars, die Dame beim Optiker zu überzeugen, die Brille notdürftig zu reparieren (sie klebte das Glas). Er bezahlte 10 Zloties und war froh, dass er die Brille wieder benutzen konnte. Später kehrten wir noch auf einen Kaffee in einem schönen Café ein, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Lars, Anne, Dani und Lukas in Sensburg

Nikolaiken ( Lars, Anne, Dani und Lukas in Sensburg

Die Seepromenade ist sehr aufwendig gestaltet worden mit verschiedenen Badestellen, Bootsstegen, Restaurants und Bistros sowie einem Fahrradweg. Direkt neben dem Hotel EVA hat man die Freilichtbühne restauriert, vom Feinsten! In den Sommermonaten, speziell Ende Juli findet hier ein Country Music- Open-Air Konzert statt. Besucher und Musiker aus aller Welt bevölkern dann den Ort.

Moderne Freilichtbühne (Amfitheater) in Mragowo

Moderne Freilichtbühne (Amfitheater) in Mragowo

Zurück am Hotel verabschiedeten wir uns von Dani, Lars und Lukas. Wir mussten heute weiter auf einen Stellplatz mit Ent- und Versorgungsmöglichkeiten, da das Wohnmobil dringend neu versorgt werden musste. Unser Ziel war das 25 km entfernte Nikolaiken (Mikolajki) am J. Sniardwy-See, der größte See der Masurischen Seenplatte. Dort sollte es einen gut ausgestatteten Stellplatz geben.

Wir fanden den Platz sofort. Er liegt unmittelbar neben der attraktiven kleinen Innenstadt. Nachdem wir das wohnmobil ent- und versorgt hatten machten wir uns sofort auf zu einem Erkundungsrundgang. Auch in diesem Ort hat man sich bei der Restaurierung besonders auf die am Seeufer gelegenen Einrichtungen und Gebäude konzentriert. Die kleine Innenstadt (Nikolaiken hat ca. 6000 Einwohner) hat Flair. Am See findet man an mehreren Stellen Yachthäfen, zum Teil hypermodern. Sehr vielseitig ist das Angebot an Ausflugsschiffen und Mietbooten aller Art, rundum ein Paradies für Wassersportfreunde.

Anlegekai der Ausflugsschiffe in Mikolajki

Anlegekai der Ausflugsschiffe in Mikolajki

Wir wanderten entlang der langen Promemade nach Osten, vorbei an den vielen Booten. Dann gingen wir landeinwärts, um einen jüdischen Friedhof, den wir auf unserem Stadtplan entdeckt hatten, zu suchen. Nach kurzer Zeit wurden wir in der Feldmark außerhalb der Stadt fündig. Leider war der Friedhof mittlerweile recht verwahrlost (war erst 2003 von Einheimischen wieder aufgebaut worden). Er sollte an die dort ansässigen Mitbewohner jüdischen Glaubens erinnern. Die Grabinschriften waren meistens auf Hebräisch, aber einige auf Deutsch. Typisch waren die aufgetürmten kleinen Erinnerungssteine, die Besucher auf den Grabsteinen zurücklassen.

Es war mittlerweile später Nachmittag und wir spazierten zurück zum Ort, um uns dort noch etwas umzuschauen. Da wir bei einer Eisdiele nicht NEIN sagen konnten und uns einen riesigen Amaretto-Becher gönnten, fiel das Abendessen aus. Fernsehen gab es auch heute nicht, da wir mal wieder unter Bäumen stehen. Die fernsehlose Zeit gefällt uns aber gut. So kommen wir zum Lesen. Heute schauten wir uns aber dann doch noch den in Swieta Lipka gekauften touristischen Film über Masuren an. Dort erkannten wir bereits Vieles und sahen natürlich auch Neues, das wir eventuell noch besuchen und besichtigen möchten.

Mittwoch, 29. Mai 2013

Für heute war schönes Wetter vorhergesagt und in der Tat strahlte der Himmel in schönstem Blau, als wir aufstanden. Wir nutzten die kostenlose Dusche auf dem Platz. Dann bauten wir Tisch und Stühle vor dem Wohnmobil auf, um im Freien zu frühstücken. Endlich mal entspannen, aber wir fanden doch noch Zeit, auch an unserem Bericht weiterzuarbeiten.

Hafen mit der evangelischen Kirche im Hintergrund

Hafen mit der evangelischen Kirche im Hintergrund

Am späten Vormittag machten wir uns auf, Neues zu erkunden. Das herrliche Wetter lud zum Fotografieren ein und Frederick gelangen ein paar schöne Aufnahmen. Schon am Vortag hatten wir ein Museum neben der Kirche entdeckt, das über die Geschichte der Reformation in Polen informierte. Gestern war es geschlossen, aber heute konnten wir hinein gegen ein Eintrittsgeld von je 5 Zloty. In vier Räumen waren hauptsächlich originale Schriftstücke (Dokumente, Bilder und Bücher) aus der alten Zeit in Vitrinen ausgestellt, natürlich vieles über Martin Luther. Das überwiegende Material war in polnischer Sprache, aber vieles war auch übersetzt, so dass wir mehr als eine Stunde dort verbrachten und manch Neues erfuhren.

Historischer Nachbau als Ausflugsschiff in Mikolajki

Historischer Nachbau als Ausflugsschiff in Mikolajki

Das Wetter machte schläfrig und wir gingen zurück zum Wohnmobil auf einen kleinen Imbiss und eine ausgedehnte Mittagspause. Am späten Nachmittag wanderten wir nochmals los und verbrachten längere Zeit beim Lesen auf einer Bank am Hafen. Es herrschte rege Betriebsamkeit, Ausflugsschiffe legten ab and kamen an, viele kleinere Boote bevölkerten den See und entlang der Uferpromenade wurde gewerkelt. Wie wir erfuhren, finden ab morgen zum Anlass von Fronleichnam diverse Festivitäten, Veranstaltungen und Spiele statt. Vermutlich nehmen sich die meisten Leute auch den Freitag frei, um am verlängerten Wochenende feiern zu können.

Diese toll erhaltene BMW-Isetta entdeckten wir auf unserem Rundgang

Diese toll erhaltene BMW-Isetta entdeckten wir auf unserem Rundgang

Zurück ging es zum Abendessen ins Wohnmobil. Es gab Huhn süß-sauer nach chinesischer Art. Später machten wir noch einen kleinen Spaziergang und beobachteten die emsigen Vorbereitungen für die Festivitäten.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Fronleichnam und unser dritter in Tag in Nikolaiken (Mikolajki). Wieder hatten wir einen strahlend blauen Himmel und es war noch wärmer als gestern. Ein zweites Mal machten wir uns nach dem Frühstück auf eine Wanderung entlang des Hafens. Viele Urlauber bevölkerten den Ort – die meisten waren Polen. Auf dem See beobachteten wir eine Segelregatta. Überhaupt waren sehr viele Boote auf dem Wasser, lauter Freizeitkapitäne: Von Motorboot, Segelyacht, Tretboot bis hin zu diversen Ausflugsschiffen ging es rege zu auf dem See. Da entschieden wir uns, auch eine Bootstour zu machen.

Viel los auf dem See

Viel los auf dem See

Für morgen ist eine gemeinsame Bootsfahrt mit der ganzen Familie geplant, aber wir dachten uns, schon heute einmal Probe zu fahren. Um 12 Uhr bestiegen wir eines der Schiffe für die 90-minütige Fahrt. Bei wunderschönem Wetter und blauem Himmel erlebten wir den See jetzt von der Wasserseite, wie man auf den folgenden Fotos erkennen kann.

Eine lustige Seefahrt

Eine lustige Seefahrt

Die Bootsfahrt war ihr Geld wert und wir freuen uns schon auf die Wiederholung morgen mit der Familie. 1 ½ Stunden für 25 Zloties (ca. 6 Euros) pro Person war wirklich preisgünstig. Es war die richtige Entscheidung gewesen, schon mal „vorzufahren“, weil es ein wirklich heißer Tag und es auf dem See so viel angenehmer war. Außerdem konnte Frederick bei blauem Himmel die schönsten Fotos von den Segelbooten und der Landschaft machen.

Eine Seefahrt, die macht müde und wir hielten nach der Rückkehr ein zwei-stündiges Nickerchen. Abends holten wir den Grill ‚raus, um unsere Bratwürste zünftig zuzubereiten. Obwohl ein Gewitter drohte und schon erste Tropfen fielen, hatten wir letztendlich Glück. Das Gewitter zog vorbei und wir konnten unser BBQ genießen.

Freitag, 31. Mai 2013
Gemeinsame Bootsfahrt in Nikolaiken

Der letzte Tag des Familienurlaubs war für Eva, Lothar, Lars und Daniela mit Lukas und Maja angebrochen. Nach Lothars ursprünglichem Plan war eine Bootstour auf dem See in Nikolaiken geplant, um 10.00 Uhr sollte es losgehen.

Mittagessen mit der Familie in Mikolajki

Mittagessen mit der Familie beim Italiener in Nikolaiken

Leider war es heute bedeckt, und da das Boot sich mit all den vielen Busreisenden sehr schnell füllte, entschlossen wir uns, die 14.00 Uhr-Tour mitzumachen. Das gab uns genug Zeit, miteinander zu reden und an der Hafenpromenade entlang zu flanieren. Das taten wir auch ausgiebig, kauften dann. noch einige Souvenirs und Ansichtskarten. Außerdem wollten wir zum Abschied gemeinsam und gemütlich in einem der vielen Restaurants etwas essen. Lars hatte schon eine echt italienische Pizzeria ausgeguckt und alle schlossen sich gern an, weil das Lokal sehr hübsch und liebevoll eingerichtet war. Auch Lukas sollte zu seinem Recht kommen und sein Mittagessen rechtzeitig genießen. Bisher hatte er alles toll mitgemacht und sich von seiner besten Seite gezeigt, obwohl er plötzlich über Nacht einen Zahn bekommen hatte! Normalerweise geht das ja nicht ohne Quengeln und Schmerzen ab, Lukas merkte man nichts an!

Eine lustige Seefahrt (Lothar, Maja, Eva,Frederick)

Eine lustige Seefahrt (Lothar, Maja, Eva,Frederick)

Das Essen im Restaurant war ein Volltreffer für alle! Gut gelaunt gingen wir zum Bootsanleger, kauften die Tickets und – da frühes Kommen die besten Plätze sichert – taten wir dies natürlich auch, das Sichern. Typisch deutsch – wir legten aber keine Handtücher auf die Sitze … Auch die Sonne meinte es gut mit uns und ließ sich blicken. Wir genossen ein zweites Mal die Tour auf dem größten See Masurens. Auch heute waren viele Freizeitsegler draußen, mit ihren Familien an Bord.

Als der Bootsführer die Rückfahrt antrat, bezog sich der Himmel mit bedrohlichen Wolken. Ein Gewitter auf dem Wasser wünschten wir uns nun nicht gerade! Das Glück blieb bei uns und wir kamen noch trockenen Fußes in Nikolaiken an.

Drohendes Gewitter

Drohendes Gewitter

Lothar wollte seine im Wohnmobil zurückgelassenen Sachen holen, und da prasselte es auch schon auf uns nieder. Wir waren froh, dass wir nur zwei Minuten vom Bootssteg entfernt waren und schnell ins Trockene kamen. Daniela und Lars waren schon mit Lukas in das ausgesuchte Café vorausgeeilt, und wir warteten noch den Schauer ab und folgten ihnen dann. Das Angebot dort machte uns sprachlos: Leckere heiße Waffeln mit Sahne, Eis und Erdbeeren, Erdbeerkuchen mit Puddingfüllung, Schoko- und Mohnkuchen und die Verständigung (deutsch) war auch kein Problem. Die bestellte heiße Schokolade als Getränk stellte sich als wohl eine Tafel geschmolzener Schokolade heraus, so dickflüssig war sie! Auch hier waren alle wieder restlos zufrieden und nahmen eine weitere gute Erinnerung aus Polen mit.

Wenn es nicht Lars gewesen wäre, der so gern einmal in das Land seiner Vorväter reisen wollte, wären wir wohl nie hier gelandet. Wir hatten uns ja nur den Reiseplänen der Familie angeschlossen und sind nicht enttäuscht worden: Polen ist auf jeden Fall eine Reise wert, die Vielfältigkeit und Reize der Landschaften, das Tempo (deutlich weniger hektisch), die alten wiederhergestellten Städte. Wir mussten unsere Vorstellung von Polen und den Polen gründlich revidieren. Polen ist sehr fortschrittlich. Nur wenig ist noch zu sehen von früherer kommunistischer Misswirtschaft. Wunderschöne Städte und Landschaften formen das Bild des heutigen Polens. Kultur wird groß geschrieben. Wir kommen zurück mit vielen neuen positiven Eindrücken.

Mitten auf dem See

Mitten auf dem See

Da wir unsere Wasservorräte heute aufgebraucht hatten (gute Ausrede), verzichteten wir auf das Abendessen im Wohnmobil und kehrten nochmals in das Pizza-Restaurant zurück, wo wir schon so toll Mittag gegessen hatten. Wir bestellten wieder die gleiche Salami-Pizza mit Salat und begleiteten das gute Essen mit einer Flasche chilenischen Cabernet Sauvignon. Ein wahrhaft köstliches Essen. Danach machten wir uns noch einmal auf zu einem Rundgang und liefen uns die Kalorien wieder ab. Überall waren die Restaurants gut besucht und auf einer Bühne spielte eine Live-Band populäre Country- und irische Musik. Das ging uns sofort in die Beine und schon waren wir auf der Tanzfläche. Mittendrin bekam Anne einen Riesenschreck: „Wo ist mein Rucksack?“ Sie hatte ihn ausnahmsweise mal über die Stuhllehne im Restaurant gehängt, was sie sonst nicht tut und dann glatt vergessen … Schnell zurück zum Restaurant. Der nette Kellner sah uns kommen und winkte schon. Puuh, noch mal Glück gehabt! Zurück ging es zur Tanzfläche und entspannt konnten wir noch eine Weile das Tanzbein schwingen. Ein wirklich gelungener Tag.

Fotogalerie Nikolaiken

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