Rastenburg

 In 2013, Polen

Montag, 27. Mai 2013
Swieta Lipka, Rastenburg (Wolfsschanze) und Reszel

Kirche der "Heiligen Linde" in Swieta Lipka (unser Wohnmobil vorne links)

Kirche der „Heiligen Linde“ in Swieta Lipka (unser Wohnmobil vorne links)

Für heute hatten wir uns die Besichtigung der Wolfsschanze (Hitlers ehemaliges Hauptquartier in Ostpreußen) in Rastenburg (Kętrzyn) vorgenommen. Lothar schlug vor, vorher noch die nicht weit entfernt liegende Kirche „Heilige Linde“ in Swieta Lipka zu besichtigen. Wir hatten von dieser Kirche bisher nichts gehört und staunten daher nicht schlecht, als wir dort ankamen. Ein farbiger Prunkbau im Zuckerbäckerstil (Barock) erwartete uns.

Die Kirche liegt in einem Dorf von nur 130 Einwohnern. Die kamen aber erst NACH dem Kirchenbau, vorher war da nichts! Kirche und Kloster wurden vor ca. 300 Jahren von den Jesuiten hier gebaut, weil an einer Linde zu der Zeit laut Legende das Wunder geschah, dass ein Blinder sehend wurde, oder so ähnlich …

Bei der Gestaltung und Ausstattung wurde offenbar an nichts gespart. Prunk, soweit man sehen konnte. Aber einfach überwältigend und schön für das Auge!

Die prachtvolle Orgel der Kirche "Zur heiligen Linde"

Die prachtvolle Orgel der Kirche „Zur heiligen Linde“

Die Kirche war fast völlig mit Touristen gefüllt und ein Pfarrer hielt eine Ansprache auf Polnisch und Deutsch. Danach gab es ein sehr schönes 15 minütiges Orgelkonzert. Spannend war, dass verschiedene Figuren, die in den Orgelbau integriert waren, sich zu der Musik bewegten. Man erinnere sich an die alten Orgeln auf den Jahrmärkten von früher, insbesondere Hamburger Dom, da stand man als Kind davor und war fasziniert. Genau so erging es uns in dieser Kirche!

Danach ging es zur Wolfsschanze, einem traurigen Kapitel der deutschen Geschichte, Hitlers Führerhauptquartier in Ostpreußen. Wir dachten, diese wäre in Rastenburg. Aber dort angekommen, war nirgendwo ein Hinweis, wie man dort hin kam. Da Lars und Dani vor uns losgefahren waren, riefen wir sie an, um sie nach dem Weg zu fragen. Aber sie wussten ebenfalls nicht, wo es war. Wir entschieden uns, jemanden auf der Straße zu fragen und fuhren dann den beschriebenen Weg, ca. 9 km außerhalb von Rastenburg.

Die Anlage liegt mitten im Wald östlich von Rastenburg. Eintritt und Parkgebühren beliefen sich auf gerademal 50 Zloty, ca. 13 €. Das war billig. Beim Aussteigen rauschte ein Wehrmacht-Krad mit Beiwagen (Motorrad für die Jüngeren) an uns vorbei. Fahrer und Mitfahrer waren in Wehrmachtsuniform und Helm gekleidet. Wir waren unangenehm berührt, aber die Polen boten dies als Touristenattraktion an.

Gesehen-in-der-Wolfsschanze

Gesehen-in-der-Wolfsschanze

Wir gingen den vorgezeichneten Weg durch die Anlage, vorbei an total zerstörten Gebäuden und Bunkern. In einem noch einigermaßen erhaltenen Gebäude war eine Ausstellung mit Schautafeln zu sehen, die den Leidensweg der nach dem gescheiterten Stauffenberg Attentat am 20. Juli 1944 in Sippenhaft genommenen Familienmitgliedern und anderen prominenten Inhaftierten (Pfand sozusagen) in allen Einzelheiten beschrieben. Es war kalt, feucht und ungemütlich in dem Bunker und wir waren beide recht beklommen von dem, was wir da lasen. Obwohl wir ja schon viele Dokumentationen und Filme der geschichtlichen Aufarbeitung gesehen hatten. Die Berichte waren erschütternd.

Froh, wieder draußen zu sein, führte uns der Weg dann weiter an der Baracke vorbei, wo das Attentat verübt wurde (von der natürlich nur noch von Moos überwachsene Betonbrocken übrig waren).

Inneres eines nur zum Teil gesprengten Bunkers

Inneres eines nur zum Teil gesprengten Bunkers

Die Betonwände der Bunker waren bis zu fünf Meter dick, die Dachabdeckungen bis zu acht Meter. Trotzdem flogen bei den durch die Nazis bei ihrem Rückzug veranlassten Sprengungen tonnenschwere Teile meterweit durch die Luft. Das folgende Foto gibt vielleicht einen Eindruck von der gewollten Zerstörung.

Bunkertrümmer in der Wolfsschanze

Bunkertrümmer in der Wolfsschanze

Solcher Art Trümmer gab es viel zu sehen auf dem fast zwei Kilometer langen Rundweg, wo wir an über 30 zerstörten Bunkern vorbeikamen. Übrigens verbrachte Hitler insgesamt 855 Tage in der Wolfsschanze, um von dort seinen Krieg zu dirigieren. Nach mehr als zwei Stunden entschieden wir, genug gesehen zu haben. Nachdenklich bis deprimiert verließen wir diesen düsteren Ort und gingen zum Wohnmobil zurück.

Mit Lothar hatten wir vereinbart, nach der Wolfsschanze den nicht weit entfernten Ort Reszel (Burg) zu besichtigen. Lothar rief uns unterwegs an, als wir schon fast in Reszel waren und ließ uns wissen, dass er noch in Rastenburg auf einen Kaffee Station machen würde. Wir konnten uns dem leider nicht mehr anschließen, weil wir schon fast in Reszel angekommen waren. Wir konnten auf Grund der Größe unseres Wohnmobils nicht ins Stadzentrum fahren (Brücke, fasste nur 2,5 t Belastung) und parkten daher etwas außerhalb und wanderten ins Zentrum.

Die Stadt ist beschaulich, allerdings liegt sie noch zurück in puncto Restaurierung und Verschönerung. Sie hat eine kleine Einkaufszeile, ein renoviertes Rathaus, die übliche überdimensionierte Kirche, eine Festung und ein Kloster. Nachdem wir uns in einem kleinen Café (im zuerst angesteuerten schickte man uns wieder weg, weil „Maschine kaputt“) bei Kaffee und Kuchen gestärkt hatten ging es auf Erkundungstour. Zuerst in die Kirche. Dort war es zwar kalt, aber ansonsten sahen wir, wie fast überall in den besichtigten Kirchen, sehr kostbare Dekorationen, aufwändige Malereien und Schnitzereien.

Zentrum von Rescel mit Kirche

Zentrum von Rescel mit Kirche

Anschließend wanderten wir zur nahen Festung, wo wir für die Besichtigung je 3 Zloty, also etwa 85 Cent bezahlen mussten. Es war ein recht kleines Gebäude, das von außen imposanter aussieht, als es ist. Man kann den Turm besteigen und die Aussicht geniessen. Ansonsten ist im Gebäude ein Hotel (18 Zimmer) und ein Restaurant untergebracht. Hier finden in erster Linie kulturelle Begegnungen statt, Künstler geben sich die Klinke in die Hand während der Sommermonate. Aber natürlich kann auch jeder andere dort eine Übernachtung buchen: www.zamek-reszel.com

Festung von Rescel

Festung von Rescel

Die Besichtigung war interessant. Wir bestiegen den Turm, und in luftiger Höhe ergaben sich einige schöne Ausblicke und Fotomotive.

Wieder unten angekommen, entschieden wir uns, in dem urigen Restaurant noch eine kleine Pause einzulegen. Während wir auf dem rustikalen Gestühl draußen sitzend entspannten, war eine Foto-Crew damit beschäftigt, professionelle Bilder zu machen. Wahrscheinlich für einen Werbeprospekt oder ähnlich. Ein junger Mann in einer Tracht aus früheren Zeiten und ein hübsches Mädchen, ganz in weiß gekleidet, posierten wohl für Werbeaufnahmen. Ich fragte, ob ich sie auch fotografieren dürfte, was mir gestattet wurde (Ergebnis siehe unten).

Fotoshooting im Festungshof

Fotoshooting im Festungshof

Der vorhergesagte Regen kündigte sich an. Dunkle Wolken zogen auf und es grummelte in der Ferne.

Sensburg - Swieta Lipka - Reszel - Rastenburg - Sensburg

Tagesetappe: 108 km

Da es zum Wohnmobil noch ein kleiner Weg war, machten wir uns schleunigst auf, während die ersten Tropfen bereits fielen. Wir kamen noch recht trocken in unser mobiles Heim. Als wir aus der Stadt fuhren, sahen wir Eva, Maja und Lothar gerade ankommen. Leider konnten wir uns nur zuwinken, da wir nirgends halten konnten mit unserem langen Gefährt. Und leider mussten die drei sich mit dem Regen während ihres Rundganges abfinden.

Es war ein Tag voller unterschiedlicher Eindrücke und Erlebnisse. Lothar, vielen Dank für die Empfehlung Swieta Lipka und Reszel. Maja schaute abends noch bei uns herein auf ein Glas Sekt im Wohnmobil.

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