Danzig

 In 2013, Polen

Mittwoch, 22. Mai 2013

Kolberg - Sopot

Tagesetappe: 230 km

Weiter ging es Richtung Danzig, dieses Mal klugerweise entlang der Fernstraße, der roten! Diese Straßen waren in einem sehr guten Zustand, die Autofahrer nicht! Sie überholten an den unmöglichsten Stellen, teilweise sogar rechts!! Der Fahrer unseres Mobils brauchte alle Konzentration, um sich mit dieser Fahrweise auseinanderzusetzen! Es gab vielerorts Geschwindigkeitsbeschränkungen (70 km/h), die offenbar für die Polen nicht gelten.

Für die 230 km benötigten wir ca. 4 Stunden an reiner Fahrtzeit, länger als wir gedacht hatten. Frederick hatte während einer Pause einen Stellplatz in Zoppot (Sopot) ausfindig gemacht.

Spargel mit Schinken

Spargel mit Schinken

Es war gar nicht  so leicht, ihn zu finden. Nun stehen wir hier in einem Wiesengrund im Grünen, das Gewitter grummelt über uns und wir haben uns ein schönes Abendessen verdient, Spargel und Schinken und Erdbeeren mit Vanillesoße im Wohnmobil.

Morgen schauen wir uns Danzig an. Wir werden wohl die S-Bahn nehmen.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Zum Bahnhof sind es nur fünf Minuten zu Fuß. Berta, die nette Dame vom Campingplatz hatte uns bereits aufgeklärt, wie man Fahrkarten bekommt: entweder am Automaten oder wenn das nicht klappt, in den vordersten Wagen einsteigen und beim Zugbegleiter Karten kaufen. Sie sagte uns auch, dass die Kontrolleure keinen Spaß verstehen, wenn sie jemand ohne gültige Fahrkarten erwischen, egal, ob man Ausländer ist oder nicht. Berta sagte, diese Leute erhalten Provision für jeden erwischten Schwarzfahrer. Am Bahnhof und an dem Automaten angekommen, stellten wir fest, dass er keine Scheine akzeptierte. So ein Mist. Wir hatten nicht genug Münzen. Zurück zur Tankstelle gegenüber dem Bahnhof, dort etwas gekauft und darauf geachtet, dass entsprechendes Wechselgeld ausgehändigt wurde. Dann ging es zurück zum Bahnhof, wo gerade jemand damit beschäftigt war, den Automaten zu reparieren oder zu leeren. So blieb uns nichts anderes übrig als in den ersten Waggon zu steigen und Fahrkarten beim Zugbegleiter zu kaufen. Dafür brauchten wir natürlich nicht die Münzen!

Das alte Rathaus

Das alte Rathaus

Der Zug sah innen ziemlich schrecklich aus, aber wenn man früher mal in Hamburg S-Bahn gefahren ist, nimmt man das hier auch in Kauf … Nach ca. 8 Stationen und einer halben Stunde Fahrzeit kamen wir am Hauptbahnhof in Danzig an. Im Zug waren wir mit einem jungen Mann ins Gespräch gekommen. Er sprach gut Englisch und ein wenig Deutsch. Im Hauptbahnhof angekommen, begleitete er uns ins Zentrum und zur Touristeninformation und erklärte uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten und ein paar Besonderheiten der polnischen Sprache. Er hieß Michael und hätte uns wohl gern weiter betreut, aber wir wollten Danzig auf eigene Faust entdecken. So bedankten wir uns bei ihm und machten uns mit Hilfe eines Stadtplanes auf den Weg.

Das prächtige Gebäude der Danziger Touristeninformation

Das prächtige Gebäude der Danziger Touristeninformation

Von Danzig hatten wir schon viel gehört bzw. auch mal das eine oder andere als Dokumentation im Fernsehen gesehen. Aber es übertraf alle unsere Erwartungen im Hinblick auf die Vollständigkeit und Schönheit einer nach dem Krieg wiederaufgebauten Altstadt. Der Reichtum der Hanse – von einst – war überall zu sehen. Die Häuser waren überwiegend mehrstöckig (5 bis 6 Stockwerke), alte Handels- und Speicherhäuser mit wunderschönen Giebeln, der holländischen Bauweise sehr ähnlich (Treppen-, Glocken- und andere verspielte Giebel), alle in schönen Farben angestrichen . Wenn man bedenkt, wie stark Danzig im Krieg zerstört war, muss man sich wundern, dass bereits zu kommunistischen Zeiten Wert darauf gelegt wurde, Danzig wieder zu altem Glanz zu verhelfen, also liebevoll zu sanieren und restaurieren. Auch alte Backsteinkirchen wurden wieder aufgebaut.

Die vielen winkligen Gassen mit kleinen Cafés und Restaurants luden uns zum Bummeln ein. Die beeindruckende Markthalle war nicht nur Lebensmittelhändlern vorbehalten, sondern beherbergte auch kleine Verkaufsstände für Schuhe, Kleidung, Schmuck. Also erfüllte die Halle eher die Funktion eines Kaufhauses.

Die wunderschön restaurierte Markthalle

Die wunderschön restaurierte Markthalle (wirklich einen Besuch wert)

Die Frauenstraße (ul. Mariacka) ist berühmt für ihre kleinen Kellerwerkstätten, in denen Bernstein zu Schmuck verarbeitet wird. Überall lockten uns (bzw. nur Anne) die Schmuckauslagen. Aber das Angebot war einfach zu groß, als dass man sich für irgendetwas entscheiden konnte! Außerdem war alles ziemlich teuer, genau wie die Speisen in den Restaurants – Michael hatte uns vor Touristen-Nepp gewarnt.

Besichtigungen waren billig und wir entschieden uns, auf die Aussichtsplattform im Turm der Marienkirche zu klettern. Frederick wollte Panorama-Fotos machen und ich wollte mich beweisen (Höhenangst!) Wir zahlten für diese Strapaze 10 Zloties für 2, also ca. 5 Euros und los ging es die steilen Stufen im Innern des Turms hinauf. Sehr nett war, dass ab und an die Anzahl der Stufen vermerkt war, so brauchte man selbst nicht zu zählen. Es war so eng, dass es wirklich nur eine „Einbahnstraße“ war, die Zurückkommenden leitete man auf der anderen Seite hinunter. Vor uns war ein junges Paar, die waren auch nicht schneller als wir! Irgendwann machte das junge Mädchen schlapp, so ungefähr auf Stufe 300, war wohl auch nicht schwindelfrei … Ich spielte mit dem Gedanken, ihrem Beispiel zu folgen, denn mir war auch schon etwas mulmig.

Panoramaaufnahme vom Turm der Marienkirche-4

Panoramaaufnahme vom Turm der Marienkirche-4

Dann aber siegte die Neugierde, wie viele Stufen ich noch schaffen würde – 20 waren es insgesamt, dann standen wir auf der ganz kleinen hölzernen Ausguckfläche oben auf dem Kirchturm und schauten über die Stadt, ein toller Ausblick. Allerdings wagte ich nicht den direkten Blick nach unten … Der Abstieg ging dann flotter vonstatten.

Danach waren wir hungrig und landeten in einer kleinen italienischen Pizzeria, wo viele junge Leute saßen. Für zwei sehr leckere Pizzen und zwei Colas bezahlten wir 40 Zloties (ca. 10 Euro, fanden wir sehr billig!). Auf unserem weiteren Stadtrundgang wusste Frederick gar nicht, welches Motiv er zuerst fotografieren sollte, so viele boten sich ihm. Am Hafen sahen wir eine nachgebaute alte Kogge, die zu einer 1 ½ stündigen Tour zur Westerplatte einlud – für 80 Zloties, also 10 Euro pro Person. Um 15.00 Uhr heuerten wir mit vielen anderen Touristen an und setzten Segel (Motor), es gab deutsche und englische Erklärungen zu den Sehenswürdigkeiten rechts und links der Stadt.

Unsere Ausflugskogge "Lew"

Unsere Ausflugskogge „Lew“

Am Kai lag gerade ein Kreuzfahrtschiff vor Anker: die Albatros, unser Lieblingsschiff! Im Fernsehen lief einmal eine Serie über Kreuzfahrten und die Albatros spielte hier eine Rolle mitsamt dem freundlichen norwegischen Kapitän Morten Hansen, der vieles auf Deutsch in dem so netten Akzent der Norweger erklärte. Leider bekamen wir ihn im Vorbeifahren nicht zu Gesicht, schade! Irgendwann gehen wir mal mit ihm auf Tour, aber nur mit ihm!! Weiter ging die Fahrt, vorbei an einem Kriegerdenkmal, zur Erinnerung an den Beschuss der Westerplatte durch den Kreuzer Schleswig-Holstein (wir machten uns ganz klein …).

Kriegsmahnmal in Erinnerung an den Beschuss der Westernplatte

Kriegsmahnmal in Erinnerung an den Beschuss der Westernplatte durch den Kreuzer Schleswig-Holstein

Auf der Rückfahrt gab es dann noch ein paar polnische Shanties von einem Musiker, der sehr gut sang und sich auf der Gitarre begleitete. Wenn wir auch den Text nicht verstanden, hören sich die Seemannslieder auf der ganzen Welt doch irgendwie ziemlich gleich an, einfach schön!

Frederick wollte noch unbedingt Fotos und den Bericht ins Internet stellen und das war nur bei MacDonalds möglich, also im Hauptbahnhof. Ich hingegen hatte noch einen Friseur-Stopp eingeplant. So gingen wir getrennte Wege, ich zum Friseur, Frederick zum Hauptbahnhof. Irgendwie würde ich mich schon dahin durchfragen … Für das Haare waschen und schneiden bezahlte ich nur 10 Euro! Zum Glück sprach die junge Dame im Laden ein wenig Englisch, der Rest war Zeichensprache. Komisch fand ich, dass sie meine Haare mit Papierhandtüchern trocknete. Naja, das spart enorm an Strom und Waschpulver und Handtuchverschleiß und funktionierte auch! Ein paar Mal musste ich mich dann schon noch durchfragen. Manche Leute guckten einfach weg (sprachen wohl kein Englisch oder Deutsch oder waren zu schüchtern, um zu reagieren). Aber bei den jungen Leuten klappte es ziemlich schnell mit der Wegerklärung. Ich denke, die hören, lesen so viel Englisch über a) die Schule, b) Musik und natürlich den Computer, dass sie keine Probleme haben und bereits sehr vertraut sind mit der Sprache. Frederick hatte inzwischen alles, was er sich vorgenommen erledigt und wir fuhren per Zug zurück zum Stellplatz.

Fussgängerzone mit altem Rathaus im Hintergrund

Fussgängerzone mit altem Rathaus im Hintergrund

Anmerkung: Auf dem Hauptbahnhof in Danzig haben wir die vornehmsten Toiletten unseres Lebens gesehen! Dunkler geschliffener Marmor, die übliche Concierge, also die Toilettenfrau, ohne die es in Polen (aber auch in Mecklenburg-Vorpommern begegneten wir in jeder öffentlichen Toilette diesen für Sauberkeit sorgenden Frauen) wohl nicht geht. Auch hier kostet „es“ zwischen 2 und 2,50 Zloties, also um die 50 Cent. Das zahlt man gern, denn dafür erwartet einen auch ein super sauberes Umfeld! Ich mag gar nicht daran denken, dass – wenn man an den öffentlichen Toiletten den Standard eines Volkes bemisst – wir in Deutschland (MacPom ausgenommen) ziemlich arm da stehen …

Mir fällt noch ein, dass wir uns – als wir nach Polen einreisten – ziemlich wunderten: Die großen Werbetafeln an den Straßenrändern wiesen auf E. Leclerc und Intermarché hin, beides Supermarktketten, die wir so gut aus Frankreich kennen! Waren wir falsch abgebogen? Ach, dann folgten weitere Schilder: Deichmann, Rossmann, Media-Markt, Bauhaus, OBI, die englische Supermarktkette Tesco. Aha, die Globalisierung. Der junge Mann aus dem Zug hatte uns gesagt, dass die Arbeitslosigkeit nur etwa 4 % beträgt, jedenfalls in der Danziger Gegend. Die vielen internationalen Firmen sorgen dafür, dass es gute Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Dann ist es ja gut.

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