Wissant

 In 2017, Frankreich

Samstag, 7. Oktober 2017

Wir mussten schauen, dass wir in die Gänge kamen, denn es war mal wieder soweit: kein Empfang im Internet, das Guthaben auf der deutschen SIM-Karte war verbraucht und wir brauchten neues. Über  Facebook hatten wir erfahren, dass die französische Firma „Free“ ein super Angebot im Programm hatte. 100 GB pro Monat für 20 € bei Nutzung in Frankreich und zusätzlich 50 GB bei Nutzung im EU-Ausland. Bei 1und1 zahlen wir für 10 GB 25 Euro im Monat. Ein wirklich krasser Unterschied. Aber man musste diese Karten in speziellen „Freecenter“ Läden kaufen, die es nur in den größeren französischen Städten gab. Eine davon war Boulogne-sur-Mer, das direkt auf unserer Strecke entlang der normannischen Küste lag, nur ca. 2 1/2 Stunden von St.-Valery-en-Caux. Wie praktisch. Wir fuhren also nicht mehr gemütlich durch die kleinen Seebäder mit „Plage (Strand) dies“ und „Plage das“, sondern fuhren zügig durch den ländlichen Zauber der Gegend, also Farmen und Felder. Da es geregnet hatte, waren die Straßen von den landwirtschaftlichen Fahrzeugen ziemlich verdreckt und unser Wohnmobil sah schlussendlich braun gesprenkelt aus, aber die Landschaft war dennoch schön! In einem Dorf stellten sich uns ein paar freche Hühner in den Weg, hatten sich auf der Straße breit gemacht. Später blockierte dann ein altes Feuerwehrauto eine Kreuzung … Aber alles halb so wild, wir kamen trotzdem zügig voran.

Nach etwa zweieinhalb Stunden hatten wir Boulogne-sur-Mer erreicht, eine Stadt mit ungefähr 42.500 Einwohnern. Die Stadt ist Frankreichs größter Fischereihafen und hat sich im Handel mit Hering spezialisiert. Da es immer noch stark regnete, parkten wir stadtnah am Fischereihafen und liefen los. Frederick hatte die Adresse des Ladens recherchiert und wir fanden ihn auch gleich. Der Kauf der Karte klappte gut, Verständigung war prima, einer vom Personal sprach Englisch.

Da wir keine Lust auf die Übernachtung in einer Großstadt hatten, zumal der nächste Tag ja ein Sonntag war und dort dann meist gähnende Langeweile herrscht, pendelten wir nun weiter die Küste entlang, in der Hoffnung, ein nettes Plätzchen zu finden. Die Straße schlängelte sich in weiten Bögen durch eine Dünenlandschaft. In der Ferne schimmerte das Meer grünlich, wir waren an der Opalküste. Wimereux ist ein hübsches Seebad, aber unser Navi führte uns bei mittlerweile besserem Wetter nach Wissant auf einen kostenlosen Stellplatz. Der lag ein bisschen versteckt am Rande der Ortschaft. Das kleine Seebad hat nur etwa 1000 Einwohner. Auf dem Stellplatz waren weitere Wohnmobile geparkt und so machten wir uns keine Sorgen.

Kostenloser Stellplatz in Wissant

Kostenloser Stellplatz in Wissant

Leyland Trecker Oldie im Dorf

Leyland Trecker Oldie im Dorf

Als erstes galt es wieder die Gegend zu erkunden und wir zogen bei starkem Gegenwind und warm angezogen los. Langsam merken wir, dass wir im Oktober sind und es sehr herbstlich wird. Durch eine kleine Ferienhaus-Siedlung (viele Holz-Fensterläden waren verrammelt) gelangten wir an den Strand, der uns völlig überraschte angesichts seiner Größe! Da war vielleicht was los bei dem Wind! An die 50 Kitesurfer tummelten sich auf dem Meer und genossen Wind und Wellen! Viele Familien tobten am kilometerlangen Strand (Perranporth/Cornwall lässt grüßen) herum, der auch deshalb so riesig erschien, weil gerade Ebbe war. Feinster Sandstrand, Dünenlandschaft, herrlich! Auch Hunde durften hier sein und hatten ihren Spaß beim Herumtollen.

Ein Schwarm von Staren über den Dünen

Ein Schwarm von Staren über den Dünen

Strandgut in Wissant und englische Küste

Strandgut in Wissant und englische Küste im Hintergrund

Das Überraschendste war jedoch, dass wir nach England rüber gucken konnten! Sind ja nur an die 35 km … wir konnten doch tatsächlich die weiss leuchtende Steilküste von Folkstone und Dover sehen! – Auf dem Rückweg stemmten wir uns ordentlich gegen den Wind und marschierten dann etwas geschützter zwischen den kleinen Häusern durch das Dorf. Hier sahen wir einige Hinweise darauf, dass Wissant wohl ein Künstlerdorf war/ist. Es zog und zieht Maler wegen des besonderen Lichts an, das Meer schimmert türkisfarben. Wir freuten uns auf den nächsten Tag, der richtig gutes Wetter versprach.

Strandgut - Floß aus Holzstämmen und Plastikflaschen

Strandgut – Floß aus Holzstämmen und Plastikflaschen

St.-Valery-en-Caux - Boulogne-sur-Mer - Wissant

St.-Valery-en-Caux – Boulogne-sur-Mer – Wissant

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Comments
  • H. und C.-D. Aßmann
    Antworten

    Hallo Dethleffs!
    Das war ja mal ein spannende Reportage.
    Eine Landschaft, die man eigentlich Küstenschaft oder Felsenschaft nennen müßte.
    Tolle Bilder, tolle Menschen und immer mal wieder der Blick bis zur englischen Küste.
    Paradiesisch – und dann noch das Meer mit seiner sich ständig verändernden Farbe, seiner Macht und der schier endlosen Weite.
    Da lacht das Fotografenherz und die Freude am gemeinsamen Erleben kennt keine Grenzen!
    Ich beneide Euch!
    Gruß Assi

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