Saint-Valery-en-Caux

 In 2017, Frankreich

Freitag, 6. Oktober 2017

Wir kamen recht spät aus den Kojen und mussten uns sputen, denn der Platz musste bis spätestens 12 Uhr verlasse werden, sonst müssten wir für einen weiteren Tag bezahlen. Kurz vor 12 Uhr brachen zum nächsten Ziel auf, etwa eine Stunde entfernt: St.-Valéry-en-Caux. Diesen Ort hatte uns ein netter alter Herr am Vortag empfohlen. Zuerst hatte er uns auf Französisch angesprochen, dann bemerkte er, dass wir Deutsche waren und wechselte ins Deutsche. Er hatte mit uns auf der Steilküste in Étretat gestanden und unsere Bewunderung für die Landschaft mitbekommen. Er wollte uns eine Freude mit der Empfehlung für einen weiteren Ort machen. Das war sehr nett.

Die Küstenstraße wies auf viele weitere kleine Badeorte hin, aber leider kann man nicht überall einen Stopp einlegen, dann kommt man ja nie an!
Das Navi führte uns in Saint-Valérie-en-Caux auf einen kostenlosen Stellplatz, der zwischen der hochaufragenden Steilküste und der Hafeneinfahrt liegt. Es war Hochwasser und die Wellen schlugen an einigen Stellen über die Straße! Aber wir kamen auf diesem schmalen Weg, der direkt an der Hafeneinfahrt entlang führte (ohne Mauerbegrenzung) sicher am Stellplatz an.

Stellplatz unter den Klippen

Stellplatz unter den Klippen

Stellplatz St. Valery en Caux mit Blick aufs Meer

Stellplatz St. Valery en Caux mit Blick aufs Meer

Saint-Valéry-en-Caux (ca. 4300 Einwohner) liegt an der Alabasterküste am Ärmelkanal. Das Meer schimmert dort türkisfarben, wohl wegen des Meeresbodens und sieht einfach toll aus. Als erstes schauten wir uns den Hafen mit hunderten vonFreizeitbooten und Yachten an. Man fragt sich wirklich, wieviel Geld da vor einem liegt und ob wohl jeder Franzose ein Boot besitzt. In den anderen Häfen, die wir besucht hatten, war es nicht anders: Boote dicht an dicht! Im kleinen Ortszentrum waren verstörend moderne Bauten, die Erklärung hierfür fanden wir später in einem Museum.

Immer zieht es uns hinauf zu den Klippen, also auch hier. Ein Gedenkstein erinnert an die britische 51. (Highland) Infanterie-Division. Sie kapitulierte hier 1940 im Zweiten Weltkrieg vor den deutschen Truppen, die sie eingeschlossen hatten. Im Kriegsverlauf wurden große Teile des Ortes zerstört. Ein weiteres Denkmal erinnerte an den Piloten Dieudonné und seinen Copiloten, die im September 1930 den Ort überflogen hatten auf ihrer Route von Paris nach New York.

Frederick beim Fotografieren des Fliegerdenkmals

Frederick beim Fotografieren des Fliegerdenkmals

Die moderne Kirche in St.-Valery-en-Caux

Die moderne Kirche in St.-Valery-en-Caux

Pionierflugzeug Denkmal

Pionierflugzeug Denkmal

Das Innere der modernen Kirche

Das Innere der modernen Kirche

Der Ausblick über Meer, Landschaft und Stadt entschädigte für die Mühen des Aufstiegs. Der Rückweg führte uns an einer Boulangerie (Bäckerladen) vorbei. Wir konnten der Versuchung nicht widerstehen und kauften etwas für den Kaffeenachmittag. Auch am Museum Maison Henri IV. kamen wir nicht vorbei, sondern mussten hinein, Eintritt: 2 Euro, viel zu billig für den Besuch eines Hauses aus dem Jahre 1540! Das Haus ist im normannischen Fachwerkstil erbaut und hat die Bombardierung im Krieg wie ein Wunder überlebt. Es liegt an der Hafeneinfahrt (Schleuse mit Klappbrücke) und beherbergt heute wechselnde Ausstellungen. Wir sahen uns eine Fotoausstellung an und die übrigen Räume, die mit schönen alten Möbeln und „Heimatkunde“ bestückt waren.

Fotoausstellung im Maison Henri IV

Fotoausstellung im Maison Henri IV

Der Sportboothafen-von-St.-Valery-en-Caux

Der Sportboothafen-von-St.-Valery-en-Caux

Ein Thema war auch hier wieder der Zweite Weltkrieg und Fotos von der Zerstörung des Ortes machten klar, dass es nichts mehr gab für einen Wiederaufbau. Ein Foto von 1947 zeigte den kompletten Abriss der Innenstadt. Da stand nichts mehr, keine Ruine, kein Baum, nur ein plangemachtes Fleckchen Erde. Danach startete man den Neuaufbau. Da schnell wieder Wohnraum benötigt wurde, wurden moderne Häuser hochgezogen.

In einer kleinen Bar wollten wir etwas essen, aber leider hatte die Küche schon geschlossen. Unser Eindruck ist, dass in Frankreich die Mittagszeit recht strikt eingehalten wird, also zwischen 12 und 14 Uhr. Wir tranken dann nur eine. Kaffee und – weil das Wetter so gut war – liefen noch mal zurück an die lange Promenade und an den Steinstrand, hier war das Sammeln wieder erlaubt!

Wir haben kaum „Fast-Food“-Stände in den Hafenstädten gesehen. Es „füttert“unsere Theorie, dass es hier deshalb auch keine lästigen Möwenattacken zu beklagen gibt. Man sieht so gut wie nie Franzosen auf der Straße irgendetwas aus der Hand essen, außer vielleicht mal ein Eis. So bleibt auch diese schöne Promenade und vor allem die Stadt von den Hinterlassenschaften der Möwen (sie bleiben auf See) verschont. In Cornwall ist das nämlich ein Riesen-Problem. Mittlerweile gibt es dort endlich Verbotsschilder (mit Strafandrohung) Möwen zu füttern.

Für uns wurde es Zeit für die Rückkehr zum Wohnmobil. Fotos wollten bearbeitet werden und ein bisschen Schreiben war auch nötig.

Stadtzentrum St. Valery en Caux, Strand und Promenade

Stadtzentrum St. Valery en Caux, Strand und Promenade

Étretat - St.-Valery-en-Caux

Étretat – St.-Valery-en-Caux

Recent Posts

Leave a Comment

Kontakt

Deine Nachricht:

Not readable? Change text.